Jede europäische hat ihre Unterwelt: Nach Gangs of London, Suburra und Co. geht es in die Niederlande ins Cannabis-Millieu: Ist Amsterdam Empire ein weiteres Gangster-Serienhighlight?
Darum geht’s im Amsterdam Empire
Jack van Doorn, der reiche und berüchtigte Gründer des Coffeeshop-Imperiums Jackal, musste sein ganzes Leben lang gegen Kriminelle, Konkurrenten und absurde niederländische Gesetze ankämpfen, um zum Größten zu werden. Als seine Affäre mit einer bekannten Journalistin ans Licht kommt, stellt sich heraus, dass seine gefährlichste Gegnerin die ganze Zeit mit ihm unter einem Dach gewohnt hat: seine betrogene Frau Betty. Die Ex-Popdiva kennt alle seine Schwachstellen und Geheimnisse und wird erst aufhören, wenn sie ihm alles genommen hat. Amsterdam Empire ist ein extravagantes Krimidrama voller Glanz und Gloria inmitten der Amsterdamer Cannabis-Szene.

Holland noch immer unterschätzt
Mit Undercover und den Ferry-Spin-Offs hat das Trio Piet Matthys, Nico Moolenaar und Bart Uytdenhouwen bereits richtig gute Krimi- und Thriller-Unterhaltung produziert, die auch in Deutschland jeweils Achtungserfolge feiern konnte. Insgesamt aber kommt aus unserem Nachbarland zwar immer mal wieder ein kleines Ausrufezeichen im Film- oder Serienbereich, aber verglichen mit Belgien oder den Skandinaviern hinken die Niederländer etwas hinterher.
Das liegt mit Sicherheit eher daran, dass man es nicht schafft, die Qualitäten gut nach außen zu verkaufen, weniger daran, dass es generell daran mangelt oder die Schauplätze in dem kleinen Land fehlen würden: Im Gegenteil hat man doch mit Amsterdam eine der charakteristischsten europäischen Metropolen aufzubieten, aus deren Settings man noch viel mehr rausholen könnte – vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass andere Großstädte inzwischen gefühlt „auserzählt“ sind. (Sorry, London, Berlin und Paris, aber wer nur ab und an den Fernseher anschaltet, wird inzwischen jeden Winkel bei euch kennen ohne jemals selbst dort gewesen zu sein!)
Und sind wir mal ehrlich, wenn sogar Ted Lasso ausgerechnet seinen Festland-Trip dorthin verlegt, dann muss Amsterdam doch was bieten, was man sonst nirgends bekommt. Nun stellt sich also die Frage, ob Amsterdam Empire einerseits weiß, die aufregende City in Szene zu setzen und andererseits auch eine gute Gangsterthriller-Serie ist.
Zwischen Kiffer-Klamauk und Flodder-Charme
Schon in Undercover war es regelmäßig ein schmaler Grat zwischen den witzigen Momenten bedingt durch die teils comichaft überzeichneten Charaktere und der Ernsthaftigkeit der Situation. Doch allein weil Ferry und Co. so einmalig gespielt wurden, ist es gelungen, dort diesen ganz eigenen Ton durchzuziehen und damit auch erfolgreich zu sein. Nun hat man für Amsterdam Empire die Seriosität nochmals zurückgeschraubt und versucht im Coffeeshop-Geschäft mit Kiffer-Humor, noch mehr skurrilen Figuren und absurden Entwicklungen zu punkten. Doch diesmal geht dieser Spagat nicht wirklich auf, in Teilen sogar komplett schief.
Den Hauptcharakter Jack als liebenswerte, leiht trottelige Mischung aus erwachsenes Kind und ehrgeizigen Geschäftsmann zu zeichnen, geht dank der überzeugenden, leichtfüßigen Darbietung von Jacob Derwig noch einigermaßen auf. Und auch Elise Schaap, die in Undercover das überzeichnete Dummchen spielen musste, ist hier wesentlich smarter und sympathischer charakterisiert als neue Geliebte des Drogen-Geschäftsmanns. Aber dann fangen die Probleme schon an: Wirklich alle Nebenfiguren aus dem Gangstermilieu sollen an die Ferry-Formel anknüpfen, aber allen fehlt diese besondere Spitzbübigkeit von Frank Lammers. Komplett daneben ist die Figur des Bolle, gespielt von Victor Löw, der als eine Art Zuhälter-Verschnitt wie aus einem 80er-Jahre Softporno wirkt und dadurch noch peinlicher rüberkommt, als mutmaßlich ohnehin intendiert.

Das größte Problem jedoch ist leider Famke Janssen, die hier nicht nur komplett unvorteilhafte Outfits auftragen muss, sondern nahezu in jeder Szene, die irgendwelche Emotionen vermitteln soll, zeigt, wie wenig schauspielerisches Talent sie mitbringt. Das macht aus der eigentlich auf dem Papier noch ganz spannenden Krimi-Komödie letztlich eine ziemlich verunglückte Gangsterserien-Parodie, bei der kaum ein Gag landet, die Geschichte nichts Neuartiges macht und auch die Zuspitzung überhaupt nicht packt.
© Netflix
Unser Fazit zu Amsterdam Empire
Leider versagt das Undercover-Folgeprojekt genau in der Disziplin, die die dreistaffelige Krimiserie einst ausgemacht hat: Der Spagat zwischen Humor und seriösem Krimi geht ziemlich in die Binsen. Weder hat man genug interessante Figuren, um mit jemandem mitzufiebern noch landen die viel zu albernen Witze ausreichend, um hier noch deswegen dranzubleiben.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

