La-laaa-la-la-la-laaa! Nach den weniger berauschenden Versuchen in den vergangenen Jahren wagen die Schlümpfe erneut den Sprung ins Kino. Hier erfahrt ihr, ob Die Schlümpfe: Der große Kinofilm für Jung und Alt funktioniert.
Die Schlümpfe: Der große Kinofilm – Darum geht‘s
Papa Schlumpf (John Goodman) ist entführt worden! Schlumpfhausen ist in Aufruhr, als sein Anführer plötzlich vor aller Augen verschwindet. Verantwortlich ist niemand anderes als Razamel, der noch gemeinere Bruder des Zauberers Gargamel (JP Karliak in einer Doppelrolle). Sofort macht sich ein Rettungsteam aus Schlümpfen um Schlumpfine (Rihanna) auf die Reise, um Papa aus den Händen des Erzschurken zu befreien. Begleitet wird sie auch von No Name (James Corden), der in einer Identitätskrise steckt. Noch immer hat er seine besondere Eigenschaft nicht gefunden. Da kommt es gerade recht, dass er plötzlich Zauberkräfte entwickelt zu haben scheint, die auf der Suche nach Papa sicherlich von Vorteil sein können.
„Es ist eben für Kinder“
Am 24. Juni 2025 veröffentlichten die Social-Media-Kanäle der US-amerikanischen Kindersendung The Tiny Chef Show ein Video, in dem die Absetzung des Formats bekanntgegeben wurde. Der Clip zeigt den Protagonisten der Sendung, einen winzigen Stop-Motion-Koch, dem per Anruf vom Sender Nickelodeon die traurige Nachricht übermittelt wird. Die sonst so euphorische Figur treffen die Neuigkeiten wie ein Schlag. Der kleine Chefkoch kann schon bei dem Anruf seine Emotionen kaum kontrollieren. Nach dem Auflegen setzt er sich aufs Bett und beginnt, bitterlich zu weinen. Nicht einmal einen Monat später verzeichnet das Video auf YouTube über eine Million Klicks und wurde in den sozialen Medien vielfach geteilt. Erwachsene Menschen, die Anfang Juni noch nichts von der Existenz des Tiny Chefs wussten, fühlten sich alarmiert. Sie folgten dem verlinkten Spendenaufruf und investierten Geld in die Zukunft der Sendung.
Die listige Taktik des Animationsteams (denn natürlich war dieser Clip als öffentlicher Angriff gegen Nickelodeon gedacht) ist vor allem deshalb aufgegangen, weil sie die spezifischen Vorteile des Stils perfekt genutzt haben. Ein unbeschreiblicher Aufwand floss in jede zitternde Unterlippe, jede Träne, jede geknickte Bewegung des kleinen Kochs. Die primäre Zielgruppe der Sendung sind Kleinstkinder, dennoch bewegte das Video Menschen jeder Altersgruppe. So sehr schreckliche Filme wie die Remakes von Lilo & Stitch und Drachenzähmen leicht gemacht mit ihrem Mangel an Kreativität und ihrem kapitalistischen Zynismus die Kinolandschaft verpesten, so sehr beweist der Erfolg der Tiny-Chef-Kampagne eines: „Es ist eben für Kinder“ sollte stets eine Inspiration sein, besonders viel Mühe, Arbeit und Herz in das Endprodukt zu stecken. Schließlich sind die Kinder von heute die Erwachsenen von morgen. Was es nicht sein sollte, ist eine Ausrede dafür, Schund abzuliefern. Hier kommt Die Schlümpfe: Der große Kinofilm ins Spiel.
Ein altes neues Universum
Das Freundlichste, das man dem neuesten Abenteuer aus der Welt der blauen Abenteurer:innen unterstellen kann, ist vermutlich, dass es seine Inspirationen klug gewählt hat. Den unwiderruflichen Einfluss von Spider-Man: A New Universe auf das Medium der Animation sieht man auch in diesem Film deutlich. Er spielt mit verschiedenen Stilen, Hintergründen und Formaten; kurzzeitig werden die Figuren zu Knete, dann zu 8Bit-Videospielfiguren. Das Problem ist, dass stets klar ist, dass diese Stilwechsel einem Selbstzweck dienen. Der Film bringt sie nicht ein, weil er etwas zu erzählen hat, das sich nicht anders ausdrücken lässt – er bringt sie ein, weil A New Universe es schließlich auch getan hat. Jede einzelne Szene, in der mit dem knallbunten Plastiklook, der sich lediglich als visueller Lärm beschreiben lässt, gebrochen wird, ist pure Effekthascherei.
Dazu kommt, dass jegliche Abwechslungen in der Animation faulstmöglich umgesetzt sind. Die 8Bit-Sequenz etwa sieht völlig konfus aus; die Figuren stehen über weite Strecken still, die Leinwand wirkt wie eingefroren. Selbst das allererste Gameplay von Super Mario Bros. enthielt mehr Bewegung. Auch die Einarbeitung der animierten Figuren in Live-Action-Material ist unerträglich, vollständig mit hässlichen CG-Modellen und fehlender Interaktion. An quasi jeder Ecke werden massive Kosteneinsparungen sichtbar. So erinnert die Animation in ihrer Umsetzung statt an die ausdrucksstärkeren Genrevertreter der letzten Jahre eher an Disneys Bruchlandung Wish. Diesem Film sieht man das Fabrikprodukt an der blauen Nasenspitze an.
