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Nightsiren

Der slowakisch-tschechische Nightsiren entführt das Publikum in düstere Wälder und eine altertümliche Dorfgemeinschaften, ist zeitgleich jedoch deutlich mehr emanzipiertes Drama als klassischer Horrorfilm.

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TitelNightsiren
Jahr2022
LandSlowakei, Tschechien
RegieTereza Nvotová
DrehbuchBarbora Namerova, Tereza Nvotová
GenreHorror, Drama
DarstellerNatalia Germani, Eva Mores, Juliana Olhová, Iva Bittová, Jana Olhová, Marek Geisberg, Noel Czuczor
Länge109 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihBusch Media Group
Das Cover der deutschen Blu-ray. | © Busch Media Group

Die Handlung von Nightsiren

Sarlota (Natalia Germani) kehrt nach Jahren der Abwesenheit in ihr Heimatdorf zurück, um dort das Erbe ihrer Mutter anzutreten. Vor Ort angekommen, muss sie feststellen, dass deren abgeschiedene Waldhütte abgebrannt ist, weshalb sie kurzerhand in einer leerstehenden Behausung Unterschlupf findet. Im Dorf wird sie indes mit Argwohn beobachtet, ist ihre Familiengeschichte doch von mysteriösen Ereignissen überschattet. Nur in Mira (Eva Mores) findet Sarlota eine Art Freundin und Verbündete. Aufgrund des emanzipierten Auftretens der beiden jungen Frauen machen nur allzu bald Gerüchte über Hexerei die Runde…

In Nightsiren zeigt sich eine verfallene Holzhütte im nebelverhangenen Wald zwischen den Baumkronen.
Nebel umwallte Wälder… | © Busch Media Group

Horror…

Nightsiren beginnt verheißungsvoll: ein Kind wird geschlagen und flüchtet in seiner Angst und Wut vor dem Aggressor. Am Ende dieser Flucht steht ein tragisches Unglück. Jahre später kehrt das zur jungen Frau herangewachsene Mädchen zum Ort des Geschehens zurück. Genau wie Sarlota wagt sich der Zuschauer nur zögernd in das slowakische Dorf, in dem Argwohn und Misstrauen jeglichem Neuen gegenüberstehen.

Verstärkt wird dieses Gefühl von den angeblichen Hexereien, die rund um das Dorf vor sich gehen sollen. Tereza Nvotovás Film bedient sich dabei gängiger Gruselstandards: Eine heruntergekommene Holzhütte, finstere Nächte, von Nebel umwallte Wälder, so wie schicksalhafte Erzählungen und Überlieferungen der Gemeinde.

Gute Voraussetzungen also, einen adäquaten Grusler auf das Publikum loszulassen. Im Sinne eines Horrorfilms verpuffen die idealen Voraussetzungen aber nahezu völlig ungenutzt. Wenn es des Nachts auf dem Dachboden der Behausung rumpelt oder plötzlich an der Tür klopft – hat es schlichtweg keine Konsequenz. Sarlota und ihre Mitstreiterin Mira feixen stattdessen über die nächtlichen Ruhestörungen und ignorieren diese beinahe vollkommen. Das formt einerseits ganz wunderbar diese beiden starken Frauenfiguren, untergräbt aber natürlich im gleichen Moment die Erwartungshaltung des Zuschauers, sich einem unheimlichen Gruselfilm zu stellen.

In Nightsiren genießt Schauspielerin Natalia Germani als Sarlota die freie Natur auf ihrem nackten Körper.
…und freie Körperlichkeit in der Natur. | © Busch Media Group

…oder Drama?

Schnell wird klar, dass Regisseurin Nvotová den Fokus auf gänzlich andere Punkte legt, als auf Grauen nach Maß. Zwar schwingen immer wieder Ehrfurcht und Irrglauben der Gemeinde vor dem unerklärlich Übernatürlichem mit, doch der wahre Horror liegt in Nightsiren in gegenwärtigen und alltäglichen Szenarien. Nvotová, welche auch am Drehbuch mitschrieb, zeigt viel lieber auf, welche Gefahr von rückständigen Gesellschaften ausgehen kann – wobei rückständig in diesem Falle nicht die Abkehr von den Errungenschaften moderner Technologie meint, sondern überholtes Gedankengut. Misogynie und Gewalt an Schwächeren sind an der Tagesordnung, Emanzipation oder gar Feminismus sind nebulöse Hirngespinste. Dabei reißt das Drama zusätzlich Themen wie (ausgeschlagene) Mutterschaft und die generelle Rolle von Frauen in der Gesellschaft an.

