Luis Tosar ist zweifelsohne einer der bekanntesten Spanier im Schauspielzirkus. Doch in der Masse an Produktionen, bei denen er mitwirkt, ist nicht jede ein Hit. Bei Salvador stehen die Vorzeichen jedoch gut, aber wie ist die Thrillerserie nun geworden?
Darum geht’s in Salvador
Salvador erzählt die Geschichte eines Vaters, der herausfindet, dass seine Tochter einer Neonazi-Gruppe angehört. Er muss sich der Gruppe annähern, um zu versuchen, sie zu retten und zu verstehen, was sie dorthin geführt hat. Während einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den radikalen Fans zweier Fußballvereine rettet Salvador Aguirre, ein Krankenwagenfahrer, seine Tochter Milena. Diese ist Mitglied einer Ultra-Gruppierung, die rassistische, gewalttätige und homophobe Werte vertritt, die ganz im Gegensatz zu denen stehen, die er ihr vermittelt hat.

Thriller können sie, die Spanier.
Auch wenn ein großer Teil des weltweiten Publikums von Spaniens herausragenden Qualitäten in Bezug auf Thriller-Formate wohl erst durch Haus des Geldes Notiz genommen hat, so ist die iberische Halbinsel für spannende Stoffe nicht erst seit dem gigantischen Netflix-Hit ein regelrechter Garant. Man denke hierbei an Oriol Paulo, der mit Der unsichtbare Gast ebenfalls einen kleinen Hype entfachen konnte, an Rodrigo Sorogoyen’s Schaffen, der unter anderem mit Die Morde von Madrid die spanische Antwort auf Sieben lieferte oder an Das verborgene Gesicht von Andrés Baiz, der sogar dann nochmal in Südkorea wiederverfilmt wurde. Die Beispielliste ließe sich fortsetzen.
Doch während man bei diesen Projekten in der Regel eher die Twists und die Atmosphäre im Gedächtnis behält, gibt es ein Gesicht spanischer Film- und Serienproduktionen, das mindestens genauso einprägsam ist und das nun auch als Protagonist diese neue Serie tragen soll und Darf: Luis Tosar. Zwar hat der Spanier mit den markanten Augen (und Augenbrauen) mehrfach auch – wie in Sleep – Rollen ausgefüllt, die einem das Blut in den Adern haben gefrieren lassen, so ein Unwohlsein hat seine Präsenz dort bewirkt. Doch er kann eben auch den Helden mimen – und den struggelnden Anti-Helden wie nun als Titelfigur in Salvador.
Zwischen Hooligans, Athena und Code 3
Die neue spanische Thrillerserie ist ein rasanter Genremix, der von Sekunde eins an aufs Gaspedal drückt und versucht diese permanente Angespanntheit durch verschiedene Mittel über die gesamte Laufzeit oben zu halten. Der Einstieg erinnert dabei an die französischen Banlieue-Thriller, die ebenfalls Brennpunkt-Milieustudie und Thriller zu einer adrenalintrunkenen Erfahrung verbunden haben, wie Les Miserables von Ladj Li oder der herausragende Athena bei Netflix. Dabei ist man hier jedoch nicht ganz nah an einer Polizeitruppe dran, sondern an einer Rettungswagen-Crew, wobei besagter Titelheld hier mit an Bord ist und durch sein persönliches Schicksal die enorm tragische Komponente hineinbringt, durch die im Verlauf aus dieser Geschichte mehr und mehr eine persönliche Vendetta durch Madrid wird.
Alles was in Verbindung mit dem Sanitäter-Team und auch im weiteren Verlauf mit der Streifenpolizei geschieht, erinnert an aktuelle Krankenhaus-Dramen oder auch an den rasanten Rainn Wilson-Film Code 3 aus dem vergangenen Jahr, der analog zu Salvador einen Wettlauf mit der Zeit mit einem Einblick in ein marodes System verbunden hat. Doch als wäre das hier in Bezug auf die Eigenarten in der spanischen Hauptstadt nicht schon erzählenswert genug, wird das Ganze hier dann auch noch mit dem Neo-Nazi-Milieu und der Ultra-Szene à la Hooligans gekreuzt, sodass hier gleich etliche Konfliktherde nebeneinander schwelen.
Etwas überfrachtet, aber gerade noch gut zu folgen
Daraus resultiert dann stellenweise schon eine gewisse erzählerische Überforderung, das Gefühl, dass die Macher hier zu ambitioniert unterwegs sind, mit zu vielen Bällen auf einmal jonglieren wollen. Über weite Strecken hält die Haupthandlung rund um den Protagonisten und dessen Umgang mit dem doppelten Verlust seiner Tochter – erst an den Extremismus, dann an den Tod – das ganze Konstrukt noch gut zusammen, aber etwas weniger wäre womöglich hier besser gewesen, auch mit Blick auf die Gesamtlaufzeit: Zwei Folgen und zwei bis drei Nebenkriegsschauplätze weniger und Salvador wäre wohl insgesamt runder gewesen.
Dass man trotzdem hier dranbleiben will, wenn man mal bis zu einem gewissen Punkt gekommen ist, liegt einerseits aus dem doch frischen Perspektivenwechsel, der durch die Profession der Titelfigur implementiert wird und andererseits am eingangs erwähnten spanischen Gespür für Spannungsaufbau. Last but not least aber ist es natürlich auch die Ambivalenz der Geschichte der Luis Tosar Rolle, die hier das Interesse aufrecht hält: Wie sehr war sie wirklich ideologisch in die rechten Kreise abgedriftet? Macht sich Salvador nur verklärte Vorstellungen vom Leben seiner Tochter? Für was kämpft er also eigentlich hier um Rache? Und ganz klassisch: Was ist die Rache wert, wenn man damit niemanden, der tot ist, wieder lebendig machen kann und dafür aber die eigenen Werte komplett aus dem Fenster werfen muss?

Nicht jede Figur wird hier gleichwertig abgebildet und auch darstellerisch gibt es ziemliche Diskrepanzen zwischen den guten Schauspielenden und denen, denen man schon eine gewisse Telenovela-Artigkeit unterstellen muss. Auch lässt Salvador in Teilen Klischees nicht aus und tappt in die ein oder andere erzählerische Falle, was den Fluss und vor allem die Glaubwürdigkeit des Erzählten ins Straucheln, aber nicht zum Fallen bringt. Denn: auf der emotionalen Ebene sitzen die Beats, audiovisuell ist die Serie grundsolide und die Zuspitzung über die acht Folgen ist auf jeden Fall gelungen.
© Netflix
Unser Fazit zu Salvador
Salvador ist ein spannender Trip nach und durch Madrid mit einem raumeinnehmenden Luis Tosar in der Titelrolle. Zwar ist die Serie grundlegend spannend von Anfang bis Ende, aber immer wieder bremst sich die spanische Produktion selbst aus, weil sie etwas zu viel will und nicht jede Drehbuchentscheidung zu Ende gedacht wird. Doch das Positive überwiegt hier trotzdem, sodass man als Thriller-Fan - speziell mit Vorliebe für Produktionen von der iberischen Halbinsel - auf seine Kosten kommt.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

