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Driver

Walter Hills zweite Regiearbeit Driver ist eine wunderbare Melange aus Neo-Noir und Actionthriller. Ein Film mit vielen Einflüssen, der wiederum die Filmlandschaft bedeutend geprägt hat.

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TitelDriver (The Driver)
Jahr1978
LandUSA
RegieWalter Hill
DrehbuchWalter Hill
GenreAction, Thriller, Drama
DarstellerRyan O’Neal, Bruce Dern, Isabelle Adjani, Ronee Blakley, Joseph Walsh, Rudy Ramos
Länge91 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
VerleihStudiocanal
Auf der Cover der Blu-ray zu Driver sieht man den Protagonisten als Konterfei. In ihm sind die Straßen von Los Angeles bei Nacht und eines seiner Autos abgebildet.
Das Cover der Blu-ray von Driver. © Studiocanal Home Entertainmen

Worum geht’s in Driver?

Der „Driver“ (Ryan O’Neal) ist der beste Fluchtwagenfahrer in Los Angeles. Mit seinem rasanten Fahrstil bringt er Gangster nach ihren Überfällen stets sicher aus der Gefahrenzone.
Der „Bulle“ (Bruce Dern) ist der beste Cop in der Stadt der Engel. Mit seinem spielerischen wie illegalen Ermittlungsstil bringt er Gangster nach ihren Überfällen stets hinter Gitter.
Als Letzterer auf den Driver aufmerksam wird, macht er es sich zur Lebensaufgabe, seinen Kontrahenten dingfest zu machen. Doch der zeigt Finesse und hat mit der „Spielerin“ (Isabelle Adjani) eine mysteriöse Komplizin, die ihm ein Alibi verschafft, perfekt organisiert durch eine unbekannte Gangster-Organisation.

Es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen zwei maskulinen Protagonisten, die sich zwar gegenseitig respektieren, aber nicht im Geringsten ausstehen können. Die Charaktere sind dabei allesamt eine Art Abziehbild, polierte Abstraktionen einer schwarz-weißen Weltanschauung in einer in graue Farbtöne getünchten Welt. Durch die rotzige Attitüde des schmierigen, arroganten Cops entstehen testosterongeladene Dialoge, die einiges über ihn offenbaren: Es geht ihm lediglich ums Gewinnen oder Verlieren. Der Kampf gegen die Kriminalität ist für ihn nur ein Spiel, für das er jederzeit selbst dazu bereit ist, das Gesetz zu brechen. Die Intentionen des Drivers und der Spielerin sind hingegen nicht so deutlich zu erkennen, was dem Action-Thriller in Nuancen die interessanten Züge eines Neo-Noir verleiht.

Die Nacht als Charakter

Driver spielt fast ausschließlich im nächtlichen Los Angeles. Die Dreharbeiten im Dunkeln fügten dem Film unterdessen eine besondere Note hinzu. Hill meinte dazu selbst, dass Nacht um Nacht zu drehen dafür sorgte, dass er Entscheidungen traf, die nicht zu erklären sind. Jeder Beschluss lief etwas intuitiver ab als sonst. Diese Arbeitsweise bewirkt stellenweise irreale Szenen, besonders im wunderbar ungewöhnlichen Finale. Zuschauer, die an derlei Filme mit einem Realismusanspruch herangehen, mag das abschrecken. Doch diesem Anspruch muss und soll der Film gar nicht gerecht werden. Die Filmgeschichte als solche wäre eine traurige, würde bei den Machern das Verlangen nach Realität vorherrschen. Apropos Filmgeschichte: Hill inszenierte in Driver die vermutlich erste große Autoverfolgungsjagd bei Nacht. Das stellte den Regisseur vor enorme Probleme, insbesondere bei der Beleuchtung – umso erstaunlicher, wie perfekt Walter Hill das in seinem zweiten Spielfilm hinbekam.

