Largo Winch ist zurück! Aber schafft sein drittes Abenteuer Der Preis des Geldes auch mit den beiden Vorgängerfilmen mitzuhalten oder muss man sich darauf einstellen abenteuerlich enttäuscht zu werden?

Largo Winch: Der Preis des Geldes – Darum geht’s
Nach der brutalen Entführung seines 15-jährigen Sohnes Noom erkennt der Milliardär Largo Winch, dass er und sein Firmenimperium das Ziel einer vernichtenden Intrige geworden sind. Die Suche nach Noom führt Largo auf eine abenteuerliche Reise rund um den Globus: von den kanadischen Wäldern über die Minen Burmas bis nach Bangkok. Doch um die Wahrheit ans Licht zu bringen, muss er sich den Dämonen seiner Vergangenheit stellen.
Der Weg einer europäischen Comic-Ikone
In Frankreich ist die Figur des abenteuerlustigen Milliardärs bereits seit Jahrzehnten ein popkulturelles Phänomen. Seit 1977 prägt Largo Winch diverse Medienformen: Sechs Romane, 24 Comic-Bände, eine TV-Serie und drei Filme wurden der Figur gewidmet, die eher im französischsprachigen Raum vertreten ist – fast 50 Jahre Kulturgeschichte waren damit Grundlage dieses dritten Films. Was Autor Jean Van Hamme einst kreierte, hallt bis heute nach und beschenkt die Zuschauerschaft mit Unterhaltung, die sich dem Zeitgeist zwischen Abenteuer- und Thriller-Aspekten anpasst. Denn wenn die zwei Vorgängerfilme von 2008 und 2011 noch eine Annäherung bekannter Action- und Abenteuerfilm-Tropes mit enormen Schnitttempo und extravaganter Wackelkamera waren, zieht Largo Winch: Der Preis des Geldes ganze 14 Jahre später nach. Und das erneut mit dem Finger am Puls der Zeit.
Zwischen Bond und Bourne?
Eine Lösung auf diese Frage kann der dritte Teil nicht liefern, aber genügend Ansätze, die dafür sprechen, dass die französische Figur tatsächlich das beste aus beiden Agenten-Welten vereint. Denn Largo Winch: Der Preis des Geldes geht weiterhin auf die Formel der Vorfilme ein, nur wechselt er hinein in das moderne Gewand zwischen Science Fiction-Thriller und Abenteuerfilm mit Stilmitteln aktuelles Actionfilme. Weg geht es von der wackeligen Kamera, dem abstrusen Schnitttempo und der grauen, eher farblosen Optik. Regisseur Olivier Masset-Depasse verleiht der Reihe einen neuen Anstrich – und eine neue Zeitlichkeit. Die Jahre einer Bond- und Bourne-Hommage scheinen endgültig gezählt – die Eigenständigkeit kehrt ein: Bunte und farbintensive Bilder, variablere Orte und übersichtlichere, wuchtig und gut choreografierte Fights stehen auf der Agenda. Neue Themen, innovative Ansätze und eine moderne Geschichte stehen im Mittelpunkt. Sozialkritische Elemente, die bereits in dem zweiten Teil zuvor die Spannung hoch gehalten haben, werden weiter auf die Spitze getrieben.
Regisseur Olivier Masset-Depasse legt ein besonderes Augenmerk auf den Wirtschaftsthriller-Aspekt und verbindet ihn mit gesellschaftskritischen Elementen. Kinderarbeit und prekäre Arbeitsbedingungen der Lohnarbeiter werden kritisch unter die Lupe genommen, während Machthaber und „Wirtschaftsbosse“ skrupellos und gierig ihre Interessen verfolgen. Überraschend eindrücklich ist die Darstellung sozialer Ungleichheit: Während die mächtigen Figuren immer satt und träge wirken, müssen die hungernden Arbeiter unter härtesten Bedingungen schuften. Das ist in seiner Inszenierung zwar wenig subtil, aber wirkungsvoll und verleiht dem Plot einen gewissen Tiefgang.
