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Zwei Frauen, eine Brünette links, eine Blonde rechts, legen ihre Köpfe intim aneinander.

Mulholland Drive – Straße der Finsternis

Wer die Kino-Wiederaufführung von David Lynchs Mulholland Drive verpasst hat, sollte einen Blick auf die kürzlich erschienene 4K-Disc werfen. Diese bietet eine von Lynch höchstpersönlich beaufsichtigte Neuabtastung aus der berühmten Criterion Collection. Ob auch der Film nach 20 Jahren noch packen kann, lest ihr in unserer Rezension.

MULHOLLAND DRIVE Trailer German Deutsch (2001) 4K Restauriert

TitelMulholland Drive – Straße der Finsternis
Jahr2001
ProduktionslandUSA/Frankreich
RegieDavid Lynch
DrehbuchDavid Lynch
GenreDrama, Thriller
DarstellerNaomi Watts, Laura Harring, Ann Miller, Robert Forster, Justin Theroux, Jeanne Bates, Dan Birnbaum, Dan Hedaya,
Länge147 Minuten
FSKAb 16 Jahren freigegeben
VerleihStudio Canal
Bild der Verpackung von Mulholland Drive. Zu sehen ist eine Malerei einer jungen, kurzhaarigen Frau.
Die kürzlich erschienene 4K-Disc von Mulholland Drive erscheint zum 20-jährigen Jubiläum. ©StudioCanal

Die Handlung von Mulholland Drive – Straße der Finsternis

Nach einem Autounfall auf dem Mulholland Drive hat die die junge Rita (Laura Harring) ihr Erinnerungsvermögen verloren. Mit der naiven Betty (Naomi Watts), die gerade nach Hollywood gekommen ist und von einer Karriere als Schauspielerin träumt, geht sie auf Spurensuche. Doch schon bald verschwimmen die Grenzen von Realität und Traum. Währenddessen muss sich Regisseur Adam (Justin Theroux) mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die Geldgeber seines Films ihre Vorstellungen der Besetzung um jeden Preis durchsetzen wollen. Und dann ist da noch Joe, ein etwas dümmlicher Killer, der bereits drei Menschen umgebracht hat, um an ein schwarzes Buch zu gelangen. Und was hat es mit dem kleinwüchsigen Mr. Roque und dem verängstigen Mann im Diner auf sich?

Zwei Frauen, links Naomi Watts, rechts Laura Harring, eng aneinander mit einem Telefon in der Hand
Betty (Naomi Watts) hilft der erinnerungslosen Rita (Laura Harring) ©StudioCanal

David Lynch – König des Mindfuck

Wem dieser Abriss der Geschehnisse von Mulholland Drive- Straße der Finsternis konfus oder merkwürdig erscheint, der liegt sicher nicht gänzlich falsch. Was Autor und Regisseur David Lynch (Twin Peaks) an Figuren und Handlungssträngen einführt, fordert höchste Aufmerksamkeit der Zuschauer:innen. Denn wer glaubt, eine geradlinige und nachvollziehbare Geschichte serviert zu bekommen, der sollte sich besser auf das genaue Gegenteil gefasst machen. Die verschachtelte Erzählweise, die skurrilen Figuren, die manchmal fehlende Kohärenz – Lynch macht es seinem Publikum nicht leicht, wenn dieses nach klassischem Aufbau dürstet. Ganz sicher ist auch der Entstehungsprozess mitverantwortlich. Schließlich sollte sein Skript der Pilot einer TV-Serie für ABC werden, die sich nach Twin Peaks einen weiteren Hit erhofften. Doch nach Sichtung des Materials zog man den Stecker, so dass Lynch in Europa Geldgeber auftreiben musste, um seinen Film fertigstellen zu können.

Und so zerfällt Mulholland Drive in zwei recht ungleiche Teile: Zwei Drittel des Films wirken wie aus einem Guss, voller Ideen, Andeutungen und als Grundstein für weitere TV-Episoden, während das letzte Drittel deutlich weniger stringend und vor allem holprig erzählt wirkt. Das mag bei einem Lynch ohnehin erwartbar sein, doch viele der zahlreichen Theorien scheinen diesen Aspekt etwas zu vernachlässigen. Anknüpfend daran seien Zuschauer:innen vor falschen Erwartungen gewarnt: Wer sich nicht auf nicht komplett auserzählte und uneindeutige Stoffe einlassen kann, die sich erst bei mehrfacher Sichtung ansatzweise erschließen lassen, der sollte von Mulholland Drive die Finger lassen.

