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The Sympathizer

Jahrelang war er Iron Man, nun ist Robert Downey Jr. Oscarpreisträger – und trotzdem kehrt er nach über zwei Jahrzehnten zu einer Serienproduktion zurück. The Sympathizer scheint ihn überzeugt zu haben, aber überzeugt die Park Chan-wook Serie auch uns?

The Sympathizer | Trailer | Sky

TitelThe Sympathizer
Jahr2024
LandUSA
RegiePark Chan-wook, Marc Munden, Fernando Meirelles
DrehbuchDon McKellar, Anchuli Felicia King, Viet Thanh Nguyen
GenreSerien
DarstellerHoa Xuande, Fred Nguyen Khan, Toan Le, Vy Le, Alan Trong, Vy Le, Ky Duyen, Sandra Oh, Robert Downey Jr.
Länge7 Folgen mit je 50 – 60 Minuten
Altersempfehlungab 16 Jahren freigegeben
StreamingdienstSky Deutschland
Poster zur neuen HBO-Serie
Poster zur neuen HBO-Serie © Home Box Office, Inc. all rights reserved. Cinemax and related channels and service marks are the property of Home Box Office, Inc.

The Sympathizer – Die offizielle Handlungsbeschreibung

Er ist ein Mann mit zwei Gesichtern – und zwei Seelen: seine Mutter ist Vietnamesin, sein Vater ein französischer Priester; geboren in Vietnam, ausgebildet auf einem College in den USA; Adjutant eines südvietnamesischen Geheimdienstgenerals und zugleich überzeugter Kommunist: Der „Captain“ (Hoa Xuande) ist ein Doppelagent, ein Maulwurf der nordvietnamesischen Armee in Südvietnam in den letzten Tagen des Krieges.

Als 1975 die südvietnamesische Hauptstadt Saigon fällt, soll er dem General (Ton Le) ins amerikanische Exil folgen und dort weiter spionieren. Entwurzelt und in ständiger Angst enttarnt zu werden, muss er seine widersprüchlichen Rollen spielen, bis er sich zwischen ihnen zu verlieren droht. Selbst als er sich später in einem nordvietnamesischen Umerziehungslager an seinen Weg erinnern soll, kann er den inneren Zwiespalt kaum auflösen und kämpft mit seinen Widersprüchen.

Spoilerfreie Kritik zu The Sympathizer

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit allen sieben Folgen der neuen Miniserie. Auf Spoiler verzichtet die Kritik jedoch.

Eine A24-Produktion, die den Spagat zwischen Satire und Thriller meistert

Das Studio A24 ist inzwischen zum Inbegriff von Qualitäts-Content geworden, der in erster Linie den höheren Ansprüchen genügen soll. Damit sind aber auch die Erwartungen an die Projekte gestiegen und in den letzten Jahren konnte nicht jedes davon diesen vollends gerecht werden. Ganz anders nun zum Glück wieder bei The Sympathizer. Denn hier besinnt sich die Schmiede auf ihre Stärken und kann diese Dank einer außergewöhnlich gut zu adaptierenden Vorlage in allen Belangen ausspielen. Die erste Folge wirft den Zuschauer mitten in die letzten Tage des Vietnamkriegs und dank der atemberaubenden Inszenierung und der Ausstattung auf Referenzlevel entsteht binnen weniger Szenen eine beklemmende Stimmung, die dem historischen Kontext mehr als gerecht wird. Gleichzeitig ist es aber keine Nacherzählung, denn von Beginn an hat die Miniserie auch schwarzhumorige, satirische Momente, die eine unaufgezwungene Kommentarfunktion erfüllen.

Dann aber wendet die Geschichte dem südasiatischen Raum den Rücken zu und die Handlung verlagert sich in die vereinigten Staaten. Ein inhaltlich wie stilistischer Bruch, doch erst durch den harten Kontrast wird die innere Zerrissenheit, die sich beim Erzähler mehr und mehr Bahn bricht nachvollziehbar. Der Doppelagent kommt in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, doch er war auch schon immer ein Wandler zwischen verschiedenen Welten, wodurch sich hier nicht die klassische Culture-Clash-Geschichte erzählen lässt. The Sympathizer ist viel mehr als das: Eine Perspektive auf eine Zeit, auf die zumeist eher distanziert geblickt wird, ein Psychogramm aus der Ich-Sicht, angereichert mit der inszenatorischen Finesse eines Regisseurs, dem ein Alfred Hitchcock höchsten Respekt für dieses Projekt ausdrücken würde.

Suspense, Satire, Skurrilität

Denn dem zeitlichen Horizont angemessen ist The Sympathizer in vielerlei Hinsicht auch in der Umsetzung klassisch gehalten: Eine fesselnde Soundkulisse trifft auf eine sehr bedacht ruhige Kamera mit Szenenübergängen, die allein schon preisverdächtig sind. Dabei hat die Miniserie etwas von der Hitchcock’schen Suspense gepaart mit Film-Noir-Elementen späterer Jahrzehnte und der Komplexität eines John Le Carré auf der Ebene der doppelbödigen Spionage-Story. Damit geht Park Chan-wook ähnliche Wege wie in seinem letzten Film Die Frau im Nebel. Es gibt hier bemerkenswerte Einzelszenen, die mit Leerstellen daherkommen und zur Deutung einladen, aber auch Szenen, die in ihrer Klarheit und Aussagekraft ihresgleichen suchen. Und dann wiederum gibt es den eingestreuten Humor, der obwohl man es befürchten mag, eigentlich nie deplatziert kommt. (Stichwort: squid fucker)

Robert Downey Jr. in The Sympathizer
Robert Downey Jr. in The Sympathizer © Home Box Office, Inc. all rights reserved. Cinemax and related channels and service marks are the property of Home Box Office, Inc.

