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    Der Richter und der Mörder

    Andreas Krasseltvon Andreas Krasselt6. Januar 2024Keine Kommentare7 min Lesezeit
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    Der Richter und der Mörder: Joseph Bouvier (Michel Galabru) bedroht Richter Émile Rousseau (Philippe Noiret). © Studiocanal
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    Geisteskrank oder einfach nur ein Mörder? In Der Richter und der Mörder wird ein Serienkiller zum Werkzeug eines ehrgeizigen Richters im Spannungsfeld der sozialen Konflikte und des erstarkenden Antisemitismus in Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts. Warum der Film von Bertrand Tavernier ein Meisterwerk ist, erfahrt Ihr hier.

    https://www.youtube.com/watch?v=jQ7sPi3YdBc

    Das Filmplakat von Der Richter und der Mörder zeigt Joseph Bouvier, gespielt von Michel Galabru, sitzend neben dem Richter Émile Rousseau, gespielt von Philippe Noiret.
    Das Filmplakat von Der Richter und der Mörder. © Studiocanal

    Die Handlung von Der Richter und der Mörder

    Joseph Bouvier (Michel Galabru) ist in Der Richter und der Mörder ein Sergeant der französischen Armee, der 1893 wegen mentaler Probleme entlassen wird. Zu Fuß macht er sich auf den Weg in seinen Heimatort, wo er hofft, seine Angebetete Louise (Cécile Vassort) ehelichen zu können. Die aber zeigt ihm die kalte Schulter. Zutiefst enttäuscht will Joseph Louise erschießen und jagt sich anschließend selbst zwei Kugeln in den Kopf. Beide überleben. Joseph kommt in eine Nervenheilanstalt, aus der er einige Zeit später als geheilt entlassen wird.

    Er beginnt eine ziellose Wanderung durch Frankreich, gezeichnet von einer zunehmenden Verwirrtheit. Er schimpft auf die reiche Bourgeoisie und die Religion, nennt sich selbst aber immer wieder Anarchist Gottes. Auf seinem Weg hinterlässt er eine blutige Spur. Insgesamt wird er bis zu seiner Festnahme zwölf Jungen und Mädchen vergewaltigt und ermordet haben. Da er die Taten weit voneinander entfernt verübt, werden sie zunächst nicht miteinander in Verbindung gebracht. Das gelingt erst dem ehrgeizigen Richter Émile Rousseau (Philippe Noiret), der als „moderner Kriminalist“ mit Phantomzeichnungen Jagd auf den mordenden Landstreicher macht.

    Joseph Bouvier, gespielt von Michel Galabru, betet Louise, gespielt von Cécile Vassort, an, doch die lässt ihn abblitzen.
    Vergebliche Werbung: Joseph Bouvier (Michel Galabru) betet Louise (Cécile Vassort) an, doch die lässt ihn abblitzen. © Studiocanal

    Als Bouvier gefasst wird, gesteht er die Taten, ohne jedoch Details zu nennen, die für eine Verurteilung erforderlich wären. Erst als Rousseau ihm mit der Veröffentlichung seiner Geschichte in drei Zeitungen eine öffentliche Bühne bietet, führt er die Ermittler zu einer weiteren Leiche. In der Frage aber, ob Bouvier zurechnungsfähig sei, bleibt der Richter hart. Ein Verrückter ließe sich nicht publikumswirksam verurteilen und würde so nicht zu seiner Karriere beitragen. Erst später mehren sich die Zweifel an Bouviers Schuldfähigkeit in der Öffentlichkeit, und Rousseau fällt in Ungnade.

    Vorbild der Fall des französischen Rippers

    Bertrand Taverniers Der Richter und der Mörder basiert auf dem realen Fall des Joseph Vacher, bekannt als der französische Ripper. Ihm wurden mindestens elf Morde angelastet, und er wurde am 31. Dezember 1898 durch die  Guillotine hingerichtet. Und auch wenn Taverniers Film in vielen Details nah an dieser Geschichte bleibt, geht es dem Regisseur doch weniger um die filmische Aufarbeitung eines historischen Kriminalfalls als um die sozialpsychiatrischen Begleitumstände und das gesellschaftliche Umfeld.

