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    Wolfs

    Jan Wernervon Jan Werner23. September 2024Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Wolfs bei Apple TV+ vereint die beiden Megastars George Clooney und Brad Pitt zum ersten Mal seit der Oceans-Reihe vor der Kamera wieder. Ist es ein Treffen, bei dem der Funke auch aufs Publikum überspringt?

    Key-Art von Wolfs © Apple TV+

    Wolfs – Die Story

    In Wolfs wird ein professioneller Problemlöser (George Clooney) beauftragt, ein hochkarätiges Verbrechen zu vertuschen. Doch als ein zweiter Fixer (Brad Pitt) auftaucht und die beiden „einsamen Wölfe“ gezwungen sind, zusammenzuarbeiten, gerät ihre Nacht auf unerwartete Weise außer Kontrolle.

    Belanglos, …

    Direkt in der ersten Szene läuft George Clooney herein wie in einem seiner Nespresso-Spots. Aber will man das einem Mega-Star vorwerfen? Dass er weltbekannt ist und weiß, sich seit Jahrzehnten als Marke zu verkaufen? Nein, wichtig ist doch nur, was dieser Film hier mit den Zutaten macht und die zwei zentralen Argumente – so macht es von Beginn an das Marketing klar – sind nun mal die zwei ehemaligen Sexiest Men Alive Clooney und sein Buddy Brad Pitt. Dementsprechend ist meine Erwartungshaltung vor Wolfs auch schon so gepolt gewesen, dass ich quasi das Marvel-freie Pendants zu Deadpool & Wolverine mit zwei ebenso gut harmonierenden Weltstars, die erstmal auf verschiedenen Seiten stehen, aber dann zur Zusammenarbeit gezwungen werden, sehen werde.

    Und genau das ist das Apple-TV+-Exklusiv auch. Und genauso wie die Komplexität, die einem das multiversale Abenteuer von Jackman und Reynolds suggerieren möchte, nur Scharade dafür ist, dass man sich von einem Gag zum nächsten hangeln kann, ist es auch hier nur eine ziemlich austauschbare Krimi-Geschichte, die die beiden Stars zusammenbringt.

    …, aber ungemein unterhaltsam …

    Das Skript ist wirklich weder besonders ausgeklügelt noch wird es eigentlich den Qualitäten der Darstellenden gerecht. Aber Pitt, Clooney und Co. holen mehr raus als hier eigentlich drin ist und machen aus belanglosen Szenen durch vermeintliche Nuancen in ihrem Spiel kleine Highlights. Dabei spielt vor allem bei den Hauptdarstellern stets eine große Rolle, was man in die beiden reinprojiziert. Denn im Grunde genommen spielen Pitt und Clooney irgendwie – wie eben auch Ryan Reynolds und Hugh Jackman im Marvel-Universum – inzwischen mit ihrem Image – und irgendwie mehr sich selbst, als spezifische Rollen. Man könnte im Umkehrschluss auch sagen, dass man diese Story um sie herum gestrickt und ihre Rollen ihnen auf den Leib geschneidert hat.

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    Ist das nun faul und unkreativ oder genau das, was sich Fans eben wünschen? Das muss jeder für sich selbst beantworten. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich mit den gut 100 Minuten unheimlichen Spaß hatte und schnell darüber hinweg war, dass hier im Gegensatz zu den mutigen Rollen, die Clooney und Pitt zweifelsohne in ihrer Spätphase der Schauspielerei auch schon eingenommen haben, hier einzig und allein die Quintessenz dessen zu sehen ist, was sie sich über die Jahre an sauberem Image erworben haben.

    … und grundsympathisch

    Wenn die beiden Protagonisten wild durcheinander reden und sich anpflaumen, dann wohnt dem Ganzen etwas Grundsympathisches inne. Die Gags sind solide und zünden, ebenfalls wegen der humoristischen Qualität, die die beiden Stars mitbringen, mit höchster Treffsicherheit. Die Dialoge sind smart und spielen mit Selbstironie, Sarkasmus und Klischees und kaschieren nochmals die Belanglosigkeit des Geschehens drumherum. Ein Action-Feuerwerk ist Wolfs nicht – und damit auch kein klassischer Vertreter des Buddy-Action-Genres. Will man hier Vergleiche anbringen, dann dürfte man am ehesten noch Erinnerungen an The Nice Guys verspüren, wenngleich dort das Skript von Shane Black um einiges besser konstruiert und tiefgründiger war. Ein Hauch von Coen-Brüder-Story liegt vielleicht auch in der Luft, aber auch um diesem Vergleich standzuhalten, fehlt letztlich die Raffinesse.

    Naja und durch das nächtliche Setting werden auch Reminiszenzen an Collateral offenkundig gesucht. Aber während Michael Mann beim Clash der beiden Stars Tom Cruise und Jamie Foxx seinerzeit sämtliche Anflüge von Humor im Keim erstickt hat, rückt das lustige Element hier nun fast zu arg ins Zentrum. Das lässt die Fallhöhe Risse bekommen und untergräbt die Spannung nochmal mehr. Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl hätte man die tonalen Sphären womöglich besser austarieren können, aber hier merkt man am deutlichsten, dass eben ein herausragender Autor nicht mal durch die besten Stars im Autopilot-Modus zu ersetzen ist.

    Und sonst so?

    Auch wenn alles, jede und jeder den beiden Frontrunnern untergeordnet ist, so soll nicht unerwähnt bleiben, dass Austin Abrams ein paar wirklich einprägsame Momente genießt und auch Zlatko Burić als überzeichneter 08/15-Bösewicht zumindest dies noch mit einem charakteristischen Gesicht aufwerten kann. Aus Amy Ryan holt man leider viel zu wenig ihres Leistungsvermögens raus, aber die Darstellerin dafür unter den Tisch fallen zu lassen, wäre auch nicht fair. Denn auch Ryan ist eine wirklich gute Besetzung, der im Prinzip schon die wenigen Szenen genügen, um das Projekt nochmal ansehnlicher zu machen.

    Kurzum bietet Wolfs wirklich mehr als das Duell-Duett der Megastars, macht aber (noch) zu wenig draus, da man viel Zeit darauf verwendet, die Stars sich erstmal eingrooven zu lassen. Wenn das im zweiten Teil dann nicht mehr notwendig ist, kann man auch den Fokus etwas mehr von den Titelhelden aufs Drumherum verlagern – und vielleicht dann auch mehr Mut bei der Story wagen.

    Ziemlich beste „Frenemies“: Brad Pitt und George Clooney © Apple TV+

    © Apple TV+

    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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