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    Quo Vadis, Aida?

    Andreas Krasseltvon Andreas Krasselt20. Dezember 2021Keine Kommentare7 min Lesezeit
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    Mit Quo Vadis, Aida? zeigt die bosnische Regisseurin Jasmila Žbanić auf eindringliche Weise das Grauen des Massakers von Srebrenica. Nicht durch die Darstellung der gewalttätigen Exzesse, sondern durch die Spuren des Terrors in den Gesichtern der Menschen. Ausgezeichnet mit dem Europäischen Filmpreis.

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    Das Cover der Blu-ray von Quo Vadis, Aida? zeigt oben Aida, gespielt von Jasna Đuričić, hinter dem Zaun der UN-Basis, im unteren Bereich bewaffnete serbische Soldaten in Kampfanzügen.
    Das Cover der Blu-ray von Quo Vadis, Aida? © Deblokada, Foto von Christine A. Maier

    Die Handlung von Quo Vadis, Aida?

    Aida (Jasna Đuričić) arbeitet im Juli 1995 als Übersetzerin auf der UN-Basis im bosnischen Srebrenica. Die Stadt ist als Schutzzone ausgewiesen und anerkannt. Als serbische Panzer unter der Führung des Generals Ratko Mladić (Boris Isaković) auf Srebrenica vorrücken, fliehen die Menschen aus ihren Wohnungen. Tausende von ihnen sammeln sich vor dem Stützpunkt der Blauhelme in der Hoffnung, dort Aufnahme und Hilfe zu finden. Unter ihnen sind auch Aidas Mann und die zwei Söhne. Doch die Basis ist schnell überfüllt. Und deren niederländische Besatzung sperrt den Zugang ab, lässt niemanden mehr hinein.

    Verzweifelt versucht Aida, wenigstens ihre Familie in die Schutzzone zu holen. Doch die Soldaten weigern sich. Auch als es um die Chance einer sicheren Ausreise geht, schalten die Blauhelme auf stur. Platz gibt es nur für UN-Angestellte. Die Militärs fürchten einen Dammbruch, sollten sie Ausnahmen für Einzelne zulassen. Doch auch Aida entzieht sich den Hilferufen ihrer Bekannten und Freunde. Wenn sie überhaupt jemanden retten kann, dann geht es ihr zunächst um die eigene Familie. Die Serben geben sich gönnerhaft. Und in Begleitung von Kameras verspricht Mladić, Toblerone-Schokolade und Coca Cola verteilend, alle Zivilisten in Sicherheit zu bringen. Am Ende steht das berüchtigte Massaker von Srebrenica mit mehr als 8000 ermordeten Männern, Kindern und Jugendlichen. Ein Genozid, der größte Massenmord in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

    Das Massaker von Srebrenica

    Filme über die bosnische Tragödie oder den Bürgerkrieg auf dem Balkan gibt es einige, wenn auch vielleicht noch immer zu wenige. Denn so richtig ist dieser erste große Krieg in Europa nach 1945 bei vielen Menschen noch nicht im Bewusstsein haften geblieben. In Quo Vadis, Aida? wählt Regisseurin Jasmila Žbanić einen ungewöhnlich subtilen, aber umso wirksameren Weg, die Auswirkungen des Terrors zu zeigen. Sie verzichtet auf Kampfhandlungen, und auch Erschießungen sieht man nicht direkt. Man sieht Gewehre, hört Schüsse, aber anders als etwa in Angelina Jolies In the Land of Blood and Honey findet das Töten selbst nur im Kopf der Zuschauenden statt. Um so plastischer wird die Angst davor, werden die Folgen sichtbar.

    Dicht an dicht lagern die Flüchtlinge in einer großen Halle auf der UN-Basis.
    Massenunterkunft: Die Flüchtlinge werden auf der Basis in einer großen Halle eingepfercht. © Deblokada, Foto von Christine A. Maier

    Eindringlich wirkt das Bild einer weiblichen Leiche auf dem Stufenabgang vor ihrem Haus. Gleichgültig stiefelt ein serbischer Soldat über die Tote hinweg, während im Ofen noch das Frühstück der Frau vor sich hin brutzelt. Ein kleiner Hund sucht winselnd das Weite. Plastischer lässt sich die Verrohung von Menschen, die ihre ehemaligen Nachbarn und Bekannten töten, kaum darstellen.

