Filmtoast.de
Nora, Arthur und Hae-sung gehen des Nachts in New York eine Straße entlang und unterhalten sich

Past Lives

Past Lives von Celine Song ist der beste Film des Jahres 2023. Was genau das koreanisch-amerikanische Liebesdrama so gut macht, dröseln wir für dich in unserer Kritik auf.

PAST LIVES - IN EINEM ANDEREN LEBEN Trailer German Deutsch (2023)

TitelPast Lives
Jahr2023
LandUSA, Südkorea
RegieCeline Song
DrehbuchCeline Song
GenreDrama, Liebesfilm
DarstellerGreta Lee, Teo Yoo, John Magaro
Länge106 Minuten
FSKab 0 Jahren freigegeben
VerleihStudiocanal
Das Postermotiv von Past Lives, bei dem die beiden Hauptfiguren Hae-sung und Nora vor einem Karussell in New York sitzen
© Studiocanal

Die Handlung von Past Lives

Gerade als zwischen den beiden Kindern Hae-sung und Na-young erste Gefühle aufkeimen, verlässt Na-young mit ihrer Familie Südkorea. Die Künstlerfamilie wandert nach Kanada aus.

Es vergehen 12 Jahre, in denen Hae-sung seinen Militärdienst ableistet und beginnt, in Seoul zu studieren. Na-young, die sich fortan Nora nennt, immigriert alleine in die USA und arbeitet in New York an ihrer Karriere als Schriftstellerin.

Ein erstes Wiedersehen von Hae-sung und Nora stellt sich ein, doch erst einmal nur per Videocall und mit ordentlicher Zeitverschiebung zwischen den USA und Südkorea. Und es müssen erst weitere 12 Jahre ins Land ziehen, ehe sich beide seit ihrer Kindheit wieder in echt gegenübertreten.

Nur ist Nora mittlerweile schon einige Jahre mit dem jüdischen Schriftstellerkollegen Arthur verheiratet. Welchen Platz kann Hae-sung überhaupt noch in Noras Leben einnehmen, nachdem diese ihr altes Ich in Südkorea zurückgelassen hat?

Die beiden Kindern Nora und Hae-sung gehen nebeneinander eine Treppe in Seoul hoch
Beste Freunde: Nora (Seung Ah Moon) und Hae Sung (Seung Min Yim) in Seoul © Studiocanal

Ein autobiographischer Film

Mit Past Lives verantwortet Celine Song, die eigentlich als Theaterautorin arbeitet, ihren allerersten Spielfilm. Die Idee für die Handlung, die sie mit Regie und Drehbuch selbst umsetzte, stammt direkt aus ihrem eigenen Leben.

Denn die junge Kanadierin wanderte im Alter von 12 Jahren mit ihren Eltern aus Südkorea aus, ehe sie später ihre neue Heimat in New York fand. Ende 2018 besuchte sie dann ihre ehemalige Jugendliebe während eines Urlaubs im Big Apple.

So fand sich Song schließlich in einer Bar zwischen zwei Männern wieder: auf der einen Seite ihr Ehemann und auf der anderen ihre Jugendliebe aus Südkorea, zwischen denen sie als Dolmetscherin, sprachlich und kulturell, vermitteln musste.

Was sich hier sinnbildlich anhand der Männer zusammenfügte, war Songs altes koreanisches und ihr gegenwärtiges amerikanisches Leben. Doch was wäre (und hier wird die reale Geschichte zur Fiktion des Films), wenn nach all den Jahren immer noch Gefühle im Spiel wären?

Und genau das ist der Kernkonflikt von Past Lives, weshalb der Film auch mit dieser spannenden Dreieckskonstellation beginnt, ehe er die Geschichte von der Kindheit bis zur Gegenwart chronologisch aufrollt.

