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Louise Élisabeth d'Orléans (Anamaria Vartolomei, links) und Marie Anna Viktoria (Juliane Lepoureau, rechts) wechseln den Hof © Alamode Film

Ein königlicher Tausch

Ein königlicher Tausch ist ein Film von Regisseur und Schriftsteller Marc Dugain aus dem Jahre 2017. In diesem Jahr erscheint das Werk für das heimische Kino. Ob das Tauschprogramm gelungen ist, erfahrt ihr im Folgenden!

TitelEin königlicher Tausch (OT: L’Échange des Princesses)
Jahr2017
LandFrankreich
RegieMarc Dugain
DrehbuchMarc Dugain
GenreHistorienfilm, Drama
DarstellerAnamaria Vartolomei, Lambert Wilson, Olivier Gourmet, Catherine Mouchet, Kacey Mottet Klein, Igor van Dessel, Juliane Lepoureau, Patrick Descamps, Thomas Mustin, Gwendolyn Gourvenec, Didier Sauvegrain, Vincent Londez, Jonas Wertz, Ana Rodriguez, Pedro Cabanas
Länge101 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihAlamode Film
Das Blu-Ray-Cover zu Ein königlicher Tausch © Alamode Film
Das Blu-Ray-Cover zu Ein königlicher Tausch © Alamode Film

Plötzlich Königin – Die Handlung von Ein königlicher Tausch

1721: Ludwig XIV. stirbt eines unerwarteten Todes, woraufhin sein Urenkel zum neuen Herrscher Frankreichs wird. Im Alter von 11 Jahren ist Ludwig XV. jedoch noch nicht berechtigt, den Thron zu besteigen. Die politische Regentschaft für den minderjährigen König übernimmt Philippe II. d’Orléans. Dieser ist es auch, der dem spanischen König eine Ehe vorschlägt, um den Frieden mit dem angrenzenden Königreich zu festigen.




Die vierjährige, spanische Prinzessin Maria Anna Viktoria wird an den französischen Hof gesandt, um den elfjährigen Ludwig XV. zu ehelichen. Im Zuge dessen offeriert der Regent seine eigene, zwölfjährige Tochter Louise Élisabeth d’Orléans dem spanischen Hofe. Sie soll den Prinzen von Asturien und Thronerben heiraten. Beide Seiten stimmen den Ehen zu und vereinbaren einen Austausch der Prinzessinnen an einem grenznahen Ort. Von den Kindern wird nur Gutes erwartet und die Zukunft der beiden Königshäuser scheint gesichert. Allen voran erhofft man sich, einen lange andauernden Frieden. Doch die neuen Ehen verlaufen nicht wie geplant…

Es war einmal…die Geschichte der Geschichte

Ludwig XIV., auch bekannt als der “Sonnenkönig”, kam bereits im Alter von vier Jahren auf den Thron und sollte über 70 Jahre auf ihm verweilen. Nach seinem Tod sah das Schicksal vor, dass dessen Urenkel das Erbe Frankreichs antreten sollte, da dessen Verwandtschaft kurz zuvor verstarb: Sein Großvater Ludwig von Frankreich starb 1711, sein Vater Ludwig von Burgund 1712 und sein Bruder Ludwig von der Bretagne ebenfalls 1712. So blieb nur noch ein Ludwig übrig: Ludwig XV., vom Volk später als “der Vielgeliebte” bezeichnet.

Von 1717 bis 1720 befanden sich Spanien und Frankreich im sogenannten Krieg der Quadrupelallianz. Das Königreich Spanien kämpfte gegen eine Koalition aus Großbritannien, Österreich, den Niederlanden und Frankreich. Im Zuge des Krieges versuchte man gegen Ende, auf friedlichem, diplomatischem Wege zu verhandeln und so kam die Kinderhochzeit zustande. Auf der Grundlage eben jener Verständigung beruht das Drehbuch von Ein königlicher Tausch.

