Mit Crime Game erscheint wieder ein Heist-Film, dessen Besetzung mindestens einen unterhaltsamen Spaß verspricht. Ob der Film dieses Versprechen einhalten kann, lest ihr hier.
https://www.youtube.com/watch?v=v7Rnk94vjdo

Worum geht es in Crime Game?
Schatzsucher Walter (Liam Cunningham) hebt ein versunkenes spanisches Schiff, welches mit Gold und anderen Kostbarkeiten beladen war. Doch die spanische Regierung kassiert seine Beute ein und deponiert sie im Tresor einer Bank in Madrid. Um doch an den Schatz zu gelangen, stellt Walter ein Team um den Ingenieurstudent Thom (Freddie Highmore) zusammen. Der Plan: Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 und dem damit vor den Toren der Bank am Plaza de Cibeles stattfindenden Public-Viewing werden sie versuchen, in den Tresor der uneinnehmbaren Bank zu gelangen und den legendären Schatz zurückzuholen…
International besetzter Heist-Film
Im Laufe der Jahre kamen immer wieder mal sogenannte Heist-Filme auf den Markt. Mal mit mehr und mal mit weniger großem Erfolg. Die Formelhaftigkeit ihres Seins macht es schwer, diesem Genre noch etwas Frisches abzugewinnen, und so sollten diese im Zweifel zumindest unterhaltsam sein und Spaß machen. Genau diesen Spaß verspricht der breite und mit bekannten Darstellern besetzte Cast von Crime Game. Ob Freddie Highmore (Charlie und die Schokoladenfabrik) als Genie für Problemlösungen, Sam Riley (Das finstere Tal, Maleficent – Mächte der Finsternis) als Ex-Militär, Astrid Bergès-Frisbey (King Arthur: Legend of the Sword) als Dame mit besonderer Fingerfertigkeit oder Liam Cunningham (Game of Thrones) als alter Seebär und Anführer, sie sind optimal für ihre Rollen gecastet. Mit dabei sogar Axel Stein, der nach Matthias Schweighöfer der nächste deutsche Schauspieler ist, den man in diesem Jahr in einem international namenhaft besetzten Film zu sehen bekommt – inklusive typisch deutschen Vornamen: Klaus.

Ocean’s Eleven meets Haus des Geldes
Mit dem spanischen Regisseur Jaume Balagueró übernahm jemand das Zepter, der eigentlich in einem gänzlich anderen Genre seine Sporen verdiente. Mit beispielsweise [REC] oder Sleep Tight inszenierte er bislang hauptsächlich Filme aus dem Horror-Genre, was wiederum natürlich nicht bedeuten muss, dass ihm ein solcher Heist-Film nicht gelingen kann. Entgegen der Befürchtung, ist die Inszenierung des multinational besetzten Crime Game definitiv gelungen, und der Film muss sich rein optisch nicht vor seinen Genrevettern verstecken. Der Film ist nahtlos aufgebaut wie ein typischer Hollywood-Blockbuster, nur dass er eben nicht aus Hollywood stammt, sondern aus Spanien. Eben jenem Ort, von dem die wohl bekannteste Heist-Serie der Welt stammt: Haus des Geldes.
Sehe ich aus wie Danny Ocean?
Mit dieser hat Crime Game auch am meisten gemein, unter allen Genrebeiträgen der Neuzeit. Sicherlich ist der Vergleich mit Ocean’s Eleven der erste, der einem in den Sinn kommt, und auch Thom macht Anspielungen auf eben jene Filmreihe. Aber der Einbruch in die Bank von Spanien ist nahezu derselbe Inhalt von Staffel 3 der Netflix-Serie – zumindest bezogen auf den Ort. Vermutlich wurde beides sogar zur gleichen Zeit geskriptet, doch bei Crime Game schlug man inhaltlich einen anderen Weg ein.

Es benötigt mehr, um aus der Masse herauszustechen
Die Zeichen standen auch unter keinem guten Stern, denn ein Blick in unsere Infotabelle verrät, dass letzten Endes fünf Autoren am Drehbuch beteiligt waren. Bekanntermaßen verderben zu viele Köche den Brei, doch in Crime Game ist nicht nur das Problem, dass sich der Film für besonders clever hält, sondern eher, dass wirklich alles schon mal irgendwo zu sehen war. Balaguerós Film bietet dem Zuschauer nichts Frisches in seinem am Ende doch sehr vorhersehbaren und dadurch wenig spannenden Film. Mit Ausnahme von Luis Tosar (Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden), der den spanischen Go-to Guy Simon darstellt, wirken zudem sämtliche Darsteller blass in Szene gesetzt und ihre Figuren bleiben wenig in Erinnerung.
Freddie Highmore war in Bates Motel oder The Good Doctor in der Lage eine Serie zu tragen, aber in Crime Game entfaltet sich sein Charisma nur wenig. Jedoch zeigt er hier deutlich mehr Ausstrahlungskraft als Famke Janssen (X-Men-Filme, Lord of Illusions), deren inzwischen verunstaltetes Gesicht kaum menschliche Regungen transportiert. Zum Glück kommt dieser Umstand kaum zum Tragen, da sich ihre Screentime auf ein Minimum reduziert.

Unser Fazit zu Crime Game
Crime Game gehört zu der Kategorie gut kopiert und nichts falsch gemacht, aber am Ende hat es nicht gereicht. Dafür hätte der Film einfach mehr benötigt als das Gezeigte, um sich zumindest ein wenig unter seinen Genrevettern hervortun zu können. So ist Crime Game nur ein weiterer generischer Beitrag zum Heist-Genre – einige Male schon gesehen und dann häufig sogar besser. Wer dennoch mal reinsehen möchte, macht indes keinen gewaltigen Fehler. Obwohl alles schon mal da war, kann der Film als Zeitvertreib durchaus dienen. Doch wer gute Unterhaltung anstrebt, für den lohnt sich der Griff zu Logan Lucky oder eben der Ocean’s-Trilogie mehr.
Crime Game ist ab dem 11.06.2021 auf DVD, Blu-ray und digital erhältlich!
© SquareOne Entertainment
Von seinem Kennenlernen mit dem Mauswanderer in einem Land vor unserer Zeit über seinen ersten Kinobesuch mit der rothaarigen Meerjungfrau, hat sich bis heute eines nie geändert: Die Film- und Fernsehwelt ist ein fester Bestandteil von Chrischi. Das steht nicht immer ganz im Einklang mit seiner hauptberuflichen Beschäftigung im öffentlichen Dienst, doch ein Blick in Chrischis „Cave“ mit inzwischen weit über 3.000 Medienträgern und einigen schicken Sondereditionen offenbart seine eigentliche Berufung. Auf der Suche nach Gleichgesinnten fand er schließlich Ende 2019 zu Filmtoast und ist seitdem fleißig am texten und quatschen im Zeichen des Toasts. So mancher Psychologe würde vermutlich beim Anblick auf Chrischis Filmauswahl mit der Stirn runzeln, doch fühlt sich Chrischi eben in nahezu jedem Genre wohl; außer vielleicht Horror. Seine Favoriten: Warrior, Kingsman, Lucky Number Slevin und Ratatouille sowie Filme von Nolan, Villeneuve, Anderson (Wes!) bzw. mit Robin Williams oder Kevin Costner (beide werten für ihn jeden Film auf). Sein Guilty Pleasure: Howard the Duck.

