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Painkiller

Es kommt nicht oft vor, dass eine derartige Geschichte zeitgleich von zwei Anbietern umgesetzt wird und im Endeffekt zwischen der Veröffentlichung fast zwei Jahre liegen. Hat hier aber tatsächlich Painkiller von Netflix als Nachzügler auch das Nachsehen?

TitelPainkiller
Jahr2023
LandUSA
RegiePeter Berg
DrehbuchMicah Fitzerman-Blue, Noah Harpster
GenreSerien
DarstellerUzo Aduba, Matthew Broderick, Taylor Kitsch, Dina Shihabi, West Duchovny, John Rothman, Clark Gregg, Jack Mulhern, Sam Anderson, Ana Cruz Kayne, Brian Markinson, Noah Harpster, John Ales, Johnny Sneed, Tyler Ritter, Carolina Bartczak
Länge6 Folgen á ca. 50-60 Minuten
Altersempfehlungab 16 Jahren
VerleihNetflix
John Rothman als Mortimer Sackler, Matthew Broderick als Richard Sackler und Sam Anderson als Raymond Sackler zwischen Blechbläsern auf einer Treppe. Painkiller
John Rothman als Mortimer Sackler, Matthew Broderick als Richard Sackler und Sam Anderson als Raymond Sackler © Netflix

Inhaltsangabe zu Painkiller

Die Miniserie Painkiller ist eine fiktionale Nacherzählung von Ereignissen über einige der Ursprünge und Konsequenzen der Opioid-Krise in den Vereinigten Staaten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Geschichten der Täter*innen, der Opfer und der Menschen auf der Suche nach der Wahrheit, deren Leben durch die Erfindung von OxyContin für immer verändert wurden. Die Netflix-Serie basiert auf dem Buch „Pain Killer: An Empire of Deceit and the Origin of America’s Opioid Epidemic“ von Barry Meier und dem im The New Yorker erschienenen Artikel „The Family That Built an Empire of Pain“ von Patrick Radden Keefe. Es werden die Schuldfrage und die Systeme unter die Lupe genommen, denen Tausende von Menschen in den USA immer wieder zum Opfer fallen.

Netflix kommt als Zweiter ins Ziel

In Painkiller erzählt Netflix von den Hintergründen der Opioidkrise in den USA und dem Clan, der damit Milliarden verdiente. Klingt vertraut? Ja, genau diese Geschichte machte bei Disney+ hierzulande vor knapp zwei Jahren unter dem Titel Dopesick Schlagzeilen. Und nicht nur beim Publikum hinterließ die Serie einen bleibenden Eindruck. Auch bei der ein oder anderen Preisverleihung wurde das Format prämiert. Was allerdings viele erstaunen dürfte, ist die Tatsache, dass die Konzeption des Netflix-Pendants sogar vor dem gefeierten Hulu-Werk stand, nur eben die Produktion um einiges länger dauerte. Nun ist also die Variante des Dienstes mit dem roten N mit Verspätung eingetroffen und möchte mit etwas anderer Schwerpunktsetzung, anderen A-List-Stars dem Thema nochmals zu Aufmerksamkeit verhelfen. Allein aber aufgrund der Brisanz der Thematik ist es erstmal gar nicht schlecht, dass sich hier zwei reichweitenstarke Konzerne zur Aufgabe gemacht haben, den Finger in die Wunde zu legen.

Eine Tragödie epischen Ausmaßes auf wahren Begebenheiten

Dass Pharmakonzerne ihr Geld mit dem Leid der Menschen verdienen, ist keine erstaunliche Erkenntnis und insofern sie tatsächlich zur Heilung beitragen auch gar nicht verwerflich. Wenn jedoch der vermeintlicher Heiler sich erst selbst den Markt kreiert, ist es in dieser Branche schon mehr als bedenklich. Dementsprechend ist die Geschichte, die Painkiller hier verfilmt hat, die Geschichte eines gigantischen Skandals, die Geschichte von skrupelloser Geldgier und die Geschichte von den ekelhaftestes Auswüchsen des Kapitalismus in den Vereinigten Staaten. Und was auch noch gesagt sein muss: Auch wenn das „Feindbild“ a.k.a. die Familie Sackler in Dopesick und in dieser Serie das gleiche ist, wird die Geschichte drumherum doch aus anderen Schicksalen zusammengepuzzelt.

Wann haben sie das erste Mal von Oxycontin gehört?

