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    Clickbait

    Jan Wernervon Jan Werner29. August 2021Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Pia Brewer (Zoe Kazan) läuft in Clickbait sichtlich erschüttert eine Straße entlang, während sie von einer fragenden Reporterin verfolgt wird.
    CLICKBAIT (L to R) ZOE KAZAN as PIA BREWER and KATE LISTER as JEANNINE MURPHY in episode 103 of CLICKBAIT Cr. BEN KING/NETFLIX © 2021
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    Was und wem kann man im Internet überhaupt noch glauben? Diese Frage spielt in der Miniserie Clickbait, die nun bei Netflix gestreamt werden kann, eine wichtige Rolle. Erfahrt in dieser Kritik, wie gut die modernen Möglichkeiten der Technik in diesem Krimi eingewoben wurden.

    https://www.youtube.com/watch?v=0Le3TkR9DqM

    Das Poster zur Miniserie Clickbait zeigt ein Smartphone auf dem man ein weitere Smartphone sieht, auf dem ein Bild zu sehen ist, das einen Mann mit einem Schild mit der Aufschrift "AT 5 MILLION VIEWS I DIE" zeigt.
    Das Poster zur Cyber-Crime-Serie Clickbait © Netflix

    Clickbait – Wer war Nick Brewer wirklich?

    Der liebevolle Ehemann, Vater und Bruder Nick Brewer (Adrian Grenier) verschwindet eines Tages auf rätselhafte Weise. Im Internet erscheint ein Video des Mannes, der offensichtlich brutal zusammengeschlagen wurde. Er hält eine Karte in den Händen, auf der steht, dass er Frauen missbrauche und sterben müsse, wenn das Video fünf Millionen Aufrufe erziele. Handelt es sich dabei um eine Drohung oder ein Geständnis? Oder etwa beides? Als seine Schwester (Zoe Kazan) und seine Frau (Betty Gabriel) sich auf die Suche nach ihm machen, entdecken sie eine Seite an Nick, die sie bisher nicht kannten.

    Die achtteilige Miniserie Clickbait wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Der spannende Thriller zeigt, wie die teils gefährlichen und unkontrollierten Impulse in uns in dieser Zeit der sozialen Netzwerke nur noch verstärkt werden und wie sich unsere virtuellen und realen Persönlichkeiten immer weiter voneinander entfernen.

    Phoenix Raei als Polizist in Clickbait. Er steht im Dunkeln neben einem Auto mit Schussweste und Pistole im Anschlag.
    Phoenix Raei spielt den Polizisten in Clickbait © Netflix

    Beginnt wie eine Folge Black Mirror…

    Der Auftakt von Clickbait weckt unweigerlich Erinnerungen an die dystopische Sci-Fi-Serie Black Mirror. Wie im britischen Erfolgsformat mahnt das Szenario, das hier skizziert wird, recht offensichtlich davor, dass in den technologischen Errungenschaften der letzten Jahre Fluch und Segen liegt, wobei auch hier der Fluch zu überwiegen scheint. In ihrer Aussage, Kritik daran üben zu wollen, dass durch die Anonymität im Netz die Hemmschwelle zum Voyeurismus stark gesunken ist und viele Freude am Leid anderer haben, erinnert diese Miniserie auch an den Film Untraceable von 2008. Leider merkt man recht schnell, dass die Story keineswegs so innovativ und originell ist, wie die Macher wohl selbst dachten. 

    … und wird zu einem Krimi à la Harlan Coben

    Bereits nach kurzer Zeit verkommen die digitalen Spielereien zur Randnotiz und bloßen Gimmicks. Die Art, wie hier beispielsweise Chatfenster eingeblendet werden, hat man inzwischen auch schon dutzende Male gesehen. Aber abgesehen davon nutzen weder die Ermittler die technologischen Möglichkeiten auf einem Level, das über das hinaus geht, was heutzutage alltäglich sein sollte, noch gibt es überraschende Auswüchse des Missbrauchs des Internets, die das Publikum, das ja tagtäglich selbst dort unterwegs ist, schocken könnten. Identitätsdiebstahl, Vortäuschen falscher Vorsätze, Cybermobbing und der schleichende Verlust der Privatsphäre sind nun wirklich keine neuen Erkenntnisse im Jahr 2021. Wer wirklich ungläubig mit dem Kopf über den faktischen Stand der Technik schütteln möchte, der sollte sich alternativ lieber die Serie The Capture ansehen.