    Das Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts war geprägt von sozialen Konflikten. Während die Priester von den Kanzeln gegen sozial engagierte Schriftsteller wie Émile Zola wetterten, wurde das erdrückende Elend der Armen von der Oberschicht ignoriert. Tavernier verdeutlicht dies in einer Texttafel am Ende von Der Richter und der Mörder mit einem vielleicht etwas problematischen Vergleich: Während Bouvier zwölf Jungen und Mädchen ermordete, starben in derselben Zeit 2500 Kinder in den Seidenfabriken. Eine Relativierung, die zwar den Opfern des Serienmörders nicht gerecht wird, aber drastisch die unmenschlichen Bedingungen zeigt, unter denen die Arbeiter leben mussten.

    Joseph Bouvier, gespielt von Michel Galabru, weigert sich in Der Richter und der Mörder, sich die Kugeln aus dem Kopf operieren zu lassen.
    Irre oder geheilt? Bouvier weigert sich in der Nervenklinik, sich die Kugeln aus dem Kopf operieren zu lassen. © Studiocanal

    Der Richter und der Mörder und die Doppelmoral

    Rousseau ist Teil dieser ignoranten und arroganten Oberschicht und primär an seiner Karriere interessiert. Dabei repräsentiert er auch die herrschende Doppelmoral der Bourgeoisie. Während er noch bei seiner Mutter lebt, unterhält er eine geheime Beziehung zu Rose (Isabelle Huppert), einer Frau aus der Arbeiterklasse, die er offenbar für ihre Liebesdienste bezahlt. Seine Mutter engagiert sich in einer Hetzkampagne gegen die Wiederaufnahme des Prozesses gegen Alfred Dreyfus, eines Hauptmanns der Armee, der aus fadenscheinigen Gründen des Hochverrats beschuldigt und verurteilt wurde. Die Dreyfus-Affäre war einer der größten Justizskandale Frankreichs und spaltete das Land nachhaltig. Hintergrund der Verleumdung war die jüdische Abstammung des Hauptmanns. Und in dieser Phase der dritten Republik erlebte nicht nur Frankreich einen starken Anstieg des Antisemitismus.

    Die Mode des Antisemitismus

    Rousseaus nachdenklicher Richter-Freund Villedieu (Jean-Claude Brialy) bringt es in der Diskussion um die geistige Zurechnungsfähigkeit Bouviers auf den Punkt: „Da wir alle Mörder sind, müssen wir unsere Triebe ableiten. Ich wähle den Antisemitismus, der ist gerade in Mode.“ Soviel Selbstreflexion ist nicht Rousseaus Sache.

    Bauern haben einen weiteren Mord verhindert und Joseph Bouvier, gespielt von Michel Galabru, mit vorgehaltenem Gewehr festgenommen.
    Gestellt: Bauern verhindern einen weiteren Mord und nehmen Bouvier fest. © Studiocanal

    Tavernier begeht nicht den Fehler, einen der Protagonisten seines Dramas zur Identifikationsfigur zu erheben. Die Perspektive in Der Richter und der Mörder bleibt immer auf Distanz. Es ist zwar kein Dokumentarfilm, denn Tavernier nimmt eine klare Position ein. Doch ist diese reflektiert und bietet den Zuschauenden reichlich Stoff zum Nachdenken – und die Chance, sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit von Verbrechern, insbesondere Kindsmördern, hat an Aktualität nichts eingebüßt. Da ergibt es Sinn, der Frage nachzugehen, warum ein Bouvier, der nach eigenen Angaben mit 16 in der Kirche vergewaltigt worden war, das tut, was er tut. Aber in gleichem Maße auch der Frage, warum man sich zum Richter über einen solchen Menschen machen will. Fragen, die Tavernier stellt, ohne eindeutige Antworten zu geben. Aber er zeigt, dass Zeiten sozialer Verwerfungen solchen Fragen auch keinen Raum geben.

