Das augenscheinliche Vorbild John Wick hat inzwischen eine Spin-Off-Serie und einen -Film (Ballerina) spendiert bekommen. Da muss Kill Boksoon natürlich nachziehen – und tut das mit Mantis. Doch ist auch diese Welt interessant genug, um in die Breite zu wachsen?
Darum geht’s in Mantis
Ein Meisterkiller kehrt nach seinem Urlaub in Welt der Auftragsmorde zurück, die mittlerweile in sich zusammengebrochen ist. In dieser anarchischen Welt begegnet Mantis Jae-yi, seiner Rivalin, die mit ihm trainiert, und Dokgo, einem legendären Killer im Ruhestand. Ihm wird klar, dass sie alle es unter den Auftragsmörder*innen an die Spitze schaffen wollen.

Rasante Korea-Action mit Witz
Das Spin-Off des Actionfilms von 2023 verhält sich hierzu tatsächlich fast genau wie Ballerina zu John Wick. Auch hier ist die eigentliche Franchise-Hauptfigur nur ein Mythos im Hintergrund und eine vormalige Nebenfigur, die man kaum auf dem Schirm hatte, rückt in die erste Reihe. Und während in der John Wick-Reihe zwar immer wieder ein leicht schwarzhumoriger Unterton einfließt, ist in Mantis wie im Hauptfilm Kill Boksoon doch ein bisschen mehr Witz zu finden, weil man etwas offensiver damit zu spielen bereit ist, wie abstrus doch die Regeln in dieser Art von Killer-Paralleluninversum eigentlich sind. Schon im 2023er Streifen gab es hierdurch ein paar urkomische Momente und dem steht das Spin-Off nun in nichts nach: Immer wieder wird das Regelwerk so gedehnt, gedreht und gewendet, wie man es gerade braucht. Wirklich in Gänze zu kapieren, scheinen selbst die Profikiller ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten nicht.
Das führt aber im Vergleich zu John Wick, wo man zwar auch immer wieder das Gefühl hat, Regeln werden aus dem Hut gezaubert oder künstlich aufgeplustert, um der Continental-Welt etwas comicartig-fremdes einzuimpfen, in diesem Fall dazu, dass man nicht ganz so gut in diesen Kosmos reinfindet. World Building war zwar in Kill Boksoon schon vorhanden und stimmig, aber das Spin-Off fügt dem keine weiteren Ebenen, Erklärungen oder Expansionen hinzu, sodass es sich wirklich nur wie ein Anhängsel anfühlt – zumindest auf der inhaltlichen Ebene.
Gewohnt stylisch und kurzweilig
Denn man kann zwar hier die Story mehr oder minder in der Pfeife rauchen, weil es schlicht zu viele Killer-Mikrokosmen inzwischen in der Filmwelt gibt, die einerseits sich gleichen wie ein Ei dem anderen und andererseits alle zu sehr bemüht sind, sich mit dem großen Vorbild John Wick zu messen. Doch schaut man Mantis wegen der Schauwerte, dann wird man wie schon beim Hauptfilm auf seine Kosten kommen.
Die Südkoreaner wissen einfach, wie man Martial-Arts-Action mit gehörig Drive und visuell ansprechend inszeniert – und dabei immer ihren speziellen Stil in Bezug auf die leichte Melodramatik beizubehalten. Schon der erste Kampf wird schön dynamisch fotografiert, die Locations sind im Verlauf abwechslungsreich und beim Einsatz von allerlei Waffengattungen nimmt man sich auch einige Freiheiten. Das Ganze trägt man in etwa 100 Minuten rasant vor, wobei nach dem starken Auftakt eine knappe halbe Stunde auf der Stelle getreten wird, um das emotionale Fundament der Story zu legen, was sich dann auch im Fortgang gut bezahlt macht.

Denn auch wenn die Geschichte nicht wirklich mit Innovation zu glänzen vermag, so ist der Aspekt mit den Rivalitäten zwischen den verschiedenen Killer-Firmen, die in ein Machtvakuum stoßen wollen, wobei mehr und mehr auch persönliche Beziehungen in Mitleidenschaft gezogen werden, schon gut gemacht. Das liegt dann zuvorderst an den engagierten Darbietungen von Yim Si-wan und Park Gyuyoung und ihrer komplizierten Figurendynamik. Trotzdem fehlt dem Spin-Off die Gravitas der Titelfigur aus dem Erstling spürbar.
© Netflix
Unser Fazit zu Mantis
Mantis ist ein solides Spin-Off zu einem überaus gelungenen John-Wick-Rip-Off, dem eindeutig die Sympathieträgerin Boksoon fehlt. Das kann man zwar mit einigen ordentlichen Action-Sequenzen und einem funktionierenden emotionalen Kern kaschieren, aber letztlich kommt man nicht an die Stärken des Hauptfilms ran. Unterhaltsam und packend ist aber das Spin-Off allemal, sodass man als Fan des Originals schon seinen Spaß hat.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

