Ready or Not, Samara Weaving ist mit einem neuen Film bei Disney+ da und hat es mal wieder mit problematischen (Ex-)Liebhabern zu tun! Ist Eenie Meanie wieder so rasant und unterhaltsam wie in der Horror-Comedy oder hat sie in dieser Thriller mit platten Reifen zu kämpfen?
Darum geht’s in Eenie Meanie
Eine ehemaligen jugendlichen Fluchtwagenfahrerin (Samara Weaving) wird in ihre zwielichtige Vergangenheit zurückgezogen, als ein früherer Auftraggeber ihr die Chance bietet, das Leben ihres chronisch unzuverlässigen Ex-Freundes zu retten.

Solider Start in solidem Streaming-Jahr
In diesem Jahr gab es bereits ein paar überraschend gute Releases von Streamingdiensten im Action-Segment. Erst vor ein paar Wochen wusste der Buddy-Movie Heads of State mit John Cena und Idris Elba zu überzeugen und belehrte Kritiker der belang- und seelenlosen Streaming-Massenware eines Besseren. Nun will auch Disney+ mit einem direct-to-stream-Titel im Heimkino für Wirbel sorgen und hat mit Eenie, Meanie ein Projekt auserkoren, das den erfolgreichen Streifen von Konkurrent Prime gar nicht so unähnlich ist.
Ein weiteres Mal setzt man auf überaus bekannte Namen, wobei vielleicht nicht mal die Hauptrolle am prominentesten besetzt wurde, einmal mehr darf sich bei einem Streamingtitel ein junger Filmemacher beweisen, der zuvor bereits in der zweiten Reihe einiger Großproduktionen beteiligt war und erneut geht man bei der Geschichte keine großen Risiken ein, setzt auf Bewährtes – und kann dabei allerdings auch nicht verhindern, dass die augenscheinlichen Vorbilder nur allzu klar durchschimmern.
Samara Weaving kann auch Lead
Fangen wir also mal beim Cast an: Samara Weaving ist einigen vermutlich durch Guns Akimbo oder Ready or Not bekannt, wahrscheinlich sogar noch mehr Leuten wegen des Memes, das auf ihre optische Ähnlichkeit zu Margot Robbie anspielt. Doch dies wird der Nichte von Hugo Weaving wirklich nicht gerecht, hat sie doch inzwischen eine mehr als stattliche Vita vor allem in Nebenrollen vorzuweisen. Eenie Meanie ist aber nun doch eine der ausgewählten Rollen in der ersten Reihe – und tatsächlich kann die Darstellerin zumindest so einen kompakt aufgezogenen Action-Thriller durchaus auf ihren Schultern tragen: Weaving glänzt hier als taffe Fahrerin, ihre Autoexpertise wirkt nicht unglaubwürdig, die Romanze zu John, gespielt von Karl Glusman funktioniert tadellos und ihre Entwicklung innerhalb der Story ist nachvollziehbar.
Darüber hinaus ist die Figur tatsächlich tiefer als es am Anfang den Anschein hat und dazu trägt vor allem auch das Spiel Weavings Teil, die bei aller Toughness immer wieder Verletzlichkeit durchschimmern lässt, ohne das Image ihrer Rolle angreifbar zu machen.
Viele Namen, wenige Akzente
Glusman ist leider auch hier wieder ein kleiner Schwachpunkt, denn erneut ist sein Schauspiel zu drüber. Man könnte es noch mit der als impulsiv angelegte Rolle verargumentieren, aber irgendwie fällt es schwer, ihn hier vollends ernst zu nehmen. Gleiches gilt für Marshawn Lynch, der schlicht und einfach kein guter Actor ist. Der Ex-Profisportler spielt wie in einer Parodie, was in den Szenen, die tatsächlich leicht parodistische Züge haben, zwar ganz gut noch fittet, aber ab einem gewissen Punkt doch ziemlich lächerlich daherkommt.
Positiv wiederum fällt hier Andy Garcia auf, der zuletzt selbst eher zur Übertreibung in seinen Performances neigte, nun hier aber eine überraschend emotionale Note in die Figurenkonstellation einbringt und beweist, dass er auch die leisen Töne beherrscht. Randall Park, Steve Zahn, Chris Bauer und vor allem auch Phoung Kubacki bereichern die wilde Sause mit kurzen selbstironischen Auftritten und Mike O’Malley ist zwar kaum wiederzuerkennen, ist aber auch für ein bis zwei Momente verantwortlich, die von diesem Film im Gedächtnis bleiben können.

Gute Action, aber sonst…
Was auch hängen bleibt, sind die gut gemachten Auto-Actionszenen. Man hat sogar immer wieder die Vermutung, dass der Plot nur dazu dient, aus den Ideen für ein paar Stunts irgendwie einen Film zu machen, aber das ist in Ordnung, wenn wie hier die Schauwerte dann doch zu überzeugen wissen. Unterstützt wird das von einer gelungenen Musikauswahl, die wie viele andere Elemente des Projekts zeigen, woran man sich hier versucht hat, ein Vorbild zu nehmen. In Eenie Meanie steckt viel von Baby Driver drin, wobei der Flow eines Edgar Wright, der seinen Schnitt bekanntlich exakt auf die Musik abgestimmt hat, hier nicht erreicht wird.
Ebenfalls nicht wirklich vom Hocker haut einen der ziemlich vorhersehbare kleine Heist-Plot. Wie gesagt: inhaltlich ist hier wenig Substanz da, und erst recht nichts Neues. Und leider macht man dann auch den Fehler, dass im Mittelteil des Films dafür, dass man eigentlich nur die Action sehen will, viel zu viel gelabert wird. Glücklicherweise ist der Streifen aber überschaubar lang, sodass sich diese Längen nicht endlos ziehen. Der Schlussakt ist für einen Action-Thriller, der immer wieder auch Tarantino-eske Momente sucht, wahnsinnig geerdet, fast melancholisch und lässt einen am Ende mit einem etwas nachdenklichen Gefühl zurück, was durchaus in diesem Genre Seltenheitswert hat.
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Unser Fazit zu Eenie Meanie
Nein, ein Must-Watch-Streaminghit ist Eenie Meanie auf keinen Fall, dafür ist der Action-Thriller zu 08/15 und am Ende auch nicht inszenatorisch spektakulär genug. Eine schlechte Zeit hat man damit dank einer starken Samara Weaving aber auch nicht und wer generell diese Art von Auto-Heist-Filmen mag, der wird das Einschalten nicht bereuen.
Eenie Meanie ist ab 22. August 2025 direkt bei Disney+ zu streamen.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

