Close Menu
    Facebook Instagram YouTube
    Facebook Instagram
    Filmtoast.de – Filmkritiken mit Biss
    • Startseite
    • Kritiken
      • Filme
      • Serien
    • Features
    • News
    • Über uns
      • Wer sind wir?
      • Unsere Autor*innen
      • Filmtoast auf Social Media
      • Werde Teil des Teams
      • Finanzielle Unterstützung
    Filmtoast.de – Filmkritiken mit Biss
    Startseite » Joe Bell
    Filme

    Joe Bell

    Andreas Krasseltvon Andreas Krasselt13. Dezember 2021Keine Kommentare8 min Lesezeit
    Facebook WhatsApp Twitter Pinterest Email Reddit LinkedIn Copy Link
    Share
    Facebook WhatsApp Twitter Pinterest Email Telegram Copy Link

    Joe Bell ist ein einfühlsames Drama über einen Mann, der sich nach dem Suizid seines schwulen Sohnes auf einen Fußmarsch quer durch die USA begibt. Er will seine Botschaft gegen Mobbing unters Volk bringen, vor allem aber zu sich selbst finden. Ob ihm dies gelingt, erfahrt Ihr hier.

    YouTube

    Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
    Mehr erfahren

    Video laden

    Das DVD-Cover von Joe Bell zeigt den von Mark Wahlberg gespielten Titelhelden in Großaufnahme.
    Mahner: Das DVD-Cover von Joe Bell zeigt den von Mark Wahlberg gespielten Titelhelden in Großaufnahme. © Leonine Studios

    Die Handlung von Joe Bell

    Joe Bell (Mark Wahlberg) ist vielleicht nicht der bester Vater der Welt. Er neigt zu cholerischen Anfällen und hält sich – in diesem Sinne eben ganz Mann – mit seinen Gefühlen zurück. Als ihm sein älterer Sohn Jadin (Reid Miller) offenbart, dass er schwul ist, ist dies ein Problem. Mit dem er fast klar kommen würde, wenn Jadin mit seiner Homosexualität nicht offen umgehen würde. Was sollen denn die Nachbarn denken? Dass der Junge dann auch noch bei den Cheerleadern der heimischen Footballmannschaft mitmacht, empfindet er als Schande. Und stiehlt sich zusammen mit seiner Frau Lola (Connie Britton) aus dem Stadion.

    Doch Jadins offener Umgang mit seiner Sexualität macht ihn zu einem Mobbing-Opfer. Der Druck durch seine Mitschüler wird unerträglich. Er begeht Selbstmord. Sein Vater versucht, die Trauer durch Verdrängung zu bewältigen, was scheitert. Und beinahe zum endgültigen Bruch der Familie führt. Doch dann fängt er sich. Er begibt sich auf einen Fußweg quer durch die USA. Vom heimischen Oregon aus will er bis nach New York wandern, dem Sehnsuchtsort seines toten Sohns. Und unterwegs die Menschen über die Gefahr des Mobbings aufklären. Eine wahre Geschichte.

    Ein Landstreicher zieht durch die USA

    Die ersten Bilder zeigen eine der typischen, schnurgeraden und stark befahrenen Landstraßen in den USA. Aus dem Off hört man Joe Bell offenbar mit seiner Frau telefonieren. Seine Füße seien eine einzige Blase, sagt er ihr. Dann sieht man ihn: Wie ein Landstreicher schiebt er einen dreirädrigen Wagen mit seinen Utensilien vor sich her, während Autos und Lastwagen an ihm vorbeibrettern. Dann taucht Jadin auf, der auf der anderen Seite der Straße neben ihm herzugehen scheint. Zusammen und doch getrennt. Bis der Junge die Seite wechselt und beide Arm in Arm weiterwandern.

