Bryan Fuller hat mit Mads Mikkelsen in der Hauptrolle aus Hannibal ein kleines Serien-Meisterwerk gemacht. Nun arbeiten die beiden für Dust Bunny erneut zusammen, aber auch ein weiteres Mal mit Erfolg?
Darum geht’s in Dust Bunny
In Dust Bunny verbündet sich ein zehnjähriges Mädchen mit ihrem Nachbarn (Mads Mikkelsen), um sich gemeinsam ihren inneren und äußeren Monstern zu stellen. Aurora (Sophie Sloan) ist überzeugt: Ein Monster hat ihre Familie verschlungen. Ihre letzte Hoffnung ruht auf dem unheimlichen Mann von nebenan – von dem es heißt, er töte „echte“ Monster. In Wahrheit ist er ein abgebrühter Auftragsmörder. Was als skurrile Geschichte beginnt, entwickelt sich rasch zu einem düsteren Geflecht aus Gewalt, Schuld und kindlicher Vorstellungskraft. Realität und Illusion verschwimmen – und am Ende bleibt die Frage: Wer sind die wahren Monster?

Ein Film wie ein Kinder(alb)traum
„I’m friends with the monster that’s under my bed“, sang einst Rihanna an der Seite von Eminem. Nun. Im Gegensatz zu Megastar Rihanna hat unsere Protagonistin hier eher ein Monster-Problem. Wenn der Macher einer der explizitesten Serien der vergangenen beiden Jahrzehnte sich in einem Film auf fantasievolle Art und Weise mit kindlicher Realitätsflucht mutmaßlich direkt durch die kindlichen Augen auseinandersetzt, dann spitzt man als geneigter Filmfan direkt die (Hasen)ohren.
Und wenn dann auch noch Mads Mikkelsen und Sigourney Weaver als große Stars für das Projekt begeistert werden konnten, dann steigt die Neugier wie bei Kindern kurz vor der Bescherung. Dust Bunny aber mit dieser hohen Erwartungshaltung jetzt zu schauen, ist vielleicht schon der erste Fallstrick, denn das Fantasyabenteuer ist alles in allem weitaus kompakter angelegt, als man vielleicht meinen könnte.
Fuller geht nicht All-in in eine Richtung
Denn tatsächlich ist der Fuller-Film ein in Teilen ein zweischneidiges Schwert, bei dem die beiden Seiten sich durch ihre gegensätzliche Tonalität mehr gegenseitig ausbremsen als wie Zahnräder ineinandergreifen:
Auf der einen Seite ist da die Idee, die kindliche Urangst vor dem Monster unter dem Bett in Verbindung mit dem Kinderspiel „Der Boden ist Lava“ zu kombinieren und das Ganze mit dem Gedankenspiel zu kreuzen, was wäre, wenn kindliche Augen zu früh mit grausamer Gewaltdarstellung konfrontiert und sich dies mit ihrer naiven Logik zu erklären versuchen. So funktioniert Dust Bunny als kindliche Albtraum-Allegorie mitsamt den dadurch implizierten logischen Widersprüchen wirklich gut, weil man Sophie Sloan diese Unwissenheit und die skurrilen Erklärungsversuche voll abnimmt. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass der Jungdarstellerin nicht ganz eine Performance der Güteklasse von Nell Fisher in der neuen Stranger Things-Staffel oder McKenna Grace in Ghostbusters: Legacy gelingt, die in ähnlichem Alter schauspielerisch schon eine höhere Range an Emotionen abbilden konnten.
Auf der anderen Seite aber kommt dann der John-Wick-artige Auftragskillerwelt-Aspekt hinzu, der hier leider weder gut ausgearbeitet ist, noch in Sachen Action wirklich zu überzeugen weiß und vor allem im Vergleich mit den vielen ähnlichen Parallelwelt-Thrillern – man denke an Kill Boksoon, Gunpowder Milkshake und Co. – rein gar nichts an Frische mit sich bringt. Und hier ist dann leider auch irgendwie Mads Mikkelsen in seiner an Keanu Reeves erinnernden Optik kein wirklich überzeugendes Argument. Ja, die Chemie mit Sloan passt noch einigermaßen, aber schon in Polar hat der eher sich ruhig artikulierende Däne als Killermaschine nicht überzeugt. Hier fehlt es wirklich an Profil seiner Figur, sodass man tatsächlich resümieren muss, dass Mikkelsen selten so blutleer in einer Rolle wirkte.
Sigourney Weaver mal wieder ohne Akzente
Sigourney Weaver hingegen wird hier leider nicht zum ersten Mal verschenkt. Denkt man auch dank ihres Mitwirkens zu Beginn des Films noch, dass dies in eine ähnliche Richtung wie der fantastische Sieben Minuten nach Mitternacht gehen könnte, so entwickelt sich Dust Bunny doch woanders hin. Leider. Denn wenn man tatsächlich die Nummer mit dem Unwissen, ob es das titelgebende Tier nun in „echt“ oder nur in der Fantasie von Aurora gibt, konsequent durchgezogen hätte, dann wäre das sicher die interessantere Devise geworden. So verliert sich vor allem das Schlussdrittel in einem mittelmäßig gut choreografierten Finale, zu vielen Antworten auf Fragen, die besser unbeantwortet geblieben wären und alles in allem in den einfachsten Auswegen und vorhersehbarsten Konsequenzen.

Dennoch ist Dust Bunny aber kein schlechter Film, weil die kleine Fantasywelt doch in ihrem Detailreichtum und den stimmigen Ausstattungsspielereien ziemlich lebendig daherkommt, weil das Monster gut getrickst ist, weil Fuller weiß, tolle Kamerafahrten einzusetzen und mit Perspektiven zu spielen und weil trotz der ein oder anderen Länge die Laufzeit mit etwa 100 Minuten doch noch recht knackig bleibt.
© Lionsgate
Unser Fazit zu Dust Bunny
Für diejenigen, die wegen der Kombi aus Mikkelsen und Fuller immense Erwartungen an Dust Bunny hatten, ist der Fantasyfilm bestimmt eine kleine Enttäuschung. Aber allen anderen sei gesagt: heute gibt es vor allem im Kino immer weniger Mid-Budget-Fantasyfilme, sodass allein deswegen dieser Film eine gewisse Frische mit sich bringt, die er zwar nicht komplett mit Qualität zu unterfüttern weiß, aber dennoch für die Laufzeit gut bespielen kann.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

