Die erste Staffel von Alex Cross war ein Megahit für Prime Video – und eine Bestätigung der „Dad-TV-Strategie“. Zum Glück gibt es von der Vorlage genug Stoff für weitere Staffeln. Wie ist nun die zweite Staffel geworden?
Alex Cross – Darum geht’s in Staffel 2
Die zweite Staffel treibt die Serie in ein kühneres, gefährlicheres Kapitel, als der Milliardär Lance Durand (Matthew Lillard) das FBI um Schutz ruft, nachdem er eine Todesdrohung erhalten hat – eine, die ihn mit dem Mord an einem ultrareichen Playboy in Verbindung bringt. Detective Alex Cross und FBI-Agentin Kayla Craig (Alona Tal) führen eine neue gemeinsame Mission an, um Durand zu schützen und den Mörder zu finden, der grausame Hinweise hinterlässt. Währenddessen stellt John Sampson (Isaiah Mustafa), Cross‘ Partner und langjähriger bester Freund, eine unerwartete Verbindung her.

Previously on
Der Neustart von Alex Cross ist den Machern unter der Ägide von Amazon Prime Video gelungen. Zur Erinnerung: Die Figur ist ein regelrechtes Popkultur-Phänomen, erdacht von James Patterson, der seinem Helden inzwischen gut 30 Thriller auf den Leib schrieb (für Skriptstoff ist also Nachschub garantiert). Zwei bekannte Darsteller schlüpften in Filmfassungen von einzelnen Romanen schon in die Rolle: in den Neunzigern Morgan Freeman in Im Netz der Spinne und … zum Küssen sind sie da – zwei typische 90s-Crime-Flicks, die heute maximal noch auf einschlägigen Free-TV-Sendern versendet werden. Der zweite Darsteller war dann Tyler Perry, der in der gleichnamigen Wiederverfilmungen Alex Cross im Jahr 2012 mit sehr mäßigem Erfolg mimte.
Schon die Revivals von Jack Ryan undJack Reacher würde ich als großer Genre-Fan und Serienjunkie als volle Erfolge bezeichnen; die Resonanz in der globalen Serienwelt und insbesondere auch von Fans der Romanfiguren unterstreichen dies. Nun war aber meiner Meinung nach Alex Cross ein – zum Glück – etwas anders gelagerter Fall, was allein schon die Daseinsberechtigung einer Neuverfilmungen im schon ziemlich übersättigten Crime-Thriller-Subgenre rechtfertigt. Denn diese Figur ist eben nicht nur ein typischer Ermittler, der einen Background aus einer spezifischen Fachrichtung (hier die psychiatrische Forensik) mitbringt und der von einem Schicksalsschlag (hier der gewaltsame Tod seiner Frau) angetrieben und traumatisiert ist. Nein, Cross ist eben auch ein ambivalenter Charakter, der für die POC-Community eine sehr wichtige Rolle spielt.
Und in diese Rolle durfte nun also Aldis Hodge schlüpfen, der neben „The Rock“ in Black Adam zu sehen war, aber insgesamt trotz reichhaltiger Filmografie (noch) ein vergleichsweise „kleiner“ Name war – verglichen mit einem Morgan Freeman, der diese Figur einst verkörperte. Aber die Wahl, so stellte sich bereits in der Auftaktszene heraus, hätte besser nicht ausfallen können, denn Hodge hat einerseits eine beeindruckende körperliche Präsenz, mit der er immer wieder an Idris Elba in der Luther-Rolle erinnert und andererseits aber eine gewisse stoische Ausstrahlung und Besonnenheit in seiner Aura, die ihn schnell sympathisch, aber auch erstmal noch nebulös macht. Er trug die erste Staffel auf seinen breiten Schultern und war schon allein das Einschalten wert.

