Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus – ein Bild, dass auch auf das Backwood-Subgenre passt: oft bedient, selten wirklich sehenswert. Loop Track wagt sich nun auf diesen Genrepfad. Doch erwartet uns hier auch ein neuer The Ritual – oder ein ganz anderer Weg?
Loop Track – darum gehts
Ian, der am Rande eines Nervenzusammenbruchs steht, verschwindet aus der Welt und geht in der neuseeländischen Wildnis wandern. Seine Bemühungen, anderen Wanderern aus dem Weg zu gehen, erweisen sich als vergeblich, und er wird das Gefühl nicht los, dass er von jemandem oder etwas Unheimlichem belästigt wird. Als Ians Paranoia zunimmt, werden auch die anderen Wanderer zunehmend ihm gegenüber misstrauisch.

Auf bekannten Pfaden…
Die Ausgangslage von Loop Track ist simpel: Im Mittelpunkt steht ein Wanderer, der genug von der Welt hat. Abgeschottet und von der Menschheit isoliert, will er nur noch wandern – und sein eigener Herr sein. Doch dann trifft er auf eine Wandertruppe und spürt zunehmend, dass er beobachtet und verfolgt wird. Klingt zunächst vertraut, fast schon wie eine beliebige Genrevariation des Backwood-Genres. Aber nein: Hauptdarsteller und Regiedebütant Thomas Sainsbury überrascht früh mit einem cleveren Twist. Denn die Hauptfigur Ian leidet unter Angststörungen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten – oder gar mit ihnen zu reden. Der Streifen entfaltet in den ersten 50 Minuten mit angezogenem Tempo den eigentlichen Horror des Films: Sainsbury konfrontiert seine Hauptfigur mit sozialem Horror und verlagert die Handlung auf die Ebene eines Psychothrillers. Dadurch entstehen gelungene Momente zwischen den Wanderern – sei es in klassischen Hüttengesprächen oder Alltagssituationen –, die Ian zunehmend belasten und ihn sichtlich an den Rand des Wahnsinns treiben.
…mit unerwarteten Wendungen
Dieser Wahnsinn überträgt sich auch auf die gesamte Wandertruppe: Dreht Ian vollkommen durch? Gibt es tatsächlich ein Wesen, das im Wald hinter den Bäumen lauert – oder steckt sogar ein Mörder unter ihnen? Sainsbury legt clever Fährten, spielt gekonnt mit den Genreerwartungen und behandelt Szenario wie Figuren mit überraschender Bedacht. Bekannte Motive fügt er zu einem stimmigen Mix zusammen – nur um gegen Ende unerwartet direkt auf den Punkt zu kommen. In den letzten 25 Minuten überrascht Loop Track mit seinen Entscheidungen und führt das Publikum reihenweise an der Nase herum. Wenn schließlich der Vorhang fällt, entpuppt sich die vermeintliche The Ritual-Kopie eher als low budget Jurassic Park-Ersatz – allerdings auf eine Art, die anders verläuft, als man nach dieser Beschreibung erwarten würde.
Mehr Vision als Mittel
Diese cleveren Kniffe wirken auf dem Papier jedoch überzeugender als in der Umsetzung. Loop Track leidet offenkundig unter dem schmalen Budget – visuell ebenso wie bei den Darstellern. Gerade an Sainsburys Schauspiel vor der Kamera muss man sich erst gewöhnen und besonders der Einstieg wirkt holprig. Der Nebencast erfüllt zwar seinen Zweck, doch vor allem Hayden J. Weals überdrehte Art und Tawanda Manyimos emotionale Bandbreite kommen im letzten Drittel unerwartet solide zum Tragen – und retten Loop Track.

Doch als Regisseur überzeugt Sainsbury deutlich mehr: Er macht den Wald zu einem eigenen Charakter, setzt immer wieder auf atmosphärische Panoramen und auf bedrängende Szenen im Dickicht, die Spannung und Sog entfalten. Vor allem im letzten Akt dreht er mutig auf, wird brutaler und direkter. Denn Loop Track funktioniert am besten in den Momenten, in denen alles um die Menschen herum im Mittelpunkt steht; indem Atmosphäre, Schauplätze und Szenenaufbau starke Ansätze liefern, die von der Darstellerriege allerdings nicht ganz eingehalten werden können. Und doch: Was der Film nach den ersten 50 Minuten an Ereignissen auf die Zuschauer loslässt, ist mehr als sehenswert.
© Lighthouse Film
Unser Fazit zu Loop Track
Tom Sainsbury gelingt mit Loop Track ein atmosphärischer und erstaunlich effektiver Backwood-Genrebeitrag. Überraschend unkonventionell entfesselt der Film ein Spiel mit dem Grauen – sowohl auf psychologischer als auch auf physischer Ebene. Diese Mischung trägt selbst die langatmige erste Stunde und mündet in einen unterhaltsamen Höhepunkt. Trotz erkennbarer Leidenschaft für praktische Effekte und ambitionierten Einsatz vor wie hinter der Kamera mangelt es Sainsburys Debüt an nötiger Glaubwürdigkeit – und das bringt den Beitrag um sein noch größeres Potenzial.
Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

