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Fallout

Amazon bohrt selten dünne Bretter bei seinen Serienadaptionen. Doch egal ob Ringe der Macht oder Rad der Zeit, so richtig begeistern konnten die Prestigeprojekte bislang selten. Nun wagt man sich mit Fallout an ein Videospiel mit nicht minder anspruchsvollen Fans. Gelingt es diese zu überzeugen?

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TitelFallout
Jahr2024
LandUSA
RegieJonathan Nolan, Wayne Yip, Frederick E.O. Toye, Daniel Gray Longino, Clare Kilner
DrehbuchJonathan Nolan, Lisa Joy, Geneva Robertson-Dworet, Graham Wagner, Chaz Hawkins, Karey Dornetto, Kieran Fitzgerald, Carson Mell, Gursimran Sandhu
GenreSerien (Videospiel-Action)
DarstellerElla Purnell, Walton Goggins, Aaron Moten, Moisés Arias, Kyle MacLachlan, Sarita Choudhury, Michael Emerson, Leslie Uggams, Frances Turner, Dave Register, Zach Cherry, Johnny Pemberton, Rodrigo Luzzi, Annabel O’Hagan, Xelia Mendes-Jones
Länge8 Folgen jeweils ca. 60 Minuten
Altersempfehlungab 16 Jahren freigegeben
StreamingdienstAmazon Prime Video
Deutsches Poster zur neuen Prime-Show Fallout
Deutsches Poster zur neuen Prime-Show © Amazon Studios

Fallout – Die offizielle Handlungsangabe

Basierend auf einer der größten Videospielserien aller Zeiten ist Fallout die Geschichte von Habenden und Nichthabenden in einer Welt, in der es fast nichts mehr zu haben gibt. Zweihundert Jahre nach der Apokalypse sind die sanftmütigen Bewohner der luxuriösen Fallout-Bunker gezwungen, in die verstrahlte Höllenlandschaft zurückzukehren, die ihre Vorfahren zurückgelassen haben – und sind schockiert, als sie ein unglaublich komplexes, fröhlich-schräges und höchst gewalttätiges Universum entdecken.

Spoilerfreie Kritik zu Fallout – Staffel 1

Dieser Beitrag beschäftigt sich den allen Folgen der ersten Staffel Serie, die Amazon uns vorab zur Verfügung gestellt hat. Ob sich auf dieser Basis ein Blick lohnt, erfahrt ihr bei uns ohne Spoiler zu Handlungsdetails.

Groß gedacht, gut gemacht?

Das Duo/Ehepaar Nolan-Joy hat wesentlich an Westworld mitgewerkelt, Peripherie kreiert und jetzt dürfen die beiden das nächste Sci-Fi-Großprojekt bei Amazon verantworten: Fallout. Über ein Jahrzehnt rankten sich immer wieder Gerüchte um eine Verfilmung des Videospiel-Klassikers, der über verschiedene Konsolengenerationen hinweg weltweit eine riesige Fangemeinde aufbauen konnte. Doch mit der Fülle an Spielen wuchs die Lore und damit parallel auch der Anspruch der hartgesottenen Spieler:innen wenn es um die Umsetzung geht. Um dem gerecht zu werden, hat man sich nicht hetzen lassen – und lumpen erst recht nicht, denn ähnlich wie bei vorangegangenen Prestigewerken hat der Versandriese erneut ein enormes Budget bereitgestellt, was man bereits dem Promo-Material ansehen konnte.

Schon in der Pilotfolge sticht ins Auge, dass die Vorab-Materialien nicht zu viel versprochen haben, denn das Produktionsniveau, mit dem man den ganz eigenen Retro-Futurismus-Look von Fallout rekreiert, ist schlicht fantastisch. Die Ausstattung ist bis ins Detail auf Toplevel, die Sets wirken weitläufig, lebensecht und mit Liebe der Vorlage nachempfunden. Und auch die Effekte machen von Beginn was her. Für Fans womöglich aber auch noch wichtig ist, dass schon der Auftakt verdeutlicht, dass man hier keine weichgespülte Kost serviert bekommt, sondern eine Adaption, die in expliziter Brutalität und Härte dem Spiel in nichts nachsteht.