Man kann zwar trotzdem in den Charakteren Stellvertreter-Figuren sehen und demnach beispielsweise die Taylor-Kitsch-Figur aus der Arbeiterschicht hier als Pendant zu Kaitlyn Dever in Dopesick sehen, gleichen sich doch die beiden Handlungsstränge teils extrem, aber durch den Geschlechtswechsel einzelner dieser Archetypen und Verlagerung in andere Milieus, etc. wird der Gesamtskandal nur nochmal eindrücklicher. Repräsentiert also Kitsch hier das Opfer, das durch einen Unfall und den dauerhaften Schaden in die Sucht getrieben wurde, so findet man auch die Ermittlerfiguren, die Mittelsleute der Pharmazeuten hier wieder.

Taylor Kitsch als Glen Kryger und Carolina Bartczak als Lily Kryger in einem engen Büro.
Taylor Kitsch als Glen Kryger und Carolina Bartczak als Lily Kryger © Netflix

Der Vergleich wird also nicht ausbleiben…

… wenn man Dopesick erst vor knapp zwei Jahren gesehen hat. Beide Geschichte setzen auf Zeitsprünge in der Erzählung, wie eben geschildert, vergleichbare Figuren und auch die Benutzung realer O-Töne und Bilder gibt es hier wie dort. Was jedoch die beiden Serien signifikant unterscheidet ist die Tonalität, das Pacing und der emotionale Anklang. Allein die zwei Folgen kürzere Lauflänge straffen Painkiller im Vergleich schon mal. Dann kommt hinzu, dass man auch das Gefühl hat, dass Netflix bei seinen Dramaserien, die auf wahren Tragödien basieren, einer gewissen Formel folgt, was zu inszenatorischen Abnutzungserscheinungen führt, unter denen Dopesick nicht litt. Denn das Konkurrenzprodukt war vom Nachhall und vom Punch deutlich näher an Meisterwerken wie Chernobyl dran, während Painkiller eher an die Inszenierung von Inventing Anna anknüpft. Das soll definitiv kein Kritikpunkt sein, vielmehr eine Einordnung, worauf man sich einstellen muss. Poppiger heißt nicht gleich schlechter, flotter nicht gleich schludrig.

Auf einer Skala von 1 – 10, wo ordnen sie ihren Schmerz ein?

Was jedoch etwas schwerer ins Gewicht fällt, ist, dass man durch die Straffung Perspektiven weglässt, die bei Dopesick erst die ganze Tragweite unterstrichen haben. Nachvollziehbar bleibt aber der Skandal auch in der Netflix-Version. Die Skrupellosigkeit der Sacklers ist hier wie da ein Schlag in die Magengrube, die Geldgier macht in beiden Fällen wütend.

Auf Darstellerseite „gut“ statt „sehr gut“

Der letzte und vielleicht für viele Zuschauer entscheidende Vergleichsaspekt ist der Cast. Denn mitunter wählt man, hat man eben noch keines der beiden Formate gesehen, die Variante deren Darsteller*innen einem sympathischer sind. Und hier kann man ohne Zweifel festhalten, dass man in beiden Formaten keinen Totalausfall finden wird. Ganz im Gegenteil, sowohl die Stars in Dopesick als auch in Painkiller machen die real-abstrakte Geschichte nochmals wesentlich greifbarer. Matthew Broderick als Richard Sackler ist richtig gut, leider aber kein Michael Stuhlbarg, dessen Darbietung einen noch Monate später in Albträumen verfolgt. Taylor Kitschs Schicksal geht und die Haut, das von Kaitlyn Dever hingegen hat das Publikum förmlich zerstört. Und so weiter und so fort. Netflix hat ein starkes Ensemble, aber Hulu hatte eines, über das man noch Jahre später sprechen wird.

Unser Fazit zu Painkiller

Eigentlich verbieten sich Vergleiche dieser Art, denn man sollte Produktionen für sich genommen betrachten und werten. Gibt es jedoch so krasse Vergleichsaspekte und gleichen sich die Ausgangslagen wirklich wie ein Ei dem anderen, so kommt man nicht umhin in eine Gegenüberstellung zu verfallen. Das führt im Fall Painkiller vs. Dopesick am Ende zu einem Punktsieg für die 2021-Variante der Oxycontin-Story. K.O. geht die Netflix-Show jedoch keineswegs. Daher geben wir den Interessierten, die eine dicke Haut für solche realen Skandale mitbringen mit auf den Weg, sich die Zeit zu nehmen und beide Serien zu schauen!

Painkiller ist ab dem 10. August 2023 bei Netflix abrufbar.

Unsere Wertung:

 

 

Empire of Pain: The Secret History of the Sackler Dynasty
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Zuletzt aktualisiert am 29. Juli 2023 um 19:55 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
Dopesick: Wie Ärzte und die Pharmaindustrie uns süchtig machen
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Zuletzt aktualisiert am 29. Juli 2023 um 19:55 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

© Netflix

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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