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Liam Hemsworth ist wütend in Killerman

Killerman

Mit Killerman schickt Regisseur und Autor Malik Bader seinen Star Liam Hemsworth als Gangster ohne Erinnerung auf einen düsteren Rache-Trip. Ob der Thriller sich als so mitreißend wie brutal erweist, erfahrt ihr hier!

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TitelKillerman
Jahr2019
LandUSA
RegieMalik Bader
DrehbuchMalik Bader
GenreAction, Thriller
DarstellerLiam Hemsworth, Emory Cohen, Zlatko Buric, Diane Guerrero
Länge112 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
VerleihCapelight Pictures
Liam Hemsworth droht mit dem Revolver auf dem Killerman Cover
Das BD-Cover von Killerman © Capelight Pictures

Darum geht’s in Killerman

Der Kleinkriminelle Moe (Liam Hemsworth) verdient sich seinen Lebensunterhalt damit, Geld gegen Gold zu tauschen. Zusammen mit seinem Kumpel Skunk (Emory Cohen) wäscht er so die Gewinne von dessen Onkel Perico (Zlatko Buric). Als Skunk seine Chance wittert, einen lukrativen Kokain-Deal durchzuziehen, holt er Moe mit ins Boot. Doch dann läuft so ziemlich alles schief. Der Deal ist ein Hinterhalt, und der während der Flucht verletzte Moe verliert sein Gedächtnis. Von nun an sitzen ihnen korrupte Bullen im Nacken, genau wie Perico, der will, dass sie aus der Stadt verschwinden. Als Moe mit ansehen muss, wie seine schwangere Freundin Lola (Diane Guerrero) angeschossen wird und das Kind verliert, dreht er den Spieß um und begibt sich auf die Jagd…

Wer bin ich und was schert mich das?

Malik Bader (Street Thief) schuf mit Killerman einen düsteren Gangster-Thriller, der grundlegende Probleme mit der eigenen Prämisse hat. Denn Moes Amnesie hat kaum Auswirkungen auf die Entwicklung der Geschichte. Im Gegenteil, man fragt sich im Folgenden ernsthaft, warum er unbeirrt den Weg an der Seite seines Freundes weitergeht. Dies ist ein konzeptionelles Problem in Baders Erzählweise. Zuerst einmal erscheint einen der kleine Gangster furchtbar naiv. Und einige Film-Minuten später denkt sowieso kaum noch jemand daran. Drogenboss Perico weist sie an, die Stadt zu verlassen. Natürlich jagen die korrupten Cops dem Geld und den Drogen hinterher, wobei Lola ins Kreuzfeuer gerät. Tatsächlich spielt der Umstand, dass die Hauptfigur sein Gedächtnis verloren hat, auch erst sehr viel später eine bedeutende Rolle.

Die Auflösung ist schließlich auch gut gelungen, und das bedrückende Ende gestaltet sich überraschend konsequent. Allerdings ist der Weg dorthin steinig und lang. Es gibt nicht viel an den Charakteren, das sie in irgendeiner Weise sympathisch dastehen lässt. Die Schicksalsschläge, die Moe widerfahren, nimmt man als Zuschauer eher zur Notiz, anstatt mit ihm mitzufühlen.

Ein knuffiger Anti-Held

Hier macht sich dann das Casting von Liam Hemsworth bezahlt, der aufgrund seines knuffigen Looks und seiner Art etwas Charisma mit einbringen kann. Man sieht im einfach an, dass er kein böser Mensch ist. Das ist aber kein adäquater Ersatz für eine ordentliche Figurenzeichnung, und es fehlt trotzdem die emotionale Bindung zum Zuschauer.  Selbst als Diane Guerrero als schwangere Lola angeschossen wird, quittiert man das eher mit einem Schulterzucken. Man kennt ihre Figur zu diesem Zeitpunkt keine fünf Minuten.

Wenn Moe sich dann wenig zimperlich auf seinen Rachefeldzug begibt, herrscht immer noch eine Distanz zwischen ihm und dem Zuschauer. Bader versucht sein Möglichstes, hier noch ein wenig Abhilfe zu schaffen, indem er etwa Emory Cohen als Kumpel Skunk leiden lässt. Doch letztlich scheint dies zu spät und zu wenig.

Liam Hemsworth posiert in Killerman
Liam Hemsworth eignet sich gut als Poster-Boy © Capelight Pictures

Killerman macht seinem Namen alle Ehre

Die Gewalt in Killerman ist hart und dreckig. Allerdings wird sie sehr bedächtig über den Film verteilt. Diese Zurückhaltung soll wohl die Wirkung der plötzlichen Ausbrüche steigern. Allerdings unterlässt es Bader dann häufig dabei, sie voll auszuspielen. Die härtesten Sachen überlässt er der Fantasie der Zuschauer, in dem er geschickt abblendet. Das ist ein legitimes Mittel, welches sich häufig als weit effektiver als jeder krasse Gore-Effekt erweist. Doch in diesem Fall ist man immer viel zu weit weg von den Gefühlen der Figuren. Die Angst, die Wut, die einsetzende Raserei ist zwar nachvollziehbar, erzeugt aber weder Sog noch Nachhall. Man nimmt es halt zur Kenntnis. Wenn man sieht, wie unser Anti-Held Feuer legt und Gangster ermordet, geht man im Kopf eher noch einen Schritt weiter zurück von ihm.