Es beginnt mit „Dem Ende“

Inhaltlich spielt Fallout zwar in der aus den Games bekannten Settings, hat aber eine davon emanzipierte Story vorzuweisen. Und die steigt erstmal mit dem Ende ein, dem Ende des normalen Lebens auf der Erde, das durch den atomaren Kollaps eingeläutet wird. Dann springt die Pilotfolge für das erste Kapitel über 200 Jahre in die Jetztzeit der Serie und das Publikum lernt in einer extrem vielversprechenden Sequenz Regeln der Gesellschaft, die Fraktionen und Protagonisten kennen, ehe es dann zum nächsten emotionalen Paukenschlag kommt, der die eigentliche Geschichte dieser Staffeln ins Rollen bringt. Nach einem Komplott gegen den Stamm der Protagonistin Lucy muss diese auf sich allein gestellt zurück an die Oberfläche kehren.

Daraufhin wird dem Publikum im zweiten Kapitel des Pilotfilms an der Seite der zweiten Hauptfigur Maximus ein weiterer Aspekt der Welt von Fallout präsentiert: Das Militär dieser postapokalyptischen Welt. Auch hier spart man nicht an Blut und Schonungslosigkeit. Auf diese Weise wird man peu à peu in die Handlung eingeführt und reingezogen. Ja, es ist ein Vorteil, wenn man schon einmal eines der Spiele gezockt hat, doch den Machern war es augenscheinlich auch ein Anliegen, Nichtkenner gleichermaßen abzuholen. Dementsprechend expositionell ist der Start, jedoch ohne zu viel verbal zu erläutern: „Show don’t tell“ auf hohem Niveau!

Ella Purnell schaut aus einem Hangar auf die zerstörte Welt
Ella Purnell als Lucy in Fallout © Amazon Studios

Look and Feel auf Kinoniveau

Es liest sich vielleicht paradox, aber trotz der Tatsache, dass Fallout nach dem Ende der Zivilisation auf einer Erde, auf der die Oberfläche nahezu unbewohnt ist, spielt, wirkt die Welt doch lebendig. Gemeint ist damit, dass die Sets nicht nach Green Screen, sondern nach Kulissenbau und Außendreh aussehen. In Sachen World Building braucht sich die Amazon-Produktion beispielsweise vor Alita: Battle Angel nicht zu verstecken, da die Maschinendesigns der beiden Welten teils ähnlich aussehen. Auch das Color Grading geht in eine ähnliche Richtung wie die Anime-Verfilmung. Ohne jeden Zweifel könnte man diese Videospiel-Adaption auf der großen Leinwand zeigen.

Bei Westworld hat Ramin Djawadi mit seinem Score und seinen Coverversionen aktueller und klassischer Popsongs den Gänsehautmomenten immer noch das gewisse Etwas verliehen. Und auch hier arbeitet der Komponist erneut mit dem Duo Nolan/Joy zusammen und veredelt den Premiumanspruch mit seinem wiedererkennbaren Soundtrack. Ein weiterer Aspekt der untermauert, wie ambitioniert Amazon bei diesem Projekt gearbeitet hat.

Auftritt: Goggins

Was Fans von Fallout jedoch mehr als die audiovisuelle Finesse und die technischen Aspekte schätzen, ist der ganz spezielle Humor, die skurrilen Figuren und der leicht anarchische Hang zur Verrücktheit im Storytelling. Und das kommt spätestens auch in der Adaption an, wenn Walton Goggins als The Ghoul zum Ende des Pilotfilms die Bühne betritt. Eine Prise Anachronismus durch seine Western-Schurken-Attitüde gepaart mit dem überzeichneten Comic-Look der Maske machen die Serie von einer guten Sci-Fi-Dystopie wirklich zu Fallout!

