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    Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang

    Christian Willach (Chrischi)von Christian Willach (Chrischi)21. August 2020Keine Kommentare8 min Lesezeit
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    Auf dem Bild sieht man die karge Ödnis in der Ned Kelly aufgewachsen ist. Aus trockener Erde ragen kahle Bäume heraus. Ned Kelly steht links im Bild mit verschränkten Händen. Auf der rechten Seite steht Neds Familie, die die aufgebrachte Mutter Kelly zurückzuhalten versuchen.
    Die Kelly Gang in Aufruhr in der kargen Landschaft © Koch Films
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    Unbedeutender Gesetzloser oder ein neuzeitlicher Robin Hood und Volksheld? Basierend auf dem Roman von Peter Carey erzählt Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang von der australischen Nationallegende Ned Kelly. Ob Justin Kurzel seinen True-Crime-Film mit namenhaften Cast anschaulich wie packend inszeniert bekommen hat, erfahrt ihr hier!

    [su_youtube URL=“https://www.youtube.com/watch?v=zRHlK45b8EI“]

    Das deutsche Blu-ray Cover zu "Outlaws - Die wahre Geschichte der Kelly Gang" ist rechtsseitig in einem knalligen orange gehalten auf dem die Darsteller aufgelistet sind. Der beige Schriftzug "Outlaws" ragt von links nach rechts über das untere Drittel des Covers. Die linke Seite zeigt die verschiedenen Darsteller, unter anderem Russell Crowe mit einer Feuerwaffe in der rechte Hand.
    Das deutsche Blu-ray Cover zu „Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang“ © Koch Films

    Worum geht es in Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang?

    Australien im Jahr 1867: Als Nachkomme irischer Strafgefangener lebt Edward „Ned“ Kelly mit seiner Familie in ärmlichen Verhältnissen mitten in der kargen Ödnis. Jahre später ist Ned herangewachsen und befindet sich aufgrund verschiedener Konflikte mit den Behörden auf der Flucht. Mit seiner Bande, den „Söhnen der Schande“, raubt er Banken aus und widersetzt sich der britischen Kolonialmacht, bis die Situation eskaliert. Ist Ned Kelly nur ein gemeingefährlicher Verbrecher, oder der größte Volksheld der australischen Geschichte?

    Nichts von dem, was sie sehen, ist wahr

    In der Eröffnungsszene von Outlaws – die wahre Geschichte der Kelly Gang reitet eine Person in einem roten Kleid zu Pferd über eine trockene Ebene mit kahlen Bäumen, die wie Knochen aus dem Boden ragen. Über ein Voice-Over hören wir den Titelhelden, der seine Geschichte gerade niederschreibt. Adressiert an sein Kind, erzählt dieser, dass sein „Kind“ nicht alles glauben soll, was man über seinen Vater sagt. Diese Erzählform stellt den Rahmen der Verfilmung dar, die auf dem Roman von Peter Carey basiert und von Drehbuchautor Shaun Grant adaptiert wurde.

    „Nothing you’re about to see is true / true history of the Kelly Gang“

    Diese Worte erscheinen noch vor der ersten Szene von Outlaws – die wahre Geschichte der Kelly Gang. Carey vermischt in seiner Vorlage Fakten und Fiktionen vollkommen frei. Was nun der Wahrheit entspricht, klärt auch eine ausgiebige Recherche bei Google nicht ganz. Fest steht, dass der Outlaw zu den größten Legenden von Down Under zählt. Darüber hinaus diente Ned Kelly bereits als Inspiration für eine Reihe von Darstellungen in den verschiedensten Medien. Outlaws – die wahre Geschichte der Kelly Gang stellt bereits die vierte Verfilmung mit Ned Kelly im Zentrum der Handlung dar: 1906 entstand die erste Verfilmung, welche mit ca. 70 Minuten der erste Langspielfilm der Welt war, 1970 spielte sogar Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger den Outlaw. 2003 folgte mit Gesetzlos – Die Geschichte des Ned Kelly ein weiterer Spielfilm mit Heath Ledger, Orlando Bloom, Naomi Watts und Geoffrey Rush.

    In "Outlaws - Die wahre Geschichte der Kelly Gang" spielt Charlie Hunnam Sgt. O'Neill, der hier in seiner dunkelblauen Uniform vor einem gelblichen Gebäude sitzt, welches wie ein Container wirkt. Er hält in seinen Armen einen weißen Hund und blickt sorgenvoll nach rechts.
    Charlie Hunnam spielt in „Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang“ Sergeant O’Neill © Koch Films

    Schleppende Handlung gegen herausragende Optik

    Die Geschichte des abtrünnigen Helden wird häufig mit Robin Hood verglichen, aber Regisseur Justin Kurzels (Assassin‘s Creed) Verfilmung erinnert viel mehr an einen Western über beispielsweise Jesse James. Outlaws – die wahre Geschichte der Kelly Gang verzichtet auf witzige Oneliner oder auf Popmusik während der Kampfhandlungen. Stattdessen setzt Kurzel darauf, relativ sachlich die raue Geschichte eines einfachen Mannes zu erzählen. Dabei urteilt der Film nicht, ob Kelly ein Held oder Verbrecher war, sondern zeigt, weswegen die australische Legende den Weg des Bushrangers eingeschlagen hat.