Vielleicht hätte es Geschichte und Film gut getan, den sich ausbreitenden Wahnsinn zu thematisieren. Stattdessen ordnet sich die Dramaturgie einer kurzen und zugegebenermaßen guten Pointe am Ende unter.

Liam Hemsworth bedroht einen Mann am Boden mit dem Revolver in Killerman
Doch der nett dreinblickende Bursche kann auch anders! © Capelight Pictures

Schwingungen aus Europa und den 90ern

Trotzdem bekommt man eine Ahnung davon, dass Malik Bader für Killerman ein Konzept hatte. Es schimmert immer mal wieder hindurch, deutlich tritt es nur in der Präsentation des Film zutage. New York als Großstadt erscheint als Hintergrund zwar austauschbar, doch ist Ken Seng (Deadpool, Terminator: Dark Fate) mit der Handkamera immer nah dran an Figuren und Geschehen. Dies wirkt teilweise schon fast intim, und das Ambiente der Stadt scheint zu manchen Zeitpunkt einfach alles zu verschlingen. Zudem meidet er helles Licht und leuchtende Farben, das verwendete 16mm-Material weist dazu eine extreme Grobkörnigkeit auf, welches dieses Gefühl noch verschärft. Unterstützt wird dies von überlegt eingesetzten Synthesizer-Melodien, die sich schwer über die Szenen legen.

Es erinnert ein bisschen an Pusher (1996), das Debüt des dänischen Regie-Stars Nicolas Winding-Refn (Drive, The Neon Demon). Und die Besetzung von Zlatko Buric, der in allen frühen Filmen Refns eine Rolle spielte, scheint auch ein Beleg dafür zu sein. Überhaupt wirkt der Film ein wenig aus der Zeit gefallen. Die Geschichte könnte genauso gut irgendwann in den 80ern oder 90ern angesiedelt sein, denn das höchste Gefühl an moderner Technik stellen Mobiltelefone dar.

Emory Cohen und Hemsworth sitzen vor einem Schreibtisch in Killerman
Die Pechvögel Emory Cohen und Liam Hemsworth bekommen einen verbalen Einlauf. © Capelight Pictures

Die Figuren im Spiel

Wie schon erwähnt, steht die Geschichte, die erzählt wird, ganz im Dienste der Auflösung. Die Protagonisten sind weniger Charaktere denn Figuren, die Malik Bader dafür in Stellung bringt. Das gelingt auch durchaus punktgenau, nur das Interesse an diesem Ende könnte bei so manchem Zuschauer bis dahin erloschen sein, zumal der Impact aufgrund mangelnder Bindung an den Anti-Helden Moe wohl im jeden Fall weitaus geringer ausfällt als vom Macher erhofft. In der Hauptrolle macht sich Liam Hemsworth (Die Tribute von Panem, Independence Day: Wiederkehr) ganz gut, auch wenn er mit zunehmend schroffer Miene durch den Film geistert. Dabei hat er es hier noch gut getroffen, plagt sich Kollege Emory Cohen (Lords of Chaos) mit einem fast rein funktionellen Charakter herum, der nur zu einem einzigen Moment im Finale ein wenig Tiefe offenbart. Allerdings steht er diesbezüglich nicht alleine da.

Der Auftritt von Diane Guerrero (Orange is the New Black, DC Universe’s Doom Patrol) ist so verdammt kurz und nur dazu da, um den werdenden Vater einen plausiblen Grund für Rachedurst zu geben. Wenn der Abspann läuft, erinnert nur ihr Name im Cast daran, dass sie überhaupt dabei war. Zlatko Buric (Pusher-Trilogie, 2012) dagegen ist, wie immer, eine Bank. Er kann auch aus der kleinsten Rolle eine halbwegs memorable Vorstellung herauskitzeln. Den übrigen Darstellern wird in den weiteren Nebenrollen auch nicht mehr abverlangt, dennoch muss man zugeben, dass hier passabel gecastet wurde. Es bleibt zwar keiner hängen, aber es fällt auch keiner im negativen Sinne auf.

Der verletzte Skunk im Angesicht seines Peiniger in Killerman
Skunk wird ganz schön durch den Fleischwolf gedreht. © Capelight Pictures

Unser Fazit zu Killerman

Es ist schade, dass Regisseur und Autor Malik Bader zwar eine Idee hatte, wo er mit seiner Geschichte hin wollte. Doch wählte er weder einen guten Startpunkt noch gestaltete er den Weg dorthin aufregend genug, um spannend zu unterhalten. Man erfährt zu wenig über Moe, Skunk und Lola, fiebert nicht mit ihnen mit. Nichtsdestotrotz ist ein Konzept dahinter erkennbar, dass lediglich in der Form, nicht im Inhalt, zufriedenstellend umgesetzt wurde. Killerman braucht einfach zu lang, um in Fahrt zu kommen, fährt dazwischen immer wieder wie mit angezogener Handbremse. Ich hätte ihn wirklich gerne als einen erfrischend auf oldschool getrimmten Action-Thriller empfehlen wollen, aber das gibt er einfach nicht her.

Wer trotzdem einen Blick riskieren möchte, macht mit der Veröffentlichung von Capelight nichts falsch. Bild und Ton sind auf gewohnt hohem Niveau, wobei sich High-End-Liebhaber wegen der gewollt groben Körnigkeit vielleicht schon schüttelnd abwenden. Dabei gehört das noch zu den charmanten Seiten des Films.

Killerman erscheint am 13. Dezember 2019 auf DVD und Blu-ray im Handel!

Unsere Wertung:

 

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© Capelight Pictures

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