Neo-Futurismus trifft auf klassische Spannung
Das dritte Abenteuer um Largo Winch fühlt sich wohlwollend heimisch an, jedoch mit einem negativen Beigeschmack. Die Handlung verbleibt eher zweckdienlich und die Figuren austauschbar. In einem Fall bietet Largo Winch: Der Preis des Geldes sogar große Angriffsfläche: Sidekick Bonnie belastet Largo oftmals mit unnötigen Komplikationen und torpediert die Stimmung und Spannung. Doch das legt sich mit der Zeit, denn Regisseur Masset-Depasse inszeniert mit Freude die angehende und stark überzeichnete Whistleblowerin von „nervig zu nützlich“.
Er persifliert die Mediennutzung aus Perspektive des konkret angesprochen „Boomer“-Jahrgangs und findet sich irgendwo in einer Welt zwischen VR-Vorstellungen, medialem Terror und nur durch erneuerbare Energien getriebene Flugzeuge wieder, die unserer Zeit weit voraus scheint und in einer Art vorgestellt werden, die an Tony Stark aus dem Marvel-Universum erinnert. Das Abenteuer wirkt dadurch etwas abstrus und auch durch das Part des Antagonisten total absurd – nur ist dieser sich dessen nie ganz im Klaren. Masset-Depasse probiert diese hanebüchenen Handlungselemente mit geerdeten Themen zu überspielen und kreiert einen Hybriden zwischen Neo-Futurismus und altmodischem Spannungskino.
Ein Antagonist, der den Film trägt!
Dankbar sein dürfen alle Beteiligten hingegen, einen James Franco an Bord zu haben. Seine Figur ist nicht sonderlich originell oder überraschend. Es ist seine Art zu agieren, zu kommunizieren, Taten auszuführen und Präsenz walten zu lassen. Jede Szene strahlt dank seiner Anwesenheit eine bedrohliche Atmosphäre aus, die Largo Winch spürbar beeinträchtigt – und physisch in Action-Sequenzen jedweder Art vor Herausforderungen stellt. Auch Hauptdarsteller Tomer Sisley verkörpert seine Figur weiterhin, als ob er nie den Charakter abgelegt hätte. Sein cleveres Auftreten, seine versierten Skills und der Einsatz für die Menschen funktioniert. Trotzdem stagniert seine Figur und entwickelt sich nicht wirklich weiter.
Obwohl Sisley zu jeder Zeit die Hauptfigur bleibt, merkt man Regisseur Masset-Depasse jedoch an, dass er viel mehr Freude daran hat, den Schurken auszubauen – und das mit einem Verständnis für die Reihe. Simple Rachemotive und generische Handlungsstränge der Vorgänger werden erneut aufgegriffen und gehen weit zu den Anfängen der Figur zurück. Erstaunlich sind dann doch mancherlei Parallelen, die man nicht auf den ersten Blick erkennt. Bekommt Largo 2008 in seinem ersten Teil ein Tattoo, welches Unsterblichkeit symbolisiert, auf den Arm gestochen, verkörpert Franco als Äquivalent eine Figur, die keinerlei Schmerzen empfindet und unaufhaltsam daherkommt. Aus solchen Stärken schöpft der dritte Teil der Reihe die Essenz, die überrascht und Mehrwert bietet. Schade, dass die austauschbare Handlung nicht ganz mithält.

© Capelight Pictures
Unser Fazit zu Largo Winch: Der Preis des Geldes
Auch das dritte Abenteuer muss sich vor der Konkurrenz nicht verstecken. Regisseur Massete-Depasse inszeniert solide ein aufwendiges, visuell schönes und sehr unterhaltsames Abenteuer mit vielen Orten und schön variierten Szenarien. Die Kämpfe sind die besten der Reihe und die Darsteller liefern allesamt ab. Nur kann die Handlung dem nicht standhalten. Zu generisch bleiben die Figuren, zu austauschbar die Spannungssituationen und zu vorhersehbar das Finale. Die Sozialkritik und die Freude an den futuristischen Gimmiks überwiegen sympathisch und es wird Verständnis für die Reihe gezeigt. Doch wenn es zu einem vierten Ableger kommen sollte, dann sollte mehr Zeit in den Kern, die Handlung und Figuren investiert werden, als in alles drumherum.
Largo Winch: Der Preis des Geldes ist ab sofort in Deutschland fürs Heimkino erhältlich.
Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

