Der erste Der Teufel trägt Prada war kein Zufallstreffer, sondern ein präzise geschliffenes Stück Popkultur: seinerzeit über 300 Millionen Dollar eingespielt, zahllose zitierwürdige Dialoge – und eine Figur, die sich unauslöschlich eingebrannt hat: Miranda. Fast zwanzig Jahre später kehrt diese Welt zurück auf die Leinwand. Aber kann ein Film, der einst den Zeitgeist definierte, diesen noch treffen – oder blickt er ihm nur hinterher?
Der Teufel trägt Prada 2 – darum geht’s
Zwei Jahrzehnte, nachdem sie ihre Stelle als Assistentin beim Magazin „Runway“ aufgegeben hat, ist Andrea „Andy“ Sachs (Anne Hathaway) zu einer angesehenen Reporterin in New York geworden. Doch während einer Preisverleihungsgala wird ihre gesamte Redaktion plötzlich per SMS entlassen. Andy hat das Glück, eine Stelle bei ihrer ehemaligen Chefin bei „Runway“, Miranda Priestly (Meryl Streep), zu ergattern. Doch die einst so unantastbare Miranda steht selbst in der Kritik, weil sie einen Lobgesang auf eine Marke, die in Sweatshops produziert, nicht ausreichend geprüft hat. Um das Ansehen des Magazins zu verbessern, zwingt Mirandas Chef Irv sie, Andy als Redakteurin für Sonderbeiträge einzustellen. Dass das nicht lange gutgehen wird, ist natürlich absehbar…

Ein Spagat zwischen Kult und Kontrollverlust
Der Teufel trägt Prada 2 ist sich seines schweren Erbes schmerzhaft bewusst. Und er nutzt es – manchmal klug, manchmal zu vorsichtig, in seiner rund zweistündigen Laufzeit. Die ikonischen Elemente, welche Fans des ersten Teils kennen, sind alle da: die kühle Inszenierung von Mode, die messerscharfen Dialoge, die stille Dominanz von Miranda. Doch während der erste Teil wie ein präziser Aufstieg funktionierte, ist Teil zwei fragmentierter, fast schon episodisch. Das liegt auch am thematischen Fokus: Statt „Karriere vs. Moral“ geht es nun um Relevanz vs. Bedeutung. Um die Frage, was bleibt, wenn Machtstrukturen sich auflösen. Das ist ambitionierter – aber weniger zugänglich. Und das merkt man als Zuschauer des Films leider öfter als einem lieb ist.
Andy Sachs ist nicht mehr die Identifikationsfigur, die sich in eine fremde Welt hineinarbeitet. Sie ist angekommen. Und genau das ist ein Problem. Ihre Konflikte sind subtiler, erwachsener – aber auch weniger greifbar. Der Film verliert sie stellenweise aus dem Zentrum, weil ihre Entwicklung bereits stattgefunden hat.
Ganz anders Miranda Priestly. Sie ist nicht mehr unantastbar – und genau das macht sie spannender denn je. Der Film erlaubt ihr Risse. Kleine, kontrollierte Risse. Darin wiederum liegt seine größte Stärke: Miranda wird nicht entmachtet, sondern neu kalibriert. Emily (Emily Blunt) und Nigel (Stanley Tucci) hingegen bleiben solide, aber unterfordert. Gerade Tucci bekommt zu wenig Raum für die emotionale Tiefe, die seine Figur im ersten Teil auszeichnete.
Schauspiel als Fundament
Wenn dieser Film funktioniert, dann wegen seines Ensembles. Meryl Streep spielt Miranda nicht einfach erneut – sie verändert sie. Diese Veränderungen bemerkt der aufmerksame Zuschauer im Blick, der Haltung und dem Timing. All das reicht aus, um eine Figur zu zeigen, die sich ihrer eigenen Endlichkeit bewusst wird. Diese nuancierten (Ver-)Änderungen in der Gestik erzeugen eine spürbare Wirkung.
