Chris Columbus hat mal wieder einen neuen Film gemacht. Und für The Thursday Murder Club hat er alles zusammengetrommelt, was Rang und Namen hat – wenn man einen Film mit Ü60-Detektiven machen will.
Darum geht’s in The Thursday Murder Club
„The Thursday Murder Club“ basiert auf dem internationalen Bestseller „Der Donnerstagsmordclub“ von Richard Osman und handelt von den vier unbändigen Rentner*innen Elizabeth (Helen Mirren), Ron (Pierce Brosnan), Ibrahim (Ben Kingsley) und Joyce (Celia Imrie), die sich zum Spaß ungelösten Kriminalfällen widmen. Als eines Tages direkt vor ihrer Haustür ein Mord geschieht, ist ihr Ermittlungseifer natürlich geweckt.

Netflix‘ Antwort auf Only Murders in the Building?
Mord ist ihr Hobby, also nicht nur das von Angela Lansbury, sondern auch das von Elizabeth, Ron, Ibrahim und Joyce. Mal wieder haben rüstige Seniorinnen und Senioren sich für ihre Altersbeschäftigung ausgesucht, statt nur Cluedo in der Brettspielfassung zu spielen, lieber echten Halunken das Handwerk zu legen. Das gibt es in der Film- und Serienlandschaft schon seit Jahrzehnten und der Inbegriff ist hier wohl bis heute Mrs Marple. Doch jüngst hat das Whodunnit-Subgenre eine Frischzellenkur erfahren – und das ausgerechnet durch die generationenübergreifende Zusammenarbeit von den Oldschool-Comedians Martin Short und Steve Martin mit einem der größten Stars der Generation Z, Selena Gomez: Only Murders in the Building geht demnächst in die fünfte Staffel und ist nach wie vor ein Hit bei Disney Plus. Kein Wunder also, dass schon Apple TV+ mit The Afterparty ein ähnliches Konzept adaptieren wollte, dem mutmaßlich aber die Oldie-Power abging – oder wie ließe es sich sonst erklären, dass das Format nur zwei Staffeln überleben konnte?!
Scherz beiseite! Natürlich war wohl eher Knives Out die Initialzündung des neuerlichen Mördersuche-Hypes, den Netflix nun schon einmal in diesem Jahr mit The Residence selbst befeuern wollte, um die Wartezeit bis zum dritten Benoit Blanc-Fall zu überbrücken. Doch auch diese Serie kam nur mittelmäßig an – und wurde jüngst nach der einen Staffel abgesägt. Jetzt müssen es also Ben Kingsley, Helen Mirren und Co. richten und beweisen, dass Netflix der Taktgeber bei den Whodunnit-Format ist. Ob das mit The Thursday Murder Club klappt? Immerhin ist mit Chris Columbus der Regisseur an Bord, der mit Kevin allein zuhaus und seinen Harry Potter-Teilen ein außerordentliches Händchen für packende Familienunterhaltung bewiesen hat.
Die „Alten“ habens faustdick in den Ohren
Dass Leute jenseits des Renteneintrittsalters trotz der heutzutage wesentlich vitaleren Weise des Alterns noch immer nicht mehr ganz ernst genommen werden, ist schon etwas unverständlich – bringt aber erst recht den Drive in die Produktionen, die mit dem Thema spielen. So hat beispielsweise das Matlock-Reboot mit Kathy Bates im Prinzip seinen ganzen Plot darum gestrickt, dass die Protagonistin chronisch unterschätzt wird. Und auch Undercover im Seniorenheim mit Ted Danson spielt damit, dass der Protagonist sich unter seines vermeintlichen Gleichen mischt und den senilen Senioren spielt. Auf dieser Klischee-Kiste reitet nun The Thursday Murder Club wesentlich weniger rum. Im Gegenteil werden die vier vor allem von den „echten“ Ermittlern von Anfang an direkt für ihr Gespür und ihr Interesse wertgeschätzt- sogar fast als seriöse Konkurrenz und auch potentielle Partner betrachtet.