    Jadin, gespielt von Reid Miller, ist Teil des Cheerleader-Teams.
    Aus der Rolle: Jadin (Reid Miller) bekennt sich als Mitglied im Cheerleader-Team zu seiner Homosexualität. © Leonine Studios

    Wer nicht weiß, dass es in dem Film um die Bewältigung von Jadins Selbstmord geht, wird an dieser Vater-und-Sohn-Szene nichts Besonderes finden. Doch dürfte dieses Grundthema kaum entgangen sein. Was so im ersten Moment irritieren könnte, ist eine symbolisch aufgeladene Einführung in den Grundkonflikt von Nähe und Distanz. Nicht ungeschickt.

    Joe Bell ist ein Film über Joe Bell

    Es gibt kritische Stimmen, die dem Film Joe Bell vorwerfen, die Themen Mobbing und Schwulenhass nur unzureichend und inkonsequent abzuhandeln. Was unfair ist. Denn das zentrale Thema des Streifens von Reinaldo Marcus Green ist offensichtlich ein anderes. Es geht um den Vater eines Opfers, um seine Konflikte, um Formen der Verdrängung und die Art, wie er die Trauer bewältigt. Um die Einsicht, dass Verdrängung und das Nicht-wahr-haben-wollen alles nur viel schlimmer machen. Und dass nicht nur er sich so verhält, sondern die meisten anderen auch.

    Joe Bell ist eben ein Film über Joe Bell und nicht über Jadin. Die Konflikte des Sohns werden berührt und angemessen dargestellt, die Perspektive aber ist auf den Vater gerichtet. Daran ist nichts falsch. Es ist eine andere Art der Betroffenheit, die angesichts der noch immer massiven Diskriminierung von Angehörigen der LGBTQ+-Community eher selten in den Fokus rückt. Doch auch diese Geschichte will erzählt sein, und der sonst eher auf Macho-Helden abonnierte Mark Wahlberg macht seine Sache dabei außerordentlich gut. Er spielt den zu Wutausbrüchen neigenden und mit sich selbst hadernden Familienvater mit großer Sensibilität.

    Joe Bell, gespielt von Mark Wahlberg, und seine Frau Lola, gespielt von Connie Britton, sitzen mit Jadin, gespielt von Reid Miller, für ein Krisengespräch bei der Schulleiterin.
    Krisengespräch: Joe Bell (Mark Wahlberg) und seine Frau Lola (Connie Britton) sitzen mit Jadin (Reid Miller) bei der Schulleiterin. © Leonine Studios

    Er ist der typische Mann, der es für eher unnötig hält, seine Gefühle zu zeigen. Dem der gesellschaftliche Status, die Anerkennung in der Nachbarschaft wichtiger scheinen als der emotionale Zusammenhalt. Auf die Frage seiner Frau, ob sein Sohn denn wisse, dass er ihn liebe, antwortet er etwas stoffelig: „Aber das ist doch offensichtlich.“ Sie erwidert: „Das könntest Du auch mal sagen.“ Er: „Das weiß er doch.“

    Seine Art, Liebe zu zeigen

    Es mangelt Joe Bell nicht an Liebe, aber an der Fähigkeit, sie zu zeigen. Mit den etablierten Bildern im Kopf davon, was und wie ein richtiger Mann eben zu sein hat. Und der simpel gestrickten Hoffnung, dass, wenn mal etwas von der Norm abweicht, es sich schon irgendwie von selbst regeln wird. Schließlich ist Jadin ja erst 15. Während sein Sohn seine Homosexualität offen ausleben will, will Joe ihn zwingen, sich zu verstecken. Eine Haltung, die sich mit dem Suizid, wenn auch mit Verzögerung, ändert. Zu der Erkenntnis: „Ich habe Jadin nie gesagt, dass es okay ist.“

    So wird Joe von Schuldgefühlen geplagt. „Für mich gibt es keine Entschuldigung“, sagt er, „und keine Vergebung.“ In einem Diner rastet er aus, als sich ein paar Rednecks über Schwule ereifern. Doch sein Zorn gilt eigentlich ihm selbst, reflektieren die Beschimpfungen doch letztlich seine eigene frühere Haltung – und die Homophobie viel zu vieler anderer Menschen.

