Fabian und die mörderische Hochzeit ist die deutsche Antwort auf Knives Out. Das klingt immer gleich nach müdem Aufguss, aber ist es das auch in diesem Fall – oder kann Bastian Pastewka in der Krimikomödie das Gegenteil unter Beweis stellen?
Fabian und die mörderische Hochzeit – darum geht’s
Der glücklose Hochstapler Fabian (Bastian Pastewka) landet auf der Flucht inmitten einer schrägen Hochzeitsgesellschaft. Schnell merkt er, dass die Hochzeit mehr zu bieten hat, als nur Feierlichkeiten – das wertvolle Hochzeitsgeschenk an die Braut! Als dann noch eine Leiche auftaucht, ist Fabian mehr als nur zufällig in die Lösung des Rätsels verwickelt.

Wie eine Pastewka-Fan Fiction
Angefacht von den neuen Poirot-Fällen von und mit Kenneth Branagh, dem Hype um Knives Out und noch einigen ebenfalls starken Trittbrettfahrern auf der neuen Whodunnit-Welle, hat man sich wohl auch bei den deutschen Prime-Verantwortlichen gedacht: Die Formel muss doch auch hierzulande funktionieren. Der Titel klingt nach Agatha Christie, das Poster sieht genauso aus, wie man sich das Marketing für eine deutsche Cluedo-Variante für einen Streamingdienst vorstellt und auch die kompakte Inhaltsangabe macht eigentlich schon alles klar. Man muss schon sehr weltfremd sein, wenn man sich hier nun allzu gewaltige Verrenkungen erwartet, womit man sich hier auf unerwartete Pfade begeben würde. Wieder alles wie immer, war ja schon der bezeichnende Titel des zweiten Stromberg-Films – und könnte hier nun in Hinblick auf das Œuvre von Bastian Pastewka unisono so dastehen.
Wie immer stolpert der in tollpatschigen Rollen groß gewordene Schauspieler und Komiker hier immer tiefer in die Misere, wobei man tatsächlich sagen muss: So schnell und ansatzlos wie in Fabian und die Mörderische Hochzeit war es wohl selten. Irgendwie fühlt sich die Einführung wahnsinnig überstürzt und unmotiviert an – fast als hätte man dafür nur minimale Zeit zur Verfügung und noch schmalere Zuweisung im Budget zugewiesen bekommen. So kommt der titelgebende Hochstapler schon nach wenigen Minuten „zufällig“ zu der Hochzeitsgesellschaft – und das erwartete Spiel nimmt seinen Lauf.
Überraschung! Hinter der Fassade bröckelt der Lack
In der Abgeschiedenheit angekommen wird ein typisches Poirot-like-Setting aufgebaut, wobei dem Publikum in aller Ausführlichkeit die unterschiedlichen Familienmitglieder, Gäste und Angehörige in den verschiedenen Konstellationen vorgestellt werden. Natürlich wird dabei schnell klar, dass einige hier gute Miene zum bösen Spiel machen und eigentlich ganz und gar nicht so freundlich gegenüber den anderen eingestellt sind, wie sie öffentlich zugeben: Es werden also geschickt (?) mögliche Motive angedeutet.
Dann aber kommt noch hinzu, dass ja diesmal der „Eindringling“, Fabian, eben kein Detektiv à la Hercules Poirot ist, der „zufällig“ dabei ist, wenn ein Verbrechen geschieht und dann qua Berufsethos zum aktiven Ermittler wird. Nein, Fabian wird zu Beginn als Gauner eingeführt und von daher ist es wenig überraschend, dass er bei einer Hochzeit der Highsociety recht schnell eine Gelegenheit für einen Coup ausmacht.

Das „deutsche“ Schauspiel killt die Atmosphäre
Doch abseits vom Titelhelden fangen im Cast dann die Probleme schon an, wobei es weniger an der darstellerischen Güte liegt, sondern vielmehr daran, dass man – mal wieder – in jene Muster verfällt, die an deutschen Produktionen speziell im Comedybereich seit jeher angeprangert werden: Es wird alles in allem mehr wie eine Theateraufführung als wie ein Film, wie hier Dialoge vorgetragen werden, „Show don’t tell“ hat sich auch 2025 in deutschen Filmproduktionen noch nicht herumgesprochen. Es muss also mehrfach von Leuten ausgesprochen werden, das beispielsweise das Objekt der Begierde von Fabian 6 Millionen wert ist und auch in anderen Situationen wird das Offensichtliche oft mehrfach verbalisiert ohne Zwang.
Belanglos, bemüht und meilenweit von den Vorbildern weg
Fabian und die mörderische Hochzeit ist sehr offensiv mit Klischees, Anspielungen und Mechanismen von universell funktionierenden Whodunnits zusammengestrickt, doch eine Daseinsberechtigung verdient sich das Prime-Original neben den Vorbildern nicht, weil man fast alle Versatzstücke eher miss- als gebraucht und letztlich zu einer belanglosen Farce verkommt. Mit den Wixxer-Filmen waren Bastian Pastewka und Co. von Beginn an auf Spoof-Pfaden unterwegs und damit hatte dieses Projekt eine eindeutig parodistische Zielsetzungen, wodurch das Spiel mit den Klischees Sinn und Verstand hatte. Hier wiederum weiß man nie endgültig, ob man denn nun eine Parodie oder eine ernstgemeinte Hommage an das Krimi-Subgenre machen wollte.
Wenn Fabian dann in Poirot-Gedächtnis-Manier die Lösung des ohnehin langweiligen Falls vorträgt, ist das weder augenöffnend spannend noch überraschend, weil man weder großes Interesse aufbauen konnte noch so frei gedreht hat, dass man sich am Ende fragt, wie verrückt nun der oder die Mörder/in wohl vorgegangen sein muss. Keine Figur bleibt am Ende im Gedächtnis, der Twist nach der Klärung des Falls ist ebenfalls erwartbar und das Schlussbild verfehlt die gewünschte Wirkung, weil es auch maximal bemüht herüberkommt und unausgegoren inszeniert wird. So ist dieser maue Versuch im großen Teich der Whodunnit-Welle unserer Zeit mitzuschwimmen letztlich ein Schuss in den Ofen – oder besser gesagt ein Einbruch durch eine ohnehin fragile Eisdecke eines zugefrorenen Sees.
© Amazon MGM Studios
Unser Fazit zu Fabian und die mörderisch Hochzeit
Pastewka-Ultras kommen hier womöglich noch auf ihre Kosten. Dem Rest kann man nur raten: bleibt bei den originalen Whodunnits - und schaut lieber Jahrzehnte alte Miss Marple- oder Poirot-Krimis zum x-ten Mal, denn selbst wenn man diese schon mehrfach gesehen hat, bieten sie noch mehr Überraschungen als Fabian und die mörderische Hochzeit.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

