Taron Egerton macht Jagd auf Charlize Theron in der Pampa von Downunder. Das muss doch eigentlich ein Heidenspaß werden – oder versemmelt es Netflix mit APEX?
Darum geht’s in APEX
Noch um ihren Partner trauernd wird Sasha (Charlize Theron), die in der australischen Wildnis den Gefahren der Natur ausgesetzt ist, plötzlich von einem skrupellosen Verfolger (Taron Egerton) gejagt.

Der Name steht für Adrenalin
Baltasar Kormákur, der isländische Regisseur dieses Netflix-Projekts, hat schon Jake Gyllenhaal auf den Mount Everest steigen lassen, hat Shailene Woodley und Sam Claflin – Adrift – über den Ozean segeln geschickt und zuletzt Idris Elba ins Duell mit menschenfeindlichen Löwen – Beast – geworfen. Und das sind nur einige wenige Beispiele, die verdeutlichen, wie gern sich ausgerechnet ein Mann von der für ihre Naturschönheit berühmten Insel im Norden Europas Abenteuern in spektakulären Settings annimmt. Kormákur garantiert Spannung meist schon allein der Umstände wegen, aber gleichzeitig sind die Skripte bezüglich ihrer Komplexität nicht gerade eine weitere Stärke, vielmehr ein wiederholt kritisiertes Manko seiner Produktionen.
Nun hat sich für seinen neuesten Regie-Streich Netflix mal wieder nicht lumpen lassen und dem Isländer mit Charlize Theron und Taron Egerton zwei absolute A-Stars organisiert, die der Adrenalinexperte nun in einem auf dem Papier erneut simplen Konstrukt aufeinander loslassen darf. Entsprechend kann ich gleich zu Beginn davor warnen, zu erwarten, dass Kormákur von seiner bisherigen Ausrichtung mit APEX auch nur einen Hauch abzuweichen bereit ist. Wer also Beast und Co. mochte, kommt einmal mehr auf seine Kosten – und mehr scheint Netflix auch gar nicht als Vorgaben für diesen Thriller gemacht haben.
Zwei Stars haben Spaß – und wir auch
Taron Egerton ist natürlich längst über seine naiv-coole Kingsman-Rolle hinausgewachsen. Hat in In with the Devil oder zuletzt in She Rides Shotgun spätestens bewiesen, dass er düstere, soziopathische und extrem bedrohliche Typen mit einer Überzeugungskraft spielen kann, sodass man auch direkt hier wieder von Beginn an schon spürt, dass mit seinem Ben wohl etwas nicht ganz koscher ist. Aber diese psychopathische Persona so genüßlich zu spielen, ist schon eine besondere Qualität, die Egerton in letzter Zeit entwickelt hat. Die Spielfreude, den Psycho zu mimen, nimmt man ihm voll ab und dieser Spaß überträgt sich aufs Publikum.
Ähnliches gilt indes für Charlize Theron, die ja auch schon Psycho-Erfahrung in mehreren Projekten sammeln konnte. Man denke an Monster, aber auch an ihre Fast and Furious-Rolle. Doch diesmal ist sie wieder der „gute“ Part in diesem Duell zweier Superstars, denen man jeweils die Lust, an APEX mitzuwirken – trotz aller Einfachheit dieses Projekts – abnimmt. Das Setting mitsamt dem reißenden Flusslauf erinnert derweil natürlich an andere Survival-Thriller, wie den Klassiker Aufs Messers Schneide, der jedoch noch um einiges mehr an Plot mit sich brachte. Hier sind die netto nicht mal 90 Minuten Spielzeit wirklich aufs Wesentliche reduziert: In den ersten Minuten erfährt Sasha ihr Trauma, das sie zu dem Abenteuer führt, bei dem dann eben der verrückte Ben Jagd auf die macht. That’s it.
Wie „echter“ Überlebenskampf
Neben den motivierten Darstellenden ist die Stärke dieses Überlebenskampfs im Filmformat, dass es einige stark gefilmte Szenen gibt, in denen das Adrenalin tatsächlich ins Wohnzimmer überschwappt, weil das Gezeigte durchaus einen überzeugenden Grad an Realismus verbreiten kann. Die Kletterei oder alles, was sich im Wasser abspielt wirkt echt – und damit gefährlich. Einzig das Colorgrading ist mal wieder etwas gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie auch Trademark der aktuellen Kormákur-Filmografie.

Und so ist dieser Netflix-Film dann schlicht und einfach ein kompakter Survivalthriller, nicht ganz so „meta“ und kinematisch gedacht wie zuletzt Raimi’s Send Help, sondern noch geradliniger und reduzierter. Das macht während der anderthalb Stunden Laufzeit schon Vergnügen, ist aber natürlich auch danach genauso schnell wieder vergessen.
© Netflix
Unser Fazit zu APEX
Taron Egerton hat Spaß daran, im Dschungel den Psychopathen mit den brachialen Methoden zu spielen und trifft auf eine Charlize Theron, die sich natürlich nicht kampflos geschlagen gibt. Das macht Spaß, sieht ordentlich aus, verströmt Adrenalin - ist aber dann auch sehr schnell wieder vergessen. APEX ist ein okayer Netflix-Film, der genau in die Vita des Regisseurs passt. Nicht weniger, aber halt wirklich auch nicht mehr.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