Der Driver wird bei Nacht von zwei Polizeiwagen verfolgt.
Highlights sind ganz klar die Auto-Verfolgungsjagden bei Nacht. © Studiocanal Home Entertainment

Audiovisuell auf der Überholspur

Allgemein ist die Inszenierung, auffallend in den aufwendigen, frenetischen Auto-Verfolgungsjagden, absolut phänomenal. Besonders bei der Kameraarbeit muss sich Driver ganz sicher nicht im Windschatten von Bullitt oder French Connection verstecken. Wenn die aufflackernden Lichter der Straßenbeleuchtung oder der Parkhauslampen in der Windschutzscheibe des Muscle Cars reflektiert werden, dann sind das außerdem ein paar der schönsten Aufnahmen der Filmgeschichte. Hinzu kommt ein fantastischer Sound: Das exzessive Quietschen der Reifen, die durchdringenden Sirenen der Cops, das tiefe Brummen der Motoren und das schrille Klirren bei den Crashs – das begeistert jeden Filmfan; selbst diejenigen, die per se nichts mit Autos anfangen können. Und bringt bei guter Heimkino-Anlage wohl jeden Nachbar zur Weißglut.

Ein Drehbuch mit Drehmoment

Walter Hills Art und Weise, Drehbücher zu schreiben, verleihen dem Actioner einen besonderen (Achtung, Wortwitz!) Drive. Während die meisten Skripte in ihren ausufernden Beschreibungen doch eher einem Roman ähneln, hat Hill eine grundverschiedene Herangehensweise: Die Handlungen sind elliptisch formuliert und die Regieanweisungen sind ebenso minimalistisch. Seine Methodik erinnert dabei etwas an das traditionelle japanische Haiku, eine poetische Gedichtform, die meist nur aus drei Wortgruppen besteht – die wohl kürzeste Versform der Welt. So lässt das Drehbuch viel Raum für Interpretationen, vom Schauspieler über Kostüm- und Szenenbildner bis hin zum Regisseur selbst. So kann sich jeder der Beteiligten kreativ austoben während gleichzeitig eine gewisse Spontanität beim Dreh gewahrt wird.

Der Driver sitzt in einem seiner Fluchtwagen und wartet auf die Spielerin.
Ryan O’Neal als „Driver“ und Isabelle Adjani als „Die Spielerin“ sind gleichfalls enigmatisch wie faszinierend. © Studiocanal Home Entertainment

Die Besetzung des Drivers

Ursprünglich war – wenig überraschend – Steve McQueen für die Rolle des Fahrers vorgesehen; der hatte zu diesem Zeitpunkt allerdings genug von Filmen mit Auto-Verfolgungsjagden und sagte ab. Als Nächstes fassten die Produzenten Charles Bronson ins Auge. Der hegte damals aufgrund von Walter Hills ersten Spielfilm Ein stahlharter Mann allerdings noch Groll gegen den Regisseur, denn Bronsons Auffassung nach kam seine Ehefrau Jill Ireland in der finalen Schnittfassung nicht gut genug daher. Beide Alternativen wären sicherlich interessant gewesen, allerdings fügt die lakonische wie coole Erscheinung von Ryan O’Neal dem Film eine weitaus enigmatischere Komponente hinzu. Dessen regungs- wie mühelose Coolness diente so als Blaupause für die Darstellung des ebenfalls namenlosen Fluchtwagenfahrers von Ryan Gosling in Nicolas Winding Refns Drive.

Ein Juwel für die Filmgeschichte: Der Einfluss von Driver

Nicht auszudenken, wie die Filmgeschichte ohne Walter Hills Driver verlaufen wäre. 1978 ein Flop, bekam er besonders in Europa jedoch ausgesprochen gute Kritiken. Und auch bekannte Regisseure ehren Hill regelmäßig: So gilt er als eines der wichtigsten Werke für Regie-Größen wie Quentin Tarantino und Michael Mann, auffallend viel Einfluss hatte der Film aber auf Edgar Wright. Dessen Herzensprojekt Baby Driver wurde stark von dem Action-Thriller inspiriert. Hierfür verneigt sich Wright, indem er seinem Protagonisten das Erscheinungsdatum von Driver als Häftlingsnummer verpasst. Auch ein Nicolas Winding Refn hätte sicherlich nicht den künstlerischen Freiraum, den er mittlerweile genießt, wäre sein stiller Neo(n)-Noir Drive nicht dermaßen gut angekommen. Der gilt nicht nur als sein bisher wohl bester Film, sondern auch als der prägendste für seinen Stil, den er seitdem jedem seiner Filme verpasst. Sowohl Refn als auch Wright dienten dabei nicht nur der Protagonist, sondern auch Eckpunkte der Geschichte als klares Vorbild.

