Während sie in The Fantastic Four: First Steps für Vanessa Kirby kürzlich noch um die Rettung der ganzen Welt ging, geht es für die Britin in Night Always Comes nun um deutlich menschlichere Probleme.
Darum geht’s in Night Always Comes
Night Always Comes erzählt die Geschichte von Lynette, einer Frau, die alles riskiert, um sich das Haus zu sichern, das ihrer Familie eine Zukunft bieten soll. Auf einer gefährlichen Odyssee, die nur eine einzige Nacht lang dauert, ist sie gezwungen, sich ihrer dunklen Vergangenheit zu stellen, um sich endlich zu befreien.
Eine Albtraumnacht im Safdie-Style
Night Always Comes ist ein geradliniger ziemlich klassischer Sozial-Kritik-Thriller, der sich um eine einzelne schicksalhafte Nacht ganz aus der Perspektive seiner Protagonistin dreht. Nahezu mit Echtzeitgefühl werden dabei – bei tickender Uhr, die einem immer wieder die Dringlichkeit vor Augen führt – in Etappen immer brenzligere Situationen und Notlagen gezeigt, in denen Lynette auf teils widrigste Widerstände stößt und je länger die Nacht andauert immer mehr bereit ist, wirklich alles zu tun, um an das nötige Geld zu kommen. Eine hektische, düstere, vor allem aber auch hypnotische Eskalationsspirale, die sich sichtlich an vergleichbaren Thrillern der letzten Jahre orientiert hat.
So wird man recht schnell an den Safdie-Brothers-Film Good Time mit Robert Pattinson denken, denn auch dort ging es um ein Geschwistergespann, das sich durch die düstersten Ecken der nächtlichen Gesellschaft schlagen muss. Spannenderweise war dort wie nun auch hier Jennifer Jason Leigh im Cast dabei. Doch allein durch das Nachtsetting, das soziale Milieu und die moralischen Grenzerfahrungen ähnelt dieser Netflix-Film auch Running Scared oder A Good Woman is Hard to Find zum Teil sehr stark.
Viel Elend, viel Kritik, wenig Neues
Hatte man aber bei Good Time noch eine gewisse Finesse in der Inszenierung als herausstechendes Argument, so ist Night Always Comes diesbezüglich ziemlich formelhaft aufgebaut, dadurch nicht wirklich überraschend oder frisch. Zudem ist der hier offenbarte Einblick in die gravierenden Missstände im Sozialstaat der USA, die Wohnungsnotsituation und das fehlende Auffangsystem zwar erschütternd und sogar ziemlich authentisch für einen Thriller – Anno 2025 sind das aber leider keine neuen Erkenntnisse mehr. So wirkt es in Teilen gar zu forciert, wie hier die Kritik daran eingebaut und vorgetragen wird. Auch alles in Bezug auf das Schicksal der Protagonistin und ihre herausfordernden familiären Verhältnisse ist überzeugend dargeboten und geht auch unter die Haut, doch wirkt es zum Teil auch etwas übervoll von Problemen, sodass die einzelnen Aspekte in der (unglaubwürdigen) Masse an Wirkung einbüßen.
Toll gespielt, solide spannend
Vanessa Kirby trägt den Film nahezu im Alleingang. „Nahezu“, denn ein zweiter Actor ist einerseits hier nochmal eine weitere spannende Komponente und andererseits auch in der Kombination mit Kirby eine absolute Bereicherung: Zack Gottsagen, der in Peanut Butter Falcon schon eine Hammer-Performance an der Seite von Shia LaBeof abliefert, spielt hier den älteren Bruder der Hauptfigur und hier einige der besten Szenen für sich reklamieren kann. On Top gibt es noch einige namhafte Auftritte, die zwar in den jeweiligen Szenen kurz für Aha-Momente sorgen, aber alles in allem jetzt nicht groß im Gedächtnis bleiben. Hier zu nennen sind Randall Park, Michael Kelly, Julia Fox, Eli Roth und Jake McDornan.
Der Thriller ist mit etwa 100 Minuten Laufzeit angemessen lang, legt es aber auch immer wieder drauf an, zwischen den Begegnungen ruhige Minuten zur Reflexion einzubauen. Die Stationen auf Lynettes Odyssee durch die Nacht sind durch die Bank spannend, profitieren von der Bekanntheit der Gaststars und schaffen es auch ein paar Mal ordentlich den Puls nach oben zu treiben. Auch der Schlussakkord und die Message der letzten Szenen sitzen.
© Netflix.
Unser Fazit zu Night Always Comes
Night Always Comes ist nicht der typische Netflix-Film, weil hier einerseits schon Aufmerksamkeit vom Publikum gefordert wird und andererseits die entscheidenden Momente die stillen sind. Vanessa Kirby und Zack Gottsagen funktionieren als Duo grandios und auch die Spannung wird über die Laufzeit gut gehalten. Leider hat der Film aber wenig Neues zu sagen und übertreibt es in Teilen mit dem Bohren in der Wundes des marodierten Sozialsystems in den Vereinigten Staaten.
Night Always Comes läuft seit dem 15. August 2025 bei Netflix.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

