Im Seriensegment ist beim MCU etwas der Wurm drin, sodass einiges, was schon kurz vor Release stand, entweder komplett in der Schublade gelandet ist oder – wie im Fall von Ironheart – quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit released wurde. Nun kommt als mit Wonder Man ein „Relikt“ alter strategischer Pläne, das aber ohnehin komplett aus der Reihe tanzt. Warum dann überhaupt das Marvel-Label, werden sich manche Abonnenten fragen. Aber was kann die Superhelden-Meta-Comedy denn nun?
Darum geht’s in Wonder Man
Der aufstrebende Hollywood-Schauspieler Simon Williams kämpft darum, seine Karriere in Gang zu bringen. Bei einer zufälligen Begegnung mit Trevor Slattery, einem Schauspieler, dessen größte Rollen wohl schon hinter ihm liegen, erfährt Simon, dass der legendäre Regisseur Von Kovak eine Neuverfilmung des Superheldenfilms „Wonder Man“ plant. Die beiden Schauspieler, die sich an entgegengesetzten Enden ihrer Karriere befinden, streben verbissen nach Rollen in diesem Film, die ihr Leben verändern könnten, während das Publikum einen Blick hinter die Kulissen der Unterhaltungsindustrie werfen kann.

Marvels Antwort auf The Studio?
Auf der Kenntnis der Prämisse aufbauend, könnte man fast meinen – wäre die Serie nicht schon solange vorher in der Mache gewesen -, dass Disney Plus mit seinem Blick hinter die Hollywood-Kulissen im MCU-Mantel auf den sagenhaften Erfolg von Apples The Studio reagiert. Und allein vom Format und der Tonalität her, wird dieser Verdacht sogar noch erhöht, sieht Wonder Man doch in seinen 30-35-minütigen Episoden doch stark wie das Konkurrenzprojekt aus, mitsamt ähnlicher Art der Kameraführung, die bei The Studio ja schon sehr einprägsam war.
Doch dieser Ersteindruck ist ein Stück weit bewusste Irreführung, denn spätestens am Ende der ersten Folge wird klar, dass es doch in eine ganz andere Richtung gehen wird – und dabei auch die ein oder Verbindung zum großen Marvel Universum integral wird.
Was ist denn nun Ben Kingsleys Rolle im MCU?!
In Iron Man 3 war er Teil eines inzwischen zwar akzeptierten, zu seiner Zeit aber eher frustrierenden Twists rund um die ikonischen Figur des Mandarin im MCU, in Shang-Chi durfte er sich dann auf sympathische Weise in einer Nebenrolle rehabilitieren. Jetzt ist Sir Ben Kingsley ein drittes Mal in einem MCU-Projekt dabei – und zum zweiten Mal in einem, für das Destin Daniel Cretton verantwortlich zeichnet. Denn der Shang-Chi-Regisseur ist auch bei Wonder Man Showrunner – und hat Trevor Slattery mit in die neue Show geschrieben, was ja qua seiner Rolle als Schauspieler perfekt passt. Nun ist er aber mehr als Sidekick, sondern vielmehr die zweite Hauptfigur neben der Titelfigur, wobei auf seine genaue Funktion aus Spoilergründen gar nicht so tief eingegangen werden sollte… Man kann aber auf jeden Fall sagen, dass Trevor hier direkt eine gute Chemie mit und eine Art Mentor-Part zu Simon aufbaut.
Kingsley spielt diese Art von doppelbödigem Charakter hier wieder mit einer Leichtigkeit und gleichzeitig Gravitas, sodass man sogar noch etwas mehr Verständnis für seine vorherigen MCU-Auftritte bekommt – er spielt eben einen passionierten Schauspieler. Und entsprechend ist auch Teil seiner Performance, Simon etwas vorzuspielen, was ihm auch exzellent gelingt, wobei er natürlich dann irgendwann in den Zwiespalt kommt, Job und persönliche Gefühle vor einer Kollision zu bewahren…

!!! Achtung ab hier leichte Spoiler-Gefahr!!! Wer gar nichts über die eigentliche Story wissen möchte, sollte besser nicht weiterlesen!!!