    Kameramann Ari Wegner kann immer wieder eindrucksvolle Bilder von der Landschaft einfangen und  setzt die Charaktere optimal in Szene. Immer wieder hält die Kamera auf Ned Kellys Gesicht, während er sein Ziel verfolgt oder in Gedanken verloren ist. Einige Aufnahmen werden durch stroboskopische Effekte enorm intensiviert, so sehr, dass es anstrengend wird, noch hinzusehen. Ein weniger anstrengendes, aber nicht weniger intensives Erlebnis vermittelt der Score, der die nicht gerade subtilen Gewaltspitzen auf ein packendes Niveau hebt. Für den Score verantwortlich zeichnet Kurzels Bruder Jed und ließ, neben den packenden Klängen und vielen Folklore-Einlagen, auch einige anarchistisch anmutende Punksongs erklingen, die dem Film ein modernes revolutionäres Gefühl verleihen.

    Outlaws – die wahre Geschichte der Kelly Gang wird unterteilt in drei Akte: Junge, Mann und Wächter. Während die ersten beiden Akte enorm ruhig erzählt werden, erhöht sich im dritten ein wenig das Tempo. Dennoch nimmt die Handlung nie genügend Fahrt auf, als dass die Biografie zu fesseln vermag, sie wirkt zuweilen schwer zugänglich. Auch wenn es ein paar Überfälle bis hierhin zu sehen gab, war die Vorstellung vom Robin Hood der australischen Geschichte anders. Dennoch ist der True-Crime-Film definitiv kein schlechtes Werk, denn neben einer starken Optik, weiß speziell der Cast einiges aus seinen Figuren herauszuholen.

    George MacKay verkörpert die Hauptfigur von "Outlaws - Die wahre Geschichte der Kelly Gang" Ned Kelly. MacKay steht breitschultrig mit freiem und gestählten Oberkörper vor einer britischen Flagge, die an einer Wand hängt.Sein Blick trifft den Betrachter und ist durchdringend.
    George MacKay verkörpert Ned Kelly © Koch Films

    Der Shy Guy wird zur Kampfmaschine

    Nach dem Voice-Over zu Beginn übernimmt MacKay erst im zweiten Akt von Outlaws – die wahre Geschichte der Kelly Gang die Rolle von Ned Kelly und macht als Boxer für die elitäre Gesellschaft eine gute Figur. Besonders beeindruckt er zunächst mit seinem imposanten Erscheinungsbild, das vor Kraft nur so strotzt. Neben dieser Transformation lebt seine Figur von der Intensität und Ausstrahlung seines wahnsinnigen Spiels, welches sehr laut und selbstsicher erscheint. Diese Charakterzüge sind insofern auffällig, als seine vorherigen Auftritte eher ruhig und zurückhaltend waren wie in Captain Fantastic und 1917. Nun mag Ned Kelly den Eindruck eines ungehobelten Proleten hervorrufen, aber in vielen Momenten dringt auch eine Verwundbarkeit durch, die durch Ari Wengers Einstellungen und MacKays Mimik gut zum Vorschein kommen. In diesen Augenblicken kann wieder der Junge aus dem ersten Akt erkannt werden, den der junge Orlando Schwerdt sehr gut darstellt.

    Einerseits stets bemüht, seiner Mutter zu gefallen, zeigt sich an Ned wiederholt eine sensible und verletzliche Seite. Dieses Wechselbad der Gefühle und den rebellischen Impuls erhält Ned von Mutter Ellen Kelly, welche von Justin Kurzels Ehefrau Essie Davis (Der Babadook) besonders stark dargestellt wird. Als Ned die Chance bekommt, auf ein Internat zu gehen, lehnt sie dies in ihrer obszönen Art ab, verkauft ihren Sohn aber wenig später an den Bushranger Harry, der ihn „zu einem Mann machen“ soll. Es ist ein Beispiel für das Verhältnis von Mutter und Sohn, welches ständig zwischen liebevoller Mutter-Kind-Beziehung und beinahe hasserfüllten Vorwürfen variiert.

