J.J. Perry hat zuletzt mit Dave Bautista für The Killer’s Game kooperiert, nun ein weiteres Mal für Afterburn, der im Gegensatz zu den bisherigen Regiearbeiten des Stunt-Experten tatsächlich im Kino ausgewertet wird. Hat der dritte Spielfilm diese Wertschätzung verdient?
Worum geht’s in Afterburn?
Nachdem eine gewaltige Sonneneruption in der östlichen Hemisphäre der Erde eine flächendeckende Zerstörung hinterließ, blieben in Europa Gegenstände von großem Wert verschollen zurück. In dieser postapokalyptischen Welt begibt sich der wortkarge Schatzsucher und ehemalige Soldat Jake (Dave Bautista) auf die Suche nach verbliebenen, wertvollen Objekten aus der alten Welt, um sie für seinen mächtigen Klienten, König August (Samuel L. Jackson), zu bergen. Bei Jakes aktueller Mission tut er sich mit der Freiheitskämpferin Drea (Olga Kurylenko) zusammen – und es geht dabei um nichts weniger, als die Mona Lisa. Es wird angenommen, dass diese sich in einem unbekannten Tresor im von Kämpfen zerrütteten Frankreich befindet, das von einem brutalen Warlord (Kristofer Hivju) beherrscht wird. Aber Drea und Jake sind nicht die Einzigen, die auf der Suche nach ihr sind…

Die lange Geschichte hinter Afterburn
Der Film, der auf der gleichnamigen Comicserie von Red 5 Comics basiert, hat eine lange Produktionsgeschichte hinter sich. Schon 2008 gab es erste Ideen. Damals sollte Tobey Maguire als Produzent fungieren. Dann gab es Berichte darüber, dass Gerard Butler die Hauptrolle unter Antoine Fuquas Regie spielen soll. 2018 gab es ein Skript von Matt Johnson und Nimrod Antal. Erst im Februar 2024 kam das Team aus Perry, Jackson und Bautista zusammen, dass nun das finale Produkt verantwortet. Dieses Hin-und-Her merkt man dem Sci-Fi-Streifen leider zu deutlich an.
Jackson überzeugt immer
Samuel L. Jackson ist eindeutig noch das Beste an Afterburn. Der 76-Jährige sagte 2022 der Los Angeles Times, dass er sich nicht dafür interessiere, ob seine Filme oscarwürdig seien. Er ist gegen das Verfolgen von „statue-chasing movies“. Bei ihm sei die Hauptsache, dass er Spaß hat. Aus solchen Gründen habe er Rollen wie Nick Fury oder Mace Windu angenommen, wo er Spaß mit den Superhelden und Lichtschwertern haben konnte. Und diese Attitüde zeigt er hier ein weiteres Mal. Es macht immer unglaublich Spaß ihm zuzuschauen. Immerhin gibt er seiner Figur einen Anstrich, sodass man hiervon gern mehr gesehen hätte. Seine Sprüche und vor allem, wie er sie herüberbringt, sind unglaublich unterhaltsam.
Keine lebendigen Figuren
Das war es leider schon mit dem Positiven. Alle anderen Figuren sind so nichtssagend und vergessenswert, wie man es nur selten sieht. Über Dave Bautistas Figur wird am Anfang in einem Expositions-Monolog viel erzählt, wovon man nur wenig versteht. Warum er so ist und warum er kann, was er kann, wird nie klar. Es entsteht weniger das Gefühl einer besonders starken Figur, sondern eher, dass man hier dem Hauptcharakter so viel „Plot Armor“ aufgetragen hat, dass es schwer ist, das nicht zu erkennen. Jake wird genau eine Eigenschaft gegeben, die darüber hinausgeht und diese wird so banal inszeniert und fast gar nicht behandelt, dass es überhaupt nicht ernst zu nehmen ist.
