Nach House of the Dragon wächst die Serienwelt von Eis und Feuer weiter: A Knight of the Seven Kingdoms ist aber ein ganz anderer Schnack als das, was man bislang aus Westeros kennt. Gelungene Abwechslung oder eher ein Störfeuer?
Darum geht’s in A Knight of the Seven Kingdoms
Ein Jahrhundert vor den Ereignissen von Game of Thrones wanderten zwei ungewöhnliche Helden durch Westeros – ein junger, naiver, aber mutiger Ritter, „Ser Duncan der Große“, und sein kleiner Knappe Egg. In einer Zeit, in der die Targaryens noch auf dem Eisernen Thron sitzen und die Erinnerung an den letzten Drachen noch nicht verblasst ist, erwarten diese ungewöhnlichen und unvergleichlichen Freunde große Schicksale, mächtige Feinde und gefährliche Abenteuer.

Mutiger Tonwechsel
Den ein oder anderen humoristischen Moment, einige witzige One-Liner und zotige Anspielungen gab es sowohl in Game of Thrones als auch in House of the Dragon, aber wirklich „lustig“ waren die Westeros-Serien bislang beileibe nicht. Das ändert sich schon in den ersten Minuten von A Knight of the Seven Kingdoms: spätestens wenn das ikonische Theme mitten in der Melodie unterbrochen und zum furzenden Protagonisten übergeblendet wird, ist klar, dass man diesmal gänzlich neue Wege beschreitet – und nicht davor zurückschreckt, die Fans der Reihe ein bisschen vor den Kopf zu stoßen.
Tonal erinnert das leicht aufmüpfige Gebaren doch in Teile fast eher an die Witcher-Stoffe, aber das keineswegs als negativ zu verstehen ist, wenn man im mittelalterlichen Fantasy-Setting nun viel lockerer vorträgt als es im bedeutungsschweren GoT-Kosmos bislang oft der Fall war. Nichtsdestotrotz müssen die Macher damit rechnen, dass hier doch der ein oder andere Purist abspringt, der in den vulgären Anflügen einen zu großen Bruch sieht. Doch bei aller Plattheit des ein oder anderen Gags, ist die tonale Ausrichtung stringent und überschreitet nie die Schwelle zum Parodistischen, wobei es manchmal schon haarscharf daran vorbeischrammt.
The Mandalorian für Westeroris
Auch die Art, wie Duncan in der Pilotfolge eingeführt wird, hat schon reichlich Selbstironie, aber passt exzellent zu der einfachen Seele unseres Helden. Ja und ein bisschen macht sich A Knight of the Seven Kingdoms schon über Ritter-Klischees lustig. Aber wer mit der richtigen Erwartungshaltung hier ran geht, der wird sich aufgrund der fantastisch geschriebenen Dialoge köstlich amüsieren und mehrfach hellauf auflachen in jeder Folge. Überzeichnet, aber grundsympathische und irgendwie dadurch ziemlich clever. Vor allem, dass hier die Ahnen der bekannten GoT-Figuren/Häuser recht umfassend vorkommen und man auch ohne die Namen zu kennen, stets wüsste, mit welchem Vorfahr man es wohl grad zu tun hat, zeugt von der Liebe zu der Welt von George R. R. Martin und wird Kenner der Materie doch schnell für den ein oder anderen tonalen Stolperstein entschädigen.
So tölpelhaft wie der noch recht unbekannte Peter Claffey hier den tapsigen, unbeholfenen aber grundsympathischen Ritter Ser Duncan spielt, muss man ihn einfach ins Herz schließen. Gern möchte man ihm unter die Arme greifen, wenn er von einem Fettnäpfchen ins nächste taumelt. Das erinnert dann doch auch in Teilen an den Heath Ledger Film Ritter aus Leidenschaft – und steht dem auch in Sachen Ausstattung in nichts nach.
Doch dann kommt hier eben die Lone Wolf and Cub-Komponente mit Egg, einfach nur süß gespielt von Dexter Sol Ansell noch on top, bei der man von Sekunde eins weiß, wo HBO damit nun eigentlich fischen wollen. Denn ähnlich wie sich The Mandalorian zu der düstersten aller Star Wars-Geschichten, Andor, verhält, so ist es nun mit diesem Spin-Off zur Ursprungsserie Game of Thrones. Ja, Dunc ist aus anderen Gründen ein Einzelgänger und Eigenbrötler wie Din Djarin – und er ist auch um Längen einfältiger, nahezu treudoof -, doch beide blühen durch die Aufgabe des Beschützens eines kindlichen Begleiters auf und entwickeln sich so weiter.

Ein einfaches, emotionales, packendes Abenteuer
Nicht nur die Tonalität weicht vom gewohnten GoT-Duktus ab, auch fallen die fantastischen Elemente, wie beispielsweise die Drachen, und der Miträtsel-Aspekt aus der Gleichung raus. Und dass die Folgen jeweils nur 30 bis 40 Minuten Laufzeit haben, ist auch ein klarer Abgrenzungsfaktor. Doch das, was in A Knight of the Seven Kingdoms gezeigt wird, sieht gewohnt nach HBO-Qualität aus: Spektakuläre Ritterturniere, gut choreografierte Feiern, ein hochwertig anmutendes Konstümbild. So ist auch dieser Ausflug nach Westeros immersiv – nur eben anders als bisher.
Dazu kommt dann aber die berührende Geschichte von Duncan, dem Außenseiter, der seinen Platz in der verschroben komplexen Welt von Westeros sucht. Und ein bisschen was von Mystery-Box hat die Figur von Egg (zumindest für Nicht-Kenner der Vorlage) ja auch. Das Zusammenspiel dieser beiden Charaktere hat von Beginn etwas Zauberhaftes, etwas Echtes, etwas, wo man gerne dabei ist.
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Unser Fazit zur ersten Staffel von A Knight of the Seven Kingdoms
Das Game of Thrones-Spin-Off A Knight of the Seven Kingdoms zeigt uns die sonst so erbarmungslose Welt von Westeros aus einer ganz anderen, frischen Perspektive. Und die Serie beweist, dass man nicht unbedingt Drachen, Weiße Wanderer oder politische Intrigen braucht, um innerhalb dieser Franchise etwas zu erzählen, was einen emotional involviert. Denn die Dynamik zwischen Duncan und Egg, zwischen Peter Claffey und Dexter Sol Ansell ist fantastisch. Ein kleines Abenteuer abseits des großen Epos - und doch mittendrin. Nur muss man sich auf den schrulligen Humor und die Marotten des etwas anderen Ritters schon einlassen können, weil man in Teilen näher an Ritter aus Leidenschaft dran ist als an der eigenen Serienwelt.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