    Mit Rucksack und Gepäck-Trolley ist Joe Bell, gespielt von Mark Wahlberg, unterwegs.
    Unterwegs: Mit Rucksack und Gepäck-Trolley zieht Joe Bell durch die USA. © Leonine Studios

    Seine Wanderung hat daher weniger den Zweck der Aufklärung als den der eigenen Buße und Läuterung. Auch dies mag man kritisieren, wird doch sein toter Sohn so wieder zum Objekt. Aber welche menschliche Handlung ist nicht ambivalent? Sein Marsch gegen Mobbing und für Toleranz wird jedenfalls zum Medienereignis. Er hält kurze Vorträge vor kleinen und großen Gruppen. „Viele denken, es ist kein großes Ding, sich über Leute lustig zu machen, die anders sind als sie“, sagt er. „Wisst Ihr, Mobbing und Intoleranz können ein tödliches Ende nehmen.“ Man erkennt ihn auf der Straße, und er erfährt Unterstützung.

    Großaufnahmen und große Darsteller

    Gefilmt ist diese Reise zu sich selbst in eher unspektakulären Bildern. Viele Großaufnahmen von Gesichtern spiegeln die Emotionen, kleine Details schärfen die Aufmerksamkeit. In Momenten, die in rührseligen Kitsch umschlagen könnten, zieht sich die Erzählung vornehm zurück und bewahrt Distanz. Der Cast spielt hervorragend, insbesondere eben Mark Wahlberg (Lone Survivor, Boston) in einer seiner bemerkenswertesten Rollen. Aber auch der junge Reid Miller ist als Jadin eine Wucht, wie er von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt die ganze Palette der Gefühle zum Ausdruck bringt. Man wird noch von ihm hören und sehen.

    Drehbuch zu Joe Bell vom Oscar-Team

    Das Drehbuch stammt von Larry McMurtry und Diana Ossana, die für das Script zu Brokeback Mountain einen Oscar bekamen. Vor allem der im März 2021 mit 84 Jahren verstorbene McMurtry lohnt dabei einer näheren Betrachtung. Neben einigen Drehbüchern ist er vor allem als Schriftsteller – insbesondere einer ganzen Reihe ausgezeichneter Westernromanen – bekannt, von denen leider nur Weg in die Wildnis ins Deutsche übertragen wurde. Dieser ist Teil der Reihe Lonsome Dove um die ehemaligen Südstaatenoffiziere und Indianerkämpfer Augustus McCrae und Woodrow Call, die in einigen TV-Miniserien mit namhaften Stars wie Robert Duvall und Tommy Lee Jones recht gelungen umgesetzt wurden.

    Joe Bell, gespielt von Mark Wahlberg, sitzt am Straßenrand, Sheriff Westin, gespielt von Gary Sinise, bietet ihm Hilfe an.
    Unterstützung: Unterwegs bekommt Joe oft Hilfe, wie hier vom Sheriff Westin (Gary Sinise). © Leonine Studios

    Sein Drehbuch für Peter Bogdanovichs Die letzte Vorstellung (The Last Picture Show), geschrieben nach seinem halbautobiografischen Roman, wurde für den Oscar nominiert. McMurtry war ein Freund des schriftstellerischen Enfant terrible Ken Kesey (Einer flog über das Kuckucksnest), den er kennenlernte, als Kesey mit seiner drogenaffinen Hippietruppe The Merry Pranksters 1963 bei ihm in Texas vorbeikam. 2011 heiratete er Keseys Witwe Norma Faye.