    Dementsprechend spielt die digitale Komponente nur eine Nebenrolle, wodurch der Titel Clickbait quasi Programm ist. Vielmehr fügt sich diese Netflix-Produktion in eine Reihe mit den soliden Verfilmungen von Harlan Coben Krimis, wie Ich schweige für dich ein. Alles in allem ist die Thrillerserie für Fans klassischer Krimikost über weite Strecken sicherlich gut genug inszeniert, um mit den gewohnten Genre-Versatzstücken eine gewisse Spannung aufrecht zu erhalten.

    Adrian Grenier als Nick Brewer in Clickbait mit erschrockenem Gesicht und Blut auf Nase und Stirn in einem dunklen Raum.
    Nick Brewer (Adrian Grenier): Wer war er wirklich? © Netflix

    Ein Puzzlespiel mit Perspektivwechsel

    Ein Element, das zwar auch nicht wirklich neu ist, aber hier dennoch ganz gut funktioniert, ist die Erzählweise. Denn Clickbait wird, wie schon die Episodentitel verraten, in jeder Folge aus der Sicht einer anderen Person vorgetragen. Folge für Folge erschließt sich damit mosaikartig die Wahrheit. Leider überschlägt sich die Serie in der zweiten Staffelhälfte mit immer hanebücheneren Wendungen, die ohne Vorankündigung und aus dem Nichts passieren. Einen guten Krimiplot zeichnet noch immer aus, dass man beim Zuschauen selbst gedanklich mitermitteln kann. Hier jedoch fühlt man sich spätestens von der Auflösung wahrscheinlich ziemlich veräppelt. Die ganze Geschichte von Clickbait ist ziemlich generisch und auch, wenn man das Ende so nicht vorhersieht, so beschleicht einen doch das Gefühl, das alles so ähnlich schon dutzende Male gesehen zu haben.

    Schadenbegrenzung durch überzeugendes Schauspiel

    Was neben dem anständigen Tempo noch zum Dranbleiben animiert, ist die doch ansprechende Familientragödie, die sich unter dem Thriller-Überbau auftut. Dabei schaffen es insbesondere die beiden Protagonistinnen, dass man mit ihnen eine doch recht erschütternde emotionale Reise durchlebt. Von Trauer, über Ungläubigkeit, Enttäuschung, Wut und Rachegedanken bis hin zur Akzeptanz und Satisfaktion kann man sich stets in die Figuren einfühlen. Damit retten Zoe Kazan (The Big Sick) und Betty Gabriel (Get Out) die Miniserie vor der kompletten Belanglosigkeit. Auch die restliche Besetzung überzeugt in vielen Rollen, die durchaus nuanciertes Schauspiel erfordern, um die dargestellte Gefühlsachterbahn authentisch zu gestalten.

    Zoe Kazan steht in Clickbait in einem dunklen Raum leicht versetzt links hinter Betty Gabriel. Beide wirken leicht verblüfft und schauen in Richtung Kamera.
    Pia Brewer (Zoe Kazan) und ihre Schwägerin Sophie (Betty Gabriel) © Netflix

    In den letzten Jahren gab es leider zu viele vergleichbare Krimi-Miniserien mit einer Staffel und einer Länge von sechs bis maximal zehn Episoden, um mit dieser soliden Durchschnittskost hervorzustechen. Insbesondere die Konkurrenz von HBO hat mehrfach bewiesen, dass es nicht unbedingt den cleversten Kriminalfall braucht, wenn dafür andere Aspekte herausragend sind. So hat im vergangenen Jahr The Undoing dadurch überzeugt, dass Hugh Grant in eine Rolle gepackt wurde, von der vorher wohl kaum jemand geglaubt hätte, dass er sie so famos auszufüllen weiß. Und in diesem Jahr hat Kate Winslet in Mare of Easttown eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie sehr sich persönliche Traumata auf den Polizistenjob auswirken können. Clickbait fehlt es trotz der guten Schauspielerleistungen an diesem gewissen Etwas, vor allem auch bei der Charakterzeichnung.

    Unser Fazit zu Clickbait

    Clickbait ist eine kleine Mogelpackung, denn die meisten Zuschauer erhoffen sich womöglich, dass der Cyber-Thriller-Aspekt wesentlich prägnanter ausfällt. Letztlich ist die Serie kurzweilig genug, um die Zuschauer, die sich ohnehin jeden Krimi anschauen, solide zu unterhalten. Das familiäre Drama, das sich hier ebenfalls Bahn bricht, geht zwar nicht spurlos an einem vorbei, das ist aber am Ende zu wenig, um sich im umkämpften Krimiserienmarkt gegen die Konkurrenz zu behaupten.

    Clickbait ist seit dem 25. August komplett bei Netflix abrufbar!


    © Netflix

    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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