Der wahre Horror fußt im filmischen Bergdorf auf traditionellen Bräuchen, die entsprechendes Verhalten anfeuern. Nightsiren spitzt seine Eskalation dementsprechend immer weiter zu. Sind es anfangs nur besagte Riten, die ein fraglich überhöhtes Selbstbild der Männer und deren minderwertiges Frauenbild vermitteln, schlägt die Furcht vor emanzipierter Weiblichkeit im intensiven Finale in handfeste Gewalt um. Es sind nicht Okkultismus und schwarze Magie, sondern nur der Aberglaube und die Furcht vor möglichen höheren Kräften, die den wahren Horror entfalten: Gewalt gegenüber Frauen.

Im Film Nightsiren sind während eines nächtlichen Drogenrauschs neonfarbene, zuckende und nackte Leiber auf dem Waldboden zu sehen.
Im Drogenrausch durch den nächtlichen Wald. | © Busch Media Group

Naturalistische Erscheinung

Trotz seiner alles andere als einladenden Prämisse ist der Film betörend bebildert – wallender Nebel in dichten Wäldern will einfach nicht aus der Mode kommen. Etwas trippy wird es dann sogar bei einem drogeninduzierten Gang durch den nächtlichen Wald, der mit Farbenpracht und ästhetischer Erotik überrascht. Überhaupt zieht die prächtige Naturkulisse unwillkürlich in ihren Bann. Ebenso kommt das Sounddesign düster-atmosphärisch daher. Auch die beiden Hauptfiguren, Sarlota und Mira, werden von ihren Darstellerinnen überzeugend verkörpert, so dass der brutale Klimax ordentlich in die Knochen fährt.

So weit scheint eine Reise in die slowakischen Gebirge also äußerst empfehlenswert. Doch wie so oft, steht und fällt der Ausflug mit den Erwartungen der Reisegruppe. Im Zuge diverser Reviews zu Nightsiren stolpert man häufiger über zwei Titel, die als Vergleich herangezogen werden: The Witch und Midsommar. Auch wenn beide Werke kaum weiter vom jumpscarenden Mainstreamkino entfernt sein könnten, bedienen sie sich doch gängiger Parameter des Genres und sind relativ eindeutig dem (Folk-)Horrorfilm zuzuordnen.

Parallelen mit beiden genannten Filmen lassen sich bezüglich des hier besprochenen Nightsiren jedoch nur schwerlich finden. Zwar entfaltet sich letzterer auch nur langsam, dabei bleibt der Gruselaspekt allerdings ziemlich auf der Strecke. Wer sich hier also einen unheimlichen Horrorfilm mit aktiv agierenden Hexen und dunklen Ritualen erwartet, wird unweigerlich enttäuscht. Dafür erhält man ein anderes, weil deutlich politischer und gerade deswegen überaus empfehlenswertes Werk. Zumindest in der Stunde hätte es dem Film trotzdem nicht geschadet, etwas mehr klassischen Horror zu servieren.

Unser Fazit zu Nightsiren

Nightsiren ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einer dieser Filme, der sein Publikum spalten wird. Wer sich genretypischen Horror erhofft, wird enttäuscht aus den düsteren Wäldern zurückkehren, denn Svetlonoc, so der Originaltitel, lässt sich viel eher als feministisches Drama denn Horror definieren. Als dieses kann es aber mit seiner grimmigen Atmosphäre, den ästhetischen Bildern und seiner Botschaft punkten.

Nightsiren ist seit dem 26. Mai 2023 als DVD und Blu-ray im Vertrieb von Busch Media Group im Handel erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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Tobias Theiß

Name: Tobi | Alter: 31 | Bei Filmtoast seit: Januar 2018 | Aufgabengebiete: Reviews verfassen | Am aktuellen Mainstream völlig desinteressiert, suche ich mein Glück zum großen Teil in den Nischen des vielfältigen Horrorgenres, gerne abgründig und gewalttätig. Allerdings bin ich kein tumber Schlächter, sondern lasse mich ebenso von aufwühlenden Dramen mitreißen oder werde bei dänischem Humor schwach.

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