Close Menu
    Facebook Instagram YouTube
    Facebook Instagram
    Filmtoast.de – Filmkritiken mit Biss
    • Startseite
    • Kritiken
      • Filme
      • Serien
    • Features
    • News
    • Über uns
      • Wer sind wir?
      • Unsere Autor*innen
      • Filmtoast auf Social Media
      • Werde Teil des Teams
      • Finanzielle Unterstützung
    Filmtoast.de – Filmkritiken mit Biss
    Startseite » Sentimental Value
    Drama Familie Filme

    Sentimental Value

    Luca Mattysvon Luca Mattys5. Dezember 2025Keine Kommentare7 min Lesezeit
    Facebook WhatsApp Twitter Pinterest Email Reddit LinkedIn Copy Link
    Share
    Facebook WhatsApp Twitter Pinterest Email Telegram Copy Link

    In der Oscar-Konversation gilt Cannes-Erfolg Sentimental Value bereits seit Monaten als Geheimtipp. Wir verraten euch in unserer Kritik, ob das neue norwegische Drama von Joachim Trier dieses Versprechen auch einhalten kann!

    Sentimental Value – darum geht’s

    Die Schauspielerin Nora Borg (Renate Reinsve) begegnet bei der Trauerfeier ihrer Mutter nach langer Zeit ihrem Vater (Stellan Skarsgård) wieder. Dieser ist ein bekannter Regisseur, dessen Schaffen stets Priorität vor seiner Familie hatte. Während ihre Schwester Agnes (Inga Ibsdotter Lilleaas) ihm wohlgesonnen scheint, kann Nora ihre Entfremdung nicht vergessen. Als er ihr ein eigens für sie geschriebenes Drehbuch vorlegt, lehnt sie ab. Später erfährt sie, dass ihr Vater das Projekt dennoch umsetzen will – nun mit Hollywood-Star Rachel Kemp (Elle Fanning) in der Hauptrolle. Als Drehort soll das Haus der Familie dienen. Doch der Film steht auf wackligen Beinen. Nicht nur mag Rachel sich nicht recht in der Figur zurechtfinden, das Skript bespricht auch ein Bild der Borgs, das Nora – und vielleicht auch Vater Gustav – bislang verborgen geblieben ist.

    Key-Art © 2025 PLAION PICTURES

    Eltern-Haus

    Nicht einmal zehn Sekunden vergehen, bis Sentimental Value unmissverständlich klargemacht hat, dass dem Publikum nun 135 der besten Kinominuten des Jahres bevorstehen. Eine in präzisen Bildern eingefangene Montage des Hauses der Borgs, begleitet von einer Erzählstimme aus dem Off – inzwischen eines von Joachim Triers Markenzeichen – bereitet die Bühne für das Kommende. Präsentiert werden Ausschnitte aus einem Schulaufsatz der jungen Nora über die Gefühle eines leblosen Gegenstands. Dass ihre Wahl auf das Haus fiel, das sich seit Generationen im Familienbesitz befindet, ist kein Zufall. Trier und Co-Autor Eskil Vogt etablieren bereits früh das buchstäbliche Elternhaus als Sinnbild für Dynamiken innerhalb einer Familie. Das Haus, so Nora, fühlt sich am liebsten gefüllt, unruhig und voller Leben. Doch mit der Trennung der Eltern und dem Auszug des Vaters wird es leichter. Eine vor Jahren übersehene Absenkung bricht nach und nach einen Riss in die Mauer, der sich die Wand emporschlängelt.

    Die intelligent herausgearbeitete Metapher wird inszenatorisch durch das entsprechend dynamische Set weiter aufgewertet. Das Borg-Haus dient als eigene Figur, die mit ihrer Umwelt interagiert. Die Konstanten, die sich durch Generationen ziehen, sind ebenso relevant wie die Variablen, die mit der Zeit Veränderungen durchleben. Ausstattungsarbeit wie diese ist es, die im kommenden Januar mit einer Oscar-Nominierung für das beste Szenenbild bedacht gehört. Die Inneneinrichtung, die untrennbar mit den Bewohner:innen verknüpft ist, fängt ganze Lebensrealitäten ein. Jedes Möbelstück hat eine greifbare Geschichte – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Keine der Requisiten fühlt sich an wie extra für den Film hergestellt. Sie alle wirken, als wären sie lange vor der ersten Sekunde der Laufzeit bereits fleißig benutzt worden.

