Ein GoT-Star und ein White Lotus-Star zusammen in Moskau während des Kalten Kriegs als CIA-Mitarbeiterinnen – klingt nicht uninteressant, aber ist PONIES auch eine spannende Serie?
Darum geht’s in PONIES
Moskau, 1977: Zwei ‚PONIES‘ (‘Person of no interest’ in Geheimdienstsprache) arbeiten anonym als Sekretärinnen in der amerikanischen Botschaft. Zumindest, bis ihre Ehemänner unter mysteriösen Umständen in den UdSSR getötet werden und die beiden zu CIA-Agenten werden. Bea (Emilia Clarke) ist ein hochgebildetes, russischsprachiges Kind von sowjetischen Einwanderern. Ihre Kollegin Twila (Haley Lu Richardson) ist eine ebenso schroffe, wie furchtlose junge Frau aus der Kleinstadt. Zusammen arbeiten die beiden daran, eine große Verschwörung des Kalten Kriegs aufzudecken und das Geheimnis aufzuklären, das sie zu Witwen gemacht hat.

Erst retropoppy, dann tragisch
Die neue Peacock-Spionageserie beginnt erstmal wie ein kleiner Nostalgietrip in die sowjetische Zone in den 1970ern, was nur in Teilen (Autos, Musik, Styling) stimmig daherkommt, aber in der Art der Kommunikation nicht ganz zeitlich korrekt wirkt. Doch das ist eigentlich zu vernachlässigen, denn diese kurze Episode in der Pilotfolge ist lediglich eine Art Prolog, der jäh unterbrochen wird, als die beiden Protagonistinnen über das Ableben ihrer CIA-Gatten informiert werden. Das dämpft erstmal die leicht flippige Stimmung und sorgt dafür, dass PONIES erstmal seine tragische Seite zeigen darf – und darin durchaus zu überzeugen weiß, weil a) der Stimmungsumschwung gut gelingt und b) die beiden „Witwen“ glaubhaft mit diesem Verlust umgehen.
Eine vielversprechende Mischung
Die Serie macht in der ersten Folge direkt Lust auf mehr, weil sie wie eine interessante Mischung aus für sich genommen extrem starken Stoffen wirkt: Hier trifft eine Portion Retro-Agententhriller à la The Americans auf einen Hauch von Ostalgie aus Cleo, gepaart mit dem Auswechselbank-Faktor von Slow Horses und angereichert mit der trockenen Darbietungsform und dem subversiven Witz von Diplomatische Beziehungen.
Zusätzlich spielt PONIES dann aber auch sehr offensiv mit den Marotten der damaligen Gesellschaft – vor allem in Bezug auf die Geschlechterrollen in den 70ern, was durch die heutige Perspektive natürlich automatisch für den ein oder anderen Lacher gut ist und hier das auch gut auszuspielen weiß, weil man es zum Glück nicht ins Unrealistische überreizt. Gerade weil die Klischeemomente so glaubhaft sind, ist die ganze Geschichte hier ziemlich authentisch.
Haley stiehlt Emilia die Schau
In der zweiten Staffel von The White Lotus hat sich Haley Lu Richardson auch im Mainstream in den Fokus gespielt als leicht verträumte, bezaubernde aber doch auch souveräne Assistentin von Fan Favourite Tanja (Jennifer Coolidge). Doch schon vorher hat die Amerikanerin in Kogonadas Columbus eine sensationelle Vorstellung hingelegt – und ist zumindest bei mir seither immer ein Grund, um Filme und Serien dank ihrer Beteiligung Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Nun ist sie hier quasi Teil eines Protagonistinnen-Duos zusammen mit Emilia Clarke, die nach dem Ende von Game of Thrones merklich Schwierigkeiten hat, sich von ihrer Rolle der Daenerys Targaryen loszueisen. In Solo: A Star Wars-Story war sie zwar engagiert bei der Sache und eines der Highlights, doch fiel das Projekt leider bei den Fans der Sternensaga durch; und auch bei ihrem Aufschlag im Marvel Cinematic Universe in Secret Invasion hatte sie nicht mehr Glück, sondern musste letztlich zusehen, wie sie in einer weiteren großen Franchise in einem der schlechtesten Beiträge verschenkt wurde. Entsprechend ist nun aber PONIES ohne den Franchise-Ballast und mit deutlich weniger Aufhebens vielleicht genau der richtige Schritt für einen kleinen Karriere-Reset Clarkes.
Richardson und Clarke spielen hier nun zwei doch ziemlich unterschiedliche Frauentypen, jede für sich passt dabei zur jeweiligen Darstellerin. Im Zusammenspiel hat dies dann sogar einige Momente, die eine Dynamik wie in richtig guten Buddy-Cop-Filmen versprühen. Doch das liegt mehr an Richardson als an Clarke, denn deren Bea ist doch eine deutlich passiver wirkende Figur, teils sogar handzahm und naiv wirkend. Entsprechend gebühren Twila, der lauteren und impulsiveren der beiden, dann auch die coolen Sätze, die einprägsameren Momente und die entscheidenderen Anteile innerhalb der Zusammenarbeit. Ja, beide haben ein ähnliches Trauma, sind beide wildentschlossen von der passiven in die aktive Rolle zu switchen und beide sind auch initiativ und nicht nur Spielbälle im Geheimdienst-Zirkus. Doch im direkten Vergleich fällt doch auf, dass Emilia Clarke aus ihrer Haut einmal mehr nicht wirklich herauskommt, während Haley Lu Richardson ihrer Range hier weitere Facetten hinzuzufügen weiß.

Manchmal etwas viel Gelaber, aber grundsätzlich ziemlich packend
Dem ein oder anderen wird hier in Teilen negativ aufstoßen, dass vor allem die beiden Protagonistinnen ziemlich viel labern, ohne dass die Gespräche irgendwie die Story voranbringen. Doch das passt eigentlich doch ganz gut zur Zeichnung der Charaktere und irgendwann gewöhnt man sich dran – oder findet sogar gefallen an der Geschwätzigkeit.
Wenn aber Tacheles gesprochen, Pläne geschmiedet oder sich verschworen wird, dann ist man hellwach bei der Sache, weil PONIES alles in allem eine spannende Story erzählt, bei der es durchaus eine spürbare Fallhöhe und Konsequenzen gibt. Die kleine Geheimdienstwelt, die hier imaginiert wurde, ist mit ihren Regeln dabei auch stimmig und wirkt realitätsnah. Der Look mitsamt dem 4:3er Seitenverhältnis fügt sich genau wie eine richtig schöne 70er-Songauswahl ins Gesamtbild. Alles in allem gibt es hier also keine allzu großen Schwachstellen, die den Nostalgietrip ruinieren könnten.
© Peacock
Unser Fazit zu PONIES
PONIES ist etwas für diejenigen, die einfach nicht genug von Kalter Krieg-Spionage bekommen können oder ein Faible für Serien wie The Flight Attendant haben, wo anfänglich überforderte Frauenfiguren in den Sog der Geheimdienstwelt geraten, dann aber recht schnell verstehen, wie das Spiel zu funktionieren scheint und die Regeln auf ihre Weise anpassen. Das wird hier vor allem Dank Haley Lu Richardsons Performance voll erfüllt, aber auch Emilia Clarke ist hier eindeutig glücklicher unterwegs als in den vorigen Serienprojekten seit dem GoT-Finale.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

