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    Untamed

    Jan Wernervon Jan Werner17. Juli 2025Keine Kommentare4 min Lesezeit
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    Untamed. (L to R) Eric Bana as Kyle Turner, Lily Santiago as Naya Vasquez in episode 102 of Untamed. Cr. Ricardo Hubbs/Netflix © 2025
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    Eric Bana ermittelt im Yosemite-Nationalpark – und es wird mitunter mysteriös. Ist die Miniserie Untamed ein Überraschungskandidat für die Watchlist?

    Datum geht’s in Untamed

    Special Agent des National Parks Service, Kyle Turner (Eric Bana) sorgt in den Weiten der Wildnis für die Einhaltung des menschlichen Rechts. Die Untersuchung eines brutalen Todesfalls konfrontiert den Ermittler mit den dunklen Geheimnissen des Parks und seiner eigenen Vergangenheit.

    Eric Bana als Kyle Turner und Lily Santiago als Naya Vasquez © Netflix

    Tatort: Nationalpark

    Die Nordamerikaner und ihre Nationalparks, das ist schon so ne Sache – und ein immer wieder beliebtes Setting für Mord und Totschlag in Serien. Während Justin Hartley als Colter Shaw in Tracker immer wieder auch in Parks Vermisstenfälle lösen muss, hat in zwei Staffeln Michael Doman als Joe Pickett den ermittelten Wildhüter gemimt und in immerhin drei Staffeln durften sich Katheryn Winnick und Kylie Bunburry in Big Sky in einem sehr ähnlichen Setting in Montana mit Verbrechern rumschlagen. Das sind nur einige wenige Beispiele der letzten Zeit, die Serienhistorie reicht hier natürlich viel weiter zurück.

    Riesige, teils unerschlossene Naturareale, Gefahren durch Wildtiere, Gelände und Witterung und dann noch die Variable „Mensch“ drängen Serienschöpfern diese Handlungsorte nahezu auf – und nicht selten machen die Locations die Endprodukte dann erst wirklich sehenswert. Ist nun also auch in Untamed die Natur der Star, hätte man die Story auch woanders erzählen können und am allerwichtigsten: Ist die sechsteilige Miniserie von Netflix ein spannender Thriller?

    Frischer Mix als bekannten Zutaten

    Untamed fühlt sich für Vielschauer altbekannt an, doch die Zusammenstellung der bewährten Bausteine, ergibt irgendwie dann doch peu à peu einen ganz eigenen Mix. Vieles erinnert qua Prämisse und Ausgangslage an Joe Pickett, doch auch ein Hauch von Taylor Sheridan-Formaten liegt in der Luft und mit leicht zugekniffenen Augen könnte man auch Spuren von True Detective wahrnehmen. Im Vergleich zu anderen Naturpark-Krimis ist hier allerdings die Tonalität sehr düster, Momente der Selbstironie oder komödiantischen Brechung gibt es überhaupt keine. Damit schlägt man dann doch wesentlich mehr in die Kerbe von Miniserien-Krimi-Dramen à la Mare of Easttown – nur eben im Setting, das ansonsten eher den leichtgängigeren Genre-Vertretern vorbehalten ist.

    Spötter würden hier einen Fall von „alter Wein in neuen Schläuchen“ sehen, aber das Krimi-Rad lässt sich schon lange nicht mehr neu erfinden – und so ist dieser Vertreter alles in allem ein gelungenes Best-Of, das vor allem handwerklich in der oberen Liga mitspielen kann.

    Nervenzehrender Fall mit starkem Cast

    Mit der Atmosphäre, die auch etwas Mystisches oder Übernatürliches immer wieder mal andeutet, wildert man dann auch nicht in den Gefilden, in denen Dark Winds seit ein paar Jahren – etwas unter Ausschluss der deutschen Öffentlichkeit – erfolgreich unterwegs ist. Die indigene Komponente wirkt hier keinesfalls aufgezwungen oder wie ein Gimmick, sondern verleiht dem ganzen Plot eine weitere Dimension, ohne die Untamed doch recht austauschbar wäre.

    Alles Beschriebene wird nun in sechs etwa 50-minütige Folgen gepackt, in denen mit überschaubarem Tempo Step-by-Step den Rätseln auf den Grund gegangen wird. So wie hier die Enthüllung in Salami-Weise präsentiert werden, ist das Ganz richtig spannend, wendungsreich und emotional wirkungsvoll. Das liegt am überzeugenden Skript, aber auch an einem gut harmonierenden Cast, bei dem die großen Namen und die eher noch unbekannten Darstellenden auf Augenhöhe performen. Mit seiner leicht depressiv wirkenden Darbietung spielt Eric Bana einen inzwischen recht stereotypen Ermittler, wobei er mit seiner Gravitas der Figur eine einnehmende Aura verleiht.

    Eric Bana © Netflix

    Lily Santiago bildet mit Bana ein typisches Duo aus mürrischem Veteran und leicht überambitioniertem Rookie, das aber ebenfalls dank der individuellen Leistung auf schauspielerischer Ebene gut funktioniert. Auf Rosemarie DeWitt (Smile 2) ist ohnehin immer Verlass und Wilson Bethel spielt definitiv etwas „menschlicher“ als in seiner Daredevil–Rolle, wobei das fast schon atatonisch-mechanische Auftreten natürlich perfekt zur Bullseye-Figur passte.

    !!!ACHTUNG MINIMALE SPOILERGEFAHR!!! Nun kommen wir natürlich noch kurz zu Sam Neill, der auch eine gute Figur abgibt, aber – ohne zu viel zu verraten – ist ein Casting eines solchen Hochkaräters in dieser Rolle leider fast schon ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass da irgendwas noch wartet, enthüllt zu werden. Diese inzwischen antrainierte Erwartungshaltung torpediert dann doch ein Stückweit den Verlauf des Falls…

    © Netflix

    Unser Fazit zu Untamed

    3.5 Sehenswert

    Untamed ist ein mehr als solider Thriller mit leicht mysteriöser Stimmung, tollen Naturaufnahmen, fantastischer Musik und herausragendem Schauspiel. Was jedoch einer besseren Bewertung im Wege steht, ist die Tatsache, dass man allein schon mit der Cast-Zusammenstellung dem Krimi-erfahrenen Publikum etwas zu viel Hinweise liefert, um zu schnell vorausahnen zu können, welche Richtung die Geschichte einschlagen wird. Entsprechend ist die Miniserie wahrscheinlich desto besser, je weniger man an Seherfahrung mitbringt - dann drängen sich weniger Vergleiche auf und die Überraschungen haben eine höhere Trefferquote.

    Untamed läuft ab dem 17. Juli bei Netflix.

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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