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    Startseite » Mörder hinter der Tür
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    Mörder hinter der Tür

    Andreas Krasseltvon Andreas Krasselt27. Dezember 2022Keine Kommentare8 min Lesezeit
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    Flashback: Der Fremde (Charles Bronson) hat zwar keine Erinnerungen, doch diese Bilder vom Mord an einer Frau am Strand sind in seinem Kopf. © Plaion Pictures
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    Mit Charles Bronson und Anthony Perkins stehen sich in Mörder hinter der Tür zwei Charaktere in einem kammerspielartigen Psychoduell gegenüber, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Ob die Spannung dieses 70er-Jahre-Streifens auch heute noch anhält, erfahrt Ihr in unsere Rezension.

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    Das Cover A des Mediabooks von Mörder hinter der Tür zeigt in der oberen Hälfte die gezeichneten Köpfe von Jill Ireland als Frances, Anthony Perkins als Laurence und Charles Bronson als der Fremde. In der unteren Bildhälfte würgt der Fremde die liegende Frances.
    Das Cover A des Mediabooks von Mörder hinter der Tür. © Plaion Pictures

    Die Handlung von Mörder hinter der Tür

    Der Neurochirurg Laurence Jeffries (Anthony Perkins) will in Mörder hinter der Tür gerade das Krankenhaus verlassen, als ein Fischer dort einen verwirrten Fremden (Charles Bronson) abliefert, der offenbar das Gedächtnis verloren hat. Nach einer kurzen Untersuchung entschließt sich Jeffries, den Mann mit zu sich nach Hause zu nehmen. Dort könne er ihn besser kontrollieren, sagt er. Dass dies durchaus wörtlich und nicht im medizinischen Sinne zu verstehen ist, wird schnell klar.

    Jeffries hält die Anwesenheit des Fremden vor seiner Frau Frances (Jill Ireland) verborgen. Die ist gerade im Begriff, das Haus für ein paar Tage zu verlassen, angeblich, um nach London zu fahren. Tatsächlich aber reist sie nach Paris, um ihren Liebhaber, den Journalisten Paul Damien (Henri Garcin) zu treffen. Doch Laurence weiß längst von dieser Affäre. Und der Fremde ohne Gedächtnis kommt ihm da wie gerufen. Er entwickelt einen so perfiden wie komplizierten Plan, sich seines Nebenbuhlers zu entledigen. Als Neurochirurg weiß er, wie er das Gehirn eines Menschen manipulieren kann. Er drückt dem Fremden seine eigene Identität auf. Und der ist offenbar ein aus der Psychiatrie entlaufener Mörder, mit einem Hang zu Gewaltausbrüchen.

    Wer steckt denn hinter welcher Tür?

    Jemand hinter der Tür – der Filmtitel bleibt im Original etwas vager  als der deutsche Mörder hinter der Tür, oft mit dem Artikel „Der“ in ein noch eindeutigeres Singular versetzt. Doch wer ist damit gemeint? Der Arzt und Manipulator oder der psychopathische Fremde ohne Gedächtnis? Welche Tür ist gemeint? Die Tür zum Haus der Jeffries? Die zum Gästezimmer, in dem Laurence den Fremden versteckt? Die Tür zum Arbeitszimmer des Neurochirurgen? Es gibt viele Türen in dem Film von Nicolas Gessner, die ihre Bedeutung haben. Die entscheidende Tür aber ist die zum Gehirn, wie ein altes Filmplakat deutlich zeigt.

    Laurence Jeffries, gespielt von Anthony Perkins, untersucht den an Amnesie leidenden Fremden, gespielt von Charles Bronson.
    Untersuchung: Laurence Jeffries (Anthony Perkins) nimmt den an Amnesie leidenden Fremden (Charles Bronson) unter die Lupe. © Plaion Pictures

    Dahinter kann sich vieles verbergen, und Laurence ist befähigt, das freizulegen, aber auch Neues zu implantieren. Er ist kein einfühlsamer Psychologe, sondern ein Mechaniker des Verstandes, dessen Werkzeug die Einflüsterung ist. Das für ihn menschliche Beziehungen nur im technischen Sinne bestehen, macht bereits der Vorspann von Mörder hinter der Tür deutlich: Man hört einen Herzschlag, dann verschiedene Geräusche medizinischer Gerätschaften, das Erstellen eines EEGs. Kalte Technik durchleuchtet einen Kopf. Niemand sagt etwas. Laurence operiert durch ein optisches Gerät, er sieht nicht den Menschen, sondern nur sein Arbeitsgebiet. Als ihm nach der OP eine Schwester über den nackten Rücken streichen will, wendet er sich ab. Das Körperliche scheint ihm zuwider. Da wundert es nicht, dass sich seine Frau woanders Zärtlichkeiten holt.