    Aus dem Leben

    Eine ähnlich beeindruckende Beobachtungsgabe legen Trier und Vogt auch bei der Zeichnung ihrer Figuren an den Tag. Ihr enormes Einfühlungsvermögen erlaubt es dem Publikum, konstant eigene Schlussfolgerungen zu treffen, ohne dass die Gedankenwelten der Hauptakteur:innen beliebig scheinen. Sämtliche Dynamiken sind erstklassig aufbereitet, werden aber nie zu eindeutig oder nachdrücklich beschrieben. Der Film meistert außerdem den schmalen Grat zwischen selbstreferenzieller und selbstgefälliger Metaebene und umgeht potenzielle Stereotype. Sämtliche Dialoge sind hervorragend geschrieben und authentisch. Im Vergleich wirkt der aktuelle Netflix-Gähner Jay Kelly trotz diverser thematischer Überschneidungen wie Kindergekritzel, dessen Autor Noah Baumbach merklich seit Ewigkeiten keine Konversation mehr mit einer Person geführt hat, die nicht sechsstellig im Jahr verdient.

    Gustav und Nora haben sich nicht viel zu sagen. © Plaion Pictures

    Erwähnenswert ist außerdem der enorme Detailreichtum in der Charakterisierung durch winzige Nuancen im Schreibstil. Stellan Skarsgårds Gustav beispielsweise, der sein norwegisches Drehbuch ins Englische übersetzt hat, formuliert in seiner Muttersprache merklich freier, formschöner und aussagekräftiger. Dies wird von keiner anderen Figur thematisiert und ist nicht aufdringlich präsentiert, aber macht Gustav dennoch augenblicklich lebensnaher. Wenn Trier in einer begnadeten Film-im-Film-Sequenz ein altes Werk des fiktiven Regisseurs einbaut, lassen sich durch den Stil, die Kameraführung und die Handwerkskunst mit Leichtigkeit Rückschlüsse auf dessen Drehprozess schließen. Die Charakterisierung erfolgt hier wortlos durch eines von Gustavs Projekten. Trier beweist in diesem Moment nicht nur inszenatorische Variabilität, sondern setzt diese Facette auch noch zielgerichtet ein. Ganz große Kunst!

    Überall doppelte Böden

    Neben der nonverbalen Kommunikation, durch die Sentimental Value brilliert, stechen selbstredend ebenso die fantastischen Dialoge hervor. Triers und Vogts Kontrolle über Subtext dient als Stütze für vielschichtige Konversationen, die keine Zeile verschwenden oder eindimensional präsentieren. Im Grunde führen alle Figuren in diesem Film durchgehend zwei Gespräche gleichzeitig – das gesagte und das implizierte. Jede Aussage eröffnet einen neuen doppelten Boden, enthüllt einen Gedanken, der verborgen bleiben soll, oder lässt auf einen internen Konflikt schließen. Aus wenig wird viel. Während in anderen Filmen ganze Szenen vergehen, ohne dass ein wertvoller Gedanke kommuniziert wurde, nutzen die Autoren dieses Skripts jedes Wort.

    Dabei verlieren Trier und Vogt die inszenatorische Komponente nicht aus den Augen. Subtile Entscheidungen darüber, wie Informationen enthüllt werden, lassen den Film noch effizienter arbeiten. Bereits die Einführung von Gustav auf der Trauerfeier seiner ehemaligen Lebensgefährtin unterstreicht dies. Wo neun von zehn Regisseur:innen es dabei belassen hätten, Nora ein Gespräch zwischen ihrem Vater und anderen Gäst:innen aus der Ferne beobachten zu lassen, macht sich Sentimental Value das Set zunutze und führt ein Designelement ein, das Lauschen aus einem anderen Raum ermöglicht. Bereits dieses Detail offenbart – erneut wortlos – unendlich viel über unsere Protagonistin, ihr Verhältnis zu ihrem Vater und das Leben in ihrem Elternhaus. Dass besagtes Designelement hier lediglich eingeführt wird, um sich als roter Faden durch eine spätere Szene zu ziehen, ist dabei die Kirsche auf der Sahne.

