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Lee Van Cleef als Frank ©Koch Films

Auf eigene Faust

Auf eigene Faust ist der sechste Film von Budd Boetticher innerhalb seines “Ranown-Zyklus'”. Im Jahre 1959 gedreht, hat nun auch dieser Western seinen digital-restaurierten Weg ins 21. Jahrhundert gefunden. Ob der Film an seinem 60. Jahrestag überzeugen kann oder ob er in die Jahren gekommen ist, erfahrt ihr im Folgenden!

TitelAuf eigene Faust (OT: Ride Lonesome)
Jahr1959
LandUSA
RegieBudd Boetticher
DrehbuchBurt Kennedy
GenreWestern, Abenteuer
DarstellerRandolph Scott, Karen Steele, Pernell Roberts, James Best, Lee Van Cleef, James Coburn
Länge73 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Das Blu-Ray-Cover zu "Auf eigene Faust" ©Koch Films
Das Blu-Ray-Cover zu “Auf eigene Faust” ©Koch Films

Ein einsamer Ritt – Die Handlung von Auf eigene Faust

Ben Brigade (Randolph Scott) nimmt den Mörder Billy John (James Best) in Gewahrsam, um ihn in Santa Cruz dem Sheriff zu übergeben und das Lösegeld zu kassieren. Auf ihrer Reise passieren sie eine Poststation, wo Brigade auf Mrs. Lane (Karen Steele) und die beiden Gauner, Sam Boone (Pernell Roberts) und Whit (James Coburn), trifft.

Die drei schließen sich Brigade und seinem Gefangenen an, um nach Santa Cruz zu reiten. Während Brigade seinen eigenen Plan verfolgt, haben Boone und Whit ihre Amnestie im Sinn: Sie wollen Billy John ausliefern, um ihre Verbrechen vor dem Gesetz reinwaschen zu lassen. Doch der Weg nach Santa Cruz ist lang und die Gruppe wird sowohl von Indianern, als auch von Frank (Lee Van Cleef), Billy Johns Bruder, verfolgt. An einem Flussbett kommt es am sogenannten Galgenbaum zum Zusammentreffen der Konfliktparteien…

Boetticher, Scott und ihr Zyklus

Budd Boetticher hat im Laufe seiner Karriere bei diversen Filmen Regie geführt. Seinen Durchbruch feierte 1951 mit Bullfighter and the Lady. Das von John Waynes Produktionsfirma Batjac finanzierte Werk brachte Boetticher bei der Oscarverleihung 1952 eine Nominierung in der Kategorie Bestes Originalgeschichte ein; eine Auszeichnung, die bis 1957 vergeben wurde. Vorrangig inszenierte Boetticher Zeit seines Lebens Western. In diesem Genre ist auch der sogenannte “Ranown-Zyklus” angesiedelt, wie ihn die Filmhistoriker in späteren Jahrzehnten nennen sollten.

Nach 1956 drehte Boetticher eine Reihe von Western, die sich durch einfache, aber sinnvoll-strukturierte und schlüssige Drehbücher auszeichneten und rund zwei Wochen pro Film produziert wurden. Randolph Scott und sein Partner Harry Joe Brown, Produzent und Regisseur, leiteten die Produktionsfirma “Ranown”, für die Boetticher sich hinter das Megafon begab. Im Rahmen dieses Zyklus’ ist auch Auf eigene Faust entstanden.

Ben Brigade (Randolph Scott, links) und Billy John (James Best, rechts) am Galgenbaum ©Koch Films
Ben Brigade (Randolph Scott, links) und Billy John (James Best, rechts) am Galgenbaum ©Koch Films

Ein Groschenroman im Filmformat

Groschenromane sind wenig-seitige Hefte, die seit rund zweihundert Jahren existieren und ihre Leser mit einer kurzweiligen Handlung für einen geringen Obolus unterhalten. Sie zeichnen sich insbesondere durch klischeehafte Charaktere und minimalistisch-durchdachte Handlungsmuster aus. Es existieren wenige Figuren, deren Geflecht überschaubar bleibt und sich ohne große Probleme in die Geschichte einfügt. Genauso lässt sich das Drehbuch von Auf eigene Faust beschreiben. Es ist die Einfachheit dieses Werkes, die den Zuschauer begeistert. Die Motivation der Charakter ist nachvollziehbar und jeweils in einem Satz zusammenzufassen.

Der Minimalismus des Westerns

Die Handlung von Auf eigene Fast lässt sich entgegen des einleitenden Kapitels in zwei Sätzen zusammenfassen. Dabei werden die Klischees des Western-Genres par excellence in die Geschichte eingebaut, indem sie auf sinnvolle Art und Weise umgesetzt worden sind oder gar den Gefilden des Ungesagten zugeschrieben werden. Die Figuren, ihre Taten und die Dialoge sind offensichtlich und dennoch unterhaltsam naheliegend. Ein Western, der der B-Riege des Genres entstammt, soll eben genau das tun: ein geschlossenes Drehbuch vorweisen und unterhalten. Auf eigene Faust macht insofern alles richtig: der Film ist kein Meisterwerk, aber er ist ein Groschenroman im Filmformat, der von Anfang bis Ende zu unterhalten weiß.