Und weiter geht’s
Die ganze Story in der Auftaktstaffel wusste recht schnell einen Sog zu entwickeln und bis zum Cliffhanger-Staffelfinale nicht locker zu lassen. Dabei überzeugten neben Hodge auch die Nebenfiguren. Doch nun gibt es im Cast einige Veränderungen: Matthew Lillard, Jeanine Mason und Wes Chatham reihen sich neben den Wiederkehrern Isaiah Mustafa, Alona Tal, Samantha Walkes, Juanita Jennings, Caleb Elijah, Melody Hurd und Johnny Ray Gill ein.
Der Lillard-Milliardär ist auf den ersten Blick mal wieder ein fast überdeutlicher Wink in Richtung echter Tech-Mogule, was sogar in der Serie mit einem Steve Jobs-Gag adressiert wird. Doch wer Lillard kennt, weiß, dass der einstige Scooby Doo-Star in einer solchen Rolle doch bestimmt den ein oder anderen besonderen Charakterzug ausleben wird, die der vermeintlichen Klischeerolle etwas eigenständiges und frisches einhaucht. Das exzentrische Element ist dann aber wiederum in Teilen zu beliebig ausgeprägt und eingesetzt, sodass man diese Figur nicht ganz ausgereift wahrnimmt.
Das wiederum ist zwar schon eine Schwachstelle, aber schon in der ersten Staffel fehlten in der zweiten Reihe und auf der Gegenseite gleichwertige Figuren zu den wirklich überzeugenden Leuten rund um Alex Cross und dessen Team. Und dieses Ungleichgewicht wird zumindest nicht weiter verstärkt, weil die neue Figur Rebecca in dieser Staffel, gespielt von Jeanine Mason, der mitunter spannendste Neuzugang ist. Last but not least ist aber auch The Expanse-Liebling Wes Chatham eine tolle Ergänzung und ad hoc ein Sympathieträger.
Vieles beim alten…
Grundlegend verhält es sich bei Alex Cross – Staffel 2 analog zu den anderen Thriller-Procedurals von Amazon Prime Video: Das solide bis gute Grundniveau der Auftaktstaffel wird auch in der Folgestaffel gehalten, weil man von Beginn an sich der Stärken eines breiten Fundaments bewusst ist: Die stark geschriebenen Hauptfiguren werden konsequent weiterentwickelt, die Fallhöhe nimmt marginal zu, niemand entwickelt plötzlich Superkräfte und die Figurendynamiken bleiben intakt, werden mit Bedacht verschoben, sodass es sich weder redundant noch zu weit vom Anfang weg anfühlt. Ergo kann man auch in diesem „Fall“ wieder sagen, dass Fans definitiv die Qualität wieder bekommen, die in der Debütstaffel schon drin war.
Spannend ist das insbesondere – aber das nur am Rande -, weil Prime Video hier bezüglich zweiter Staffeln von Erfolgsformaten ein im Durchschnitt wesentlich besseres Händchen hat als die Konkurrenz von Netflix, wo in den letzten Jahren sehr häufig Sequelstaffeln den starken Starts deutlich nachstanden.
… aber etwas besser
Ohne nun aber zu sehr ins Spoiler-Territorium einzutreten, kann bezüglich eben des neuen Falls gesagt werden, dass dieser sich doch wie eine Steigerung anfühlt, weil bestimmte Charakterelemente diesmal schon etabliert sind und sich mehr Zeit für die eigentliche Ermittlungsarbeit, die Täterjagd und auch die Action-Momente genommen werden kann. War der Gegner in Staffel 1 noch ein kleines Manko, ist hier nun mehr Fallhöhe drin, was diese neue Geschichte noch ein Stück spannender und intensiver macht. Denn die tangierten Themen bzw. Konfliktfelder – Menschenhandel, Kinderarbeit,… – sind doch emotional noch zugänglicher und universeller.

Große Worte zu Aldis Hodge und Isaiah Mustafa muss man nicht verlieren. Deren gemeinsame Momente waren in Staffel 1 mitunter die Highlights und sind auch diesmal wieder ausnahmslos bemerkenswert. Was wiederum ebenfalls wie zuvor quasi als USP dieser Serie im Vergleich mit den anderen Buch-Adaptionen aus dem Thriller-Milieu bei Prime eingesetzt wird – und weiterhin auch maßgeblich zum Feeling der Show beiträgt – ist die musikalische Umrahmung mit den R’n’B-Rhythmen und Black-Music-Songs. Das in Verbindung mit den POC-Elementen, die smart und nie aufdringlich als Stilmittel herhalten, wahrt Alex Cross – Staffel 2 seinen ausgefeilten Look & Feel und nutzt sich auf dieser Ebene keinesfalls schon ab.
© Amazon Studios
Unser Fazit zu Alex Cross - Staffel 2
Leicht überzeichnet, rasant und mit Anspruch konstruiert - Cross macht in Staffel 2 dort weiter, wo schon der Auftakt punkten konnte und dreht dabei die Spannungsschrauben dezent an. Natürlich gibt es hier wieder einige Ideen, die deutlich mehr einem Autorenhirn entstammen als der Realität, doch trotzdem fühlt sich die Geschichte realistisch und aktuell genug an, dass man auch immer wieder schlucken muss. In diesem Thriller-Bereich macht Prime derzeit kaum einer Konkurrenz.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

