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Sechs schwarze Pferde

Harry Keller hat 1962 den Western Sechs schwarze Pferde auf die Leinwand gebracht und mit Audie Murphy dem Film ein bekanntes Gesicht verliehen. Nach über 55 Jahren erscheint der Streifen nun erstmals in Deutschland auf DVD. Ob der Film an Charme verloren hat und ob er zu Recht in einer neu aufgelegten Mediakollektion der Westernlegenden erscheint, erfahrt ihr im Folgenden!

TitelSechs schwarze Pferde (OT: Six Black Horses)
Jahr1962
LandUSA
RegieHarry Keller
DrehbuchBurt Kennedy
GenreWestern, Abenteuer
DarstellerAudie Murphy, Dan Duryea, Joan O’Brien, George Wallace, Roy Barcroft, Bob Steele, Henry Wills, Phil Chambers, Dale Van Sickel
Länge80 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Das DVD-Cover zu "Sechs Schwarze Pferde" ©Koch Films
Das DVD-Cover zu “Sechs schwarze Pferde” © Koch Films

Die Lukrativität der Gefahr: Die Handlung von Sechs schwarze Pferde

Ben Lane (Audie Murphy) ist ein ehrbarer Cowboy, der versucht, mit ehrlicher Arbeit über die Runden zu kommen. Eines Tages bekommt er von Pferdedieben einen Strick um den Hals gelegt, wird jedoch von Frank Jesse (Dan Duryea) vor einem elendigen Tod bewahrt. Von da an beschreiten die beiden gemeinsam ihren Weg nach Perdido.

In dem kleinen Städtchen werden sie von Kelly (Joan O’Brien) gebeten, sie zu ihrem Mann zu bringen. Da der Weg durch Indianergebiet führt, ist sie auf die Hilfe von Ben und Frank angewiesen. Um diese zu motivieren, biete sie jedem 1000 US- Dollar Belohnung an, sobald sie sicher bei ihrem Mann eintrifft. So treten die drei die Reise an, doch auf dem Weg lauern Gefahren. Denn nicht nur von außen wird die Gruppe bedroht, sondern auch von inneren Zwistigkeiten…

Ben Lane (Audie Murphy) steht kurz davor, dem Galgen zum Opfer zu fallen ©Koch Films
Ben Lane (Audie Murphy) steht kurz davor, dem Galgen zum Opfer zu fallen © Koch Films

Helden und Namen

Harry Keller, der Regisseur von Sechs schwarze Pferde, ist eine kaum beschriebene Seite im Buche Hollywoods. Am ehesten ist er durch seine Rolle als Filmeditor bekannt geworden, u.a. für den Film Ich glaub’, mich knutscht ein Elch! mit Bill Murray aus dem Jahre 1981. Auch als Produzent hat er sich im Jahre 1964 einmalig mit dem Film Schick mir keine Blumen mit Doris Day und Rock Hudson versucht.

Es sind also vielmehr andere Namen, die in Sechs schwarze Pferde den Film auszeichnen. Zum einen der Drehbuchautor Burt Kennedy, der sich in den 1960er-Jahren auch als Regisseur mit Filmen wie Die Gewaltigen und Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe einen Namen machen konnte. Konterfei des Films ist jedoch sein Held und Hauptdarsteller: Audie Murphy. Dieser war der höchstdekorierte US-Soldat des Zweiten Weltkriegs und ab den 1950er-Jahren ein erfolgreicher Schauspieler für Western und Abenteuerfilme. Sowohl er als auch sein Kollege Dan Duryea haben sich mit einem Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood verewigt. Doch leider sind es nicht nur die Namen seiner Darsteller, die einen guten Film ausmachen.

Audie Murphy (links) als Ben Lane und Dan Duryea (rechts) als Frank Jesse ©Koch Films
Audie Murphy (links) als Ben Lane und Dan Duryea (rechts) als Frank Jesse © Koch Films

Für eine Handvoll Klischees

Dass der Hollywood-Western selten zu den Meilensteinen der Filmgeschichte gehört, ist allseits bekannt. Eines ist er dennoch: Filmgeschichte! Diese Art des Western gehört einem Zeitalter des Abenteuergenres an und erfüllt Unterhaltungswünsche, die viele Menschen in sich tragen. Hollywood ist dafür bekannt, den Cowboy als einen ehrenvollen und kodextreuen Protagonisten darzustellen, der von Fernweh getrieben die Länder durchreitet und sich der Einsamkeit hingibt, um sein Glück auf dem Rücken eines Pferdes zu suchen. Diese klassische Art des Westerns ist durchsiebt von Klischees und re­pe­ti­tiven Handlungsmustern und obwohl jeder weiß, was passieren und wie sich die Handlung über kurz oder lang zusammen setzen wird, ist der Hollywood- Western in seinem Unterhaltungswert innerhalb des Abenteuergenres einzigartig.

Leider avanciert Sechs schwarze Pferde nicht zum Klassiker und das trotz solcher Klassiker wie Audie Murphy. Mal abgesehen von einer eher steifen, wenig wandelbaren Darstellung seinerseits, ist es vor allem die Handlung des Films, die den selbigen ins Vergessen gedrängt hat. Ein Hollywood-Western hat seine Qualitäten in genretypischen Handlungsmustern. Doch Sechs schwarze Pferde schafft es nicht, selbst einfachste Klischees sinnvoll umzusetzen. So ist es zum Beispiel bekannt, dass sich am Ende einiger Western der Held und die weibliche Hauptrolle in die Arme fallen. Solch ein Muster ist durchaus absehbar und kommt selten überraschend. In diesem Streifen ist selbst solch eine drehbuchtechnische Einfachheit unglaubwürdig und viel zu einfach gelöst. Die Protagonisten liegen sich nach geraumer Zeit in den Armen und bekunden ihre Liebe, obwohl sich kurz zuvor nichts angedeutet hat, geschweige denn sie überhaupt persönlich miteinander geredet hätten.