Downey Jr. überzeugt in mehrfacher Hinsicht…

Und ein weiteres Element der eher komischen Sorte – oder besser gesagt mehrere Elemente – ist Robert Downey Jr., der hier nahezu alle amerikanischen Konterparts des Erzählers in verschiedenen Rollen spielt. Dabei hat die Promo auch nicht zu viel versprochen, was die Verkleidung des Oppenheimer-Stars betrifft. Seit Tropic Thunder hat man ihn wohl nicht mehr mit so einer typverändernden Maske gesehen. Doch das Maskenbild ist stimmig, wenn man sich erstmal an den Look gewöhnt hat.

Auch mit seiner Sprache spielt der Hollywoodstar gekonnt und überzeugend, legt sich groteske Manierismen für den einzelnen Personas zu und zwängt sich in wildeste Kostüme. Er hat aber vor allem sichtlich Spaß, hier so viel Aspekte seiner Schauspielkunst präsentieren zu dürfen, dass man rasch vergisst, dass er eigentlich recht wenig Screentime hat und wahrscheinlich genau deswegen so gut funktioniert, weil man ihn als Stilmittel und Nebenrolle geschickt einsetzt und nicht in der Hauptrolle die Grenze zum Nervigen überschreitet.

… doch er ist nicht der eigentliche Star

Wenn man also nur wegen dem größten Namen auf dem Poster einschaltet, wird man mitunter enttäuscht werden, da er gar nicht so viel Raum einnimmt. Doch unvoreingenommen macht dies nichts aus, denn vor allem der „The Captain“ genannte Erzähler und Protagonist, gespielt von Hoa Xuande liefert eine derart gute Performance ab, dass es die Starpower Downey Jr. fast gar nicht bräuchte. Ihm nimmt man die inneren Identitätskonflikte ebenso ab wie die immer wieder gefragte Durchtriebenheit und die Aufgabe eine Fassade aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Es ist eine extrem spannende Figur, die der bisweilen recht unbekannte Australier mit vietnamesischen Wurzeln hier spielen darf und der er seine ganz eigene Note verleiht. Die übrigen Nebendarsteller sind auch stark und Sandra Oh schafft es einmal mehr in nur wenigen Szenen den Raum zu dominieren.

Hoa Xuande in The Sympathizer
Hoa Xuande in The Sympathizer © Home Box Office, Inc. all rights reserved. Cinemax and related channels and service marks are the property of Home Box Office, Inc.

Wer sollte sich The Sympathizer nicht entgehen lassen?

Neben den oben genannten Einflüssen und Referenzen würde der Rezensent die Serie vielleicht als The Americans meets Pachinko umschreiben. Es geht um Identität vor dem Hintergrund der einschneidenden Ereignisse in Südasien Mitte des 20. Jahrhunderts und generell bei Personen, die aufgrund von unterschiedlichen Wurzeln zwischen den Stühlen sitzen. Es geht aber auch um eine komplexe, raffiniert vorgetragene Spionage-Geschichte mit doppeltem Boden, Wendungen und realistischen Merkmalen. Eine Prise Genre-Sprengung à la Mrs. Davis steckt auch noch drin, womit insbesondere Filmnerds durch zahlreiche Referenzen die Kirsche auf die Sahne gesetzt bekommen. Und wer Little Drummer Girl, ebenfalls von Park Chan-wook mochte, wird hier auch gut reinfinden. Denn in Sachen serielles Erzählen hat der Regisseur dort schon seine Handschrift auf ähnliche Weise platziert. Spannenderweise stammte das Skript dafür tatsächlich von Le Carré, womit sich der Kreis quasi schließt.

Unser Fazit zu The Sympathizer

Wow! Schon in unserer Jahresvorschau hat sich der Rezensent auf The Sympathizer gefreut. Jetzt kann er durchatmen, denn die Vorfreude war nicht vergebens. Die historische Thriller im Politsatire-Gewand übertrifft die Erwartungen sogar, denn sowohl liefert Park Chan-wook eine seiner ausgetüfteltsten Regiearbeiten ab als auch bewirbt sich Robert Downey Jr. nach seinem Oscar direkt auch um den Emmy für die beste Nebenrolle. Allein die unterschiedlichen Rollen des ehemaligen MCU-Stars mitzuzählen, wird die Aufmerksamkeit fordern. Zusätzlich erlaubt aber auch die verschachtelte, trotzdem aber intime und emotionale Geschichte aus der Ich-Perspektive eines spannenden Hauptcharakters, keinerlei Ablenkung.

The Sympathizer startet in diesem Juni bei Sky Atlantic im Fernsehen. Bei Sky Go und WOW geht es mit der ersten Folge parallel zum US-Start schon am 15. April los und danach im Wochenrhythmus weiter!

Unsere Wertung:

 

 

The Sympathizer: Soon to be a Sky Exclusive limited series on Sky
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Zuletzt aktualisiert am 27. März 2024 um 19:07 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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