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    The Human Centipede III [Final Sequence]

    Tobias Theißvon Tobias Theiß12. Januar 2018Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    Mit The Human Centipede III [Final Sequence] läutet Tom Six das heiß erwartete Finale – Wahnsinn und Abscheu gehen dabei Hand in Hand…

    [su_youtube URL=“https://www.youtube.com/watch?v=Gj7-KTzRdPo„]

    Wie schon der direkte Vorgänger beginnt The Human Centipede III [Final Sequence] mit der Aufnahme eines Bildschirms. Zu sehen sind die letzten Sekunden des zweiten Films der Tausendfüßler-Trilogie – und eröffnet damit gleich zu Beginn schon wieder eine Metaebene. Wo Teil zwei den Erstling zur Fiktion erklärt und einen übereifrigen Fan bei dessen Realisierung begleitet, wird in der [Final Sequence] der augenscheinlich „echte“ zweite Teil ebenfalls zur Fiktion degradiert. Als wäre dieser Umstand nicht schon genug, darf sich der Kenner und Freund der beiden ersten Teile auf ein Wiedersehen mit Laser und Harvey freuen.

    Beide bieten hier selbstverständlich völlig andere Rollen dar, schließlich existieren die Human Centipedes in der Welt des dritten Teils nur als Film, wodurch eine Wiederbesetzung in neuen Rollen nur logisch erscheint. Leider muss ich gestehen, dass mir beide Schauspieler bislang nur aus ihrem Auftreten in dieser Filmreihe bekannt sind, was bei Laurence R. Harvey aber ironischerweise dazu führt, ihm an Hand zweier Filme unübersehbares Talent zuzusprechen. Spielt er in The Human Centipede II [Full Sequence] den fetten Loser maximal authentisch, dass man mit Leichtigkeit zur Überzeugung kommt er sei schlichtweg Martin Lomax, darf er hier als kompletter Gegenentwurf überzeugen. Penibel im Auftreten, fast schon pedantisch akkurat in seiner Erscheinung, spielt er hier als Art gutes Gewissen verdammt stark gegen seine Martin-Verkörperung an. Sein Schauspiel ist deshalb deutlich gesetzter, lässt ihn deshalb aber durchaus sympathischer erscheinen und stellt einen dringend benötigten Ruhepol in der Geschichte dar.

    Dieter Laser – brüllend und boshaft

    Denn da wäre noch der andere Hauptdarsteller: Dieter Laser. Sein Charakter des Doktor Heiter ist trotz allem Narzissmus noch immer ein talentierter und vermutlich gebildeter Chirurg mit Hang zu infantiler Bockigkeit und Wutausbrüchen. Sein Charakter als Bill Boss nur noch ein absolut unberechenbarer Psychopath mit gestörtem Selbstbewusstsein. Man kann nur eine Warnung aussprechen. Wem Lasers Schauspiel als Doktor Heiter schon zu viel Overacting war, der wird hier schreiend davonrennen. Laser bringt eine dermaßen unvorhersehbare Dynamik in den Film, dass man sich tatsächlich nie sicher sein kann, was als nächstes an kranken Einfällen wartet.

    Dabei ist Bill Boss eine so überzeichnete Figur, die einerseits den garstigsten Diktatoren das Wasser reichen kann, andererseits aber von Angst und Selbstzweifeln geplagt ist. Diese gefährliche Mischung an Charakterzügen bahnt sich im wahrsten Sinne des Wortes lautstark, menschenverachtend und absolut nihilistisch ihren Weg. Da wird gefickt, geflucht, gefoltert und vor allem wird enorm viel gegrölt und geschrien.

    Lasers brüllendes Schauspiel passt so hervorragend zu dieser Figur, kann unter Umständen allerdings auch zu Ermüdung oder Übersättigung führen. So beeindruckend dieser gespielte Größenwahn ist, so abstoßend kann er auch wirken. Laser trägt den Film quasi wieder im Alleingang, die anderen Darsteller gehen dieses Mal aber nicht so sehr neben ihm unter, wie noch im ersten Teil. Die Leistungen werden durch das Drehbuch aber auch begünstigt, da die [Final Sequence] sehr dialoglastig ausfällt und so auch Raum für andere Figuren geschaffen wurde. Überhaupt fällt der Cast überraschend vielseitig aus. Neben den beiden Hauptdarstellern Laser/Harvey dürfen sich Eric Roberts, Tom Six himself, wandelnde Körperkunst Robert LaSardo, Akihiro Kitamura (aus der [First Sequence]) und Pornosternchen Bree Olson (entsprechend schlüpfrig) in Nebenrollen sehen lassen.