Louise Élisabeth d'Orléans (Anamaria Vartolomei, links) und Maria Anna Viktoria (Juliane Lepoureau, rechts) wechseln den Hof © Alamode Film
Louise Élisabeth d’Orléans (Anamaria Vartolomei, links) und Maria Anna Viktoria (Juliane Lepoureau, rechts) wechseln den Hof © Alamode Film

Die Historie als Rahmen

Historienfilme sind des Öfteren schwer greifbare Filme. Denn als Kunstwerk an sich darf ein Regisseur zunächst alles, wonach es ihm beliebt. Selbstverständlich hat er sich dabei in einem gewissen Rahmen der Menschlichkeit zu bewegen, aber nichtsdestotrotz hat er freie Hand. Wenn das Drehbuch nun auf eigenen Gedanken beruht, dann gilt es, den Film als unabhängiges Werk zu betrachten, aber wenn ein Film historisches Material nutzt, um eine Geschichte zu erzählen, dann sollte die Betrachtung des Inhalts detaillierter erfolgen. Man sollte sich der Gefahr gewiss sein, die solch ein Historienfilm bergen könnte.

Das Werk muss seine Eigenständigkeit im Sinne der Kunst wahren und darf nicht als faktenreiches Lehrbuch daherkommen. Ein Film, der dem Zuschauer den Eindruck vermitteln möchte, dass es sich so und nicht anders abgespielt hat, verrät sich selbst als Kunstform und Ausdruck eigener Gedanken. Handelt es sich bei der Geschichte jedoch um einen Rahmen, in dem ein eigenes Verständnis der Historie bildlich präsentiert wird, dann hat man es (zumeist) mit einem geistreichen Werk zu tun.

Der König von Spanien, Philippe V. (Lambert Wilson, 2. v. l.) zu Tisch mit seiner zweiten Frau Elisabetta Farnese (Maya Sansa, links), seinem Sohn Ludwig (Kacey Mottet Klein, 2. v. r.) und dessen Verlobte Louise Élisabeth d'Orléans (Anamaria Vartolomei, rechts) © Alamode Film
Der König von Spanien, Philippe V. (Lambert Wilson, 2. v. l.) zu Tisch mit seiner zweiten Frau Elisabetta Farnese (Maya Sansa, links), seinem Sohn Ludwig (Kacey Mottet Klein, 2. v. r.) und dessen Verlobte Louise Élisabeth d’Orléans (Anamaria Vartolomei, rechts) © Alamode Film

Die Genialität historischer Vereinfachung

Ein königlicher Tausch bewegt sich eben in jenen Gefilden und macht alles richtig, was ein guter Historienfilm zu tun hat. Marc Dugain nutzt den Rahmen der Geschichte um Ludwig XV. und die Beziehungen des französischen und spanischen Hofes, um ein Drehbuch darzulegen, welches sich mit den Leben der getauschten Kinder befasst. Die Ereignisse, die drumherum geschehen, werden in den Schatten gestellt: Das Hofleben, die politische Situation und allen voran der Krieg sind lediglich Randnotizen. Sie bilden den Rahmen der Handlung, werden aber vom Zuschauer durch die Augen eines Kindes betrachtet. Denn die Realität hinter den Mauern des Palastes bleibt ein schattenhaftes Wesen; in jungen Jahren interessiert man sich für das Spiel mit den Freunden oder Sandkastenaktivitäten wie Schaukeln.

Diese kindliche Naivität trifft nun auf die höfische Etikette. Es wird einem nicht gestattet, nur Kind zu sein. Stattdessen ist man immer ein Prinz oder eine Prinzessin, eine feine Dame oder ein werter Herr. Ein königlicher Tausch schafft es ungemein gut, diese Zurschaustellung von Heranwachsenden und die Anonymisierung der Kinder cineastisch umzusetzen. Menschen sind auch in vermeintlich elitären Kreisen lediglich schemenhafte Figuren, die auf dem Schachbrett der Monarchie verschoben werden.