    Das Gedächtnis erinnert an Elektronik

    Dem steht der Fremde mit seinem körperbetonten, oft ins Animalische gleitende Wesen konträr gegenüber. Charles Bronson mimt diesen verwirrten, anfangs geistesabwesend wirkenden Mann durchaus gekonnt. Mit hochgezogenen Schultern, gedrückt-gedrungener Körperhaltung fragt er verunsichert: „Was soll nun mit mir werden?“ Doch Laurence hat dazu eine passende Antwort parat. Wie ein Computerprogrammierer fängt er an, dem Fremden neue Erinnerungen zu suggerieren. Ihm einzureden, die untreue Frau sei die seine, der Nebenbuhler sein Feind, den er zur Rede stellen müsse – oder mehr. „Das Gedächtnis, es ist faszinierend“, sagt er. „Es erinnert an Elektronik.“

    Frances Jeffries, gespielt von Jill Ireland, wartet in Mörder hinter der Tür im Ehebett vergeblich auf ihren Mann.
    Unglücklich: Frances Jeffries (Jill Ireland) findet im Ehebett keine Zärtlichkeiten mehr. © Plaion Pictures

    Schon sehr früh wird klar, dass der Arzt seinen Patienten manipuliert und belügt. Doch die ganze Komplexität des perfiden Plans in Mörder hinter der Tür offenbart Regisseur Gessner geschickt in kleinen Portionen, Stück für Stück. Vieles wird anfangs nur angedeutet. Kurze Flashbacks in den Gedanken des Fremden, der sich an eine Frau am Strand erinnert, verdichten sich zu einem mörderischen Verdacht, der jedoch erst gegen Ende des Films zur Gewissheit wird. Beim Zuschauer. Laurence hat diese Gewissheit bereits nach einem Besuch am Strand. Wir sehen nur einen einzelnen Schuh, der Blick des Chirurgen aber lässt mehr erahnen.

    Die Mörder hinter der Tür sind die einfachen Leute

    Der Glaube, eine Frau zu haben, die ihn betrügt, weckt in dem Fremden atavistische Gefühle und Gewaltausbrüche, ganz im Sinne des Manipulators. Zuvor, noch im Gespräch mit seiner Frau, hat Jeffries seine Geisteshaltung offenbart. Es ging um einen Zeitungsbericht über einen Gattinnenmord. „Es sind immer die einfachen Leute, die so etwas Schreckliches anstellen“, sagt Frances. Und ihr Mann entgegnet: „Weil die einfachen Leute noch Mut zu ihren Gefühlen haben. Weil sie einfach sind, können sie sich befreien. Die Hochgezüchteten leiden schweigend.“ Der Hochgezüchtete finde einfach ein raffinierteres Mittel.

    Charles Bronson ist in Mörder hinter der Tür als Fremder ohne Gedächtnis in einer für ihn untypischen Rolle zu sehen.
    Ungewohnter Typus: Charles Bronson ist als Fremder ohne Gedächtnis in einer für ihn unüblichen Rolle zu sehen. © Plaion Pictures

    Anthony Perkins gibt in Mörder hinter der Tür einmal mehr einen innerlich Zerrissenen. Diesmal nicht wie in Psycho einen, der selbst mordet, sondern einen, der morden lässt. Dennoch ist der Rollentyp ähnlich. Was nichts daran ändert, dass er eben diese Rolle perfekt ausfüllt. Auch Charles Bronson ist allzu häufig ein Opfer des Typecastings geworden, was hier nicht unproblematisch ist.

    Bronson muss gegen sein Image anspielen

    Bronson, zuvor auf toughe Nebencharaktere wie in Die glorreichen Sieben oder Das dreckige Dutzend festgelegt, versuchte in seiner europäischen Phase nach Spiel mir das Lied vom Tod etwas vielfältiger zu werden, bevor er schließlich mit Ein Mann sieht rot auch in den USA zum Superstar avancierte. Die Filme dieser Ära wie Der aus dem Regen kam oder Du kannst anfangen zu beten (aka Bei Bullen singen Freunde nicht) waren anspruchsvoll, an seinem Image als cooler Einzelgänger änderten sie aber wenig. Auch wenn er dabei zeigen konnte, dass er sein Metier durchaus beherrschte.