Da wäre es dann auch kontraproduktiv gewesen, diese Seriosität mit platten Gags über Rentner-Stereotype unnötig zu banalisieren. Ja es gibt hier natürlich auch einige Gags auf Kosten fortschreitenden Alters, aber die sind allesamt respektvoll, exzellent pointiert und zweckdienlich. Somit ist nicht wie bei Only Murders in the Building der eigentliche Krimi-Part nur ein Vehikel, um skurrile Situationen aneinanderzureihen und sich in Cameo-Auftritten zu suhlen. Nein, hier wird das Milieu der gealterten Protagonisten vollwertig und in allen plausiblen Aspekten abgebildet.

Was für ein Starcast!
Dabei ist dieser Detektivclub alles andere als schwach besetzt, kann sogar locker mit dem Disney Plus-Hit mithalten. Denn abgesehen von den vier Hauptcharakteren spielen beispielsweise Tom „Lucifer“ Ellis als Sohn der Brosnan-Figur, Naomie Ackie (Blink Twice) und Daniel Mays (A Thousand Blows) als Ermittler und in weiteren Rollen Geoff Bell (Mobland), David Tennant (Jessica Jones), Jonathan Pryce (Slow Horses), Sarah Niles (Ted Lasso) oder Richard E. Grant (Loki) mit. Und noch besser, sind das zum Großteil alles andere als Kurzauftritte, sondern überzeugende Darbietungen, bei denen gekonnt mit dem eigenen Image gespielt wird, ohne sich aber in irgendeiner Weise zur Lachnummer zu machen. Denn: Dieser Krimi ist alles, aber keine Genre-Parodie à la Knives Out.
Am meisten Spaß und Spielfreude strahlen aber zweifelsohne die sehr gut interagierenden Club-Mitglieder aus. Das Zusammenspiel von Mirren und Brosnan ist weitaus angenehmer zu beobachten als die stellenweise Cringe-Parade der beiden als Ehepaar in Mobland. Helen Mirren spielt hier wesentlich passender für ihren Typ. Ja, es macht auch in Mobland und Fast and Furious Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie sich inzwischen für nichts mehr zu schade ist und einfach mal die Sau rauslässt, aber in Anbetracht ihrer Filmografie passt eine Rolle wie nun in The Thursday Murder Club schlicht besser. Ähnliches gilt auch für Brosnan, der hier einen altersmilden Gentleman spielt und nicht einen gealterten Actionhelden, der sich des Alterns mit allen Sinnen verweigert. Und auch der dritte Hochkaräter im Bunde, Ben Kingsley, hat endlich mal wieder eine ihm würdige Rolle und macht sich nicht wie beispielsweise in seiner Marvel-Performance in Shang-Chi zum Kasper.
Im Kernfach ein deutlicher Sieg
Bei einem Krimi muss natürlich das Figurenkabinett mit Sympathien zum Mitfiebern animieren, was hier mit Bravour gelingt. Noch wichtiger hingegen sind aber die Kriminalgeschichte per se und der Miträtselfaktor – und auch hier ist der Netflix-Start durch die Bank packend. An dieser Stell wird selbstredend über die Wendungen und vor allem die Auflösung nichts verraten, aber es sei gesagt: Spannung ist hier wesentlich mehr geboten als man wohl anhand der Promo erwartet hätte. Tonal ist man damit sogar wesentlich näher an Slow Horses dran als an den deutlich humoristischeren Serien, die bereits Erwähnung in diesem Artikel fanden. Dieser knapp zweistündige Krimi ist auf die beste Art und Weise ein geistiger Nachfolger alter Agatha Christie-Verfilmungen mit einem zeitgemäßen Pacing.
© Netflix
Unser Fazit zu The Thursday Murder Club
The Thursday Murder Club atmet den Geist alter britischer Krimis, ist paradoxerweise aber trotz seiner gereiften Protagonisten alles andere als altbacken. Der gesamte Cast ist exzellent aufgelegt, der Krimiplot hat emotionale Wirkung, reichlich Wendungen und nimmt sich zum Glück angenehm ernst. Von dieser Truppe dürfte man gerne mehr zeigen.
The Thursday Murder Club läuft ab dem 28. August 2025 bei Netflix.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