Kelly (Joan O'Brien) macht den beiden Cowboys ein Angebot ©Koch Films
Kelly (Joan O’Brien) macht den beiden Cowboys ein Angebot © Koch Films

Von Indianern, Revolvern und dem lieben Geld

Das Problem von Sechs schwarze Pferde ist, dass die Handlung in einen Rahmen gepresst wird, in welchen sie nicht zu passen scheint. Innovation und Eigenständigkeit hätten dem Film von Anfang bis Ende gut getan. Das Werk sieht sich selbst als klassischer Cowboy-Western, doch schafft es nicht, die Handlungsmuster eben jenes Genres vernunftgemäß umzusetzen und verliert sie dabei gar aus den Augen: Wo zeigen sich die Regeln des Westens? Wie steht es um den Kodex der Cowboys? Dass dieser nicht beachtet wird, geht vor allem cineastisch gesehen in Ordnung, bestens zu sehen in den Italo-Western der 1960er-Jahre.

Doch Sechs schwarze Pferde möchte kein Western voller Antihelden sein. Er sieht sich als ein Hollywood-Western, voller Halstücher und locker sitzender Revolver. Aber um mit den Großen zu reiten, fehlt es dem Drehbuch an Glaubwürdigkeit und Eigenständigkeit. Entweder gibt er sich etwas dreckiger und begibt sich somit in das Fahrwasser des Spaghetti-Westerns oder er mimt das glorreiche Leben des einstmals singenden Cowboys. Selbst die titelgebenden Pferde erfreuen sich einer fehlenden Logik und reihen sich somit in die Mängel einer fehlgeleiteten Männerfreundschaft und die vollkommen verständnislose Handlungsweise der Ureinwohner ein. Letztere treibt die gedrungene Handlung ad absurdum und stellt den Höhepunkt eines von Lücken durchzogenen Drehbuches dar.

Auf dem Weg durch das Indianergebiet ©Koch Films
Auf dem Weg durch das Indianergebiet © Koch Films

Western remastered

Dass der Film nach über 55 Jahren auf DVD erscheint, ist ein Zugeständnis an die gesamtheitliche Repräsentanz des Hollywood-Westerns im 21. Jahrhundert. Der Film wurde für sein Erscheinen “digitally remastered”, doch wurde dabei die Bildschärfe außen vor gelassen. Der Film ist in 16:9 und ist auch auf 4K-Fernsehern ansehnlich, ohne dass dem Zuschauer die Augen schmerzen. Allerdings ist er keine Augenweide, was auch keiner von ihm verlangt. Sechs schwarze Pferde ist von 1962 und das Bildmaterial spiegelt eben jenes Jahrzehnt wieder. Die enthaltenen Extras sind keiner Rede wert und beschränken sich auf den Trailer und eine Bildergalerie.

Die deutsche Erstveröffentlichung ist somit lediglich einem Sammlergedanken zuzuschreiben, um die Kollektion manch eines Enthusiasten zu erweitern und der medialen Aufarbeitung vergessener Filme zu frönen.

Zwei nicht ganz so glorreiche Halunken: Mein Fazit zu Sechs schwarze Pferde

Sechs schwarze Pferde punktet letztendlich mit Westernmusik und einem entsprechenden Gefühl, welches dieses Genre in einem hervorrufen soll. Die Landschaften und Kostüme tragen ihr Übriges dazu bei. Doch unter dem Strich ist Sechs schwarze Pferde kein guter Film und zu weiten Teilen nicht einmal ein guter Western. 80 Minuten lang verspürt der Zuschauer weitaus weniger als seichte Unterhaltung. Das Drehbuch ist so simpel, dass es selbst in seinem Klischeecharakter unvorhersehbar ist, weil es aus sinnfrei zusammengesetzten Handlungsmomenten besteht.

Selbst die sechs schwarzen Pferde sind nur Mittel zum Zweck. Sie sollen den Eindruck eines ehrbaren Cowboy-Westerns vermitteln, hinterlassen jedoch beim Zuschauer eine zentrale Frage: Warum? Warum handeln die Figuren wie sie es tun? Wie ist ihre Motivation? Der Fragenkatalog kann vom großen Ganzen bis ins kleinste Detail fortgesetzt werden: Was genau tun die Ureinwohner in der letzten Szene? Und wo kommt die Kutsche her? Um Spoilern vorzubeugen, seien die Erklärungen jener Fragen dahingestellt und jedem selbst überlassen. Sie stehen jedoch sinnbildlich für die wahllose Handlung von Sechs schwarze Pferde. Unterstützt wird das Drehbuch von zwei steifen, wenig abwechlungsreichen Hauptdarstellern und kaum merklichem cineastischen Können seitens der Regie. Der Film enttäuscht auch im Rahmen des Hollywood-Westerns auf der gesamten Reise, selbst die 1000 US-Doller scheinen für solch ein Abenteuer zu wenig…

Der Film ist hierzulande ab dem 27. Juni 2019 auf DVD erhältlich!

Unsere Wertung:

 

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© Koch Films

Christopher Hanek

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