Ein Soundtrack zum Vergessen
Mit der Ankündigung von Rihanna als Mitglied des Original-Stimmcasts wurde bestätigt, dass der Film Musical-Elemente enthalten würde. Das Begleitalbum mit allen Liedern ist bereits auf allen gängigen Plattformen abzurufen und wird sicher auf der einen oder anderen Kindergeburtstags-Playlist landen. Dass die Songs ausnahmslos nach Plastikmüll klingen, dürfte Eltern dabei nicht wirklich stören. Statt Stücke in die Handlung einzuweben, die die Charaktere ausdefinieren – quasi die Hauptaufgabe eines Musicals –, bremst der Plot im Grunde für jeden Song abrupt ab. Drei Minuten lang werden dann identitätslose Phrasen in einen stumpf ausproduzierten Poptrack gequetscht und bis zum Erbrechen wiederholt. Ein Herz und eine Seele sind auch hier weder sicht- noch hörbar.
Die Wertlosigkeit der Musik spiegelt sich ebenso in den Gesangsdarbietungen des Casts wider. Hauptfigur No Name wird im Original gesprochen von James Corden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine Rolle in jedem schlechten Musical-Film der Welt zu übernehmen, koste es, was es wolle. Dass im deutschen statt eines Synchronkünstlers der Pop-Artist Alvaro Soler als No Name besetzt wurde, spricht leider Bände. Der Gesang ist durchgehend singletauglich, hört sich aber nie nach Musical an. Die Notenfolgen sind glattgebügelt und saubergemischt. Keine:r der Sprecher:innen spielt während dieser Sequenzen; sie singen, als wollten sie es in den Recall schaffen. Die Kombination aus Gesang und Schauspiel scheint insbesondere im Kinderfilm eine verlorene Kunst zu sein.
Viel zu 2025
Integration von zeitgenössischer (Pop-)Kultur in Animationsfilme ist beileibe nichts Neues. Vollständig salonfähig gemacht hat diesen Trend selbstverständlich der Erfolg von Shrek – Der tollkühne Held. Doch auch im vergangenen Jahrhundert wurden etwa im König der Löwen schon Vom Winde verweht und In der Hitze der Nacht referenziert. Nicht alle dieser Anspielungen sind gut gealtert, einige stören beim Ansehen als erwachsener Mensch. Zumeist waren sie allerdings nur Randerscheinungen, die von der übergreifenden Handlung nie ablenken konnten. Die Schlümpfe: Der große Kinofilm integriert nun die entspannte Comic-Vorlage vollends ins laute 21. Jahrhundert. So ist der Scherge des Bösewichts ein unterbezahlter College-Absolvent. Die Schlümpfe schleichen sich in das finstere Schloss, indem sie sich in einer Essenslieferung verstecken. An jeder Ecke wird verzweifelt mit den Augen gezwinkert. Der Film ist so 2025, wie es nur möglich ist.
Das Problem daran ist, dass den Charme der Schlümpfe stets das Gegenteil ausmachte. Der Comic und der Cartoon wurden gerade durch ihre Simplizität, durch ihre zurückgelehnte Ruhe zeitlos. Die Prämisse könnte einfacher nicht sein: Ein winziges Waldvolk wehrt einen fiesen Zauberer ab. Hier und da wird eine Zauberflöte gespielt oder ein neuer Märchenbösewicht etabliert. Die Handlung ist bewusst anachronistisch, überdauert aber seit nunmehr fast 70 Jahren. Dagegen wäre es verwunderlich, wenn sich an die bis zum Rand vollgestopfte und halbgare Geschichte von Die Schlümpfe: Der große Kinofilm in 70 Tagen noch jemand erinnern könnte. Daran ändern auch die plattitüdenhaften „Sei du selbst“-Botschaften nichts, die lediglich pflichtbewusst abgespult werden, um mit dem Holzhammer eine Lektion einzufügen.
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Unser Fazit zu Die Schlümpfe: Der große Kinofilm
Weniger ist manchmal mehr. Nirgendwo wird das deutlicher als an dem Beispiel dieses Werks, das alles tut, außer sich einmal wirklich zu bemühen. Viele Hebel werden gezogen, aber keiner richtig. Das Franchise hat über ein halbes Jahrhundert Vorsprung, und doch: Würde morgen ein Video online erscheinen, in dem der weinende Papa Schlumpf aus diesem Film einen Spendenaufruf startet, würde es niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Und das ist es, was den Unterschied ausmacht zwischen Kunst und Content. Die Schlümpfe: Der große Kinofilm ist die widerlichste Form von Fast Food, die an Kinder verfüttert werden kann, um sie ruhigzustellen. In einem Jahr, in dem Ein Minecraft Film bereits die Synapsen einer ganzen Generation verschmoren durfte, fügt sich das Schlumpf-Abenteuer nahtlos ein. Der einzige Lichtblick ist, dass es so generisch ist, dass sich zum Ende des Jahres vermutlich niemand mehr daran erinnern wird. Herzlos, hirnlos, hingerotzt – dieser Film ist ganz große Schlumpfe.
Filmverrückter aus Leidenschaft, Oscar-Trivia-Lexikon auf zwei Beinen und vermutlich der Hauptgeldgeber aller Düsseldorfer Kinos. Jeden Dienstagmittag bastelt Luca sich gewissenhaft sein Wochenprogramm zusammen und gibt renommierten Klassikern dabei dieselbe Chance wie hoffnungslosem Müll. Für ihn gibt es keinen schöneren Ort auf der Erde als das Innere eines Kinosaals. Seit inzwischen zwei Jahren schreibt er Kritiken für Filmtoast und schaut auch ab und zu mal frech im Podcast vorbei, wenn niemand ihn aufhält. Wenn er nicht gerade über die diversen Gründe philosophiert, warum "Brügge sehen … und sterben?" der beste Film aller Zeiten ist, oder sich über die Sieger:innen der vergangenen Preissaison echauffiert, versucht er, seine DVD-Sammlung abzugrasen, von der noch immer ein schockierender Anteil originalverpackt ist.
