Kurz nachdem die Urheberrechte für Kindheitsikonen wie Winnie Puuh ausliefen und die Vorlagen gemeinfrei wurden, erscheinen die ersten Horrorfilme berühmter Kindercartoons. Ferkel, Peter Pan, Pinocchio und Bambi ziehen mit Solofilmen nach. Auch der Ur-Mickey Mouse bleibt das Horrorfilm-Treatment nicht erspart. Welcome to The Mouse Trap…

The Mouse Trap – Darum geht’s
Alex, die in der Spätschicht in einem Vergnügungspark arbeitet, erhält an ihrem 21. Geburtstag einen Überraschungsbesuch von ihren Freunden. Aus dem Spaß wird ein Kampf ums Überleben, als ein als Micky Mouse verkleideter Killer die Party stürmt.
This is not a Funhouse
Konnten besagte billig produzierte Horrorfilme über bekannte „Kindheitshelden“ zumindest durch eine solide Aufmachung „glänzen“, wirft sich The Mouse Trap mit allen erdenklichen Mitteln diesem Trend entgegen. Mit 800000 US-Dollar Budget hatte Regisseur Jamie Bailey merklich wenig Spielraum, doch blickt man auf seine Filmografie zurück, lässt schon Schlimmstes befürchten. Spätestens nach Deinfluencer, der Saw mit Influencer-Plattitüden anreichern wollte und auf dem Papier durchaus spannend klang, war klar, auf welche Sorte von Filmen seine einlassen müssen. „Billig“ ist dafür nämlich kein Begriff mehr. Jamie Bailey findet Bilder verheerender Qualität, die Sets wirken vollkommen unbrauchbar, und gelungene Ausleuchtung sucht man vergebens. Der Rest an Hoffnung erleidet in einem makabren Film Schiffbruch, der schon bei der Suche nach einer Prämisse aufgegeben hat und nicht mal in seiner gelungensten Szene an die Schlechteste eines Winnie the Pooh: Blood and Honey herankommt.
The Mouse Trap ist dadurch Zeitverschwendung in Reinform und kein spaßiger Schwachsinn für kurzlebige Slasher-Freunde: Zwar probiert Regisseur Bailey durchaus gelungene Referenzen von Scream bis Nightmare on Elm Street zu liefern – Produzent und Darsteller des Mickey-Mouse-Killers Simon Phillips ist selbst großer Fan des 90er-Jahre-Slasherkinos – nur merkt man als Zuschauer davon reichlich wenig. Obwohl dieser filmgewordene Verkehrsunfall mit seinem satirischen Star Wars-Intro auf die Lage Disneys tatsächlich durchaus schmunzelnd die größte Stärke seiner Laufzeit offenbart, wird schon direkt mit dem Auftauchen von Menschen die Handlung abrupt schlechter.
The Mouse Crap
Besonders die Darsteller sind durch die Bank weg grauenhaft. Zwar Sophie McIntosh versucht sich mit Ach und Krach ins Mittelmaß zu retten, doch letztlich bleibt die Besetzung die einzige Form von Horror, die der Film zu bieten hat. Auch Simon Phillips, der noch in einigen jüngsten Bruce Willis B-Produktionen mitwirken durfte, fällt schauspielerisch komplett durch: Seine „Transformation“ in den sich teleportierenden Mickey-Mouse-Mörder mag auf dem Papier nach einem soliden Slasher-Konzept klingen, doch zu keinem Zeitpunkt entsteht das Gefühl, dass hier echtes Gespür oder gar Leidenschaft für das Genre vorhanden ist.
Auch erzählerisch ist dies der absolute Bodensatz. Der Film setzt auf zwei antichronologisch verlaufende Handlungsstränge, bei denen bereits einer früh vorwegnimmt, was als Nächstes passieren wird – und wer als Nächstes stirbt. Die Aufteilung zwischen einem simplen „Cops verhören Opfer“-Plot und dem „Slasher im Kinderparadies“-Szenario wirkt dadurch nicht nur völlig unsinnig und unverständlich, sondern raubt dem Film jeglichen Unterhaltungswert. Die ohnehin überschaubare Laufzeit von 80 Minuten fühlt sich derweil wie eine nicht enden wollende Ewigkeit an.
Der Horror-Thriller wirkt zudem wie ein reines Kommerzprodukt: Billig innerhalb weniger Tage heruntergefilmt, lieblos gespielt, völlig leidenschaftslos und einzig darauf ausgerichtet, durch eine schnelle DVD und Blu-ray-Auswertung noch ein paar Käufer zu reanimieren, die sich von der trashigen Prämisse in die Irre führen lassen. Regisseur Bailey kann man diese Strategie aus wirtschaftlicher Sicht kaum vorwerfen – schließlich scheint sie zu funktionieren. Doch mit der bereits angekündigten Fortsetzung The Mouse Trap: Welcome to the Mickeyverse stehen die Zeichen keineswegs auf Besserung. Besonders, weil das Publikum schon jetzt einen Konsens gefunden hat: The Mouse Trap fällt durch jedes nur denkbare Qualitätsraster – und jede Form der Kritik ist angebracht.

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Unser Fazit zu The Mouse Trap
The Mouse Trap eine Katastrophe zu nennen, wäre noch untertrieben. Regisseur Jamie Bailey erschafft einen nahezu unerträglichen Slasher, der mit seiner nett gemeinten satirischen Einleitung und vielen grauenhaften Meta-Gags irgendwo zwischen unangenehmer Gänsehaut und fassungslosem Kopfschütteln stecken bleibt. Nichts ergibt auch nur ansatzweise Sinn – der Film bemüht sich nicht einmal, ein richtiger Film sein zu wollen. Dramaturgisch ist das Ganze völlig fragwürdig, nahezu blutleer und mit einem miesen Timing versehen, das jeder Slasher-Regel widerspricht: Ganze 50 Minuten müssen vergehen, bis es endlich zum ersten Kill kommt – und selbst der wird nur angedeutet.
The Mouse Trap ist seit Ende März in Deutschland fürs Heimkino erhältlich.
Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

