Kein Jahr ohne Stephen King in TV und Kino. Auch 2025 gibt es mehrere King-Verfilmungen, unter anderem die Kinofassung von The Monkey. Wie ist die Kurzgeschichte diesmal adaptiert worden?

The Monkey – Darum geht’s
Wann immer ihr Spielzeugaffe seine Trommelstäbe schwingt, kommt es im Umfeld der Zwillingsbrüder Hal und Bill zu den absurdesten Todesfällen. Um eine Katastrophe zu verhindern, schmeißen die beiden ihn kurzerhand weg. Als es Jahre später erneut zu rätselhaften Toden kommt, müssen sich die seither zerstrittenen Brüder (beide Theo James, „The White Lotus“) zusammenraufen, um den verfluchten Affen aufzuspüren und endgültig zur Strecke zu bringen.
Der diesjährige „Der gruseligste Film des Jahres“?
Horror-Regisseur Osgood Perkins hat mit seinem letzten Film Longlegs sein Schema beeindruckend ausspielen können. Nicht nur ist Maika Monroe nach It Follows eine perfekte Wahl, auch die atmosphärische Kameraarbeit, überzeugte. Doch vor allem vertraute er dafür auf eine simple, aber effektive Zutat: Nicolas Cage. Ein düsterer Serienkiller-Thriller mit prägenden Horror-Elementen wurde in einer frischen Stilabwandlung eines Sieben um seine Figur herumentwickelt – und das gelang bis in das Finale hinein richtig gut. Knapp ein Jahr später nun sein neues Werk: The Monkey, eine Adaption einer berühmten Kurzgeschichte von King. Mit Theo James, Adam Scott und Elijah Wood gut und prominent besetzt, geht es dieses mal jedoch nicht um die Fahndung eines langbeinigen Mörders, sondern um den Spuk eines Spielzeugaffen, der ordentlich auf die Trommel haut. Klingt skurril und absurd, ist es auch – nur leider nicht gruselig.
Zwischen Schrecken und Schmunzeln
The Monkey brilliert dabei vor allem durch allbekannte Stärken des Regisseurs: Visuelle Vielfalt, ausgewogene Bildkompositionen, körniger Look. Perkins inszeniert weiterhin seine Filme als Reminiszenz auf vergangene Tage. Altmodisch, unaufgeregt und entschleunigt. Nur trifft seine inszenatorische Kompetenz bereits mit den ersten Sequenzen auf Gegenwind. Hinter der Adaption versteckt sich nämlich eine äußerst moderne Horrorkomödie im Spalier zwischen schwarzhumoriger Komik und atmosphärisch ausgereiften Horror-Einfällen. Nur geht dieser Versuch nicht komplett auf. Er ist zwar immer wieder richtig gut, wenn entweder der Horror das Konzept dominiert oder lediglich die guten Aspekte der Humoreinflüsse. Vermengt Perkins beides, kommt er wie so viele Horror-Comedys ins Straucheln.
The Monkey besitzt dabei große Freude an beiden Genrebestandteilen gleichermaßen, die einen eigenständigen Film für sich verdient hätten. Mangels eines klaren Bekenntnisses zu einer der beiden Seiten bleibt er stets zwischen den Stühlen hängen. Er schafft durch das skurrile und wahnwitzige Konzept immer wieder große Lacher und angenehm dosierten Grusel – nur entfaltet sich der Horror nie wirklich gut, weil Perkins immer wieder ernste Momente mit Lachern torpediert und in rasanter Form das Gaspedal betätigt, womit die Behutsamkeit aus Longlegs gänzlich verloren geht. Dadurch ziehen ebenjene Szenen, zwischen Faszination und verpasster Chancen, rauschartig am Publikum vorbei.
Final Destin(Ape)tion
Perkins schafft es jedoch seine Zuschauer durch bekannte Tropes in die Handlung reinzuziehen. Der regungslose und dämonisch anmutende Spielzeugaffe wird mit Leidenschaft und Hingabe in Szene gesetzt und gut für die Atmosphäre genutzt: Jeder einzelne Trommelschlag kann ein Leben beenden oder es zur Hölle machen. Auf Grundlage der „Anschläge“ des Spielzeugs lassen sich Vergleiche mit anderen Reihen nicht aus dem Kopf schlagen. Mehrfach erwischt man sich dabei, ans Final Destination-Franchise zu denken. Perkins spielt die Parallelen aus, integriert Hommagen in einem neuen Stil, aber verfolgt das selbe Ziel. Altbekannte Fragen ploppen auf: Wie, wann und wen trifft es als erstes? Wer ist das nächste Opfer und wie werden auf seltsame und kreativene Wege die Opfer heimgesucht? The Monkey zieht in dieser Form große Lacher und Begeisterung auf sich, wenn obszöne Absurditäten in cleverem Aufbau münden. Ganz ausgereizt wird das Schema jedoch nicht.