Maria Anna Viktoria (Juliane Lepoureau, links) trifft am französischen Hof auf Madame de Ventadour (Catherine Mouchet, rechts) © Alamode Film
Maria Anna Viktoria (Juliane Lepoureau, links) trifft am französischen Hof auf Madame de Ventadour (Catherine Mouchet, rechts) © Alamode Film

Die wahre Authentizität liegt im Offensichtlichen

Ein königlicher Tausch ist ein guter Historienfilm, weil er nicht versucht, die Geschichte als allumfassende Wahrheit darzustellen und den Akteuren heroische Taten zuzuschreiben. Er verzichtet auf plakative Populärwissenschaft und beschränkt sich im Rahmen der Historie auf das Wesentliche. Allen voran sind es die Kostüme und die Kulisse, sprich das Szenenbild.

Fabio Perrone, seines Zeichens Kostümbildner für Ein königlicher Tausch, hat keine Mühen gescheut, um das Gezeigte ansehnlich zu machen. Die Garderobe der Schauspieler strotzt nur so vor Detailreichtum und zaubert einen Hauch von 18. Jahrhundert auf den Bildschirm. Die Liebe zum Detail zeichnet diesen Film aus, da es von der ersten bis zur letzten Minute erkennbar ist, dass er mit Herzblut angefertigt wurde. Es wird nicht viel wert auf Spektakel oder gar Action gelegt. Stattdessen lebt das Werk von der Ruhe einer jeden Szene, den Dialogen (allen voran den teils humorvollen Untertönen), den Momentaufnahmen und eben jener Szenengestaltung bestehend aus Kulisse und Kostüm. Des Weiteren strahlen die Szenenbilder eine Ruhe aus, die, gepaart mit der ruhigen Handhabung der Kamera von Gilles Porte, einen anmutige Empfindsamkeit im Zuschauer auslösen.

Ludwig XV. (Igor van Dessel, links) und Charlotte de La Mothe-Houdancourt (Catherine Mouchet, rechts), die Gouvernante des jungen Königs und als Madame de Ventadour bekannt © Alamode Film
Ludwig XV. (Igor van Dessel, links) und Charlotte de La Mothe-Houdancourt (Catherine Mouchet, rechts), die Gouvernante des jungen Königs und als Madame de Ventadour bekannt © Alamode Film

Lang lebe der Historienfilm – Mein Fazit zu Ein königlicher Tausch

Ein königlicher Tausch ist ein Historienfilm, wie er im Buche steht (und eben nicht im Geschichtsbuche). Er zeigt das Leben zu Hof aus einer menschlichen Perspektive und zeichnet Charaktere, die von Normen und Werten geprägt sind, sich jedoch nicht ihrer Natur widersetzen können: In diesem Fall handelt es sich um das Betragen in der Kindheit. Höfische Verhaltensregeln sind schön und gut, doch im tiefsten Herzen sind Kinder naiv, unbefangen, gutgläubig und zuweilen trotzig. Mit eben jenen Attributen versieht Marc Dugain seine zentralen Figuren und zeigt im Ansatz einen Film, der zu einer wunderbaren (historischen) Coming-Of-Age-Story fortgeführt werden könnte. Ein königlicher Tausch präsentiert sich als rundum gelungener Historienfilm, der seine eigene Sichtweise hat und den Zuschauer nicht über vermeintliche Fakten belehren möchte.

Stattdessen weist Dugain auf die Lebensweise am Hof des 18. Jahrhunderts hin, ohne ihn jedoch dabei zu verurteilen. Ferner führt er uns eine Situation vor Augen, die von eingesperrten Protagonisten handelt. Eine jede Figur könnte oder möchte gar aus ihrem Verhalten ausbrechen und eigenständig handeln, aber sie alle sind dazu gezwungen, innerhalb ihrer von Normen bestimmten Handlungsmuster zu bleiben. Dieser Teufelskreis kann nicht durchbrochen werden und regt den Zuschauer zum Nachdenken und Reflektieren an. Womöglich wird er nie große Berühmtheit erlangen und die Jahrhunderte überdauern wie die Namen seiner Protagonisten. Dennoch wird er in den Reihen intelligenter Historienfilme geführt werden, die es zu sehen gilt, um die eigene Sichtweise auf die Vergangenheit und die Gegenwart reflektierend nachvollziehen zu können.

Der Film ist seit dem 28. Juni 2019 auf Blu-Ray und DVD erhältlich!

Unsere Wertung:

 

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© Alamode Film

Christopher Hanek

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