War Andy im ersten Teil noch unruhig und chaotisch, bringt Anne Hathaway nun eine ruhigere, kontrolliertere Version auf die Leinwand. Weniger impulsiv, mehr reflektiert. Das ist konsequent – kostet aber emotionale Zugänglichkeit. Ganz ohne diese Charakterwandlung ging es wohl nicht, wenn man daran denkt, dass auch wir in zwanzig Jahren die ein oder andere Entwicklung durchlaufen. Warum soll das dann also nicht auch für tollpatschige Filmfiguren zählen?
Emily Blunt hingegen liefert genau das, was man erwartet: trockener Humor gibt hier mit perfektem Timing die bissige Eleganz. Ihre Präsenz wirkt fast wie eine Brücke zum Ton des Originals. Und dann ist da noch Stanley Tucci – der vielleicht größte Sympathieträger. Warm, präzise, aber deutlich unterfordert. Die Neuzugänge – darunter Kenneth Branagh und Lucy Liu – erweitern das Ensemble solide, bleiben aber oft nur funktional. Sie setzen Impulse, ohne das Gefüge wirklich zu verändern. Das Zusammenspiel der alten Garde hingegen wirkt bemerkenswert organisch – fast so, als wäre keine Zeit vergangen.

Wenn der Biss weicher wird
Der Humor ist noch da – aber er hat sich verändert. Arbeitete der erste Teil noch mit ikonischen „One-Linern“ – z.B. „Details haben keine Bedeutung.“ – setzt man in Der Teufel trägt Prada 2 auf leise Ironie. Weniger Punchlines: „Elias Clarke ist nur das letzte Stück Holz, das neben der Titanic schwimmt. “ Das ist zwar erwachsener, und etwas verbitterter als im ersten Teil, aber auch weniger erinnerungswürdig. Man ist immerhin noch härtere Aussagen gewohnt. Visuell hingegen bleibt der Film elegant. Mode ist weiterhin Macht, Sprache und Identität.
Doch der Fokus hat sich verschoben: weniger Laufstege, mehr Meetings. Weniger Spektakel, mehr Strukturwandel. Das Magazin „Runway“ wird zur Metapher einer Branche im Umbruch – und verliert dabei zwangsläufig etwas von seinem ursprünglichen Glanz. Und doch bleibt eine leise Diskrepanz: Der Film funktioniert besser als Ereignis denn als Erzählung.
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Unser Fazit zu Der Teufel trägt Prada 2
Der Teufel trägt Prada 2 ist kein Abklatsch seines Vorgängers – setzt aber auch keinen neuen Maßstab. Er ist ein Film über Veränderung, der selbst zwischen Vergangenheit und Gegenwart hängt und wird getragen allen voran von Meryl Streep. Den Mythos seines Erstlings kann die Fortsetzung jedoch nie ganz abschütteln. Anders gesagt: Er versucht nicht mehr, die Modewelt zu dominieren. Er versucht, in ihr relevant zu bleiben.
Pascal, Jahrgang 1998, lebt an der malerischen Nordsee und ist seit Ende 2024 Teil von Filmtoast. Er bringt dort seine Leidenschaft für Film und Serie ein – mit einem besonderen Fokus auf die handwerklichen Aspekte: Schnitt, Ton, Musik und Schauspiel stehen für ihn im Zentrum der Betrachtung. Beruflich ist Pascal als Kaufmann in der (Tiefkühl-)Logistik tätig, wo Struktur und Präzision genauso zählen wie in der Welt des Films. Serien wie House of Cards, The Morning Show und Infiltration gehören zu seinen Favoriten, während sein Filmspektrum von Blockbustern wie Inception und Star Wars bis hin zu Arthouse- und Independent-Produktionen reicht. Besonders beeindruckt hat ihn 1917, insbesondere in Bezug auf Schnitt und Kameraarbeit. Und wenn es um Soundtracks geht, steht für Pascal Hans Zimmer – allen voran mit seiner Komposition für Interstellar – ganz oben auf der Liste.
