Robert Pattinsons Leinwandbeziehungen stehen derzeit unter keinem guten Stern. In Die, My Love war er den extremen Stimmungsschwankungen von Jennifer Lawrence ausgeliefert, und auch in Das Drama – Noch mal auf Anfang nimmt seine Romanze mit Zendaya eine unerwartete Wendung – dabei hat sie doch nur einen Schwank aus ihrer Jugend erzählt. Ist ihr lang gehütetes Geheimnis wirklich ein Trennungsgrund?
Darum geht’s in Das Drama
Ein glücklich verlobtes Paar steht kurz vor der Traumhochzeit – doch in den Tagen vor dem Ja-Wort bröckelt die Fassade. Eine unerwartete Enthüllung wirft nicht nur die Hochzeitsplanung aus der Bahn, sondern alles, was sie über einander zu wissen glauben.

Jemand der sich (etwas) traut
Kristoffer Borgli versteht es, aus einer einzigen Grundidee ein tragfähiges Filmkonzept zu entwickeln. Gerade weil er sich bislang keinem klaren Genre verpflichtet fühlt, haftet seinen Werken stets etwas Unberechenbares und Irritierendes an. Sein zweiter Langfilm Sick of Myself hätte in weniger versierten Händen leicht zu einem gesellschaftskritischen, aber konventionell erzählten Drama geraten können. Stattdessen veredelt Borgli die Geschichte einer nach Aufmerksamkeit hungernden jungen Frau mit Absurditäten und Body-Horror-Elementen. Seine Figuren demaskiert er dabei als narzisstische, inhaltsleere Unsympathen und zelebriert ihren Absturz mit spürbarer Freude.
Diese Bestandteile finden sich nun auch in Das Drama – Noch mal auf Anfang wieder. Liest man lediglich die Inhaltsangabe, könnte man meinen, es handele sich um ein weiteres Remake von Perfetti sconosciuti. Doch wie man Borgli kennt, ist er nicht an einer herkömmlichen Beziehungskomödie interessiert.
Scheinehe
Mit diebischer Freude zerlegt er das Genre und befreit es von jeglichen Konventionen. Von der ersten Minute an tut er alles, um jene abzuschrecken, die aufgrund des Posters und des Pressetextes eine typische Love-Story nach bekannten inszenatorischen Mustern erwarten. Von der Farbgebung über den Verzicht von eingängigen Melodien bis hin zum an die Nouvelle Vague erinnernden Schnitt setzt er gezielt auf einen Clash zwischen Hollywood-Fantasie und Wirklichkeit. Damit es auch die verblendetste Seele im Saal versteht, unterstreicht er seine Aussage zusätzlich durch Dialoge. Um daran Freude zu haben, muss man Borglis bitterbösen Humor teilen. Es gibt wieder einige Stellen, in denen man sich verschämt umschaut, wenn sie einem ein Lachen entlocken. Und da es sich für die Braut gehört, etwas Gebrauchtes zu tragen, kehren auch die unangenehmen Gewalt- und Sexszenen seiner Vorgängerfilme zurück.
Die Gästeliste
In seinem ersten Hollywoodstreifen Dream Scenario gelang Borgli ein Besetzungsclou. Erst durch Nicolas Cages Überpersona und sein Meme-Potenzial erhielt die Grundidee die nötige Prise Absurdität sowie eine zusätzliche Metaebene. Ähnliches gelingt ihm nun auch in Das Drama – Noch mal auf Anfang. Zendaya (Challengers – Rivalen) und Robert Pattinson (Mickey 17) bringen nicht nur den nötigen Glamour für die Rollen mit, sondern haben auch den Drang, gegen ihr Image anzuspielen. Genau diese Ambivalenz macht sich Borgli zunutze. Vordergründig geben Beide das glückliche Paar, während ihr vermeintliches Glück zunehmend Risse bekommt. Sie agiert daraufhin zurückhaltender und drückt ihre Emotionen meist ausschließlich durch Mimik und Gestik aus. Pattinson hingegen darf seinen Gefühlen freien Lauf lassen und entwickelt sich vom sympathischen Schönling allmählich zu einem armseligen Würstchen. Während seine Figur konsequent immer mehr der Lächerlichkeit preisgegeben wird, bleibt Zendaya erstaunlich wenig Spielraum zur Entfaltung ihres Charakters. Trotz ihres effizienten Schauspiels bleibt sie ein bloßes Plot-Device.
Unterstützt werden sie von Mamoudou Athie (Kinds of Kindness) und Alana Haim (Licorice Pizza) als befreundetes Paar. Auch sie überzeugen: Athies Figur versucht verzweifelt, die Wogen zu glätten, während Haim die Eskalation des Konflikts mit spürbarer Freude vorantreibt. Umso unpassender erscheint es, dass Borglie sich gegen Ende plötzlich doch den gängigen Abläufen unterwirft, Mitleid mit seinen Figuren hat und versöhnlichere Töne anschlägt. Die Gründe dafür bleiben – anders als das Geheimnis der Braut – weitestgehend im Dunkeln.

Der Scheidungsgrund fürs Publikum
Einen weiteren Bruch könnte für viele die Ursache der Ehekrise darstellen. Schon früh lässt Emma die Bombe platzen – obwohl das Marketing ein enormes Brimborium um ihr Geheimnis veranstaltet. Eine vorherige Kenntnis würde den Überraschungseffekt sicherlich mindern, doch man wird den Eindruck nicht los, dass der Verleih befürchtet, ein frühzeitiges Bekanntwerden der Thematik könnte potenzielle Besucher:innen abschrecken.
Da man bekanntlich nicht auf zwei Hochzeiten tanzen kann, versucht Borgli erst gar nicht alle plötzlich auftretenden Fragen zu beantworten. Er zeigt diesmal wenig Interesse an Gesellschaftskritik, juristischen Aspekten, seelischen Zuständen oder Erklärungsversuchen. Wo andere Filmemacher:innen eine Notwendigkeit sehen, einen ganzen Film lang nur über Emma zu reden, ist er weiterhin nur an der Dekonstruktion des Genres und seiner Figuren interessiert. Ihre Tat liefert ihm dafür den maximalen Schockeffekt und zugleich die Gelegenheit, seinen bitterbösen Humor in die Handlung einzuflechten. Ob sich die Thematik dafür anbietet, bleibt allerdings bis zum Ende unbeantwortet.
© Leonine Studios
Unser Fazit zu Das Drama – Noch mal auf Anfang
Wer romantische Komödien mit allen Sinnen verabscheut, wird an Das Drama seine Freude haben. Regisseur und Autor Kristoffer Borgli nutzt seinen typischen Inszenierungsstil, um seinem Publikum ein möglichst sperriges Kinoerlebnis mit einem gut aufspielenden Mainstream-Cast zu bieten – auch wenn seine teilweise zum Selbstzweck eingesetzten Versatzstücke schrittweise Ermüdungserscheinungen hervorrufen.
Neu ist allerdings, dass er diesmal nicht zum Rundumschlag ausholt. Seine Vorgängerfilme waren mehr als bloße Gegenentwürfe: Sie enthielten neben schwarzhumorigen Elementen auch Gesellschaftskritik und setzten sich deutlich intensiver mit dem Innenleben ihrer Hauptfigur auseinander. Da er den Fokus nun auf zwei Charaktere aufteilen muss und mit Emmas Enthüllung zudem ein zu großes Fass aufmacht, erweist sich seine im Kern simple Grundidee letztlich als zu umfangreich für einen einzigen Film.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