    Das gelingt ihm auch in Mörder hinter der Tür, insbesondere die dramatischen Wechsel zwischen begossenem Pudel und ausrastendem Gewaltmenschen sind eindrucksvoll. Doch verbindet man mit seiner Erscheinung etwas anderes. So wird der subjektive Blick zum überkritischen Bewerter. Und die Vorstellung, dass dieser Typ sich doch so nicht verhalten könne, zum Maßstab. Nicht immer scheint daher Bronsons Spiel glaubwürdig, zumal seine in Filmen geschulte Leinwandpräsenz einen ganz anderen Charakter hat, als die vom Theater geprägte Perkins‘.

    Theater als Film

    Und dieses im Wortsinne theatralische Spiel passt besser zu dem ohnehin stark an ein Theaterstück erinnerndes Kammerspiel, das zum allergrößten Teil eben nur im Haus des Arztes, und auch dort vor allem im Wohnzimmer spielt. Man merkt, dass Nicolas Gessner eigentlich von der Bühne kommt. Was sich auch in der filmischen Umsetzung bemerkbar macht. Die Kameraführung ist eher statisch, viel mehr als Schwenks und Zooms sind nicht zu sehen. Was Mörder hinter der Tür für das heutige, entfesselte Kamerafahrten gewohnte Publikum etwas langatmig macht.

    Der Fremde, gespielt von Charles Bronson, geht seiner vermeintlichen Frau Frances, gespielt von Jill Ireland, an die Kehle.
    Rollenwahn: Der Fremde geht seiner vermeintlichen Frau Frances an die Kehle. © Plaion Pictures

    Freilich hilft der Verzicht auf optische Mätzchen, sich auf den Inhalt zu konzentrieren. Wobei der Schnitt hier im besten Sinne einer Montage zur Entdeckung verborgener Wahrheiten ausgezeichnet genutzt wird. Nicht nur zu Beginn bei der Charakterisierung der medizinisch-technischen Lebenswelt Laurences, auch am Schluss, wenn die stakkatoartig gegeneinander montierten Bilder von Laurence und Frances beide als leidende Gescheiterte in Szene setzen. Während der Fremde – mittlerweile von der Polizei gesucht – am morgendämmrigen Strand seinem ungewissen Schicksal entgegen taumelt.

    Unser Fazit zu Mörder hinter der Tür

    Nicolas Gessners Mörder hinter der Tür ist ein spannendes Psychoduell zwischen zwei Topschauspielern der 60er und 70er Jahre. Doch während Anthony Perkins seinem Rollenschema treu bleiben kann, muss Charles Bronson gegen sein Image anspielen – was nicht immer perfekt funktioniert. Dennoch bietet der Film exzellentes Schauspielerkino. Statische Kameraführung und das kammerspielartige Setting erinnern zwar stark an ein Theaterstück, dem steht indes die gelungene Montage gegenüber, die ein mehrmaliges Anschauen lohnenswert macht. Das Mediabook enthält neben einem englischsprachigen Audiokommentar des Regisseurs eine kurze, siebenminütige Einführung des französischen Filmhistorikers Jean-Baptiste Thoret. Doch vor allem der ungewöhnlich ausführliche Text von Stefan Jung im Booklet liefert eine Menge Informationen insbesondere aus psychoanalytischer und filmtheoretischer Perspektive. Mehr dazu auch in unserem Unboxing-Video auf unserem Youtube-Channel.

    Das Mediabook Mörder hinter der Tür ist am 8. Dezember 2022 erschienen. Es gibt zwei Covervarianten, wobei das Mediabook Cover B exklusiv von amazon vertrieben wird.


    © Plaion Pictures

    Andreas Krasselt

    Andreas lebt im Raum Hannover. Er ist Journalist und fest angestellter Redakteur bei einer Tageszeitung – und nebenbei Musiker in einer Bluesrock-Band. Bei Filmtoast schreibt er seit 2019 Rezensionen. Filmfan ist er, seit er im zarten Alten von sechs Jahren von seiner Mutter jeden Sonntag in die Kindervorstellung des Stadtteilkinos abgeschoben wurde (so was gab es damals noch). Lieblingsgenre: Western, insbesondere die italienische Variante. Daher ganz klar der Lieblingsfilm: Spiel mir das Lied vom Tod, den er mit 12 schon dreimal im Kino gesehen hatte. Aber es gibt kaum ein Genre, dem er nichts abgewinnen kann. Weitere Favorites: Der Tod in Venedig, Im Zeichen des Bösen, 2001 sowie Leichen pflastern seinen Weg. Tja, und sein Guilty-Pleasure-Favorite ist Predator 2 von dem total unterschätzen Stephen Hopkins. Filme guckt er zwar gerne im Kino, ist aus Zeitmangel aber auf das Heimkino gewechselt, weshalb seine private Filmsammlung auch mehr als 1000 Titel umfasst.

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