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    Beef – Staffel 2

    Jan Wernervon Jan Werner16. April 2026Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    Oscar Isaac als Josh Martin, Carey Mulligan als Lindsay Crane-Martin © Netflix
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    Beef kehrt mit neuer Besetzung und neuem Beef zurück: Die erste Staffel, eigentlich als Miniserie gedacht, war so ein Hit, dass Netflix ein Anthologie-Format daraus machte. Hat sich dieser Strategiewechsel nun gelohnt?

    Darum geht’s in Staffel 2

    Ein Gen-Z-Pärchen beobachtet einen Streit zwischen seinem Millennial-Chef und dessen Frau. Ashley Miller (Cailee Spaeny) und Austin Davis (Charles Melton) sind frisch verlobt und arbeiten als Angestellte in einem Country Club. Unerwartet werden sie in den Ehestreit des Geschäftsführers Joshua Martín (Oscar Isaac) und dessen Frau Lindsay Crane-Martín (Carey Mulligan) hineingezogen. Mithilfe von Schmeicheleien und Druck wetteifern beide Paare um die Gunst der milliardenschweren Eigentümerin des Clubs, der Vorsitzenden Park (Youn Yuh-jung), die ihrerseits mit einem Skandal um ihren zweiten Ehemann, Doctor Kim (Song Kang-ho), fertig werden muss.

    Carey Mulligan als Lindsay Crane-Martin und Oscar Isaac als Josh Martin © Netflix

    Zwischen Parasite und White Lotus

    Wie eingangs geschrieben, war Beef ursprünglich nie auf mehr als auf die eine Staffel rund um den eskalierenden Verkehrskonflikt ausgelegt. Doch natürlich lässt sich das Konzept von sich immer weiter hochkochenden Streitsituationen auch auf neue Konstellationen unter dem selben Label übertragen. Nur ist es nun tatsächlich mit dieser zweiten Staffel so, dass diese sich mehr nach einer Mischung aus anderen ähnlich gelagerten sozialkritischen, schwarzhumorigen Geschichten anfühlt wie wirklich eine zweite Staffel der Miniserie mit Steven Yeun und Ali Wong aus dem Jahr 2023.

    Doch obwohl sich Staffel 2 nun schon etwas von der bisherigen Serie absetzt, merkt man weiterhin, dass der gleicher Macher dafür verantwortlich zeichnet, hat sich Lee Sung Jin doch auch schon in der ersten Story spürbar an den erfolgreichen Sozial-Dramedies aus seinem Heimatland Südkorea orientiert und in der Figurenkonstellation essentiell die asiatischen Wurzeln der Figuren eingewoben. Ergo ist es dann doch wieder nicht überraschend, dass sich die neue Story tonal stark an den Oscar-Hit Parasite angelehnt anfühlt. Und das Ganze mischt Lee Sung Jin nun mit einem Setting ab, dass noch wiederum noch an eine zweite sehr erfolgreiche Produktion der letzten Jahre erinnert: Mit dem noch vordergründigeren Arm-Reich-Gefälle vor dem Hintergrund eines Luxus-Clubs wirkt diese zweite Staffel fast wie ein Spin-off zu The White Lotus.

    Dass der Ton dieser beiden exzellenten Vertreter des sozialkritischen Storytellings hier jedoch überaus gut getroffen wird, ist damit alles andere als ein Einfallstor für Kritik, sondern zeugt mehr davon, auf welchem Niveau nun diese acht Folgen wieder einzuordnen sind.

    Und langsam kollidieren die Lebensentwürfe

    Auch in der zweiten Staffel beginnt alles mit einem unglücklichen Zufall, der schnell – wie man etwas klischeehaft sagen könnte – den wahren Charakter aller Beteiligter nach außen kehrt. Die beiden Pärchen werden dabei nicht nur durch diesen sich aufbauschenden Konflikt auf eine harte Probe gestellt, vielmehr wird ihnen mit dem weiteren Verlauf jeweils viel über sich selbst bewusst, sodass man fast meinen darf, dass dieser Zufall vielleicht gar nicht so unglücklich war. Beef – Staffel 2 schafft es dank der fantastisch vielschichtig geschriebenen Charaktere schon binnen der ersten zwei Folgen so viele Verschränkungen glaubhaft zu konstruieren, sodass man wieder nicht anders kann, als sich voll und ganz diesem Schauspiel hinzugeben.