Nora, Arthur und Hae-sung gehen des Nachts in New York eine Straße entlang und unterhalten sich
Nora (Greta Lee) an der Seite der beiden Männer in ihrem Leben: Arthur (John Magaro) und Hae Sung (Theo Yoo) © Studiocanal

Die Frage nach dem Hätte-Wäre-Wenn

In Korea ist der Glaube an „In-Yun“ weit verbreitet. Dahinter steckt die Idee, dass Menschen füreinander bestimmt sind und sich aus vielen vorangegangenen Leben kennen. Ob das bei Hae-sung und Nora tatsächlich der Fall ist, verhandelt Celine Song anhand von drei Lebensabschnitten der beiden, zwischen denen jeweils 12 Jahre liegen.

Während das Leben der beiden voranschreitet, stehen so viele grundlegende Fragen unbeantwortet im Raum: Was wäre, wenn die beiden Kinder sich nicht hätten trennen müssen, weil Nora mit ihren Eltern nach Kanada auswandert? Wären sie dann als Erwachsene ein Paar? Auch der Mittelabschnitt des Films, in dem Hae-sung und Nora sich über das Internet wiederfinden und eine Zeitlang intensiv miteinander skypen, legt nahe: Irgendetwas ist da zwischen den beiden. Was steht ihnen denn im Weg?

Celine Song erzählt die Geschichte aller Erwartungen an diesen (vermeintlich) klassischen RomCom-Stoff zum Trotz erstaunlich klischeefrei, fast schon unterkühlt. Unterkühlt deshalb, weil die großen kitschigen Gesten vollkommen fehlen. Der Moment der einen großen Erkenntnis, dass die Figuren füreinander geschaffen sind und nichts anderes mehr wollen, als zusammen zu sein, fehlt. Stattdessen dominiert vor allem bei Hae-sung koreanische Zurückhaltung. Statt der Gesten dominieren Blicke, die sich die ungemein natürlich aufspielenden Greta Lee und Teo Yoo als die erwachsenen Figuren immer wieder zuwerfen.

Das eigene Gedankenkarussell

Was Past Lives schließlich in die Beletage des Filmjahres 2023 hievt, sind (neben aller handwerklichen Raffinesse) die entstehenden Leerstellen für die Zuschauer:innen, die das Gedankenkarussell bis zur grandiosen Schlusseinstellung am Laufen halten. Während man auf der Couch noch versucht zu entschlüsseln, was eigentlich die passende Beziehung der beiden zueinander sein sollte, schleicht sich immer stärker die eigene biographische Vergangenheit hinein. Soll heißen: Wer diese Momente kennt, in denen sich Liebe anzubahnen scheint, in denen eine Verbindung sich in die eine oder andere Richtung entwickelt, der wird während Past Lives in einen ständigen Abgleich mit seiner eigenen Erfahrungswelt geraten.

Diese Leerstellen, die eben selbst gefüllt werden können, eröffnet der Film vor allem, weil er sich oft genug traut, still zu sein und die Atmosphäre wirken zu lassen, die sich aus dem emotional berührenden Score, den betörend schönen Bildern und der Situation der Figuren ergibt.

Unser Fazit zu Past Lives

Celine Songs autobiographisch geprägtes Liebesdrama Past Lives zählt ohne Zweifel zu den Kino-Highlights des Jahres 2023. Was sich auf dem Papier als Stoff für eine typische RomCom liest, ist frei von Klischees und so behutsam inszeniert, dass während des Schauens das eigene (Liebes-)Leben im Kopf Revue passiert. So trifft Past Lives nicht nur ins Herz, sondern regt auch den eigenen Kopf an. Eine großartige Verbindung!

Past Lives ist im November über Studiocanal auf DVD & Blu-ray erschienen.

Unsere Wertung:

 

Past Lives - In einem anderen Leben [Blu-ray]
Kundenbewertungen
Past Lives - In einem anderen Leben [Blu-ray]*
von Arthaus / Studiocanal
Prime  Preis: € 14,99 Jetzt auf Amazon kaufen* Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Zuletzt aktualisiert am 18. November 2023 um 11:11 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
Past Lives - In einem anderen Leben
Kundenbewertungen
Past Lives - In einem anderen Leben*
von Arthaus / Studiocanal
Prime  Preis: € 12,99 Jetzt auf Amazon kaufen* Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Zuletzt aktualisiert am 18. November 2023 um 11:11 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

© Studiocanal

Simon Eultgen

Kommentar hinzufügen