    Der kühle Blick ermöglicht Reflektion

    Er bewahrt einen kühlen Blick. Und das ist vielleicht auch das herausragendste Markenzeichen des 2021 kurz vor seinem 80. Geburtstag verstorbenen Regisseurs. Bertrand Tavernier stand zwar immer etwas im Schatten der großen Erneuerer der Nouvelle Vague wie Francoise Truffaut, Jean-Luc Godard oder Claude Chabrol, zumal er auch erst in den Siebzigerjahren begann, eigene Filme zu drehen. Der Richter und der Mörder war erst sein drittes Werk. Dennoch gehört er unzweifelhaft zu den bedeutendsten französischen Regisseuren. Dieser kühle Blick ist es, der sich in allen seiner oft preisgekrönten Werke wiederfindet, und vielleicht manchem den Zugang etwas erschwert. Ein Blick, der Distanz schafft und Reflektion ermöglicht. Dabei bediente sich Tavernier der unterschiedlichsten Genres, gerne historischer Stoffe aber auch Komödien. Sein größter Erfolg war der Jazz-Film Um Mitternacht von 1986 mit dem Saxophonisten Dexter Gordon. Die Musik von Herbie Hancock gewann den Oscar.

    Richter Émile Rousseau, gespielt von Philippe Noiret, versucht durch vorgespielte Nähe das Vertrauen des Mörders Joseph Bouvier, gespielt von Michel Galabru, zu erhalten.
    Der Karrierist und sein Werkzeug: Rousseau will verhindern, dass man Bouvier für geisteskrank und schuldunfähig hält. © Studiocanal

    Philippe Noiret, der in Der Richter und der Mörder den Rousseau spielt, war insbesondere in den frühen Jahren Taverniers Stammschauspieler. Hier gibt er den Richter mit einer snobistischen Zurückhaltung, durch dessen bürgerliche Fassade doch immer noch Wünsche nach wahrhaftigeren Beziehungen schimmern. Die er letztlich der Hoffnung auf gesellschaftlichen Aufstieg opfert. Vor allem aber ist es Michel Galabru als Bouvier, der den Wahnsinn seiner Figur, aber auch deren Verzweiflung durch intensiven Körpereinsatz und starkem Minenspiel glaubwürdig rüberbringt.

    Unser Fazit zu Der Richter und der Mörder

    Der Richter und der Mörder ist ein klug durchdachtes Psychodrama über einen Serienmörder. Der Film gehört zu den besten der vielen herausragenden Werke Bertrand Taverniers. Die großartige Darstellung der Charaktere in Verbindung mit dem kühl-distanzierten Blick des Regisseurs laden zur Reflektion ein über noch heute aktuelle Fragen von Schuld und Zurechnungsfähigkeit. Kein Film für nebenbei, aber einer mit einer nachhaltigen Wirkung.

    Auf DVD oder Blu-ray liegt Der Richter und der Mörder derzeit nur im Rahmen einer Sammelbox mit insgesamt elf Filmen Taverniers vor. Einzeln ist er jedoch seit dem 4. Januar 2024 auf dem neue Streamingdienst arthaus+ aus dem Hause Studiocanal zu sehen.


    © Studiocanal

    Andreas Krasselt

    Andreas lebt im Raum Hannover. Er ist Journalist und fest angestellter Redakteur bei einer Tageszeitung – und nebenbei Musiker in einer Bluesrock-Band. Bei Filmtoast schreibt er seit 2019 Rezensionen. Filmfan ist er, seit er im zarten Alten von sechs Jahren von seiner Mutter jeden Sonntag in die Kindervorstellung des Stadtteilkinos abgeschoben wurde (so was gab es damals noch). Lieblingsgenre: Western, insbesondere die italienische Variante. Daher ganz klar der Lieblingsfilm: Spiel mir das Lied vom Tod, den er mit 12 schon dreimal im Kino gesehen hatte. Aber es gibt kaum ein Genre, dem er nichts abgewinnen kann. Weitere Favorites: Der Tod in Venedig, Im Zeichen des Bösen, 2001 sowie Leichen pflastern seinen Weg. Tja, und sein Guilty-Pleasure-Favorite ist Predator 2 von dem total unterschätzen Stephen Hopkins. Filme guckt er zwar gerne im Kino, ist aus Zeitmangel aber auf das Heimkino gewechselt, weshalb seine private Filmsammlung auch mehr als 1000 Titel umfasst.

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