Die nackte Kanone ist zurück! Statt Leslie Nielsen stolpert nun Liam Neeson als Sohnemann Frank Drebin Jr. durch die nostalgische Verbrechensbekämpfung. Doch kann der ernste Action-Veteran auch auf der Comedy-Spielwiese bestehen – oder geht der Schuss zwischen Slapstick, Parodie und Selbstironie nach hinten los?
Die nackte Kanone – darum geht’s
Nur ein einziger Mann verfügt über diese ganz besonderen Fähigkeiten… die Spezialeinheit der Polizei zu leiten und die Welt zu retten! In Die nackte Kanone tritt Lt. Frank Drebin Jr. (Liam Neeson) in die Fußstapfen seines Vaters.
Es gibt sie noch: Komödien im Kino
Die nackte Kanone-Trilogie ist bis heute ein Paradebeispiel des sog. „Dad-Movies“. Die ersten beiden Filme von Regisseur David Zucker – und der letzte von Peter Segal – waren ihrer Zeit voraus und prägten die Anfänge des sogenannten Spoof-Movies maßgeblich mit. Inmitten des Wirrwarrs aus Krimi-Klischees und Polizeiparodien wusste Leslie Nielsen mit stoischer Ernsthaftigkeit, trockenen Wortwitzen und physischer Slapstick-Komik in den absurdesten Situationen ein breites Publikum zu begeistern. Dieser Stil zog nicht nur einige Nachfolger nach sich, sondern gleich ganze Generationen von Parodien: Filme wie Hot Shots und dessen Fortsetzung, Spy Hard oder in den 2000er-Jahren die Scary Movie-Reihe, in der Nielsen selbst mehrfach auftrat, griffen die Comedy-Einflüsse auf und passten sie dem Zeitgeist an.

Doch dieses Genre verschwand eine Zeit lang fast vollständig. Wie vom Erdboden verschluckt, wurden Komödien – besonders amerikanische – aus dem Kino gedrängt. Zwar hält sich in Deutschland die klassische Komödie durch Eigenproduktionen wacker, doch in den Staaten blieb das Genre bis auf wenige Ausnahmen praktisch ausgestorben.
Da kommt Die nackte Kanone wie gerufen – nur als was eigentlich? Als inoffizielle Fortsetzung, Neuauflage oder gar Reboot? Die Frage kann der Film zwar selbst nicht beantworten, aber dafür bietet er eine ausgewogene Mischung aus allem – und genau das ist das Erfrischende daran: Der 2025er Streifen revitalisiert die Komödie, wie sie früher war – und sein durfte, unaufgeregt, kontrovers und aneckend. Man fühlt sich zurückversetzt in eine andere Zeit – und doch wirkt vieles ungemein aktuell. Dieser Kontrast aus alt und neu, mit einem frischen Anstrich, aber einem vertrauten Gefühl längst vergangener Tage, schafft eine gelungene generationsübergreifende Komödie für Jung und Alt – oder eben: Väter und Söhne!
Liam Neeson in Höchstform
Trotz aller Selbstironie, Parodie und Slapstick versteht es Die nackte Kanone, ihren prominent besetzten Cast durchdacht einzusetzen. Nichts wirkt willkürlich – vor allem nicht die Wahl von Liam Neeson als Lead, der das große Erbe als Frank Drebin Jr. mit Bravour erfüllt. Neeson meistert dabei das stoisch-ernste Spiel in absurdesten Situationen nicht nur mit gutem Timing und trockenem Witz, sondern überzeugt vor allem durch seine Szenenpräsenz. Er wirkt nie wie ein Abklatsch des Originals, sondern überträgt sein Auftreten als eine andere Figur glaubwürdig in die Gegenwart – ohne körperlichen Einsatz in Actionszenen und Comedy-Einlagen zu scheuen.
Dabei dominiert er nie das Geschehen. Denn Paul Walter Hauser sorgt als sein Cop-Buddy für komödiantische Balance, während Pamela Anderson (The Last Showgirl) als Femme fatale mit genügend Spielfreude immerzu punkten darf. Zwar wird es düster, wenn man auf die Seite der Schurken einen Blick wirft, doch Kevin Durand und Danny Huston scheinen die Zeit ihres Lebens zu haben – und das reicht.

Tempo mit Taktproblem
Trotz vieler gelungener Passagen gerät der Neustart immer wieder leicht ins Straucheln – oft unerwartet. Zwar gelingt es den Autoren, die bereits das Drehbuch zur gelungenen Chip ’n Dale: Rescue Rangers-Adaption verfasst haben, erneut eine Art Halbstabilität und ein versiertes Humorlevel zu generieren: denn das Gespür für Tempo und eine durchgehende Witzkonsistenz bleibt über weite Strecken erhalten und viele Spitzen werden clever eingeführt und im Laufe des Films mehrfach weiterentwickelt. Doch der Schnitt wirkt stellenweise merkwürdig, einige Handlungsstränge bleiben unfokussiert, und eine klassische Dramaturgie lässt sich kaum erkennen. An vielen Stellen ist das Ganze ein zusammengewürfeltes Szenenarrangement, das für einen faden Beigeschmack sorgt.
Und doch: In seiner Kerndisziplin – der enormen Gagdichte – liefert Die nackte Kanone durchaus ein komödiantisches Feuerwerk ab. Etwa in Momenten rund um einen Kaffeebecher und einen Ofen, die sich als essenzielle Running Gags entpuppen – oder selbst das Miteinbeziehen einer Mission: Impossible-Parodie. Doch bei aller Wertschätzung, wie der Film mit viel Liebe Genres, Filmanspielungen und Stilmittel vergangener Jahrzehnte vereint, fällt auch auf: Es gibt etwas Leerlauf – und das nicht zu knapp, weswegen letztlich der Flow in den kurzen 85 Minuten immer wieder mal verloren geht.
© Paramount Pictures
Unser Fazit zu Die nackte Kanone
Regisseur Akiva Schaffer gelingt mit Die nackte Kanone eine gelungene und charmante Spielwiese, um Liam Neeson noch einmal die Plattform zu bieten, die er längst verdient hat. Wie für die Rolle geboren, entsteht mit seinen prominenten und ebenfalls charismatischen Co-Darstellern, sowie einigen guten Cameos eine 85 minutenlange Comedy-Melange, die nicht immer zündet und aufgeht, aber entscheidend oft zu unterhalten und überraschen weiß. Dramaturgisch ein Schuss in den Ofen, aber dank körnige Optik, guter musikalischer Untermalung und tollen Humorspitzen erinnert die Wiederauflage an alte Zeiten: eine nostalgische Rückkehr, die sich allemal sehen lassen kann.
Ab dem 31. Juli läuft Die nackte Kanone in den deutschen Kinos.
Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

