„This shit gets real“, denn die Körperfresser kommen… erneut! Dieses Mal mit zwei Upcoming-Stars und einem alten Haudegen zwischen kotzenden Elchen und einer ordentlichen Portion 80s-Trash, der sich im Kino vergangener Tage suhlt. Zu gut, um wahr zu sein – oder doch eher eine Kaltlagerung der falschen Sorte Film?
Cold Storage – darum gehts
Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell), zwei junge Angestellte eines Selfstorage-Unternehmens auf dem Gelände eines ehemaligen US-Militärstützpunkts, erleben ihre turbulenteste Nachtschicht, als ein parasitärer Pilz aus der versiegelten untersten Ebene ausbricht, wo er vor Jahrzehnten von der Regierung eingeschlossen wurde. Mit steigender Temperatur im Untergrund vermehrt sich der hoch ansteckende, schnell mutierende Mikroorganismus und entfesselt seinen gehirnkontrollierenden, körperzerstörenden Schrecken auf Menschen und andere Lebewesen. Gemeinsam mit einem ergrauten, pensionierten Bioterror-Agenten versuchen Teacake und Naomi, die Bedrohung einzudämmen und das drohende Aussterben der Menschheit zu verhindern.

Kein Highlight, aber eine Seltenheit
Bereits das Intro wirft jegliche Erwartungen an Ernsthaftigkeit über Bord. Zwischen Texttafeln, wilden Zeitsprüngen, Kometeneinschlägen und obskuren Weltraumprojekten macht Cold Storage unmissverständlich klar, welch abgedrehter Fiebertraum er sein möchte: Einer, den man in den 80er-Jahren zufällig in der Videothek entdeckt hätte. Mit reichlich Gekröse und einer spaßigen Prämisse irgendwo zwischen Die Körperfresser kommen und Angriff der Raketenwürmer angesiedelt, sowie einem Ausnahmecast, der zunächst aufhorchen lässt. Mit Barbarian-Star Georgina Campbell und Stranger Things-Publikumsliebling Joe Keery in den Hauptrollen bringt der Film darstellerisch frischen Wind in angestaubte Trash-Regale – bis Liam Neeson aus dem Ruhestand zurückkehrt, um trotz Rückenschmerzen das junge Duo aufzumischen und nebenbei die gesamte Menschheit vor einer Alien-Pilz-Plage zu retten.
Das Ding aus einem anderen Film
Letztlich bietet Cold Storage zwar kaum mehr als die vielen Trittbrettfahrer großer Genreklassiker, und dennoch verdient der Versuch als Resterampe nostalgischer Erinnerungen eine gewisse Anerkennung. Regisseur Jonny Campbell gelingt zumindest ein nett gemeintes, kaum eigenständiges und stark an großen Vorbildern angelehntes filmisches Manöver, das den Rahmen für eine angenehme Reminiszenz an jene Ära setzt, in der das Horrorkino von Trash-Granaten und billigen Rip-offs geflutet wurde.
Genau dort dockt der Film an – auch wenn er schlussendlich nicht viel besser funktioniert als die Werke, deren Zielgruppe und Genreideale er so offensichtlich anpeilt. Und doch gehört allein der Ansatz, gerade in der modernen Filmlandschaft, gewürdigt, wenn auch nicht zwingend mit einem Kinoticket belohnt. Denn wann wurde man schon zuletzt von einem Hirsch angekotzt – und bekam im selben Moment halbwegs explizite Zombie-Effekte samt billiger Gags serviert?
Nur wo bleibt das Praktische?
Bei aller Hingabe und Verbeugung vor dem Sci-Fi-Genre fällt jedoch früh ein zentrales Problem auf. Es mangelt nicht an Charme, Aufbau, Cast oder Witz. Vielmehr ist es die digitale Hochglanzoptik, die dem Film zum Verhängnis wird. Sie passt nicht zu dem, was Cold Storage eigentlich sein möchte. Das macht ihn nicht zwangsläufig zu einem hässlichen Film, aber zu einem erstaunlich billig wirkenden: CGI-Wunden, digitales Blut und animierte Tiere lassen es wie ein Produkt der 2010er-Jahre erscheinen. Denn fast alles stammt aus dem Rechner.

Cold Storage fehlen praktische Effekte, körnige Bilder und dieses greifbare 80er-Jahre-Feeling, nach dem eigentlich alles schreit. Zwar beweisen einige Sets, schleimige Wunden und vereinzelte handgemachte Attrappen durchaus solides Handwerk, doch das Digitale dominiert das Geschehen und trübt das Gesamtbild. Die guten alten Zeiten des Trashfilms werden lediglich strukturell und im zunehmenden Größenwahn zitiert, der Cold Storage im Kern wie ambitioniert produzierten Trash erscheinen lässt. Visuell schießt der Film jedoch an seinem eigenen Anspruch vorbei – und bleibt damit weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
© Studiocanal
Unser Fazit zu Cold Storage
Wirklich böse sein kann man Cold Storage schlussendlich nicht. Der Cast um Joe Keery, Georgina Campbell und Liam Neeson trägt den Film mit angenehm viel Witz, Charisma und Spielfreude auf seinen Schultern. Die Infizierten-Action bietet – wenn sie denn wirklich präsent ist – durchaus unterhaltsame Schauwerte, und die überdurchschnittlich solide Inszenierung rundet das Genreeinerlei zumindest formal etwas ab. Cold Storage kommt vielleicht etwas zu spät in die Gänge, ist weniger trashig und brutal als erhofft und liefert dadurch zu wenig von dem, wofür eingefleischte Genrefans gekommen sind. Doch am Ende sitzt man trotz eines zähen ersten Akts, inhaltlicher Generik und visueller Ausfälle grinsend davor, weil die sympathische Ausstrahlung, die unverblümte Freude am Hanebüchenen und das völlig Banale die Oberhand gewinnen.
Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