Tolle Cameos, viele WTF-Momente…
Neben den beiden Hauptdarstellern gibt es zwar ein paar nicht ganz unwichtige Nebenfiguren, wobei vor allem die Verwandtschaft von Simon noch starke Momente bekommt. Doch richtig stark sind die doch überraschenden cameoartigen Auftritten von bekannten Darstellern, die für den ein oder anderen WTF-Moment sorgen. Und auch andere Twists kommen sehr gut vorbereitet aber mit voller Wirkung, sodass man bis zum Ende immer wieder ungläubig die Augen reiben will.
Auf der oberflächlichen, The Studio-liken Ebene geht es hier um die Irrungen und Wirrungen eines strugglenden Schauspielers, der in der Studio-Maschinerie versucht an die begehrte Rolle von „Wonder Man“ zu gelangen. Doch das „Problem“ ist, dass Simon Williams eben kein Normalo ist, sondern – und hier sind wir dann doch komplett im Marvel-Universum – eine wahrhaft mächtige Figur ist, deren Superkraft einerseits der Karriere im Wege steht, andererseits aber eben Begehrlichkeiten bei Menschen weckt, die sich dieser Power habhaft machen wollen. Und so ist dann diese Miniserie auf der einen Seite der Medaille eben dieser leicht verpeilte, schrullig-skurrile Trip des Duos Trevor-Simon durch die Traumfabrik – mitsamt unzähligen Anspielungen auf die reale Pop- vor allem aber natürlich Filmkultur.
… und eine überraschende Marvel-Referenz
Auf der anderen Seite ist es eine Form von Scharade, die dem Titelhelden vorgespielt wird mit einer Verschwörung und düsteren Mächten als Strippenzieher. Mit dieser Mehrdimensionalität erinnert dann Wonder Man am ehesten innerhalb der Marvel-Welt noch an Noah Hawleys geniale Legion-Serie – wobei diese alles in allem schon nochmal tiefgründiger, erwachsener und virtuoser inszeniert war. Nichtsdestotrotz hat man ein weiteres Mal im MCU ein Projekt vorgelegt, dass nach WandaVision und Loki eine funktionierende philosophische Ebene hat – und sich nicht wie seinerzeit Moon Knight nur bedeutungsschwanger aufbläst und sich beim zweiten Blick schon als ziemliche Schaumschlägerei entpuppt. Hier steckt wirklich was drin, das zum Nachdenken und Diskutieren anspornen kann.
Wonder Man ist damit – zurecht mit dem Spotlight-Label markiert – eine kompakte kleine MCU-Show, die zwar mit Vorwissen noch besser funktioniert, aber grundlegend für sich stehen kann. Yahya Abdul-Mateen II wurde in Aquaman etwas verschenkt, da er eben nicht nur eine starke Physis mitbringt, sondern auch in Charakterrollen wahnsinnige Leistungen bringen kann. Das zeigt er nun hier mit einer Intensität in einigen Szenen, sodass man auf jeden Fall wünscht, seine Figur dann doch im „großen“ MCU wieder zu sehen, weil er menschliche Dimensionen mitbringen würde, die zuletzt wenige der neu eingeführten Superhelden vermochten abzubilden.
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Unser Fazit zu Wonder Man
Wonder Man ist eine etwas andere Marvel-Serie - diesmal aber jedoch wieder ein Ansatz, der Hoffnungen weckt und nicht nur anders um der Andersartigkeit Willen ist. Das Duo aus Kingsley und Abdul-Mateen II ist fantastisch, die Metaebene funktioniert und auch die Folgenstruktur geht hier gut auf. Wie es jedoch mit der Figur weitergehen wird, ist unklar, was am Ende einen leicht faden Beigeschmack hinterlässt.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