    Politisch unkorrekt und gewalttätig – The Human Centipede III [Final Sequence]

    Bedenkt man den kammerspielartigen Charakter der beiden Vorgänger kann man sich zu recht fragen, was im, laut Tom Six abgefahrensten Teil des Franchise, auf einen wartet. Der Human Centipede schafft den Sprung aus privaten Villen und abgelegenen Lagerhallen raus in die breite Öffentlichkeit. Schauplatz dieses Mal: Ein heillos überfülltes Gefängnis. Die Insassen sind allesamt Gewaltbereit und mit normalen Mitteln nicht zu bändigen. Der Gefängnisdirektor Bill Boss sieht sich also gezwungen, den Gefangenen mit drastischen und sadistischen Maßnahmen entgegenzutreten, um zum einen seine verlachte Autorität und zum anderen den gesicherten Gefängnisalltag wiederherzustellen.

    Nach einigen gescheiterten Versuchen kann ihn der Angestellte Dwight Butler endlich auf die ultimative Lösung aufmerksam machen. Die Filme aus der Human Centipede-Reihe. Wie in der filmischen Vorlage sollen sämtliche Insassen entsprechend arrangiert werden. So würde man Personal, medizinische Versorgung, Nahrungsmittel und insgesamt beträchtliche Kosten einsparen können…

    Auch wenn Six beteuert, der dritte Teil würde den Ekelfaktor zum Kochen bringen, muss man diese Aussage wohl relativieren. In Sachen Schmuddelfaktor ist der zweite Teil innerhalb der Reihe wohl der unangefochtene König. Deshalb ist die [Final Sequence] trotzdem noch lange nicht harmlos oder gar langweilig, wie oft zu lesen ist. Viel lieber präsentiert er sich als verbaler und schauspielerischer Wahnsinn, der immer wieder mal mit fiesen Einfällen zu überraschen weiß. Die sind entweder einfach nur so weit unter der Gürtellinie (beispielsweise getrocknete Klitoris, „praise Africa“). Oder gewalttätig abseitig (beispielsweise der halluzinierende Traum vom „Deathrape“). Jedenfalls wartet auch Teil drei noch immer mit ausreichend kranken Ideen auf, dass er garantiert alles andere als langweilig ist.

    Six‘ Auftritt ist herrlich doppelbödig und Harvey brilliert in einer völlig anderen Rolle. Laser toppt hier wieder alles und reißt mittels immenser Lautstärke und viel Boshaftigkeit die Krone mit Leichtigkeit an sich. Die Zuspitzung der Ereignisse ist auf jeden Fall nur schwer zu erahnen und sollte in ihrer krankhaften Übertriebenheit eigentlich jeden Genrefan zufriedenstellen.

    Fragliche Veröffentlichung

    Noch ein Wort zur Vertonung: so weit bekannt, gab es wiederholte (Lizenz)Probleme bezüglich einer deutsch synchronisierten Fassung beziehungsweise der Synchronisation an sich. In einem Interview äußert sich Laser wenig freundlich über das ewige Hin und Her. Ich kann nur sagen: der Film wird synchronisiert niemals den gleichen Vibe entfalten, wie in der original eingesprochenen Version. Wenn überhaupt müsste Laser sich selber synchronisieren, um wenigstens einen Hauch des versprühten Wahnsinns zu übertragen.

    Mittlerweile wurde der Film still und überraschend vom teils kontrovers diskutierten Label Laser Paradise auf dem deutschen Markt in ungeschnittener Form veröffentlicht. Letzteres ist aufgrund der Indizierung des Werkes auf Liste B löblich. Leider wurde jedoch weiterhin keine Einigung mit Dieter Laser erzielt, so dass dieser seine Figur Bill Boss nicht selbst synchronisieren konnte. Meine Vorahnung hat sich also bestätigt. Allerdings muss jeder Filmfreund für sich selbst entscheiden, welche sprachliche Fassung ihm lieber ist.

    Diese Review-Reihe basiert übrigens auf dem schicken niederländischen Blu-ray-Steelbook, welches alle drei Filme als sogenannten Movie-Centipede beinhaltet, was bedeutet, dass alle drei Teile zu einem langen Film zusammengeschnitten wurden und nach Ende des dritten Teils nahtlos wieder mit Teil eins startet. Als Bonus enthält dieses Set Teil zwei auch in seiner Farbfassung.


    © Laser Paradise

    Tobias Theiß

    Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
    Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
    Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
    Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
    Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

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