    Holländer noch grün hinter den Ohren

    In fast dokumentarischer Weise beschreibt der Film, gedreht nach den wahren Ereignissen, authentische Situationen: Die Flucht aus den Wohnungen, deren Einrichtungsstandard dem unsrigen ähnelt und zu der seltsamen Assoziation drängt, ob dies bei uns auch geschehen könnte. Das Gedränge der in die UN-Basis Geflüchteten, die in einer Halle ohne Toilette und Nahrung quasi eingepfercht sind. Die Hilflosigkeit der niederländischen Soldaten, meist junge Männer in ihrem ersten Einsatz, noch grün hinter den Ohren. Ihre kurzen Hosen scheinen die Unerfahrenheit zu unterstreichen. Die sie sogar zu Helfershelfern der Serben werden lassen, wenn einer von ihnen eilfertig einen Bosnier enttarnt. Der hatte sich als Frau verkleidet dem Abtransport der Männer entziehen wollen. Geht nicht, Ordnung muss sein!

    Tausende von Flüchtlingen belagern verzweifelt den Zugang zur UN-Basis.
    Hoffen: Tausende von Flüchtlingen haben keinen Zugang zur UN-Basis erhalten. © Deblokada, Foto von Christine A. Maier

    Die Blauhelme ziehen den Schwanz ein

    Es sind aber vor allem die Offiziere, deren Untätigkeit und Gutgläubigkeit der Katastrophe Vorschub leistet. Statt aktiv zu werden, warten sie auf Befehle, die nicht eintreffen. Als ein von ihnen gestelltes Ultimatum wirkungslos abläuft, reagieren sie nicht. Sie hatten zwar Luftunterstützung angefordert, als die jedoch ausbleibt, fügen sie sich ins vermeintlich Unvermeidbare. Die Blauhelme sind nicht mehr als ein zahnloser Tiger, der den Schwanz einzieht. Die Rolle der niederländischen Einheit wird bis heute kontrovers diskutiert. Quo Vadis, Aida? bezieht hier klare Position. Das Versagen der Schutztruppe hat eher zur Ermutigung der Serben beigetragen, als sie von irgendwelchen Handlungen abzuhalten.

    Die Serben wollen in Quo Vadis, Aida? das Flüchtlingslager inspizieren. Der Kommandeut der UN-Truppen, Colonel Thomas Karremans, gespielt von Johan Heldenbergh, diskutiert mit dem Unterführer von General Mladić, Aida, gespielt von Jasna Đuričić, übersetzt.
    Konfrontation: Die Serben wollen das Flüchtlingslager inspizieren. © Deblokada, Foto von Christine A. Maier

    Doch auch Aida selbst steht in einem moralischen Dilemma. In der Not kämpft die Mutter nur noch um ihre Familie. Alten Freunden und Bekannten zeigt sie die kalte Schulter. Deren Hilferufe ignoriert sie und entzieht sie sich. Damit ist sie den Soldaten gar nicht so unähnlich. Ein verständliches, nachvollziehbares Verhalten. Dessen Ambivalenz Jasmila Žbanić aber nicht unter den Tisch fallen lässt.

    Blicke mahnen in Quo Vadis, Aida? zur Erinnerung

    Auf der filmischen Ebene arbeitet Quo Vadis, Aida? neben der semi-dokumentarischen Aufarbeitung vor allem mit Blicken. Das zeigen schon die ersten Bilder des Films, in denen Aida und Ihre Familie im Wohnzimmer sitzen und vor sich hin starren. Gesichter, in die sich das Leid gegraben hat. Augen, die leblos geworden sind. Ein paar Mal bricht der Film aus seiner chronologisch-sachlichen Erzählweise aus, wird dabei fast surrealistisch. In einer Erinnerungssequenz an eine große Familienfeier tanzen deren Teilnehmende auf einmal in einer Reihe an der Kamera vorbei, verharren jeweils kurz und blicken den Zuschauenden scheinbar direkt in die Augen. Žbanić durchbricht hier die vierte Wand für einen eindringlichen Appel an die Betrachtenden: Erinnert Euch an diese Menschen. Sie haben gelebt, geliebt und gelacht – und sind nun tot.