    Unser Fazit zu Joe Bell

    Vermutlich werden sich an Joe Bell die Geister scheiden, weil der Film eben nicht das Drama eines Homosexuellen in seinen Mittelpunkt stellt, sondern die Betroffenheit der Angehörigen. Dabei ist es wichtig, sich auch der Frage zu stellen, wie vermeintlich „Normale“ es schaffen können, mit „anderen“ Lebensweisen klar zu kommen, sich nicht davon bedroht zu fühlen. Sie als selbstverständlich zu akzeptieren. Denn dies ist ein Prozess, ein Weg, auf den man sich erst einmal machen muss. Was das bedeutet, zeigt Joe Bell auf eindringliche und berührende Weise, umschifft dabei geschickt einige Male die Klippen zum Kitsch. Dass während des Abspanns einige Originalfotos und Videoaufnahmen des echten Joe Bell zu sehen sind, verstärkt die emotionale Wirkung.

    Joe Bell ist ab dem 10. Dezember 2021 als DVD, Blu-ray und digital erhältlich.


    © Leonine Studios

    Andreas Krasselt

    Andreas lebt im Raum Hannover. Er ist Journalist und fest angestellter Redakteur bei einer Tageszeitung – und nebenbei Musiker in einer Bluesrock-Band. Bei Filmtoast schreibt er seit 2019 Rezensionen. Filmfan ist er, seit er im zarten Alten von sechs Jahren von seiner Mutter jeden Sonntag in die Kindervorstellung des Stadtteilkinos abgeschoben wurde (so was gab es damals noch). Lieblingsgenre: Western, insbesondere die italienische Variante. Daher ganz klar der Lieblingsfilm: Spiel mir das Lied vom Tod, den er mit 12 schon dreimal im Kino gesehen hatte. Aber es gibt kaum ein Genre, dem er nichts abgewinnen kann. Weitere Favorites: Der Tod in Venedig, Im Zeichen des Bösen, 2001 sowie Leichen pflastern seinen Weg. Tja, und sein Guilty-Pleasure-Favorite ist Predator 2 von dem total unterschätzen Stephen Hopkins. Filme guckt er zwar gerne im Kino, ist aus Zeitmangel aber auf das Heimkino gewechselt, weshalb seine private Filmsammlung auch mehr als 1000 Titel umfasst.

    • Andreas Krasselt
      Locked
    • Andreas Krasselt
      The Ritual (2025)
    • Andreas Krasselt
      Der Lehrer, der uns das Meer versprach
    • Andreas Krasselt
      Im Kopf des Killers – A Wounded Fawn
    Vorheriger BeitragSilent Night – Und morgen sind wir tot
    Nächster Beitrag Don’t Look Up

    Weitere Beiträge

    4.0

    Good Luck, Have Fun, Don’t Die

    von Kenan Hasic
    4.0

    Wuthering Heights – Sturmhöhe

    von Stefan Brüning
    4.0

    Is This Thing On?

    von Jan Werner
    3.0

    Crime 101

    von Luca Mattys
    5.0

    Marty Supreme

    von Jan Werner
    1

    Return to Silent Hill

    von Simon Eultgen
    Kommentar hinzufügen
    Hinterlasse einen Kommentar Cancel Reply

    Neueste Beiträge

    Scream 7 Special: Die Sonderrolle der Zahl 7

    18. Februar 2026

    Good Luck, Have Fun, Don’t Die

    17. Februar 2026

    Wuthering Heights – Sturmhöhe

    12. Februar 2026

    How to get to Heaven from Belfast

    12. Februar 2026
    We are social
    • Facebook
    • Instagram
    Über uns
    Über uns

    Filmkritiken, Serien-Reviews und Streaming-Tipps. Wir bieten Einblicke, aktuelle Besprechungen und ehrliche Meinungen zu allem, was auf Leinwand oder Bildschirm läuft. Einfach, direkt und ohne Hype.

    Links
    • Über uns
    • Filme
    • Serien
    • Features
    • News
    Facebook Instagram
    • Datenschutzerklärung
    • Impressum
    © 2026 Filmtoast.de

    Suchbegriff eingeben, um zu starten. Tippe X, um die Suche zu schließen.