Ein uralter Fluch, neu verpackt – und diesmal deutlich weniger Abenteuer, dafür umso mehr Dunkelheit. Lee Cronin kehrt nach Evil Dead Rise mit The Mummy zum puren Horror zurück und verpasst dem Stoff eine unangenehm körperliche Note. Aber reicht das, um einer so oft erzählten Geschichte wirklich neues Leben einzuhauchen?
Darum gehts in Lee Cronin’s The Mummy
Die junge Tochter eines Journalisten verschwindet spurlos in der Wüste. Die zerrüttete Familie ist fassungslos, als das Mädchen acht Jahre später plötzlich wieder bei ihnen auftaucht. Doch was eigentlich ein freudiges Wiedersehen sein sollte, verwandelt sich schnell in einen wahren Albtraum.

Staub, Dunkelheit – und Cronins Handschrift
Nach Evil Dead Rise bringt Lee Cronin genau das mit, was man sich erhofft: ein Gespür für Enge, für Druck, für eskalierende Situationen. The Mummy ist kein Abenteuerfilm mit Horrorelementen, was man in der Social Media-Kampagne auf genüssliche Art und Weise auch auszuschlachten wusste, – er will ein klaustrophobischer Albtraum sein. Und das funktioniert über weite Strecken erstaunlich gut.
Cronin setzt weniger auf große Setpieces als auf körperlichen Verfall und psychischen Zerfall. Die Mumie ist hier kein charismatischer Antagonist, sondern eine fast schon naturgewaltige Präsenz – langsam, unausweichlich, unangenehm. Das erinnert eher an modernen Horror als an klassische Genrevertreter und die bisherigen Inkarnationen der ikonischen Gestalt.
Mehr Körper als Mythos
Wer bei The Mummy eben an Die Mumie mit Brendan Fraser und Co. denkt, wird sich umgewöhnen müssen. Humor? Kaum vorhanden. Abenteuer? Nur in Fragmenten. Stattdessen gibt es Schmerz, Verwesung und zunehmende Hoffnungslosigkeit. Das ist konsequent – aber auch ein zweischneidiges Schwert. Denn während die physischen Effekte und das Sounddesign überzeugen, bleibt die Mythologie überraschend dünn. Die Hintergründe der Kreatur werden angerissen, aber nie wirklich greifbar gemacht. Hier verschenkt der Film Potenzial, das ihm mehr Tiefe hätte geben können.
Die größte Schwäche liegt – wenig überraschend – bei den Figuren. Sie erfüllen ihre Funktion, aber selten mehr. Gerade in einem Stoff, der so stark auf Isolation und Angst setzt, wäre es entscheidend gewesen, emotional stärker andocken zu können. Was hier fehlt, sind klare innere Konflikte und erkennbare Entwicklungen. Die Charaktere reagieren, sie agieren kaum. Entscheidungen wirken oft wie Konsequenzen des Drehbuchs, nicht wie Resultate, die sich organisch aus den Persönlichkeiten heraus ergeben. Das macht es schwer, mit den Handlungsträgern mitzugehen, gerade wenn Cronin versucht, psychologischen Horror aufzubauen.
Besonders auffällig: In den Momenten, in denen sich Paranoia und Misstrauen innerhalb der Gruppe zuspitzen, blitzt kurz auf, was möglich gewesen wäre. Da entstehen Spannungen, da bekommen die Dialoge Schärfe – nur um dann wieder zugunsten des nächsten Horrormoments fallengelassen zu werden. Das führt dazu, dass selbst die drastischen Wendungen emotional überraschend unterkühlt bleiben. Und als Zuschauer beobachtet damit nur das Geschehen – man erlebt es nicht wirklich mit.

Wenn der Horror sitzt, dann richtig
Und trotzdem: Wenn The Mummy trifft, dann trifft er hart. Lee Cronin versteht es, Bilder zu erzeugen, die sich festsetzen. Kein billiger Jumpscare-Horror, sondern langsames, unangenehmes Eindringen unter die Haut. Besonders stark ist er immer dann, wenn er sich Zeit nimmt. Wenn die Kamera nicht wegschneidet, wenn Geräusche länger nachhallen als einem lieb ist, wenn der Körper selbst zur Bedrohung wird. Der Horror entsteht hier nicht aus dem „Was passiert?“, sondern aus dem „Wie lange noch?“.
Hinzu kommt ein konsequent eingesetztes Spiel mit Wahrnehmung: Halluzinationen, verzerrte Realitäten, das Gefühl, dem eigenen Verstand nicht mehr trauen zu können. Der Horrorthriller zwingt seine Figuren – und damit auch das Publikum – in eine Unsicherheit, die deutlich nachhaltiger wirkt als jeder plötzliche Schock.
Aber auch hier zeigt sich eine gewisse Unausgewogenheit: Einige Sequenzen sind so intensiv und visuell einprägsam, dass sie den Rest fast überstrahlen. Dazwischen gibt es Phasen, die sich weniger zwingend anfühlen – als würde die taumelnde Mumie selbst nach dem richtigen Rhythmus suchen.
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Unser Fazit zu Lee Cronin's The Mummy
The Mummy ist kein moderner Abenteuer-Klassiker, sondern ein bewusst reduzierter, düsterer Horrorfilm. Er verzichtet auf Leichtigkeit zugunsten von Atmosphäre – gewinnt dadurch Intensität, verliert aber an erzählerischer Tiefe und emotionaler Bindung. Eine klare Empfehlung für Fans des Genres. Aber Achtung: ein harter Magen wird vorausgesetzt.
Lee Cronin's The Mummy ist am 16. April 2026 in den deutschen Kinos gestartet
Pascal, Jahrgang 1998, lebt an der malerischen Nordsee und ist seit Ende 2024 Teil von Filmtoast. Er bringt dort seine Leidenschaft für Film und Serie ein – mit einem besonderen Fokus auf die handwerklichen Aspekte: Schnitt, Ton, Musik und Schauspiel stehen für ihn im Zentrum der Betrachtung. Beruflich ist Pascal als Kaufmann in der (Tiefkühl-)Logistik tätig, wo Struktur und Präzision genauso zählen wie in der Welt des Films. Serien wie House of Cards, The Morning Show und Infiltration gehören zu seinen Favoriten, während sein Filmspektrum von Blockbustern wie Inception und Star Wars bis hin zu Arthouse- und Independent-Produktionen reicht. Besonders beeindruckt hat ihn 1917, insbesondere in Bezug auf Schnitt und Kameraarbeit. Und wenn es um Soundtracks geht, steht für Pascal Hans Zimmer – allen voran mit seiner Komposition für Interstellar – ganz oben auf der Liste.