Doch nicht nur Goggins ist eine Topbesetzung, auch Ella Purnell ist von Sekunde eins eine absolute Sympathieträgerin, die Verletzlichkeit und Widerstandsfähigkeit gleichermaßen authentisch darbietet. Schon in Yellowjackets war sie der Fanliebling, aber hier spielt sie sich noch mehr in den Vordergrund und trägt den Hauptstrang der ersten Staffel auf ihren Schultern. Unterstützung erfährt sie von einer Reihe teils namhafter, teils unbekannter Nebendarstellerinnen und Nebendarsteller, die alle sehr motiviert wirken und denen man den Stolz bei diesem Herzensprojekt mitwirken zu dürfen vollends ansieht.

Herauszuheben ist dabei noch Michael Emerson, der mit Nolan bereits langjährig bei Person of Interest zusammengearbeitet hat und dort als Nerd-Gentleman der alten Schule der Publikumsliebling war – und die Seele der KI-zentrischen Show. Ohne zu viel über seine Rolle zu verraten, kann man auch hier wieder nur loben, wie er es schafft in wenigen Szenen Warmherzigkeit in das karge Setting zu bringen.

Ella Purnell als Lucy und Kyle MacLachlan als Hank
Tochter und Vater: Ella Purnell als Lucy und Kyle MacLachlan als Hank © Amazon Studios

Wer sollte sich Fallout nicht entgehen lassen?

(Retro-)Futurismus trifft auf Western: Die Westworld-Vergangenheit der Macher ist an vielen Stellen nicht zu leugnen. Erfreulicherweise betrifft das auch den Produktionswert, der sich wirklich deutlich von zuletzt gescholtenen Prime-Projekten absetzt und sich auf Augenhöhe mit den hochwertigen Apple TV- oder HBO-Produktionen befindet. Auch zu einer weiteren HBO-Serie gibt es Analogien: So ist Fallout nach The Last of Us eine weitere wirklich lohnenswerte Adaption eines Videospiels, die die Vorlage zwar in allen Belangen respektiert, aber vollkommen autark davon auch als Erzählstück funktioniert.

Fans der Games sollten sich trotzdem unbedingt an die Umsetzung herantrauen: Sie bekommen ein Abenteuer klassischer Sorte in einer Welt deren Regeln sie über Jahrzehnte lieben gelernt haben. Und dabei werden sie sicherlich etliche Easter Eggs und Anspielungen auf die Spiele-Lore entdecken, die alles andere als reingequetscht sind. Man merkt auch mehrfach, dass es sich bei der Vorlage um ein Spiel handelt, denn in der Struktur spiegelt sich doch bei genauer Betrachtung eine gewisse Level-Struktur und -Mechanik wieder. Das passt aber sowohl, um der Herkunft gerecht zu werden, als auch zu der recht linearen Heldenreise der Protagonistin auf der Suche nach ihrem Vater.

Unser Fazit zu Fallout – Staffel 1

In nahezu allen Belangen kann man die Showrunner und Amazon nur beglückwünschen: Sie haben die Vorlage zur Serie verstanden, die Essenz daraus in eine eigenständige Geschichte transportiert und mit einem angemessenen Aufwand in würdige Bilder gepackt. Dazu kommen sympathische Figuren, brutale, stark choreografierte Kämpfe und auch einige Überraschungen. Mitsamt der musikalischen Untermalung, die man so erwarten durfte und dem intelligent-tiefschwarzen Humor, der die Reihe auch seit jeher geprägt hat, wird aus der ersten Staffel Fallout ein gelungenes Gesamtpaket für Kenner und Neueinsteiger. Gleichzeitig gibt es aber noch Raum für Verbesserungen in einer potenziellen Fortführung.

Fallout startet am 11. April 2024 mit allen Folgen bei Amazon Prime Video.

Unsere Wertung:

 

Fallout: Das offizielle Kochbuch für Vaultbewohner
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Zuletzt aktualisiert am 12. November 2022 um 18:30 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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© Amazon Studios

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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