    Nicholas Hoult spielt in "Outlaws - Die wahre Geschichte der Kelly Gang" den fiesen Constable Fitzpatrick, der hier eine Waffe auf ein Baby richtet. Er hält dabei das Baby auf dem Arm, während er dessen Mutter (Thomasin McKenzie) gegenübersteht.
    Nicholas Hoult spielt den fiesen Constable Fitzpatrick © Koch Films

    Ein Cast, der den Film sehenswert macht

    Bei einem der Boxkämpfe Ned Kellys befindet sich unter den vornehmen Leuten Constable Fitzpatrick, den Nicholas Hoult (Mad Max: Fury Road) mimt. Hoult als Vertreter des Gesetzes bietet ebenso wie MacKay ein etwas ungewohntes Charakterbild ab, denn noch nie hat er einen so unsympathischen Charakter gespielt. Als skrupelloser Constable stellt er den Inbegriff von fies und intrigant dar. Dabei steht sein Charakter sinnbildlich für das Verhalten der englischen Autorität, die Kelly mit seiner Bande bekämpft. Die offenkundige Verachtung für seine Umgebung bringt er deutlich zum Ausdruck. Hoult ist einer der vielen namenhaften Darsteller in Outlaws – die wahre Geschichte der Kelly Gang, die leider nicht ausgiebig Screentime erhalten. Dennoch zeigen alle Mitglieder des Cast sehr ansprechende Leistungen und warum diese einen so hohen Bekanntheitsgrad besitzen.

    Charlie Hunnam (The Gentlemen) als Gesetzeshüter Sergeant O’Neill, der sich häufig von Mutter Kelly sexuell bedienen lässt, hinterlässt mit einem eher zurückhaltenden Spiel einen bleibenden Eindruck. Leider kommt er, ebenso wie Russell Crowe (The Nice Guys) als der wild erscheinende Bushranger Harry Power, viel zu kurz. Der beinahe kolossal wirkende Crowe schafft es dennoch, seinen Szenen genügend Impuls zu verleihen, wobei besonders das Zusammenspiel mit Hunnam sehr gut funktioniert. Die aufstrebende Thomasin McKenzie (Jojo Rabbit) spielt die kindlich anmutende und schüchterne Mary, die im lokalen Bordell arbeitet und dort mit ihrem Baby lebt. Obwohl ihre Figur selten Augenblicke bekommt, weiß sie die wenige Zeit zu nutzen und ihr Potenzial zu präsentieren.

    In "Outlaws - Die wahre Geschichte der Kelly Gang" spielt Russell Crowe den berüchtigten Bushranger Harry Power. Auf dem Bild steht er in einer verschneiten Landschaft, im Hintergrund sind Bäume zu sehen. Crowe trägt längeres Haar und einen grauen Rauschebart. Er hält in der rechten Hand eine Feuerwaffe mit langen Lauf und richtet diese auf jemanden außerhalb des Bildes.
    Russell Crowe spielt den berüchtigten Bushranger Harry Power © Koch Films

    Unser Fazit zu Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang

    Outlaws – die wahre Geschichte der Kelly Gang ist eine weitere Nacherzählung der Legende um den Bushranger Ned Kelly, der hier grandios von George MacKay dargestellt wird. Der True-Crime-Film von Justin Kurzel fesselt allerdings zu wenig, als dass er über die gesamte Laufzeit unterhält. Worauf sich der Film verlassen kann, sind die optisch herausragenden Aufnahmen von Kameramann Ari Wenger und sein wirklich stark aufgelegter Cast. Alleine diese beiden Faktoren machen Outlaws – die wahre Geschichte der Kelly Gang schon sehenswert. Neben MacKay spielen Russell Crowe, Nicholas Hoult und Charlie Hunnam sowie Thomasin McKenzie und Essie Davis ebenfalls sehr ansprechend und wissen selbst mit der wenig vorhandenen Screentime durch sehr gute Leistungen zu überzeugen.

    Outlaws – die wahre Geschichte der Kelly Gang erscheint ab dem 20.08.2020 auf DVD, Blu-ray und als Download.


    © Koch Films

    Christian Willach (Chrischi)

    Von seinem Kennenlernen mit dem Mauswanderer in einem Land vor unserer Zeit über seinen ersten Kinobesuch mit der rothaarigen Meerjungfrau, hat sich bis heute eines nie geändert: Die Film- und Fernsehwelt ist ein fester Bestandteil von Chrischi. Das steht nicht immer ganz im Einklang mit seiner hauptberuflichen Beschäftigung im öffentlichen Dienst, doch ein Blick in Chrischis „Cave“ mit inzwischen weit über 3.000 Medienträgern und einigen schicken Sondereditionen offenbart seine eigentliche Berufung. Auf der Suche nach Gleichgesinnten fand er schließlich Ende 2019 zu Filmtoast und ist seitdem fleißig am texten und quatschen im Zeichen des Toasts. So mancher Psychologe würde vermutlich beim Anblick auf Chrischis Filmauswahl mit der Stirn runzeln, doch fühlt sich Chrischi eben in nahezu jedem Genre wohl; außer vielleicht Horror. Seine Favoriten: Warrior, Kingsman, Lucky Number Slevin und Ratatouille sowie Filme von Nolan, Villeneuve, Anderson (Wes!) bzw. mit Robin Williams oder Kevin Costner (beide werten für ihn jeden Film auf). Sein Guilty Pleasure: Howard the Duck.

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