Karen Steele als Mrs. Lane ©Koch Films
Karen Steele als Mrs. Lane ©Koch Films

Zwischen schauspielerischer Tradition und Einfachheit

Auf eigene Faust wird allen voran von dem Schauspieler getragen, dessen Gesicht das Cover ziert: Randolph Scott. Dessen Karriere reicht vom Ende der Stummfilmära in den 1920er-Jahren bis in die 1960er-Jahre hinein. In den 50ern und 60ern galt er als einer bekanntesten und erfolgreichsten Western-Darsteller. Innerhalb dieses Genres porträtierte er stets den heroischen Cowboy, der, von Idealen und einem Kodex geleitet, einsam den Wilden Westen durchritt. Dieses Bild prägte sich in die Kameralinsen Hollywoods ein, so dass 1974 eben jenes Bild von Mel Brooks in Der wilde wilde Westen parodiert wurde. Dieser Rolle kommt Scott auch in Auf eigene Faust nach und verleiht dem Film das Image eines klassischen Hollywood-Westerns. Wie in den besagten Groschenromanen gibt es den klischeehaften Helden, der die Handlung dominiert und zu kurzweiliger Unterhaltung beiträgt.

Scotts Kollege Pernell Roberts ist eher durch seine Fernsehauftritte bekannt, denn durch seine Darstellungen auf einer Leinwand. Er mimt den ehrenhaften Gauner durchaus gelungen und gibt der Handlung einen antagonistischen Helden, der dem heldenhaften Charaktergeflecht die Prise Spannung liefert, die der Film benötigt. Die Rolle von Italo-Western Altmeister Lee Van Cleef zeichnet sich durch seine bloße Anwesenheit aus, da es seine persönliche Natur ist, einem Western-Bösewicht ein idealistisches Bild zu verleihen. Ihm wird innerhalb der 73 Minuten Laufzeit nicht viel Spielraum gegeben, aber dennoch weiß er durch seine Art zu begeistern. Letztendlich ist es das vorgegebene Handlungsmuster seines Charakters, welches die Figur ein wenig in die darstellerische Belanglosigkeit drängt.

Lediglich die beiden Nebencharaktere James Best und James Coburn können nicht wie die Hollywood-Großmeister überzeugen. Ihr Spiel fällt der Ehrfurcht der Großen und den Einschränkungen des Drehbuchs zum Opfer und verblasst in den Erinnerungen des Zuschauers, sobald sich der Film dem Ende neigt.

Lee Van Cleef als Billy Johns Bruder Frank ©Koch Films
Lee Van Cleef als Billy Johns Bruder Frank ©Koch Films

Ein Gefühl von Western

Auf eigene Faust ist ein rundum gelungener Western und ein perfektes Beispiel für den Massenkonsum des Hollywood-Westerns in den 50er- und 60er-Jahren. Freunde des Genres werden auf ihre Kosten kommen, da der Film alles richtig macht, was das Minimum des Genres voraussetzt. Von dem Film wird nicht in den höchsten Tönen gesprochen, aber dennoch erfährt er eine Ehrung auf seinem Niveau: Gregor Hauser erwähnt ihn in dem Buch Mündungsfeuer: Die 50 besten B-Western der 50er Jahre und ihre Stars und der englische Journalist Phil Hardy hat ihn als einen “beständige[n] Beweis für die Geschmeidigkeit des Genres” bezeichnet.

60 Jahre in neuem Glanz

Der Film mag bereits 60 Jahre alt und für viele eine Randnotiz der Filmgeschichte sein, dennoch hat er den Sprung ins hochauflösende Zeitalter geschafft. Auf eigene Faust erschien am 27. Juni 2019 auf Blu-Ray und DVD und darf als durchaus gelungen angesehen werden. Die Restauration hat sich gelohnt und lässt den Zuschauer mit Vergnügen auf den Bildschirm blicken.

Zu guter Letzt sind es die Extras, die den Film auch im Jahre 2019 erstrebenswert machen. Denn die überarbeitete Version kann mit Kommentaren von John Sayles und Filmschwergewicht Martin Scorsese auffahren. Des Weiteren sind ein Audiokommentar des Filmhistorikers Jeremy Arnold und ein Interview mit Regisseur Budd Boetticher verfügbar. Also ist die Blu-Ray auch noch nach 73 Minuten Laufzeit einen Blick wert und bietet diverse Hintergrund- bzw. Zusatzinformationen und -geschichten.

Eine A-Wertung im B-Genre – Mein Fazit zu Auf eigene Faust

Auf eigene Faust ist ein erstklassig anmutender Film in einem häufig zweitklassig-verpönten Genre. Er bietet eine alte Garde an Schauspielern auf, die im Western beheimatet sind, weist eine lückenlose, simple Handlung vor und ist von Anfang bis Ende unterhaltsam. Die Bewertung muss jedoch unter der Divise des einleitenden Satzes dieses Fazits betrachtet werden. Denn Auf eigene Faust muss auf zweierlei Weise bewertet werden: zum einen als Western und zum anderen als Film.

Als Western ist Auf eigene Faust ein Film, den man in der Neuauflage durchaus in eine Westernsammlung aufnehmen kann. Denn er macht alles richtig, was ein Low-Budget-Western tun muss. Er wirkt wie ein Groschenroman und bietet kurzweilige Unterhaltung aus dem Wilden Westen. Doch als Film an sich muss er sich mit Meisterwerken der Filmgeschichte messen. Und diesen Wettkampf wird der Film klar und deutlich verlieren, da es ihm an Tiefgang, Einfallsreichtum und cineastisch-technischer Fertigkeit mangelt. Auf eigene Faust erhält innerhalb seines Genres viereinhalb von fünf möglichen Toastscheiben; jedoch hat er sich nur drei von fünf Scheiben in einer allgemeinen Wertung verdient und muss sein Andenken auf eigene Faust am Leben halten…

Der Film ist seit dem 27. Juni 2019 auf Blu-Ray und DVD erhältlich!

Unsere Wertung:

 

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© Koch Films

Christopher Hanek

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