    Der Vorteil des Autorenfilmers

    Durch seine Tätigkeit als Drehbuchautor und Regisseur ist Trier selbstverständlich in der Lage, bereits beim Schreibprozess visuelle Konzepte zu entwerfen, die seine Vision bestmöglich unterstützen. Neben der eingangs erwähnten Montage mit Narration kann er so noch weitere Male mit der eher simplen, aber effektiven Präsentation brechen, um den Film stilistisch anregend zu gestalten. Ein besonderes Highlight sind die sinnigen Schnittentscheidungen, die die Laufzeit von über zwei Stunden trotz potenziell sperrigem Material butterweich ablaufen lassen. Dabei stören lediglich einige kleinere unschöne Timing-Fehlentscheidungen marginal. Ganz rund ist es beispielsweise nicht, dass in mehreren Szenen konsequent immer dann auf eine Figur geschnitten wird, wenn sie dabei ist, ihren Satz zu beginnen. Dies ist angesichts der brachialen Zusammensetzung dieses Films allerdings nur ein winziger Wermutstropfen.

    Die trotz ihrer scheinbaren Einfachheit sehr perfektionistische und ausgeklügelte Kameraarbeit, bei der jedes Bild optimal komponiert ist, bietet den durch die Bank weg fantastischen schauspielerischen Darbietungen des Hauptcasts viel Raum. So glänzen alle vier zentralen Performances mit einzigartigen Expressionen und Augen, die Geschichten erzählen. Insbesondere Renate Reinsve stehen ganze Bücher ins Gesicht geschrieben. Ihre reifen und professionellen Leistungen in den vergangenen Jahren finden hier zweifelsohne ihren Höhepunkt. Ähnlich begnadet agiert Stellan Skarsgård, dessen Trophäenschrank sich in den kommenden Monaten sicherlich etwas füllen dürfte. Das perfekte Casting für sämtliche Rollen wird durch die spürbare Chemie in jedweden Figurenkonstellationen sichtbar. Diese vier Personen funktionieren gemeinsam nicht nur, sie machen sich gegenseitig besser.

    Augenblicklich ist Gustav von Rachel Kemp begeistert. © Plaion Pictures

    Elle Fanning ohne Ego

    Noch einmal gesondert muss in diesem Kontext Elle Fannings Figur der Rachel Kemp genannt werden, deren Anlegung eine besonders außergewöhnliche Darstellung ermöglicht. Fanning verkörpert hier nicht, wie im Hollywood-Kino gerne gesehen, eine besonders großartige oder eine besonders erbärmliche Schauspielerin. Ihre Rachel ist solide, unter der richtigen Regie vielleicht sogar gut. Doch sie ist weit entfernt von der Speerspitze ihrer Generation, als die Gustav sie tituliert. Dieser Ansatz, der parodieartige Überspitzung quasi vollständig ausschließt, ist unendlich herausfordernd. Fanning (deren Leistung natürlich besser als nur gut oder gar solide ist) meistert diese Herausforderung mit Bravour.

    Ihre schauspielerische Sternstunde –  ein nächtliches Gespräch zwischen Rachel und Gustav, in dem sie ihm eine Entscheidung mitteilt – offenbart eine völlig von Ego befreite, gewagte Performance. Fanning macht sich hier ungewöhnlich verletzlich. Gemeinsam mit dem Drehbuch findet sie in einer Figur, die wir im Film zumeist nur als Abziehbild erleben dürfen, wahren Tiefgang.