Perkins „Reminiszenz-Kino“ droht nämlich auch durch den Einsatz digitaler Technik an den eigenen Erwartungen zu zerbrechen. Denn die Tode sind zu unsauber inszeniert, zu zurückhaltend und zu künstlich. Arbeitet er in vielen Szenen noch mit praktischen Blutbeuteln und Attrappen von Körperteilen und Wunden, werden die Tode in anderen Momenten durch digitale Effekte verlebendigt. Und denen sieht man ihr geringes Budget an. Die Kreativität bei den verspielt inszenierten Toden wird angenehm ausgereizt – im Rahmen dessen, was die FSK-16-Barriere noch zulässt. Sowohl der Humor als auch die Basis des Stoffes wären eindeutig auf ein älteres Publikum zugeschnitten, welches mit dem anspruchsvollen Humor und den derben Zwischensequenzen mehr anzufangen wüsste.
Ich bin mal kurz Zigaretten holen
Ein Aspekt gelingt jedoch meisterhaft: Das Einbinden der Figuren in die angenehm turbulente Handlung. Nicht nur sind die Kinder, die einen spannenden Part einnehmen, richtig gut von Christian Convery in einer Doppelrolle gespielt, auch werden sie von Theo James, ebenfalls in einer Doppelrolle, noch übertrumpft, der seinen Karrierehöhepunkt zu suchen scheint. Mit Erfolg, denn The Monkey ist bis in die letzte Nebenrolle charismatisch besetzt, auch wenn sowohl Elijah Wood und Adam Scott eher nur Cameo-Auftritte vergönnt sind. Laut auflachen lassen diese einen dennoch. Im Auftritt von Wood persifliert Perkins nebenbei den American Dream und schafft – wenig subtile -, aber umso lustigere Parallelen zu fehlenden Kompetenzen amerikanischer Bürger in Positionen, die in das öffentliche Leben eingreifen und wichtige Jobs bekleiden.
Fast im überdrehten Tim Burton-Stil – blass geschminkte Akteure, Überreaktionen und Einführungen von „Jumpscares“ akzentuiert – kreiert Perkins Szenen mit Nachhaltigkeit. Auch dadurch gefällt die Figurenarbeit. Alle Charaktere folgen schrulligen und verwirrenden Ideen querbeet durch die Genres, die in The Monkey kulminieren und eine eigene Mixtur zwischen „gut geklaut“ und „clever weitergesponnen“ ausfüllen. Halloween Ends-Hauptdarsteller Rohan Campbell ergänzt dabei das gelungene, sehr absurde Familiengebilde zwischen James Doppelrolle, dem Vater Scott, den wegsterbenden Verwandten und dem Filmsohn Colin O‘Brian hervorragend. Letzterer beeindruckt mit tiefblickendem Humor und reißt dank hervorragender Komik seine Szenen an sich. Diese Momente sind mitunter die besten des gesamten Filmes.

© Plaion Pictures
Unser Fazit zu The Monkey
Mit den Worten „tut es eigentlich weh wenn du denkst“ trifft The Monkey ausgesprochen gut seinen Tonfall. Man lacht gleichermaßen, wie man keinen Gedanken über die Sinnhaftigkeit verlieren darf. In dieser Form offenbart der Thriller früh eine große Stärke - aber auch eine erhebliche Schwäche: Die Idee ist unterkomplexe, gar schwachsinnig erzählt, doch durch das Drama zwischen den Figuren als unnötig zähes Beiwerk wird die Kurzweiligkeit komplett untergraben. Nach Gretel & Hansel und Longlegs zeigt sich erneut: Perkins geht ein funktionales Ende ab. Seine Schlusssequenzen folgen nunmehr keiner Klimax, sie enden abrupt und undurchdacht. Das Finale bleibt erneut ereignislos, durch schlechte CGI-Effekte geprägt und ohne richtigen Höhepunkt. Der Streifen landet am Ende irgendwo zwischen affig und affenstark, während der Kern der Kurzgeschichte Kings durch tollen Humor und absurder Komik gelungen aufgebläht wird. Für 98 Minuten gibt er trotzdem leider zu wenig her, zumal ihm auf der Zielgeraden noch die Puste ausgeht.
Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