Ein komplexes Verwirrspiel

Doch selbst wenn es gelingt genannte und weitere Hinweise zu entdecken, will sich das Puzzle nur bedingt zusammenfügen. Letztlich wird es für die meisten Betrachter:innen so sein, dass Mulholland Drive – Staße der Finsternis mehr Fragen aufwirft, als er beantworten kann. Der Film funktioniert wie ein ausgeklügeltes Schachspiel, bei dem kein Zug dem anderen gleicht. Die Figuren bewegen sich zunächst auf ein bestimmtes Ziel zu, was Lynch dann aber ebenso überraschend wie unerwartet immer wieder durch raffinierte Gegenzüge blockiert und letztlich zunichte macht. Immer wieder werden Charaktere eingeführt, die genauso schnell wieder verschwinden wie sie gekommen sind. So zum Beispiel ein völlig verängstigter Mann in einem Coffee-Shop, der am helllichten Tag in einer Seitenstraße von einer düsteren Gestalt quasi zu Tode erschreckt wird. Wo liegen zwischen all den Ereignissen die Zusammenhänge? Gibt es diese überhaupt?

Eine von vielen möglichen Interpretationen wäre dabei Lynchs ganz persönliche „Hölle von Hollywood“. Einem Zerrbild hinter der pseudoglücklichen Fassade der Traumfabrik, die nicht zwangsläufig mit Anbeginn der berühmt-berüchtigten „Film Noir“ der 40er- und 50er-Jahre Einzug fand. Insgesamt sei Lynchs Film aber allen Cineast:innen unbedingt empfohlen. Warum vor allem die neue 4K-Disc einen Blick wert ist, erfahrt ihr bei uns.

Neues 4K-Master aus der Criterion Collection

David Lynch hat höchstpersönlich das 4K-Master für die US-Version abgesegnet. Ein deutliches Filmkorn und nicht immer knackig scharfe Kontraste sind somit als Stilmittel des Regisseurs zu bewerten. Und auch, wenn die Farben gewohnt blass daherkommen, lohnt sich der Griff zur neuen Edition. Dafür sind zum einen der deutsche HD-Ton in DTS-HD MA und zum anderen die äußerst schicke Aufmachung verantwortlich. Das Bonusmaterial, welches sowohl auf der 4K-Disc als auch auf der beiliegenden Blu-ray enthalten ist, beinhaltet vor allem Interviews mit einigen Schauspieler:innen sowie kurze Featurettes aus der Retrospektive. Ein wenig schade, denn man hätte sicher noch viel tiefer und ausführlicher auf den Entstehungsprozess oder die Deutungen des Films eingehen können. Doch auch dies gehört zu Mulholland Drive – Lynch will eben keinen komplett ausgedeuteten Film, sondern sein Publikum herausfordern.

Unser Fazit zu Mulholland Drive – Straße der Finsternis

Diverse Internetseiten sind voll mit unterschiedlichsten Erklärungsversuchen zu Lynchs Puzzlespiel. Es stellt sich nur die Frage nach der Notwendigkeit. Denn für Cineast:innen oder solche, die es werden wollen, ist Mulholland Drive- Straße der Finsternis ein Must-see und hat definitiv nichts von seiner Wirkung eingebüßt. Einer Genre-Einordnung verweigert sich der Film ebenso konsequent wie bewusst und es obliegt den Zuschauer:innen, den eigenen Deutungsansätzen nachzugehen. Ein wenig amüsant bleibt der Hinweis, wie viele Aspekte man bei Lynch erst bei mehrfacher Betrachtung des Films entdeckt, denn eben dieses wirft man dem technischen Handwerker Christopher Nolan nur allzu gerne als Taschenspielertrick vor. In erster Linie ist der Film an ein experimentierfreudiges Publikum gerichtet mit Spaß am Interpretieren. Aufgeschlossenheit sowie eine gute Beobachtungsgabe sind ebenfalls zwingend erforderlich. Wem das gelingt, der bekommt hier einen ebenso ausgeklügelten wie alptraumhaften Neo-Noir Mystery-Thriller geboten, bei dem Traum und Wirklichkeit weder einen klaren Zusammenhang haben, noch gänzlich unlogisch erscheinen.

Mulholland Drive erschien vor kurzem als neue 4K-UHD, Blu-ray und DVD im Verleih von Studio Canal. Wer noch tiefer in den Film und seine Mysterien eintauchen möchte, kann unsere Podcast-Episode zu Mulholland Drive hören.

Unsere Wertung:

 

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