Die anderen Figuren haben überhaupt keine Charakterisierung. Jakes Partnerin Drea beispielsweise fühlt sich wie ein hohler Lückenfüller, um der Hauptfigur jemanden an die Seite zu geben. Nicht einmal versucht der Film, ihr irgendeine Tiefe zu verleihen. Auch der böse Warlord ist zu keinem Zeitpunkt der Rede Wert und fühlt sich nie bedrohlich an. Die Probleme verschärfen sich durch das schwache Schauspiel. Gerade in einem dystopischen Science-Fiction-Werk fällt dies besonders negativ auf. Das Ende wirkt, als hätten die Autoren zwar einen Schlusspunkt festgelegt, den Weg dorthin jedoch unlogisch und sprunghaft entwickelt. Es lässt sich früh erahnen was passiert, dennoch fühlt es sich an, als käme dies aus dem Nichts.
Ein Hollywood-Trashfilm
Trotz eines Budgets von 56,7 Millionen Euro fühlt sich das alles an wie ein schlechter B-Movie. Die Dialoge sind oft unfreiwillig komisch und werden der Lage kein bisschen gerecht. Exposition darf da nicht fehlen. Die gesamte Anfangssequenz besteht daraus, dass Jake uns die ganze Hintergrundgeschichte dieser Welt erzählt. Das wird dann von Bildern untermalt, die nicht generischer hätten sein können.

Hier fallen einfachste Fehler auf. Selbst der Schnitt kann hier manchmal verwirren, wenn zu früh in Szenen weggeschnitten wird, sodass das Gefühl entsteht, hier wäre vieles Opfer im Schnittraum geworden. Das zu kaschieren, wird nicht mal versucht. In manchen Momenten ist die Kamera nicht besonders gut platziert und die Figur, die gerade im Zentrum des Bildes stehen sollte, tut dies nicht.
Wo ist die Fallhöhe?
Dass Filme Figuren wie reine Schablonen behandeln oder eine ausbaufähige Kinematographie vorweisen, macht schon einen großen Teil davon aus, weshalb Afterburn so wirkt, wie er wirkt. Und es ist aber ein weiteres, zentrales Problem, dass es keine Fallhöhe gibt. Nicht nur, weil man kein bisschen um die Charaktere fürchtet, sondern auch, weil nie Spannung oder Drama entsteht. Es gibt hier Panzer, Warlords, Kannibalen und gut ausgerüstete Soldaten. Aber Jake schießt und fährt sich da komplett geradlinig durch, als wäre er in einem Videospiel. Nie erreicht einer der Helden einen Tiefpunkt, nie geraten sie in eine Sackgasse oder müssen den Plan spontan ändern. Es läuft alles quasi nach Plan. Typische Kernthemen von Dystopie-Filmen wie Moralische Dilemmata werden hier nur angeschnitten, aber nie lang genug, um sie bedeutsam werden zu lassen.
Das bügelt auch ein Plot-Twist am Ende nicht aus: Dieser kommt plötzlich ohne großes Foreshadowing, ohne dass man sich anschließend denkt, dass das Sinn ergibt und sich aus dem vorigen Geschehen logisch herleitet. In der Szene wird außerdem nochmal auf eine seltsame Weise die Geschichte umgeschrieben. Doch das ist zu diesem Zeitpunkt dann auch nur noch das geringste Problem.
© Leonine Studios
Unser Fazit zu Afterburn
Das Einzige, was hier funktioniert, ist Samuel L. Jackson. Der Rest weist deutliche handwerkliche Schwächen auf. Mit jeder Szene mehr wirkt Afterburn unfreiwillig komischer. Man fühlt nie mit, vieles wirkt unausgereift, als sei es improvisiert und selbst die etablierten Schauspieler können hiermit kaum etwas anfangen. So verwundert es nicht, dass viele Kinos den Streifen nicht in ihr Programm genommen haben.
Afterburn läuft seit dem 21. August 2025 in den deutschen Kinos.
Emre ist 20 Jahre alt und schon seit seiner Kindheit ein Filmfan. Im Kindergarten war der große Mittelpunkt Tobey Maguires Spider-Man -inklusive Karnevalskostüm. Heute ist sein Filmgeschmack breiter gefächert. Seit zehn Jahren geht er leidenschaftlich gerne ins Kino. Die Besuche sind dabei von zwei bis drei pro Jahr auf 26 in 2024 angestiegen. Andere prägende Filme sind Star Wars und Zurück in die Zukunft und seit kurzem auch Dune. Er ist für 99 Prozent der Filmwelt offen und so reicht die Spanne von Hangover bis Andrej Tarkovsky.

