John Cena als Hälfte in einer Buddy-Comedy: das hat zuletzt mal mehr, mal weniger geklappt. Und dann soll es in Little Brother nun ausgerechnet mit dem streitbaren Eric Andre klappen… Sind die Bedenken berechtigt oder kann die Netflix-Produktion überraschen?
Darum gehts in Little Brother
Das perfekt inszenierte Leben eines erfolgreichen Immobilienmaklers gerät aus den Fugen, als sein exzentrischer „kleiner Bruder“ unerwartet wieder auftaucht.
John Cena mal als der seriöse Part
In Heads of State hat Wrestling-Star John Cena im vergangenen Jahr quasi den geheimen Traum seines Kollegen Dwayne Johnson leben und den amerikanischen Präsidenten spielen dürfen. Die Actionkomödie war eine wahrlich positive Überraschung unter den Direct-to-Stream-Filmen der jüngeren Vergangenheit, weil die Chemie zwischen Idris Elba und seinem DC-Kollegen (Peacemaker) schlicht der Jackpot war, womit wir direkt beim Stichwort wären. Denn Jackpot mit Cena und Co-Star Awkwafina war zwar keine Vollkatastrophe, aber doch bei weitem nicht die Bühne für Cena, die der Entertainer braucht, um seine Stärken ausspielen zu können. Interessanterweise war er jeweils in den Duos eher derjenige Part, der mit (noch) mehr Exzentrik und Verrücktheit ausgestattet war.
Nun ist in Little Brother quasi umgekehrt, denn in der Konstellation mit Comedian André darf Cena hier tatsächlich die seriösere Hälfte eines Duos mimen. Der Titel jedoch bezieht sich nur in Teilen auf die Cena-André-Kombo, denn einerseits ist die Cena-Figur selbst ein „kleiner Bruder“ von einem noch wesentlich erfolgreicheren Immobilienmogul (Christopher Meloni) und andererseits sind Rudd und Marcus keine echten Brüder, nicht mal Adoptiv-, Halb- oder Stiefgeschwister, sondern nur „Brothers“ auf Basis eines Charity-Projekts – und dass der Kontakt einst abgebrochen ist, hat direkt ersichtliche Gründe…
Eine Standard-Chaos-Komödie
Little Brother ist auf sämtlichen Ebenen eine Komödie, bei der man schon sehr viele Augen zudrücken muss, um anno 2026 noch eine Daseinsberechtigung zu attestieren. Am ehesten verdient sich dieser Netflix-Film wohl dieses Prädikat mittels seinem Star-Cast, mit dem man mit Sicherheit schon mal eine gehörige Anzahl der weltweiten Abonnenten zum Klicken bekommt. Nicht zu Unrecht ist John Cena inzwischen zu einem Everbody’s Darling-Darsteller geworden, hat er doch immer wieder bewiesen, wie man erfolgreich mit dem eigenen Muskelmann-Image kokettiert und mit diesbezüglichen Klischees bravourös spielen kann. Ein Talent, das er mehr mit Kollege Dave Bautista als mit Dwayne Johnson teilt, der bei echt emotionalen Szenen noch immer nicht vollends zu überzeugen weiß, weil man sein poliertes Image nicht aus dem Hinterkopf bekommt.
Aber bleiben wir bei Cena und diesem Film: Per se ist die Grundkonstellation eine ziemlich altbackene, aber eine, die dennoch immer wieder funktionieren kann, weil sie niedrigschwellig das Publikum dort abholen kann, wo es möglicherweise selbst Erfahrungen hat. Es geht in Little Brother schlicht um das Standardthema, ob „echte“ Familie durch Blutsverwandtschaft definiert wird oder ob auch aus einer noch so verqueren Freundschaft etwas vergleichbares erblühen kann.
Und der zweite Part der Handlung fußt auf dem ebenso altbewährten Mechanismus, dass eine familiäre Krise plötzlich erkannt und in der Folge bekämpft wird, wenn ein vermeintlicher Störfaktor – hier eben der chaotische „Bruder“ – auftaucht und unausgesprochene Probleme thematisiert. Mit einer unkonventionellen Art, die Dinge komplett anders einzuordnen, bewirkt ein solcher Anti-Charakter zum Hauptcharakter dann bei diesem in der Regel ein Aufbrechen der Verklemmtheit und ein Loslassen der ureigenen Ängste etc. Ich musste direkt an Bogou mit Gerard Depardieu aus dem Jahr 2006 denken oder an den gleichgearteten Down and Out in Beverly Hills mit Nick Nolte von 1986.
Emotionaler Kern erstickt in Vulgär-Flut
Die denkbar simple Devise könnte auch heutzutage noch funktionieren, ist das Thema Familie erstmal ein zeitloses. Was hingegen der Mode und dem Zeitgeist unterworfen ist, ist der Humor und hieran krankt – zumindest im Geschmack dieses Rezensenten – dieses Machwerk gewaltig. Die Story, wie gesagt, ist extrem vorhersehbar, würde aber damit niemandem auf den Schlips treten, doch wie man ein Vierteljahrhundert nach dem ersten American Pie tatsächlich eine so sinnlos-derbe Buddy-Komödie veröffentlichen kann, ist schon bemerkenswert. Bis zu einem gewissen Punkt ist die schamlose Charakterzeichnung von Marcus (André) ja sogar noch erfrischend und funktioniert als Kontrast zum stocksteifen Karrieristen Rudd. Aber die Schwelle wird derart schnell durch billigste Pippi-Kacke-Witze, antiquierten Fäkalhumor und die unlustigsten Pointen seit Jahren unterminiert, dass man, um hier noch auf seine Kosten zu kommen, schon einen ganz speziellen Humor mitbringen muss.
Ich muss schon zugeben, dass es ein paar Gags gibt, die wiederum so dumm sind, dass man unabhängig vom eigenen humoristischen Anspruch lachen wird, aber im Großen und Ganzen ist Little Brother eine plumpe Aneinanderreihung von Klischees, von Versuchen, irgendwie die Herzen trotzdem zu erweichen und von zahnlosen Kommentaren auf aktuelle Gesellschaftsthemen, die irgendwie auf der Subebene noch mitverhandelt werden sollten.
Zumindest macht sich John Cena sein mühsam erarbeitetes aktuelles Image hier nicht kaputt, weil er noch mit die besten Momente liefert und er nicht derjenige ist, der sich hier zur Lachnummer machen lässt, was man von Christopher Meloni leider nicht behaupten kann. Immerhin kann ein Eric André sein ohnehin schon nicht vorhandenes seriöses Image mit so einer Performance nicht zerstören.
© Netflix
Unser Fazit zu Little Brother
Little Brother ist eine unter allen Gesichtspunkten aus der Zeit gefallene Komödie, die maximal dann funktioniert, wenn man mit dem eigenwilligen Humor von Eric André per se zurecht kommt. Alles andere ist vorhersehbar, plump und im Jahr 2026 fast schon grenzwertig peinlich.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.