    Charles Melton als Austin Davis und Cailee Spaeny als Ashley Miller © Netflix

    Dabei wird, ohne zu dick aufzutragen, in den beiden Beziehungskonstellationen auch wieder viel zeitgeistige Beobachtung betrieben und Kritik beispielsweise an weiterhin vorherrschenden Geschlechter- und Herkunftsklischees betrieben. Auch hierin steht diese Serie dem Konkurrenzformat The White Lotus in nichts nach – und in Bezug auf die erstklassige Besetzung schon zweimal nicht. Denn diesmal hat man nicht nur eine 1:1-Situation, die immer weitere Kreise zieht, sondern quasi ein 2:2 mit einigen weiteren ebenso relevanten menschlichen Faktoren, wodurch sich die Verhältnisse immer wieder in überraschende – und auch vorhersehbar-logische – Richtungen verschieben.

    Wieder mit einem Zeitsprung

    Ohne zu viel zu verraten, kann man schon sagen, dass man Beef – Staffel 2, je weiter es in Richtung Finale geht, dann doch deutlich als Nachfolge-Staffel identifizieren kann, weil Lee Sung Jin doch einige Kernelemente wieder aufgreift bzw. variiert als Trademarks dieses Formats etabliert. So kommt nachdem sich durch die Ereignisse die Stellungen der Figuren zueinander deutlich verschoben haben, wieder zu einem Zeitsprung wie schon in Staffel 1, nachdem sich die Dinge doch verglichen mit der Ausgangssituation so vehement verändert haben, dass man dies am Anfang nie hätte antizipieren können. Gut begründet und innerhalb der Serienlogik folgerichtig wirkt es dennoch.

    Der Thriller-Anteil ist wieder ziemlich ausgeklügelt und in seiner Konsequenz bitterböse, sodass man trotz der durchaus lustigen Momente hier kaum mal wirklich lachen will. Wenn sich dann allerdings gen Ende offenbart, worauf die zweite Staffel hinauslaufen soll, dann macht es irgendwann bei jedem Klick und vermeintliche Ungereimtheiten ergeben letztlich allesamt ein schlüssiges Gesamtbild. Wie schon in Staffel 1 ist das Ende bestimmt für den ein oder anderen auch nicht die allumfassende, erhoffte Katharsis, aber für mich hat hier die Schlusspointe sogar besser gesessen als in der vorherigen Geschichte.

    Youn Yuh-jung als die Milliardärin Park © Netflix

    Oscar Isaac und Oscar-Preisträgerin

    Beef – Staffel 2 hat im Cast nochmal deutlich aufgerüstet: Das jüngere Paar aus Charles Melton (May December) und Cailee Spaeny (Alien: Romulus) ist schon mal fantastisch in seiner Dynamik, wobei beiden Jungdarstellenden hier jeweils fast die besten Situation gelingen, wenn sie eben nicht miteinander vor der Kamera sind. Andersherum ist es bei der Paarung Oscar Isaac/Carey Mulligan, die vor allem im Duo einige bemerkenswerte Szenen liefern, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben werden.

    Und dann sind da noch die drei koreanischen A-Lister im Cast, wobei Song Kang-ho wieder eine leicht trottelige Figur spielt, die schon ziemlich nah an seiner Parasite-Rolle – und vielen anderen seiner Rollen – dran ist. Überraschender hingegen – ohne zu viel zu verraten – ist diesmal die Rolle von Youn Yuh-jung, die sogar als Oscar-Preisträgerin für ihre Großmutterrolle in Minari auf dem Papier der höchstdotierte Star ist. Sie ist einmal mehr eine absolute Sensation vor der Kamera, weiß, wie schon in Pachinko, mit ihrem nuancierten Spiel emotional fast im Minutentakt Wirktreffer zu erzielen. Etwas unerwartet kommt dann vielleicht noch die starke Leistung von Seoyeon Jang hinzu, die sich hier zu einem Highlight entwickelt und die damit ein weiteres ostasiatisches Exportphänomen in Hollywood werden könnte.

    Letztlich darf natürlich auch nicht unerwähnt bleiben, dass man auch in der zweiten Staffel der Anthologie wieder einige starke Musikmomente kreieren konnte, die in ihrer ganzen audiovisuellen Brillanz ebenfalls noch zum rundum gelungenen Gesamtbild beitragen.

    © Netflix

    Unser Fazit zu Beef - Staffel 2

    4.5 Fast perfekt

    Die Skepsis schwingt immer mit, wenn man "nur" wegen großem Publikumszuspruch einer Miniserie doch weitere Folgen nachschießt. Doch im Falle von Beef - Staffel 2 sind alle Zweifel unbegründet: Der Cast ist sensationell drauf, die Story balanciert famos zwischen ihren kritischen und tragischen Sphären und bei alledem kommen auch Emotionen und Spannung nicht zu kurz. Es darf schon jetzt Vorfreude herrschen, sollte man die Anthologie nochmal weiterführen.

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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