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Lift

Verschiebungen können Fluch oder Segen sein. Bei Lift hat es einige Zeit gedauert, aber nun ist der Flugzeug-Heist-Film mit Kevin Hart „ready for boarding“. Solltet ihr mit an Bord gehen oder besser schon vor dem Abflug den Schleudersitz zünden?

Lift | Offizieller Trailer | Netflix

TitelLift
Jahr2023
LandUSA
RegieF. Gary Gray
DrehbuchDaniel Kunka
GenreAction, Thriller
DarstellerKevin Hart, Gugu Mbatha-Raw, Vincent D’Onofrio, Úrsula Corberó, Billy Magnussen, Jacob Batalon, Jean Reno, Sam Worthington
Länge106 Minuten
Altersempfehlungab 12 Jahren freigegeben
StreamingdienstNetflix
Poster von Lift
Poster von Lift © Netflix

Lift – Die Handlungsangabe

Curtis Whitaker (Kevin Hart) ist der smarte Kopf einer Diebesbande, die aus einer Handvoll Experten zusammengesetzt ist. Nach einem Coup in Venedig kommt ihm Interpol-Agentin und Ex-Freundin Abby (Gugu Mbatha-Raw) auf die Schliche und setzt ihm die Pistole auf die Brust: Um eine große Bedrohung von der Menschheit fernzuhalten, sollen Whitaker und seine Crew einem Verbrecherboss (Jean Reno) eine halbe Milliarde in Form von Goldbarren stehlen. Die spezielle Herausforderung: Der Heist soll während eines Transportflugs im europäischen Luftraum vonstatten gehen.

Kompakt, vergnüglich, schnell vergessen

Wenn man die Prämisse gelesen hat – und auch noch im Hinterkopf hat, dass Regisseur F. Gary Gray auch schon beispielsweise The Italian Job fabriziert hatte -,  dann weiß man wirklich genau, was hier passieren wird. Überraschungen gibt es bei dieser modernisierten Variation von Der große Eisenbahnraub keine. Lift ist sowohl vom Plot her als auch was alle Zutaten betrifft ein Heist-Film aus der Retorte. Während jedoch Netflix bei vielen vorangegangenen Action-Thrillern fast ausnahmslos den Fehler gemacht hat, sich teurer verkaufen zu wollen, als man tatsächlich ist, vermeidet Gray dies hier. Zu keiner Sekunde gaukelt einem die Produktion vor, auch nur ansatzweise bahnbrechend sein zu wollen. Das äußert sich nicht nur, wie geschrieben, in Personalzusammenstellung, Dramaturgie oder Twists in der Story, sondern auch in der Lauflänge von nur gut anderthalb Stunden. Diese Kürze sorgt doch dafür, dass man von einem Schauplatz zum anderen gejagt wird und nur wenig Zeit hat, Logik zu hinterfragen oder Komplexität und tiefere Bedeutung zu suchen.

Der stargespickte Streaming-Blockbuster ist der Inbegriff von Content. Alleinstellungsmerkmale sucht man vergebens, die Inszenierung – samt effekttechnischer Umsetzung – ist maximal Mittelmaß und wirklich jede Figur stammt aus einem imaginären Heist-Movie-Baukastensystem. Klingt belanglos und austauschbar? Und das ist es auch.

Jetzt kommt jedoch das ABER: Denn obgleich man hier einen extrem handzahmen Action-Thriller mit wenig Härte in den Kampfszenen, ausnahmslos jugendfreundlichen Gags und ohne jegliche Form von Anarcho-Humor, wie beispielsweise bei 6 Underground, serviert bekommt, macht Lift zum Erstaunen unseres Rezensenten wirklich Spaß. Während in vielen Netflix-Filmen der letzten Jahre mit der Brechstange versucht wurde, irgendwie edgy zu sein und nur um des Aneckens Willen anzuecken, soll dieser Film hier nicht mehr als ein kleingehaltener, klassischer Heist-Flick sein, der allein von der Coolness seines Ensembles lebt.

Gugu Mbatha-Raw als Abby in Lift
Gugu Mbatha-Raw als Abby in Lift © Netflix

Coole Typen, stumpfe Waffen

An Kevin Hart scheiden sich seit jeher die Geister, aber so ehrlich sympathisch wie hier war der Comedian selten. Als Möchtegern-Danny-Ocean funktioniert er erstaunlich gut, weil er auf schwache Kommentare und Zotiges verzichtet und sein natürlich Charme zur Geltung kommt. Type-Casting par excellence: Haus-des-Geldes-Fanliebling Ursula Corbero darf wieder Teil einer durchmischten Diebesbande sein, Billy Magnussen spielt einen leicht verrückten Panzerknacker, der selbst-ironischerweise sogar noch Magnus heißt, Vincent D’Onofrio spielt mit dem eigenen Image, indem er genau das Gegenteil dessen macht, was man in den letzten Jahren von ihm gesehen hat und Jean Reno ist der austauschbarste Schurke überhaupt – doch auch das ist irgendwie ein charmanter Kommentar auf die verzweifelte Suche nach „guten“ Bösewichten, die in den letzten Jahren in vielen Franchises grassierte.

Im Kern ist dieser halbgare Thriller schnell vergessen, weil auch die vermeintlich spektakulären Setpieces, die man sich vom Luftraum-Setting verspricht, erstaunlich unspektakulär daherkommen. Die Action-Choreografien sind bodenständig gehalten und ansehnlich, vom Hocker reißt das aber wirklich nur das junge Publikum, das keinen Flugzeug-Action-Klassiker härterer Gangart kennt. Damit ist Lift am Ende wahrscheinlich genau der richtige Film für die U-20-Fraktion unter den Netflix-Kunden, die Air Force One oder Con-Air nur aus Erzählungen kennen – oder aufgrund des 90s-Charmes meiden wie der Teufel das Weihwasser. Für diejenigen aber, die sich mit einem sympathischen Ensemblefilm in der Oceans-Tradition eine gute Zeit machen wollen, kann man dieses Netflix-Original dann doch empfehlen

Unser Fazit zu Lift

Namhaft besetzt vor und hinter der Kamera reiht sich Lift da ein, wo schon dutzende Netflix-Titel im Action-Segment in den letzten Jahren auf die Abonnenten losgelassen wurden. Unter all den generischen Projekten sticht jedoch der Kevin-Hart-Film mit seiner sympathischen Bodenständigkeit – welche Ironie bei einem Film, der von einem Flugzeugraub handelt – heraus. Überraschend coole Figuren, funktionierende Witze, grundsolide Action wiegen die vollkommen vorhersehbare Story und die mittelmäßigen Computereffekte auf. Besser als vieles, was Netflix sonst mit vergleichbar stargespickten Besetzungen schon verbrochen hat, aber letztlich auch nur eine zaghafte Empfehlung.

Lift läuft ab dem 12. Januar 2024 bei Netflix!

Unsere Wertung:

 

 

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© Netflix

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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