    © Plaion Pictures

    Unser Fazit zu Sentimental Value

    4.5 Fast perfekt

    Bereits mit Der schlimmste Mensch der Welt landete Joachim Trier einen Überraschungstreffer. Renate Reinsves Hauptrolle sowie das ehrlich-schwungvolle Buch bezauberten Zuschauer:innen auf großen Festivals sowie in Multiplex-Sälen. Sentimental Value dürfte nicht ganz dieselbe allgemeine Massentauglichkeit erreichen, ist aber sogar noch besser. Auf wunderbar reife Art und Weise setzt sich der Film mit der Beziehung zwischen Künstler:in und Werk auseinander und bespricht die besondere Fallhöhe, die mit einer Vermischung von Persönlichem und Kreiertem einhergeht. Dies geschieht auf einem Spektrum, das von nachdenklicher Melancholie bis charmantem Insiderhumor alle Gefühlsregungen abdeckt. Mit diesem herausragenden Beitrag etabliert sich Trier endgültig als zeitgenössischer Meister, der seine ganz eigene cineastische Sprache spricht. Sein Händchen für sichere Dialogregie und unaufgeregte Inszenierung wird zwischen Massen von gehetztem Blockbuster-Schund und seelenlosem Arthouse-Kitsch bitter benötigt. Zusätzlich sieht Sentimental Value auch noch gut aus und ist mit einem geschmackvoll ausgewählten Soundtrack untermalt. Ein klares spätes Highlight für 2025!

    • User Ratings (0 Votes) 0
    Luca Mattys

    Filmverrückter aus Leidenschaft, Oscar-Trivia-Lexikon auf zwei Beinen und vermutlich der Hauptgeldgeber aller Düsseldorfer Kinos. Jeden Dienstagmittag bastelt Luca sich gewissenhaft sein Wochenprogramm zusammen und gibt renommierten Klassikern dabei dieselbe Chance wie hoffnungslosem Müll. Für ihn gibt es keinen schöneren Ort auf der Erde als das Innere eines Kinosaals. Seit inzwischen zwei Jahren schreibt er Kritiken für Filmtoast und schaut auch ab und zu mal frech im Podcast vorbei, wenn niemand ihn aufhält. Wenn er nicht gerade über die diversen Gründe philosophiert, warum "Brügge sehen … und sterben?" der beste Film aller Zeiten ist, oder sich über die Sieger:innen der vergangenen Preissaison echauffiert, versucht er, seine DVD-Sammlung abzugrasen, von der noch immer ein schockierender Anteil originalverpackt ist.

    • Luca Mattys
      Father Mother Sister Brother
    • Luca Mattys
      Sentimental Value
    • Luca Mattys
      Im Schatten des Orangenbaums
    • Luca Mattys
      Souleymans Geschichte
    Vorheriger BeitragThe Mighty Nein
    Nächster Beitrag Hi-Five

    Weitere Beiträge

    3.5

    Splitsville

    von Jan Werner
    3.0

    The Housemaid – Wenn sie wüsste

    von Stefan Brüning
    3.5

    The Rip

    von Jan Werner
    3.5

    28 Years Later: The Bone Temple

    von Felix Knorr
    3.0

    Dust Bunny

    von Jan Werner
    4.0

    Der Fremde

    von Jan Werner
    Kommentar hinzufügen
    Hinterlasse einen Kommentar Cancel Reply

    Neueste Beiträge

    Splitsville

    18. Januar 2026

    Heated Rivalry – Staffel 1

    17. Januar 2026

    The Housemaid – Wenn sie wüsste

    16. Januar 2026

    The Rip

    16. Januar 2026
    We are social
    • Facebook
    • Instagram
    Über uns
    Über uns

    Filmkritiken, Serien-Reviews und Streaming-Tipps. Wir bieten Einblicke, aktuelle Besprechungen und ehrliche Meinungen zu allem, was auf Leinwand oder Bildschirm läuft. Einfach, direkt und ohne Hype.

    Links
    • Über uns
    • Filme
    • Serien
    • Features
    • News
    Facebook Instagram
    • Datenschutzerklärung
    • Impressum
    © 2026 Filmtoast.de

    Suchbegriff eingeben, um zu starten. Tippe X, um die Suche zu schließen.