Eine der witzigsten Filme 2025 kommt mit leichter Verspätung nun nach Deutschland ins Kino: Warum Ihr Splitsville sehen müsst – auch wenn ihr keine Fans von Dakota Johnson seid.
Darum geht’s in Splitsville
Nachdem Ashley (Adria Arjona) unerwartet die Scheidung verlangt hat, sucht der gutmütige Carey (Kyle Marvin) bei seinen Freunden Julie (Dakota Johnson) und Paul (Michael Angelo Covino) Trost. Als er entdeckt, dass das Geheimnis ihres Glücks eine offene Ehe ist, zeigt er sich zunächst schockiert, findet dann aber den Mut, Neues auszutesten. Ein gewagter Schritt, bei dem Carey Grenzen überschreitet und nicht nur seine eigene Beziehung ins Chaos stürzt.“

Das Duo hinter The Climb überzeugt ein zweites Mal
In den letzten Jahren gab es ein paar Indie-Filme, die ihre Macher durch einen sehr eigenen humoristischen Touch direkt als Person to Watch geadelt haben. Man denke an Emma Seligman, die kongenial mit Rachel Sennott erst mit Shiva Baby und dann mit Bottoms eine sehr verschrobene Form der Gen-Z-Gesellschaftsbeobachtung entwickelt hat, an die Daniels, die nach Swiss Army Man es mit Everything Everywhere all at Once auf die Spitze und zum Oscar-Hit getrieben haben oder eben auch an Michael Angelo Covino und Kyle Marvin, die mit The Climb eine extra-frische Perspektive mit gehörigem Anteil schwarzen Humors auf moderne Beziehungsentwürfe geworfen haben.
Nun sind die Climb-Macher mit einem zweiten, ungleich größer angelegten Projekt zurück, um in ihrem Œuvre dort fortzufahren, wo sie an der Côte d’Azur vor ein paar Jahren losgeradelt sind. Denn auch Splitsville ist ein in Teilen bitterböser Blick darauf, wie Leute heutzutage versuchen, über Jahrhunderte gefestigte gesellschaftliche Rollenbilder mit Gewalt aufzubrechen und selbstredend daran scheitern.
Die Tragikomödie ist dabei dann einerseits auch eine nicht ganz immer sattelfeste Studie über die Wohlstandsverwahrlosung in der US-amerikanischen Upper-Class und deren Kluft zur Realität der „Normalbevölkerung“. Andererseits ist dieser Film aber vor allem eine von Screwball-Komödien inspirierte Aneinanderreihung von sich immer weiter zuspitzenden Konfliktsituationen, bei denen man zwar in höchster Frequenz skurrile Gags serviert bekommt, doch zu keiner Zeit die emotionale Tragweite des Gezeigten ausblenden kann.
Skurriler Auftakt und Highlight im Mittelteil
Schon der Anfang von Splitsville bleibt im Gedächtnis – und das nicht nur, weil Kyle Marvin nach einem tödlichen Unfall vor den Polizisten direkt die Hose runterlässt. Es ist die Art und Weise, wie sich Carey und Ashley unterhalten oder besser gesagt, aneinander vorbeireden, die die Gangart dieser Komödie direkt klarmacht: Trocken, direkt, sich nicht zu schade, mit Worten tief ins Fleisch zu schneiden. Natürlich ist die „Flucht“ von Carey dann ziemlich absurd, aber in der Überhöhung der filmischen Realität passt dies exzellent rein.

Besonders stark ist dann aber, was sich in der von der Außenwelt isolierten Villa von Julie und Paul abspielt, eine Aneinanderreihung von Peinlichkeiten, Fremdschammomenten, aber auch von Situationen, in denen die tatsächliche Unbeholfenheit der Figuren von den Darstellenden fantastisch durchklingt. Und tatsächlich ist hier nachdem sie für ihr etwas blutleeres Schauspiel in Materialists noch gescholten wurde, Dakota Johnson für die Figur der Julie die Idealbesetzung.
Zweifelsohne ist jedoch das absolute Highlight des Films – ohne zu viel zu verraten – dann die Konfrontation zwischen Carey und seinem besten Freund Paul, wenn sich herausstellt, auf welch fragilem Fundament dessen offene Ehe mit Julie tatsächlich gebaut ist. Wie sich Kyle Marvin und Michael Angelo Covino in einer minutenlangen Zerstörungsorgie durch die Villa prügeln – einer unbeholfener wie der andere -, ist nicht nur auf positivste Weise unangenehm mit anzusehen, sondern hat auch mindestens eine Handvoll Momente, in denen man denkt, es sei schon vorbei, nur um dann nochmal eine Schippe Wahnsinn mehr gezeigt zu bekommen. Ein ganz großes Vergnügen, aber auf der Subebene eine unheimlich traurige Situation, die nur dank des tonalen Feingefühls der Beteiligten nicht komplett zu einer Farce wird, sondern tatsächlich der Kern einer Entwicklung zweier Charaktere bleibt.
Gaststars und viel WTF
Splitsville lebt dann auch von den kleinen Ideen, die sich zu Running Gags aufbauen, wenn Carey dann überzeugt vom „Erfolg“ des Beziehungsmodells von Julie und Paul Ashley ebenfalls eine offene Form der Beziehung vorschlägt – und die wiederum darunter etwas sehr eigenes versteht. Das gipfelt dann darin, dass sich die gemeinsame Wohnung zu einer Art Kommune entwickelt, wo sich eine ganze Reihe von Gaststars mehr als nur die Klinke in die Hand geben. Mit David Castañeda, O-T Fagbenle, Charlie Gillespie und Simon Webster sind hier auch die Nebenrollen stark besetzt und laden ihre Figuren auf Basis ihres Image zu Quasi-Cameos auf, die allesamt dank reichlich Augenzwinkern im Gedächtnis bleiben.

Die Entwicklung ist dann ab einem gewissen Punkt zwar nicht mehr ganz plausibel, was dem Vergnügen jedoch keinerlei Abbruch tut, weil nach der Kampfszene in der Villa oder eine Szene mit fliegenden Goldfischen in einer Achterbahn ohnehin der Realismusanspruch ziemlich heruntergefahren sein sollte. Und so kann man dann im finalen Drittel den endgültigen Abgesang auf die Illusion von Kontrolle über die Gefühle im Korsett selbsterfundener Beziehungsmodelle beobachten und wird auch hierbei mehrfach im Wechsel den Kopf schütteln und in schallendes Lachen verfallen.
Und das dieser Film mehr als eine Durchschnitts-RomCom ist, zeigt sich dann in der Schlusspointe, die eben nicht alles in Wohlgefallen auflöst, sondern zwischen den Zeilen ziemlich bitter ist. Entsprechend ist Splitsville tatsächlich so gut, wie es das Plakat verspricht – und das Duo Covino-Marvin könnte so etwas wie das neue Pegg-Frost-Gespann werden, wo man sich bedenkenlos auf jedes gemeinsame Projekt freuen darf.
© Universal Pictures
Unser Fazit zu Splitsville
Splitsville überzeugt mit seinem zynischen Blick auf die Beziehungsunfähigkeit einer ganzen Generation, verpackt in einer Aneinanderreihung von manchmal fast schon Slapstick-artigen Szenen. Dabei überzeugen die vier Hauptfiguren jeweils für sich, aber besonders in der Dynamik zusammen. Ja, dieser Film ist wirklich eines der Comedy-Highlights 2025, aber manchmal ist er auch zwischen den Zeilen zu tragisch, um nicht das ein oder andere Lachen zu verschlucken.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