    Die Flüchtlinge wollen in die UN-Basis, Blauhelmsoldaten bilden eine Kette und verhindern das in Quo Vadis Aida?.
    Panik: Die Flüchtlinge wollen in die UN-Basis, Blauhelmsoldaten verhindern das. © Deblokada, Foto von Christine A. Maier

    Denn darum geht es der Regisseurin und Autorin: Sie will die Erinnerung an das Massaker von Srebrenica und vor allem daran, was es für die Hinterbliebenen bedeutet, wachrufen. Denn nicht nur in Serbien und sogar in ihrer Heimat Bosnien-Herzegowina wird dieser Völkermord von vielen verdrängt. Auch in anderen Ländern gehört diese europäische Katastrophe nicht unbedingt zum Kanon der kollektiven Erinnerung. Eindringlich deutlich wird dies in den Schlussbildern. Man sieht Grundschulkinder singen und tanzen. Mit ihren Bewegungen und erhobenen Armen, die Finger zu Schmetterlingen verschränkt, signalisieren sie Hoffnung in die Zukunft. Dann aber bilden die Hände Scheuklappen, verdecken schließlich die Augen ganz. Zuletzt erscheint Aida und blickt direkt in die Kamera. Ein sprechender Blick voller Intensität, der einen ins Mark zu treffen vermag.

    Versöhnung mit Serbin in der Hauptrolle

    Aidas Darstellerin, die serbische Schauspielerin Jasna Đuričić, ist ein Phänomen. Großartig durchlebt sie gleichsam alles Nuancen der Gefühlswelt ihres Charakters zwischen löwenhafter Stärke, verzweifelter Schwäche und Hilflosigkeit. Dass eine Serbin die Rolle dieser Bosnierin in Quo Vadis, Aida? übernehmen konnte, zeigt zudem, dass der Krieg zwischen diesen Volksgruppen nicht zwangsläufig ein Krieg zwischen den Menschen war. Die Kluft von damals hat sich langsam wieder zu schließen begonnen. Ein Prozess der Aussöhnung, der aber nur in Anerkennung der Wahrheit gelingen kann.

    Unser Fazit zu Quo Vadis, Aida?

    Eindringlich schildert Jasmila Žbanić in Quo Vadis, Aida? was Terror in den Menschen bewirken kann. Dass sie dabei auf programmatische Action verzichtet und stattdessen tief in das Gefühlsleben ihrer Charaktere eintaucht, macht den Streifen umso wirkungsvoller.

    Der Film hat schon zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Europäischen Filmpreis in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Beste Darstellerin“. Er war auch in der Oscar-Auswahl für den „Besten internationalen Film“. Den Oscar bekam dann der ebenfalls großartige Der Rausch. Quo Vadis, Aida? wäre aber auch aus politischen Gründen vielleicht die bessere Wahl gewesen. Wir trösten uns mit der vollen Toastzahl.

    Quo Vadis, Aida? ist seit dem 10. Dezember 2021 digital erhältlich und seit dem 17. Dezember auch auf DVD und Blu-ray. Der Bonusteil bietet interessantes halbstündiges Bühnengespräch mit der Regisseurin auf englisch, bei dem sich der farbfilm verleih leider die Untertitel gespart hat.


    © farbfilm verleih

    Andreas Krasselt

    Andreas lebt im Raum Hannover. Er ist Journalist und fest angestellter Redakteur bei einer Tageszeitung – und nebenbei Musiker in einer Bluesrock-Band. Bei Filmtoast schreibt er seit 2019 Rezensionen. Filmfan ist er, seit er im zarten Alten von sechs Jahren von seiner Mutter jeden Sonntag in die Kindervorstellung des Stadtteilkinos abgeschoben wurde (so was gab es damals noch). Lieblingsgenre: Western, insbesondere die italienische Variante. Daher ganz klar der Lieblingsfilm: Spiel mir das Lied vom Tod, den er mit 12 schon dreimal im Kino gesehen hatte. Aber es gibt kaum ein Genre, dem er nichts abgewinnen kann. Weitere Favorites: Der Tod in Venedig, Im Zeichen des Bösen, 2001 sowie Leichen pflastern seinen Weg. Tja, und sein Guilty-Pleasure-Favorite ist Predator 2 von dem total unterschätzen Stephen Hopkins. Filme guckt er zwar gerne im Kino, ist aus Zeitmangel aber auf das Heimkino gewechselt, weshalb seine private Filmsammlung auch mehr als 1000 Titel umfasst.

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