Einer der Bankräuber richtet die Pistole auf den Driver.
Von seinem Verfolger wird der Driver gerne auch mal „Cowboy“ genannt – damit spielt diese Szene. © Studiocanal Home Entertainment

Ein Erbe Melvilles: Der Einfluss auf Driver

Driver hat allerdings selbst einige, verschiedenste Einflüsse. Am offensichtlichsten dürfte aufgrund der Verfolgungsjagden dabei Bullitt sein. Bei dessen Dreh war Walter Hill noch Regie-Assistent von Peter Yates und betont in einem Gespräch mit Edgar Wright für die Empire, wie wichtig damals die Aufnahmen von innerhalb der Autos für die Qualität der Verfolgungsjagden war: „Man hatte das Gefühl, dass es sich um eine Achterbahnfahrt handelt“. Und weiter: „Gleichzeitig erleben wir es nur als Beobachter“. Exakt das wollte er mit Driver auch erreichen, weswegen er sicherstellte, dass sie immens viele Innenaufnahmen drehten. Auch Sam Peckinpahs Western beeinflussten ihn deutlich. Für dessen Heist-Thriller Getaway wiederum verfasste Hill Anfang der 1970er das Drehbuch. Der kommerzielle Erfolg dieses Films brachte Hill schließlich erst in die Position, überhaupt selbst auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen.

Am größten dürfte der Einfluss allerdings von einem ganz anderen Werk sein. Denn ganze Teile der Geschichte weisen deutliche Parallelen zu Jean-Pierre Melvilles grandioser Todesballade Der eiskalte Engel auf. Nicht nur der stille, routinierte, professionelle wie perfektionistische Protagonist, der im gesamten Film gerade einmal um die 350 Wörter spricht, gleicht Alain Delons Jef Costello (der wiederum an Alan Ladds Darstellung des Auftragskillers Philip Raven in Die Narbenhand angelehnt ist). Auch die Dreiecksbeziehung zwischen dem Driver, dem Bullen und der Spielerin erinnert stark an das Charaktergeflecht im französischen Meisterwerk des Film Noir. Dabei werden selbst Details übernommen; Ryan O’Neals Driver mietet nach erfolgreicher Flucht ein billiges Hotelzimmer, das genauso spartanisch eingerichtet ist, wie es Costellos Wohnung 1967 war.

"Der Bulle" (Bruce Dern) steht mit zwei seiner Kollegen vor einem Schrottplatz, an dem der "Driver" sein Fluchtauto entsorgt hat.
Um den Driver zu einzubuchten, sind dem „Bullen“ (Bruce Dern, rechts) alle Mittel recht. Seine Kollegen zweifeln an den Methoden. © Studiocanal Home Entertainment

Zeitloser Film, unzeitgemäße Altersfreigabe

Der Film als solcher weiß aufgrund der spektakulären Action-Sequenzen und des poetischen Unterbaus auch im Jahr 2020 noch zu begeistern. Schade allerdings, dass er auch heute noch nur einem erwachsenen Publikum zugänglich gemacht wird. Denn die Freigabe ab 18 Jahren ist aus heutiger Sicht eigentlich nicht mehr nachvollziehbar, besonders verglichen mit Refns deutlich brutalerem Drive. Gerade die Gewaltspitzen sind für gegenwärtige Verhältnisse eher unspektakulär. Klar, es gibt in Driver keinen einzigen Charakter, dessen Handlung aus moralischer Perspektive vertretbar ist, das allein kann aber nicht der ausschlaggebende Punkt für eine derart hohe Altersfreigabe sein.

Fazit zu Driver

Driver ist ein stylisher Thriller, gespickt mit irren Action-Sequenzen und umrahmt von unterkühlter Poesie. Das wunderschön lakonische Schauspiel der drei Protagonisten vermengt sich mit tollen Schauwerten und -plätzen in den einsamen Nächten auf den Straßen von Los Angeles. Deren düstere Unterwelt wird von Walter Hill absolut stilsicher inszeniert. Kurzum: Ein Film, den jeder gesehen haben muss!

Unsere Wertung:

 

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